13. Unter Buddhas Schutz

Nach dem Aufwachen bleibe ich noch etwas eingemummelt in meinem Bett, schlürfe meinen Espresso und schaue dem langsam lichter werdenden Nebel draußen zu. Schließlich wage ich mich, mit nur zwei Kleidungsschichten, in den neuen Tag. Ich schnappe mir noch eine herrlich aromatische Banane aus dem hauseigenen Garten, die immer für die Gäste daliegen, und mache mich strammen Schritts auf ins Dorf.

Ich genieße den Blick am Wegesrand. Aber einen Ort zum Frühstück finde ich ierstman trotz einiger Restaurants oder Cafés auf dem Weg nicht, denn sie sind erstens leer und zweitens ist die Hälfte davon so clean organic healthy, dass ich opportunistische Lust auf irgendwas Bodenständiges habe, ohne Weizengras und Pu-Err-Tee. Zwei perfekt gestylte amerikanische Läuferinnen eilen gazellengleich an mir vorbei, lange davor und danach hallt mir ihr ununterbrochnes, schrilles “ Oh, sooo great!“ im Ohr. Bei allem Respekt, Ladies, da ist mir das Muhen der Kühe auf der Wiese vor der Brücke doch lieber. Passt irgendwie besser in die Landschaft.

Am Berghang über mir thront majestätisch der Weiße Buddha, eine der Sehenswürdigkeiten hier und ein wichtiger Ort für die Buddhisten unter den Einwohnern. Weise scheint er da oben zu meditieren und im Blick zu behalten, was wir kleinen Menschlein hier unten so treiben.

Schließlich bin ich im Dorf angekommen und schlendere ein bisschen kreuz und quer. Der bis vor wenigen Jahren kleine Ort, übrigens die älteste Ansiedlung hier, ist offensichtlich ganz schön in die Breite gewachsen. Zwar ist alles noch überschaubar und nicht allzu hektisch, aber irgendwie bedaure ich, nicht vor dem großen Boom der Partyfreunde und Wanderesotheriker hier gewesen zu sein. Ich besichtige noch den größten Tempel samt Pagode, zumindest von außen, denn leider ist er geschlossen.

So langsam bin ich ziemlich hungrig und suche nun ernsthaft nach einem Frühstück. Ich entscheide mich für ein winziges Café,  das mit poschierten Eiern auf Avocado mit echtem Baguette wirbt. Ich frühstücke gemütlich und grummele immer noch etwas in mich hinein wegen der verpassten Möglichkeit auf eine gute Trekkingtour. Was mache ich nun an meinem letzten Tag in Pai….

In meinem Hinterkopf formt sich eine Idee. Ich stelle fest, dass ich nun irgendwie doch anfange, das Rollerfahren mit dem Unfall zu verbinden, auch wenn das so ja gar nicht stimmt. Und eigentlich habe ich keine Lust, eine neue Angst, die mir dann irgendwann in der Zukunft im Wege steht.

Die nette Berlinerin gestern hat mir von einem eigenwilligen Typen hier erzählt, der zwar, wie viele hier, vom Rollervermieten lebt, der da aber offensichtlich eine Mission damit verbindet. Nicht nur weißt er seine Kunden ungewöhnlich gründlich ein, sondern er glaubt auch nicht, dass sie sicher fahrfähig sind, bevor er sich nicht ausgiebig davon überzeugt hat.

Klingt nach meinem Mann. Also Schultern gestrafft und den Laden gesucht. Der Typ guckt mich an und sagt doch glatt: In Ihrem Alter sollte man nicht mehr Roller fahren lernen, die Reflexe könnten zu langsam sein…. Wer mich kennt, kennt auch den süss verpackten Killerbienenblick, mit dem ich denn Mann nun bedenke. Jetzt hat er meinen Kampfgeist gedopt!

Ich erkläre ihm, dass ich bereits Roller fahren kann, und auch nur einen mit wenig PS möchte. Mein lädiertes Auge ist unter meiner großen Sonnenbrille nicht zu sehen, muss also nicht erklärt werden. Daraufhin ist er einverstanden, aber wie alle muss ich probefahren, die Seitenstraße vor dem Laden immer auf uns ab. Da kurven schon einige andere rum. Er schaut immer mal zu und horcht auf die Motorgeräusche. Ein echter Sicherheitsfreak. Aber gut so! Hier fahren genug Verrückte durch die Gegend.

Der Mann lässt mich fast eine halbee Stunde kreisen, dann darf ich los. Die letzte Warnung gilt den Touristen aus dem Nachbarland: Ich soll mich vor den Chinesen auf Scootern in Achtr nehmen, die sind gefährlich….Er malt mir eine schöne Route auf, die keine unbefestigten Straßen einschließt, weil ich das nicht möchte. Berge und Kurven finde ich herausfordernd genug! Also macht sich Moto-Granny auf. Hier muss man schon ganz shön aufpassen, weil hier wesentlich mehr Verkehr herrscht als auf meinem Inselchen, inklusive großer LKW.

Zuerst fahre ich noch etwas angespannt, langsam sowieso, aber dann werde ich langsam wieder etwas lockerer. Ich komme an der Memorial Bridge vorbei, die die Japaner im 2. Weltkrieg hier für ihre Truppentransporte über den Fluss gebaut haben und an einem knallbunten Disneylandverdächtigen Etwas am Straßenrand. Ich schaue auf die Karte und erfahre, dass dies ein chinesisches Dorf mit dem Namen Santichon ist, das allerdings in der Tat etwas zu sehr für die Augen der Besucher gepimpt worden ist. Ich halte kurz an und schau ein bisschen, weil alles so schön bunt und glitzernd ist, besonders gefällt mir die Drachenbrücke. Trotzdem habe ich keine große Lust, lange zu verweilen. Als ich nach einer dreiviertel Stunde endlich von der großen Straße abbiegen kann, bin ich endgültig entspannt genug, um die Landschaft und die tollen Aussichten zu genießen.

Ich mache eine Pause bei einem Elefantencamp und schäkere ein bisschen mit dem Dickhäutern. Danach gibt es Eiskaffee in einem der teuersten Ressors ganz oben auf dem Berg, fernab des Pöbels. Am schönsten ist aber die Aussicht von einem ausgedehnten Hochplateau, das mit gelbblühenden Feldern bedeckt ist. Von hier schaut man auf der einen Seite auf einen rötlich bewaldeten hohen Bergzug und auf der anderen Seite auf ein schier endloses Panorama entfernter Bergketten bis zum Horizont. Jetzt glaube ich, dass das hier in die Ausläufer des Himalaya übergeht, wie ich es gelesen habe. So schön!

Zufrieden tuckere ich nach zweieinhalb Stunden wieder nach Pai und liefere die alte Mühle ab, die mir der misstrauische Mann zugeordnet hat. Er freut sich jetzt und ich mich auch! Trauma gebannt und Schönes erlebt.

Über meinen Abend zu schreiben ist müssig, es wäre nur wieder eine erweiterte Speisekarte….Mit einem Bier im Rucksack lasse ich mich von meinem schon bewährten Motorradtaxi von gestern nach Hause fahren und genieße meine letzte Nacht hier mit Blick auf die silberne Mondsichel über den Bergen.

12. Entdeckerfieber

Die Zeit läuft, nur keine unnötigen Pausen… Der Morgennebel ist noch nicht mal von der Sonne vertrieben worden, als ich schon mit Rucksack und allem, was ich übereinanderziehen kann, am Eingang stehe und darauf warte, abgeholt zu werden zur Exkursion. Als der offene Pickup ankommt, muss ich mir ein Foto verkneifen: alle 6 anderen Teilnehmer, die bereits auf den Bänkchen hocken, sind mit demselben „Zieh- einfach-alles-an-und-schau- nicht-hin“-Stil angezogen. Es ist sooo kalt!

Die Feuchtigkeit macht alles noch schlimmer, aber die Sonne kämpft sich durch den dichten Nebel, als wir losfahren. Mittags ist es dann heiss. Erstes Ziel sind die 55 Kilometer entfernten Höhlen Tam Nam Lot. Schon wieder Kurven! Und diesmal seitlich zur Fahrtrichtung sitzend, ohne nach vorn schauen zu können. Wir vertreiben uns die Zeit damit, uns bekannt zu machen: England, California, Israel, France, zweimal Berlin. Gute Mischung.

Der Blick nach hinten, der einzige, den wir haben, ist wieder genauso schön, wie gestern, Berge, Berge, Berge und wilder Urwald. Endlich rumpeln wir über den letzten Wegabschnitt zu den Höhlen. Ich bin erschrocken, wie viele Autos hier schon stehen, und fürchte, vor lauter Leuten die Höhle nicht zu sehen. Dann geht es los, begleitet und bewacht von unseren mit Petroleumlampen ausgestatteten Führern.

Unglaublich! Diese Höhlen sind riesig! Drei verschiedene große Felshallen, die durch verschlungene Gänge miteinander verbunden sind. Mittendurch fließt ein Fluss. Die Menschen sind darin wie Ameisen und das Gewimmel stört überhaupt nicht. Man muss sehr aufpassen, wo man hintritt, denn der Untergrund ist gefährlich und bietet hundert Gelegenheiten zu stürzen. Halsbrecherisch steile Treppen verbinden die verschiedenen Höhlen, teilweise muss man über schwankende Bambusstege, die auf Sandsäcken liegen, balancieren. Der deutsche TÜV hätte den Laden längst geschlossen.

Gut, dass der hier nichts zu sagen hat, es wäre zu schade, wenn man hier nicht durchstreifen könnte. Manche Räume sind klein und eng, dann wieder tun sich Kathedralengroße Hallen auf, in denen Stalagniten und Stalagtiten in jeder Größe zu bewundern sind, glitzernde Mineralablagerungen, die wie Wasserfälle aussehen. Dazwischen bizarre Felsskulpturen. Eine sieht aus wie ein Krokodil, daneben hockt eine steinerne Schildkröte.

Man muss dicht bei den Führern bleiben, denn es ist wirklich stockdunkel. Aber der Geruch des verbrannten Petroleums ist ziemlich intensiv und etwas übelkeiterzeugend. Nach einer Weile steigen wir am Fluss auf lange, schmale Bambusflöße, je vier Personen und die beiden Führer, die das Floß fahren. Es ist ein toller Anblick, all die Boote auf dem dunklen Fluss mit den schwankenden Lichtpunkten der Laternen still durch die Höhlen fahren zu sehen. Ein bisschen wie im Märchen.

Im Wasser tummeln sich große, graue Fische und oben kreischen hunderte von Fledermäusen. Wir fahren bis zu einem Ausgang der Höhle, der sich plötzlich strahlend im Sonnenschein präsentiert. Aber noch ist die Tour nicht zu Ende, von hier aus geht es weiter in einen anderen Teil der ca 600 Meter langen Höhle. Hier wurden Artefakte gefunden. Holzsarkophage, die mindestens 800 bis 1000 Jahre alt sind und hier einfach so herumliegen, ungesichert, ungeschützt. Und ein paar 2-3000 Jahre alte Höhlenmalereien gibt es hier auch.

Die lange Fahrt hat sich gelohnt, es ist wirklich beeindruckend. Wieder an der Oberfläche, werden wir mit Mittagessen Thai-Style in einem offenen, sehr rustikalen Lokal unter Bäumen versorgt. Und schon geht es weiter, wir haben noch einiges vor bis Sonnenuntergang.

Nächstes Ziel: Der Wasserfall Mor Paeng. Der wahre Preis für diese Entdeckungen sind nicht die 12 Euro, die der Ganztagesausflug mit Essen und Nationalparksgebühren alles ein allem kostet, sondern die langen Schaukelfahrten von Ort zu Ort. Aber ich hätte auch keine Lust, das alles selbst abzufahren auf den durchaus sehr befahrenen aanstrengenden Bergstraßen.

Der Wasserfall ist einer der eher sanften Art, der sich über einen breiten, abgeflachten Felsen in ein Bassin ergießt. Schön anzusehen, aber nichts so besonderes. Immerhin eine erfrischende Pause.

Weiter geht es zu den Hotsprings. Genau genommen, einer davon, um Pai gibt es nämlich mehrere Thermalquellen. Und einige verlangen 300 Baht Eintritt. Nicht so diese. Bei Sai Ngam fließt das aus dem Boden kommende warme Quelwassee in einen Fluss, der sich zu einem breiten naturbelassenen Badebecken unter Bäumen verbreitert. Besonders heiß ist das Wasser hier allerdings nicht, eher angenehm warm. An anderer Stelle sollen sie bis zum 80 Grand heiss aus dem Boden kommen.

Badepause, entspannen. Ich habe mir extra ein riesiges wasserfestes Pflaster für meinen Arm besorgt, das Baden lasse ich mir hier nicht entgehen. Inzwischen bin ich übrigens eher bunt als blau im Gesicht, und in meinem linken Auge ist sogar wieder eine normale Iris vor inzwischen blassrotem Hintergrund auszumachen. Alles wird gut.

Letztes Ziel für heute: der berühmte Pai Canyon. Wir sind rechtzeitig vor Sonnenuntergang da und können in Ruhe vorher noch ein bisschen herumlaufen und staunen. Es ist unglaublich schön: gelber Lehmboden, tiefe Abbrüche, auch auf dem Weg schlängeln sich tiefe Spalten auf dem Hochplateau, bizzare Felsformationen und rötlich schimmernde steile Felswände. Einfach wunderschön!

Allerdings bleibt mir ein großer Teil der Pfade auf dem Kamm verschlossen, denn dahin gelangt man nur über aberwitzig schmale, glatte und völlig ungesicherte Pfade – rechts und links der Abgrund. Und so bleibe ich, leise weinend, mit meiner Höhenangst und all denen, die dasselbe Problem haben, auf dem uns zugänglichen Teil zurück. Ich kann nicht glauben, dass hier noch keiner abgestürzt sein soll. Es sieht unglaublich gefährlich aus!

Trotzdem, ich genieße diesen großartigen Ausblick und das strahlend orange Licht des Sonnenuntergangs! Einziger Minuspunkt: viel zu viel Leute! Es ist die Sensation hier und viele kommen mit dem Roller aus Pai für diesen Augenblick.

Neun spannende Stunden sind vorbei und ich lasse mich im Ort absetzen, um wieder auf der Walking Street zu schlemmen. Diesmal entdecke ich leckere süße, gegrillte schwarze Klebreisfladen mit Sesam gefüllt, zubereitet von zwei bis auf die Augenschlitze tief verschleierten Frauen. Es gibt hier einige Muslime, viele sind irgendwann aus Burma hierher geflüchtet. Aber hier geht das Nebeneinander von Muslimen, Buddisten und Hindus ganz gut, wenngleich man auch lieber unter sich bleibt.

Zwischen meinen einzelnen Gängen suche ich verzweifelt Veranstalter von Trekkingtouren. Denn das wünsche ich mir für Tag Zwei. Endlich finde ich zwei und die telefonieren sogar noch herum, aber das Problem ist, dass es für den nächsten Tag nur meine Anmeldung gibt und mit einer Person machen sie das nicht. Und dabei wäre es eine so schöne 6-Stunden-Tour. Zu drei Dörfern der hier lebenden Minderheiten, den Lisu, den Lahu und den Karen. Und zum Schluss noch einen Wasserfall zum Baden.

Ich weine fast vor Enttäuschung, aber das hilft nichts. Immerhin tue ich dem Veranstalter, selbst ein Karen, leid genug, dass er mich für 50 Baht mit dem Roller durch die Nacht nach Hause fährt. Noch ein Kummerbier auf meiner nächtlichen Terrasse und dann schön warm einrollen….9

11. Auf in die Berge

Mein nächtliches Stopover in Chiang Mai war nicht die Freude, die ich bei der Fahrt vom Flughafen in die Altstadt empfunden habe, als ich meine Lieblingsstadt in Thailand  wiedergesehen habe. Hätte ich lieber in meinen Lonely Planet geschaut, der mich in Übernachtungsfragen meist gut beraten hat, als booking.com zu vertrauen. Das Hotel Top North Guesthouse in der Altstadt entpuppt sich als wahrer Fehlschlag.

Das Zimmer ist nicht nur schlicht und alt, sondern mit Sperrmüll möbliert, ranzig, schmutzig und überhaupt….Lediglich die Laken sind wenigstens sauber. Ich bin wirklich frustriert. Ich brauche keinen Luxus, aber das geht gar nicht. Aber es ist Mitternacht, das Zimmer ist bezahlt, was soll ich machen. Eine Nacht wirdś gehen. Denke ich.

Falsch gedacht. An der Rückfront des Hotels ist ein großer Parkplatz auf einer Brache und da feiert offenbar die illegale Partyszene eine spontane Sause. Mit Autos, lauter Musik und viel Alkohol. Der Lärm ist ohrenbetäubend, die Fenster von meinem Zimmer sind kaputt und lassen sich nicht schließen. Neben und über mir kommen noch Geräusche dazu, die man lieber nicht hören möchte. Immerhin schaffe ich ein Nickerchen von fünf bis halb sieben….

Einerseits denke ich nach dem Aufwachen gerädert: Bloß weg hier, andererseits muss ich erstmal meine schlechte Laune loswerden. Also mache ich einen ausgedehnten morgendlichen Spaziergang  durch die angrenzenden Straßen und Gassen, frühstücke in Ruhe und fühle mich gleich besser.

Ich versuche, an einer Rezeption ein Busticket nach Pai zu kaufen. Pai? Da ist gerade Hauptsaison, da fahren stündlich zwar mehrere Busse ab, aber bis zum Nachmittag ist nichts mehr zu machen, alles ausgebucht, sagt man der freundlichen Dame per Telefon am Busbahnhof. Sie rät mir, ich solle schnell für einen noch freien Nachmittagsbus buchen. Aber ich bin bockig. In Thailand, habe ich gelernt, ist eine Antwort nicht unbedingt eine Antwort.

Gegen alle Ratschläge hole ich mein Gepäck und suche mir ein Sammeltaxi zu einem vernünftigen Preis. Ich will es am Busbahnhof selbst hören, dass nichts geht! Und siehe da, eine halbe Stunde später habe ich einen Platz in einem der Minibusse, die als kleines Geschwader stündlich gen Pai schwirren.

Drei Stunden etwa soll die Fahrt dauern. Nach über einer halben Stunde sind wir immer noch in Chiang Mai, obwohl ich dachte, dass der Busbahnhof bereits am Stadtrand läge. Die Stadt ist viel größer, als ich dachte. Schöne Mittelklasse-Wohnviertel mit gemütlichen, baumbestandenen Straßen wechseln sich mit ärmlichen Hüttenvierteln und Gewerbegebieten ab. Dann plötzlich fahren wir an einem Gebiet vorbei, wo viele Schulen ihren Campus haben – so ein reines Schulviertel habe ich noch nie gesehen. Quasi auch eine Galerie für den Regenten, denn jede Schule hat natürlich ein eigenes, riesiges Königsbild mit dem goldgewandeten neuen König.

Dann endlich lassen wir die Stadt hinter uns. Die Straßen steigen an und winden sich in die Berge. Es ist wirklich schön  aus dem Fenster zu schauen – und empfehlenswert, denn es geht um sehr viele Kurven… Nach knapp zwei Stunden durch dichten Wald, vorbei an einigen an einigen Felder am Hang, wo vor allem Gemüse und Erdbeeren mitten im Urwald bestens gedeihen, macht unser Tross eine Pause an einer Raststätte.

Die leckersten Sachen lachen einen hier an, von kompletten Gerichten, über Gegrilltes von Schwein bis Banane, geschnittenenes oder getrocknetes Obst, Nüsse, Snacks – und es gibt sogar guten Kaffee. Irgendwie kann keiner widerstehen, ich sehe alle glücklich kauen. Ich probiere einen Hefekloß mit schwarzer Sesampaste gefüllt und zwei Grillfleischspieße. Zum Glück nicht mehr.

Denn jetzt geht der Spaß erst richtig los. Hatte ich eben noch gedacht, dass dies eine extrem kurvenreiche Strecke sei, dann lerne ich jetzt, dass es für alles eine Steigerung gibt. Eine einspurige Straße windet sich von steil bis sehr steil ins Gebirge und es gibt nicht mehr nur viele Kurven, sondern eine Kurve geht in die nächste über, viele in einem Winkel von bis zu 350 Grad, gerade Abschnitte gibt es nicht für fünfzig Meter. Das ist wie Kosmonautentraining! Die munteren jungen Engländer hinten haben sich ordentlich den Bauch vollgeschlagen und leiden jetzt still, konzentriert und leicht grün. Der Bus vor uns bremst plötzlich und gleich zwei Passagiere stürzen an die Böschung und übergeben sich. Zum Glück sitze ich ganz vorn, da lässt sich die Karrusselfahrt besser ertragen.

Die Fahrt, die übrigens auf den 150 Kilometern über 1000 Kurven haben soll, ist zwar ein echtes Härtetraining, aber dafür belohnt sie die Starken unter uns mit wirklich atemberaubenden Bergpanoramen, die weit, sanft und gewaltig zugleich sind! Wunderschön! Immer wieder blickt man durch die vorbeirauschenden hohen Bäume, die sich mit Bananenstauden den Platz im Urwald teilen, auf neue sonnenbeschienene Bergzüge.

Pai gehört zur Provinz Mae Hong Son und liegt im Nationalpark Huai Nam Dang an der burmesischen Grenze. Wir müssen eine fest installierte Militärkontrolle über uns ergehen lassen, wo zwar keine Pässe kontrolliert werden, wohl aber ein Soldat streng jeden Einzelnen mustert. Keine Ahnung, was das soll.

Nach gefühlten sieben Stunden Kettenkarussell sind wir endlich da.  Ich bin geschafft und nehme erstmal gar nicht allzuviel war, als eine lange, geschäftige Straße mit niedrigen Häusern und unendlich vielen Geschäften und Restaurants. Am winzigen Busbahnhof ist Gewusel und ich schnappe mir nach kurzen Verhandlungen ein Taxi – ich will nur noch ankommen. Hoffentlich nicht wieder ein Reinfall…

Aber diesmal habe ich es gut getroffen. Mein Guesthouse Pai Propeang liegt zwar ca 2 km außerhalb, ist aber dafür sehr schön ruhig mit viel Natur drumherum. Grün, Bäume, blühende Büsche, leuchtend pinkfarbene Bougainvillea, ein  überdachtes hölzernes Sonnendeck am Flüsschen und kuschelige Holzbungalows, jeder mit einer kleinen Terrasse. Und eine sehr nette Besitzerin. Und durch Bäume, an Bnanenstauden vorbei – geht der Blick wieder auf das grandiose Panorama. Ein Platz zum Wohlfühlen. Ich bin jetzt schon sicher, es war eine gute Entscheidung hier herzukommen. Aber das werde ich natürlich nach einem Päuschen noch genauer untersuchen.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang mache ich mich auf den Weg Eine Landstraße mit einigen angelagerten Guesthouses und Restaurants, aber noch viel Natur dazwischen führt nach Pai. Sogar Kühe stehen hier noch auf einem Feld. Eine Brücke über den Fluß, nachdem Pai benannt ist, bildet die Stadtgrenze. Je näher man ihr kommt, desto größer die Hotel- und Backpacker-Hostel-Dichte.

Pai ist flach. Nicht weil der Ort selbst hier oben auf dem Bergrücken auch flach ist, sondern von Eindruck her: ein Haus mit zwei Stockwerken ist hoch. Der Tourismus hat das wohl ehemals verschlafene Bergdorf überrollt. Der Lonely Planet, der bezüglich Koh Kood etwas sparsam informiert hat, hat Pai dafür umso genauer getroffen: Ein Partybeach ohne Meer. Hier drängeln sich alte und junge Hippies, Partypeople, Yoga- und Weizengras-Anhänger aus aller Welt und: Thaituristen. Pai soll einer der liebsten Ferienorte der Thais sein. Und das merkt man auch.

Mitten durch den Ort führt die Walking Street. Theoretisch eine Art Marktstraße für Fußgänger, was aber nicht bedeutet, das sich nicht trotzdem immer wieder Autos und Roller durch die Fußgänger drängeln. Seltsamerweise passiert aber nichts dabei.

Am Tage relativ ruhig, erwacht die Straße am späten Nachmittag zu Leben, unzählige Stände werden aufgebaut, Grills angezündet – selbst in den Eingängen vor Klamottenläden, der Rauch zieht dann so richtig schön in die Kleiderständer. Und dann wird gekocht, gebrutzelt, geschnippelt, und was sonst noch alles getan werden kann, um jede erdenkliche Art von Essen und Getränken herzustellen. Es ist sowas von….animierend. Eine solche frische, oft raffiniert präsentierte Vielfalt von Leckereien, dass ich – ich nehmś vorweg – mich jeden Abend überfressen habe.

Diese Straße erinnert mich – auf eine gehobene Weise – an die Bourbonstreet in New Orleans. Jede Menge Bars und Restaurants mit live-Musik (die nicht immer nur schön ist!) werben um feierwütiges Publikum, die meisten Menschen ziehen aufgedreht und auf der Suche nach Abenteuer durch die Straßen. Wie gesagt, dies hier ist nicht Amerika, aber es hat ein bisschen was davon. Während ich aber die Bourbonstreet immer gemieden habe, macht die Walking Street noch Spaß, auch wenn es am Abend wirklich etwas zu voll ist. Aber das, was angeboten wird, kann man wirklich als „The Art of Streetfood“ beschreiben.

Vollgestopft mache ich mich auf den nächtlichen Weg in mein Domizil, inzwischen ist die Temperatur merklich gefallen, ich ziehe sogar eine Strickjacke über, die ich hier erst einmal in der kalten Inselnacht gebraucht habe. Über Nacht stürzen die Grade dann sogar noch auf mickrige zehn Grad ab, und das mit dichtem Nebel. Das ist aber hier ganz typisch. Alle haben dicke Jacken dabei, die Einheimischen tragen sogar Pudelmützen.

Ich verkrieche mich in meine Extradecke eingerollt unter das doppelt gefaltete Deckbett und finde es immer noch frisch. Und das in Thailand ! Aber ich will nicht meckern…ich wundere mich nur.

10. So long, Koh Kood!

In der vorletzten Nacht ist es etwas stürmisch, das Meer rauscht so laut, dass ich das Gefühl habe, mein Bambushüttchen wird gleich aufś Meer hinausgetragen.  Die Nachttemperatur ist abgestürzt und ich muss mir eine zweite Decke organisieren, schließlich schlafe ich quasi draußen. Am Morgen hat es das ca 80 Meter lange Pier des Hotels zerlegt, die Planken schwimmen in der gesamten Bucht verteilt.

Aber die frische Brise im Bett hat meine in hellblauer Tropen-Meeres-Seeligkeit eingelullten Gedanken wieder aufgeweckt und mir ist klar geworden, dass ich mich entscheiden muss, was ich noch machen möchte, da meine Zeit nun schneller abläuft als gedacht, zieht man die ungeplanten Reha-Gammeltage ab. Mir ist schmerzlich klar, dass Tauchen für diesen Urlaub nicht mehr im Bereich des Möglichen ist, momentan nicht mal richtig baden, da mein aufgeschrappter Arm noch nicht wasserfest ist. Also vergesse ich den Plan, gen Süden zu fahren.

Plan B: Ab in die Berge! Ich will zunächst über Bangkok nach Chiang Mai. Aber mein geliebter Nachtzug ab Bangkok (in Muss in Thailand, wie in Blog Thailand 2015 nachzulesen) ist leider restlos ausverkauft…Also Billigflieger, die sind hier wirklich billig, aber gut. Ich buche einen der wenigen freien Plätze, doch als ich bezahlen soll, stürzt mein Handy ab und geht nicht mehr an. Nichts mit TAN, nichts mit Kreditkarte.

Na  toll, dann ist ja wohl der Flug auch noch weg…. Aber nein, wir sind nicht in Europa, sondern in Asien! Keine zehn Minuten später schreibt mir Bangkok Airways, es habe wohl ein Problem mit meiner Bezahlung gegeben, aber man halte mir den Flug noch 24 Stunden frei, ich muss nur bis dahin per Telefonhotline bezahlen. Das ist doch mal Service!

An meinem letzten faulen Tag am Meer sehe ich plötzlich das Boot der Paradise Divers, die einfach ohne mich tauchen und finde es noch besser, dass ich jetzt endlich meinen unversehrten Hintern aus der Hängematte und von der Insel schiebe.

Meinen  Abschiedsabend möchte ich da verbringen, wo ich mich „zu Hause“ gefühlt habe, im Eveˋs. Per Anhalter schaffe ich das auch und alle, die mich noch kennen, freuen sich über das blaukarierte Hausmonster. Ich schlage mir den Bauch mit dem besten grünen Curry der Insel und gegrilltem Kürbis voll und habe einen richtig schönen Abend.

Als der Andrang vorbei ist und Am nicht mehr am Grill steht, bringt er mich sogar noch nach Hause. Ich sitze noch ein Weilchen am nächtlichen Meer und verabschiede mich von der Insel, die mir wirklich lieb geworden ist, trotz oder obwohl hier soviel  Gutes und nicht so Gutes passiert ist. Ein scheues Äffchen hüpft in der Palme über mir herum. Ein schöner Abschied!

Meine komplette Reise nach Bangkok hat innerhalb von drei Minuten meine Rezeption organisiert: Sammeltaxi, Boot, Zubringer, Bus. 21 Euro. Ich liebe diese perfekte und unbürokratische Organisation! Das Sammeltaxi ist ein Deja Vu rückwärts, der Weg über die Insel zum Hafen ist derselbe und doch diesmal ein ganz anderer, denn jetzt kenne ich das alles und habe es ins Herz geschlossen.

Am Hafen dann noch eine Demonstration effektiver und perfekter Organisation ohne Aufwand: Anstellen, zwei Frauen fragen jedem nach seinem Endziel und teilen entsprechende kleine Aufkleber für Mensch und Gepäck aus : nach Bangkok, Pattaya oder Trat. In dem Moment ist alles weitere geregelt: welcher Zubringer lädt wen am Pier von Laem Sok auf dem Festland ein, um ihn zum richtigen Bus an der ein paar Kilometer entfernten Haltestelle zu bringen.

Zwei Stunden später sitze ich im Doppelstockbus nach Bangkok – diesmal mit goldenen Raffgardinen und orange-blauem Innendekor. Nun fliegt die Landschaft, die ich auf dem Weg zur Insel nur nächtlich erahnen konnte, noch mal bei hellem Tageslicht an mir vorüber. Weite Ebenen, ein paar Berge am Horizont, viel Grün. Plantagen aller Art von Zuckerrohr bis Mango, Avocado und allem möglichen anderen Obst. An der Straße viele Gewerbegebäude, Fabriken, Werkstätten, Läden und ein paar Dörfer und Kleinstädte. Aber die meisten Gebäude sehen, zumindest hier an der Straße, ziemlich heruntergekommen aus mit blätterndem Putz und schwarzem Schimmel.

Kurz vor Bangkok dann einige Vorstädte mit den in aller Welt beliebten Neubausiedlungen aus dem Legoland mit sinnigen Namen aus Marketingehirnen.  Eine heißt sogar NIRWANA…. Etwas irritierend. Welcher frischgebackene Mittelständler möchte schon im Jenseits WOHNEN?

Der Stau sagt ALLES: Welcome to Bangkok ! Der Bus hat verschiedene Halts und die smarten Mitarbeiterinnen an Busbahnhof haben jeden Passagier beim Einstieg nach seiner Endadresse gefragt und sogleich mitgeteilt, welcher Halt dem am nächsten liegt. Service.

Ich steige am Skytrain-Bahnhof Lat Krabang aus, da sind es nur noch sieben Minuten bis ins Untergeschoss des Flughafens. Gepäck einchecken, fast vier Stunden bis zum Abflug. Zurück zum Sky Train, denn ich brauche eine Apotheke und will zu Abend essen, denn ich komme erst gegen Mitternacht in Chang Mai an.

Der Sky Train ist eine tolle Einrichtung, nicht nur weil er mich vor einem erneuten Taxifahrer-Stress bewahrt, sondern überhaupt. Auf hohen Betonstelzen schwingt er sich über den Dächern durch die Stadt. Die Stationen sind etwas länger, denn der Sky Train ist eher ein übergeordnetes Verkehrsmittel, dass zum Überwinden etwas längerer Strecken gedacht ist. Eine Fahrt kostet 40 Baht, einen Euro. Scharzfahrer gibt es nicht, alles funktioniert über einen Chip, der erst die Schranke öffnet und am Ende wiedereingeworfen werden muss. Dazu steht an jedem Bahnhof ein Schrankenwärter und ein Security Mann, denn man muss durch einen Metalldetektor. Geht aber sehr schnell und locker. Wirklich clever und kundenfreundlich ist die Idee, wegen der komplizierten Namen und sicher auch wegen der Touristen, alle Stationen einer Linie zu nummerieren, z.B. A1 BIS A8.

Das Einsteigen ist sehr …asiatisch. Pfeile zeigen an, wo die Türen und die jeweiligen ordentlichen Schlangen stehen müssen, ein Uniformierter an der Bahnsteigkante gibt ein Pfeif- und Handzeichen, wann man einsteigen darf. Nicht eher!

Der ganz normale Wahnsinn von Bangkok ist ein Schock, wenn man von so einem friedlichen, grünen Insel welchem kommt wie ich. Smok, Hitze, Lärm, ein Wahnsinnsverkehr und hektisch herumrennende Menschen. Und dazwischen fallen viele richtig unangenehme laute Touristen auf, die sich laut brüllend über diese Asiaten und so… unterhalten und dabei noch ein Bier in der Hand halten.

Aber nicht alles ist an Bangkok so schrecklich. Denn ich bin zwar in einem sehr geschäftigen, aber nicht besonders schönen Viertel an der Ratchaprarop  (A7) ausgestiegen, es gibt bessere Ecken.  Es war nur das für meine Zwecke geeignete und schnellstmöglich zu erreichende Viertel. Ich staune kurz über den tobenden Wahnsinn, tue dann, was getan werden muss, und schon bin ich wieder auf dem Weg zum Flieger. Chiang Mai  wartet!

 

 

 

 

 

 

9. Lazy days on ice

Wenn man bedenkt, dass man mich hier vor den herabfallenden Kokosnüssen auf der Straße gewarnt hat, lebe ich so kurz nach dem Unfall schon wieder ganz schön gefährlich: Ich liege den halben Tag in einer Hängematte, die ich zwischen zweien der Dutzenden riesigen Kokospalmen des Hotel-Strandgeländes aufgehängt habe. Es hat etwas Philosophisches, so dazuliegen, aus dem einen Auge, das nur halb zugeschwollen ist, auf die Kokosnüsse zu starren und zu überlegen, wie groß die Chance ist, dass eine davon jetzt auf meinen Kopf fällt.

Das Meer neben mir ist so unnatürlich hellblau und klar, dass ich aus der Ferne sogar noch Steine auf seinem Grund erkennen kann. Es ist so paradiesisch hier, dass es mir manchmal gar nicht mehr real erscheint. Aber es gibt auch Gründe, die mich mit dem Umstand versöhnen, dass ich wegen des ewigen Eisbeutels auf dem Gesicht oft nichts von dem um mich herum sehe. Zum Beipiel, wenn die hässlichen Sugar Daddies, die hier wohnen, mit ihren jungen Thaigespielinnen über den Strand schlurfen oder sich ihre Speckringe von den Mädels massieren lassen. Echt abstoßend.  Diese Klientel gab es zum Glück im Eve nicht.

Aber das schöne Hotel am Strand hat, ehrlich gesagt , noch mehr Publikum, was mich … bestenfalls tödlich langweilt. Saturierte Mittelklassepaare, die schon beim Frühstück vor Langeweile Löcher in die Luft starren und den Anlass nutzen, sich notfalls am Toaster mit jemanden wegen einer Scheibe Brot zu zanken, damit wenigstens irgendjemand ihren Frust abkriegt.

Und so kommt es, dass ich nun zwar das Privileg eines wunderbaren Strohhüttchens am Traumstrand genieße, mich aber in meine alte Hütte fernab des besseren Lebens ein paar Kilometer weiter zurücksehne, wo es lebendige Menschen gab, und man sich gern mal mit dem einen oder anderen unterhalten hat, weil er einen interessiert oder angelächelt hat. Tja Geld allein macht eben doch nicht glücklich  – Quot era demonstrandum.

Um nicht ganz beim Nichtstun unter m Eisbeutel Gehirnfrost zu kriegen, spaziere ich am Nachmittag immer einen Kilometer nordwärts die Landstraße entlang zum Ort meines Rodeoversuches und schlürfe genüsslich einen Eiskaffee im Restaurant meiner Retterin. Hier gibt es wie fast überall auch ein paar nette Katzen, natürlich wie die meisten mit Halsband, denn Thailänder lieben diese Tiere.

Auch die Tauchschule ist zu erwandern, da trifft man am späten Nachmittag die Crew beim Feierabend -Bier oder Wasser. Angesichts meiner Lädierungen fangen alle an, ihre Unfallgeschichten auf der Insel zu erzählen, denn Roller muss ja hier jeder fahren. Es sind eine Menge Geschichten, darunter einige, die böser ausgegangen sind als meine. Hunde spielen darin eine Rolle oder andere vertrottelte Fahrer. Und habe ich mich anfangs noch ein bisschen für meinen Fehler geschämt, sehe ich mich jetzt eher als Marginalie im Kreise der Verunfallten.

Am Abend mag ich nicht mit den langweiligen Leuten im a-na-lay essen. Aber in der Nähe gibt es eins DER angesagten Restaurants mit lokaler Küche, das Chayo. Man hat mir dringend geraten, früh hinzugehen, weil man sonst mindestens anderthalb Stunden auf einen der wenigen Tische warten muss, denn der Andrang ist immer groß und auch die Zubereitungszeiten sind sehr lang. Also spaziere ich frühzeitig zum Nachtmahl und bin erstmal irritiert, weil das Lokal aussieht wie eine Wellblechhütte im Slum. Scheint den Betreibern völlig egal zu sein, das Lokal ist rott und so gar nicht gemütlich – aber das Essen ist göttlich!

Am nächsten Tag erfahre ich von den Hotelangestellten, dass gerade das dreitägige Tempelfest auf der Insel begonnenen hat – das einzige Fest im Jahr. Da muss man hin.  Fragt sich nur wie. Mit nur einem Auge nachts Roller über die steilen Straßen an den Hunden vorbei zu fahren, ist keine Variante…

Schließlich habe ich dann oft genug an der Rezeption gefragt und es findet sich ein Angestellter, der mal eben seine Schicht abkürzt oder umdeutet und mich auf den Rücksitz lädt. Wir sausen durch die Inselnacht, immer vorsichtig auf Schneckengang abbremsend, wenn Hunde auftauchen.

An der Zufahrtstraße zum Tempel stehen schwerbewaffnete Militärs, die auch später überall auf dem Fest patrouillieren. Auch in Thailand gibt es Anschläge.

Pa, mein Chauffeur gibt mir eine Stunde. Der reich rot-gold-weiß verzierte Tempel ist angestrahlt und sieht sehr schön aus. Ein Stück weiter gibt es eine Art offener Kapelle, in der gleich drei Gottheiten nebeneinander stehen. Sie alle werden von schlangestehenden Besuchern geehrt, mit Blumen, Früchten und Räucherstäbchen unter der Aufsicht einiger Mönche, die an einem langen Tisch draussen sitzen und Geschenke entgegennehmen. Die Präsentkörbe, die vor allem Essen enthalten, kann man an einem Extrastand erweben. Die Mönche hier leben von Spenden, dürfen aber kein Geld anfassen.

Neben und hinter dem Tempel ist alles hell erleuchtet von hunderten Ständen und Lichterketten in alle Farben. Hier werden alle möglichen Dinge angeboten, von Hausrat bis Kleidung. Aber die allermeisten Stände bieten Essen an. Alles, was man sich vorstellen kann bzw. in meinem Falle eigentlich auch nicht. Vieles kenne oder erkenne ich, aber bei manchen Speisen kann ich mir nicht mal vorstellen, was es ein könnte und -bei ganz wenigen- möchte ich es mir auch nicht vorstellen. Die Auswahl ist so gigantisch und meine Neugier soviel größer als mein Magen,  dass ich erst zweimal alles ablaufe, bevor ich mir verschiedene kleinere Leckereien kaufe, weil mit einer ordentlichen Portion das wunderbare Probieren zu schnell vorbei wäre. Teilweise scheinen hier ganze Familien zu kochen. Und darüber, wie viel die Thai essen können, habe ich mich ja schon bei meiner letzten Reise gewundert.

Leider ist meine Zeit schon am verrinnen und so flitze ich eben noch zu zwei Wiesen mit Bühnen. Auf der einen läuft ein Showtanzwettbewerb von Laientanzgruppen, das ist  ziemlich lustig. Da hüpfen etwas ungelenke Bauernmädels in etwas lächerlichen Taftkleidchen mit angestrengten Blick über die Bühne und unten sitzt die Jury mit strengem Blick.  Alles eine ernste Angelegenheit !!

Aber richtig schräg wird es auf dem zweiten, abgetrennten, großen Gelände, hier steht eine Profiebühne mit Riesenlichtshow,  denn ein mir natürlich völlig unbekannter junger Popstar schmettert hier mit heißem Hüftschwung in knallroterm Seidenbluson und enger Glänzhose ins Mikro, wild umtanzt von strassgeschmückten leichtbekleideten Gogos. Und das Publikum ist hingerissen. Schon sind die ersten aufgesprungen und tanzen vor der Bühne. Stimmung! Einmal im Jahr richtig feiern und Party machen! Wie ich später gehört habe, wurde hier jede Nacht noch lange getanzt und auch getrunken. Immer gut bewacht von den omnipräsenten Militärs.

Doch leider ist meine Zeit abgelaufen, mein Begleiter erwartet mich schon auf dem Parkplatz und schon fliegen wir wieder durch die Nacht. Wieder angekommen, drücke ich ihm natürlich einen kleinen Fahrerlohn in die Hand. Um meine ehrliche Dankbarkeit auszudrücken nicht ohne die übliche Thaigeste mit zusammengelegten Händen vor dem Gesicht und tiefer Vorbeugung und dem schön lang gesungenen „Kop kuun Kah!“ (je länger das Finale A, desto herzlicher der Dank). Woraufhin er sich wieder vor mir verbeugt und dankt. Als wir damit fertig sind, müssen wir uns natürlich zum Gute-Nacht-Sagen wieder genug verbeugen. War sicher ein lustiger Anblick für eher höflich unterkühlte Durchschnittsdeutsche. Aber ich gestehe, auch wenn es ein bisschen seltsam ist, der Respekt im gegenseitigen Umgang miteinander im Alltag beeindruckt mich immer wieder.

 

 

8. Am Ende eines schönen Tages

… ist nicht immer alles gut. So auch am Ende des Inseltages. Als ich fast wieder an meinem Ausgangspunkt angekommen war, fiel mir ein, dass ich noch eine Verabredung in der Tauchschule hatte, um die Papiere für den neuen Tauchschein auszufüllen. Ich war dafür schon ein paar schöne Kurven zu weit gefahren. Ich wollte nicht über die Straße wenden, also bin ich in eine Nebenstraße abgebogen, abgestiegen und wollte den Roller „rumschieben“. Da die Dinger so schwer sind, habe ich dabei diesmal die Zündung nicht ausgemacht, weil er sich dann etwas leichter bewegen läßt. Leider.

Plötzlich habe ich beim Schieben mit der rechten Hand leicht das Gas angetippt, der Roller macht einen Rodeostart und in der Schrecksekunde habe ich mich auch noch beidhändig an dem Geschoss festgeklemmert, statt einfach loszulassen. Ich bin samt Scooter im hohen Bogen über die Straße geschossen und am gegenüberliegenden Straßenrand samt Roller gestürzt, leider mit dem Kopf auf den Roller und die Straße….

Ich dachte nur noch: So eine Scheisse, das passiert jetzt wirklich!  Im Ernst. Aus dem gegenüberliegenden Far East – Restaurant kamen sofort die Besitzerin und ein paar andere Leute gerast und haben mich und den zerschroteten Honda von der Straße gesammelt. Die waren so großartig! Sie haben sich gekümmert, mich in den Arm genommen, Eis zum Kühlen geholt, denn aus meiner Stirn wuchs ein riesiges Hämatom.

Dann kam auch schon der Krankenwagen und ich durfte die Inselklinik von innen kennenlernen. Das Hämatom war in zwischen zum Auge gewandert, die Nase, die Lippe und die Ellenbogen lädiert, aber der Arzt, der keinen Tag älter als 16 aussah, meinte, Auge ok, wird wieder. Sie haben mich noch verbunden und dann war ich entlassen, mit der Auflage, Eis zum kühlen zu kaufen. Kompressen gibts hier nicht, Verbandszeug wurde mir in der Krankenhausapotheke auch nicht verkauft. Doof auf einer Insel, wo es keine Drugstores gibt und die einzige Apotheke gerade zu hat…

Da ich keine Ahnung hatte, wen ich anrufen soll, hatte ich das Eve-Guesthouse angegeben, da kannte man mich, da gab es auch das Bochumer Paar. Mein „Fahrlehrer“ Am und Patricia haben mich dann abgeholt und alle waren unglaublich nett zu mir, ich bin jetzt noch gerührt. Es war klar, dass ich nach diesem Sturz auf den Kopf in meinem einsamen Verbannungsort am Ende der Insel nicht allein bleiben sollte, also hat Am kurzentschlossen meine Sachen wieder abgeholt und ich durfte sogar im Zimmer der Bochumer schlafen, die dafür in dieser Nacht in den Gemeinschaftsschlafssaal umgezogen sind, da nichts anderes mehr frei war. Ich war ganz schön daneben.

Auch die Leute vom Eve s waren sehr aufmerksam und Victor, ein französischer Boxer und dort Stammgast, hat sich um mich gekümmert, da er sich ja mit solchen Verletzungen auskennt. Der Schock war zwar noch da, aber eigentlich war ich nur noch froh, dass nichts Schlimmeres passiert war, denn letztendlich hatte ich ein Riesenschwein.

Am nächsten Tag sah ich noch viel schlimmer aus, der Glöckner von Notredame ist dagegen ein Schönling. Victor lud mich sofort ohne Frühstück noch mal auf den Rücksitz und bestand auf einem zweiten Arztbesuch, sicherheitshalber. Er half mir auch gleich, ein neues Zimmer in einer Anlage am Strand zu finden, da klar war, dass ich die folgenden Tage rekonvaleszent und nicht mobil sein würde. Dann wenigstens am Meer. Im  Guesthouse A-na-lay habe ich eine hübsche Bambushütte unter Kokospalmen am Meer gefunden, wo ich die nächsten drei Tage überwiegend in meiner wunderbaren Reisehängematte mit Eis auf dem Gesicht verbracht habe.

Klar, ist richtig blöd gelaufen, aber eigentlich war es auch mit ein paar erstaunlichen Erfahrungen verbunden: obwohl allein unterwegs am anderen Ende der Welt, habe ich im entscheidenden Moment Leute getroffen , die sich alle einfach großartig verhalten und mir ganz viel Hilfe und Zuneigung entgegengebracht haben. Falls sie das hier jemals lesen: Danke an Euch alle!!

Übrigens, die Rechnung für den kaputten Roller kam prompt und ich habe bereits mehrere Stoßgebete gen Himmel gesandt, dass das hier passiert ist: kaputte Stoßdämpfer, einseitig neue Verkleidung, neuer Hitzeschutz, neuer Sitzbezug: keine 100 Euro…

Trotzdem habe ich mich natürlich gegrämt, dass für den Rest des Urlaubs der Traum vom Tauchen ausgeträumt ist, ich nicht mal mehr richtig baden kann usw usw. Aber eins muss ich jetzt noch mal ausdrücklich für mich selbst festhalten: Gefahren bin ich gut und unfallfrei…ich habe nur einen ganz dämlichen Fehler beim Rangieren gemacht, der mir ganz bestimmt nie wieder passiert! ( Und ja, ich weiß, der letzte Satz ist albern und kindisch, der musste aber trotzdem sein.)

Und wer jetzt glaubt, ich hätte nun nichts mehr zu erzählen, der irrt und wird sicher in den nächsten Tagen noch eines besseren belehrt werden. Aber Fotos vom Glöckner gibtś keine…

7. Inseltag

Der Tag danach… Tag Eins ohne tauchen. Ganz neues Gefühl. Heute ist Zeit, sich endlich mal noch ein bisschen die Insel anzuschauen. Ich muss aber zu meinem größten Leidwesen erst umziehen ans Ende der Welt bzw der Insel. Kong Klao Beach , Koh Kood Yet House. Ich werde chauffiert. Am lädt meine Sachen auf den Pickup und  los geht es. Zumindest sehen die Fotos von den kleinen Bungalows ganz nett aus und es ist Meerblick versprochen.

Der Schreck folgt auf dem Fuße. Nicht nur, dass die Anlage hier anders heißt , nein das sei egal, warum auch immer, doch auch die netten Fotos müssen wohl woanders her sein. Erstens wird hier offenbar noch gebaut, zweitens ist das ganze Gelände ungepflegt und wenig einladend, drittens liegt das Meer 700 Meter entfernt und ist nicht zu sehen und viertens und letztens liegt neben meinem Eingang ein Müllhaufen und um mein Bungalow verteilt Baumüll von kaputten Klos, Rohren, zersplitterten Brettern bis Plastikverpackungen. Ich bin geschockt und selbst der zurückhaltende Am schüttelt nur den Kopf.
Aber ich konnte so schnell nichts freies finden und laut Booking com kann ich nicht mehr zurücktreten. Auf langwierigen Krieg habe ich keine Lust, also handle ich aus, dass man mir wenigstens nur eine Nacht berechnet und ich morgen wieder ausziehe, in der Hoffnung, heute auf dem Weg über die Insel etwas anderes zu finden.
Was solls. Ich miete einen Roller und los geht es. Es gibt keine Helme, brauche man ja nicht. Ich fahre im Eve vorbei, meinem alten „Zuhause“, und lasse mir einen geben. Finde ich besser, auch wenn die Dinger echt sch… aussehen.
Mein Weg führt mich zuerst zu einem der drei Wasserfälle der Insel, dem Khlong Chao. Unterwegs schaue ich gleich freie Zimmer an und finde auch einen netten Bungalow in der Nähe des Wasserfalls. Nicht gerade zentral, aber mit Scooter machbar. Alles besser als das, was ich habe.
Irgendwann hört die Straße mitten im Wald auf, von hier aus geht es zu Fuß einen steinigen, steilen Pfad weiter, die Moskitos begleiten mich. Nach einem Kilometer bin ich da. Mitten im Wald steht ein großer Buddha-Altar, daneben liegen Schwimmwesten, die man nicht nehmen kann, sondern muss, und der knurrige Parkwächter wacht strikt darüber, dass man die freiwillige Spende dafür auch vor Buddhas Augen einwirft.
Nach einer kleinen Klettertour über große Festplatten und Brocken tut sich der Blick auf auf einen sehr schönen, wenn auch nicht allzu hohen Wasserfall, der sich in ein Fels-und Waldgerahmtes Becken ergießt. Das Ganze ist nicht allzu groß und ich bin froh, dass außer mir nur noch ca zehn Leute da sind. So ist es wirklich eine schöne Idylle. Das Wasser rauscht, die Vögel zwitschern, kleine gelbe Schmetterlinge spielen Ringelrein, drumherum die riesigen Bäume, das Dickicht….Nach einem kühlen Bad lasse ich mir, auf einem flachen Stein sitzend, von den Putzerfischen noch eine kleine Fussmaniküre angedeihen, dafür zahlt man in Berlin gutes Geld.
Weiter führt mich mein Weg kreuz und quer über die Insel auf der Suche nach den beiden anderen Wasserfällen, wovon ich aber nur den kleinen finde. Irgendwie fahre ich gefühlte 1000 Berge und Täler weiter durch dichtes Grün, vorbei an kleinen Ansiedlungen oder einzelnen Häusern, Lädchen mitten im Nirgendwo und golden schimmernden Altären, an Spielautomaten, die an der Straße montiert sind wie Zapfsäulen, damit man nicht erst absteigen muss, um eine Runde zu zocken. Und immer schön an den Linksverkehr denken!
Aber ohne richtige Karte schaffe ich es, mich irgendwie zu verfahren, der Wald nimmt kein Ende, aber die betonierte Straße und der Schotterweg macht mir Angst, ich kehre um. Wo bin ich? Wohin muss ich? Das GPS findet offensichtlich auch nur Grün, sprich: hilft auch nicht weiter. Egal, am Ende finde ich doch noch den dritten, eher kleinen und unspektakulären Wasserfall und lande per Zufall am Hafen bei der großen goldenen Buddha-Statue. Auch gut.
Das Leben auf Koh Kood ist trotz Neuzeit und Tourismus noch immer eher ruhig und entspannt. Es fahren nur wenige Autos herum, die alle Pickups für den Transport von Menschen zum Hafen oder zum Hotel sind, oder einfach dem Transport von Waren dienen. Keine privaten Limousinen, keine Busse, keine Taxis, außer ein paar ganz wenigen, sündhaft teuren, die man sich kaum leisten kann. Alles geht hier seinen ruhigen, entspannten Gang, es gibt nicht mal die üblichen Souvenirläden oder etwa Einkaufszentren für die Touristen. Keine Klamottenläden, keine Tankstellen. Benzin kauft man in alte Flaschen abgefüllt in Läden und Restaurants, da steht gleich der Trichter zum Einfüllen daneben. Anfangs dachte ich immer, das orange Zeugs sei eine örtliche Spezialität zum Trinken. Öffentliche Gebäude sind, außer am protzigem Prunk, vorallem an den vielen Fähnchen zu erkennen, die in kleinen Abständen jeweils am Straßenrand aufgestellt sind.
Ein bisschen nervös machen mich manchmal die vielen freilebenden Hunde, die zu 99 Prozent alle zur selben Familie zu gehören scheinen, halbhoch, mit kurzem hellbraunen Fell. Sie sitzen und liegen überall am Straßenrand, toben oder schlafen gleich auf der Fahrbahn. Aber friedlich. Ein bisschen stressig, wenn man so um die Kurve kommt und vor einem liegt direkt so ein Tier.
Weit beunruhigender aber ist ihr Verhalten in der Nacht. Nicht, weil man sie dann noch viel später sieht, sondern weil sie sich nach Einbruch der Dunkelheit in wilde Raubtiere verwandeln, die auf die Roller zu- und hinterherrennen und versuchen, die Fahrer ins Bein zu beißen, was ihnen nicht selten gelingt. Hunde in der Nacht sind hier der Alptraum aller Fahrer und liegen ganz vorn in der Unfallstatistik. Beste Abwehrmethode soll es sein, sofort abzubremsen oder gar anzuhalten und sie anzuschreien, das irritiert sie wohl. Wissen aber die meisten nicht und geben Gas, was dann schnell ein ganzes Jagdrudel losrennen lässt. Tja, andere Länder, andere Sitten, gilt sogar für den besten Freund des Menschen….
Auf dem Rückweg schlürfe ich noch einen Eiskaffee an einem Strand, nehme ein kühles Bad und begebe mich auf den Heimweg. Ein schöner Tag, alles gut gegangen…. Und damit beginnt ein neues Kapitel, das wenig rühmlich, aber dramatisch ist und leider aus Gründen der Chronistenpflicht nicht verschwiegen werden darf. Fortsetzung in Post 7.

6. Immer, wenn es am schönsten ist…

Noch einmal den Rausch der Tiefe erleben… ganz ohne Aufgaben, einfach nur genießen. Für heute steht noch ein besonderer Leckerbissen auf dem Programm, es ist ein Tauchgang am geschützten marine park vor Ranong geplant. Auch eine längere Fahrt  und extra Eintrittgebühren in den Nationalpark, die von uniformierten Militärs, die extra an Bord kommen, kassiert werden.

Der erste Tauchgang enttäuscht nicht, ein sehr belebtes und schönes Riff mit vielen Fischen, die Sicht ist gut. Nur bin ich das erste mal einer anderen, jungen Dive Masterin zugeteilt, die mir ein bisschen auf die Nerven geht, weil sie so nervös ist, dass sie ständig nur alle zurechtweist, an ihrer Seite zu bleiben, obwohl wir schon im Haufen an ihr kleben.

Ganz versunken in die Fischschau stelle ich plötzlich fest, dass ich mich versehentlich der anderen Gruppe angeschlossen habe, ich war, wie gewohnt, Vlads Glatze gefolgt. Ich korrigiere schnell meinen Irrtum, aber die junge Dame ist pikiert und für den zweitem Tauchgang werde ich gleich Vlad zugeteilt. Finde ich gut. Wir haben das selbe Tauchtempo und er ist immer entspannt. We ŕe just a winning team…

Aber sonst ist alles schön, ein paar fette Brocken sind hier unterwegs und offenbar ist das Riff auch ein Fischkindergarten, denn hier kreisen riesige Schwärme von ganz kleinen Fischlein.

Zur Mittagpause legt der Käptn vor einem besonders schönen Strand an, der irgendwie an Robinson Crusoe denken lässt: Urwald fast bis ans Meer, ein schmaler Streifen strahlend weißen Sandes und glitzerndes hell türkises, kristallklares Wasser. Da schmeckt das Essen gleich noch besser. Danach ist noch Zeit zum Schwimmen und Muscheln sammeln. Und schon geht es weiter zum Drei-Finger-Riff, so genannt wegen seiner Form. Es soll ein ganz besonders schönes Riff sein.

Und wenn ich gerade noch gedacht habe, dass heute alles super easy ohne jede besondere Aufgabe abläuft, werde ich vor Ort sofort eines besseren belehrt: Das Meer ist unruhig geworde, es gibt Wellen und starke Strömung, ganz besonders an der Oberfläche. Es gibt eine extra Vergatterung, Anweisungen, um überhaupt ins Wasser reinzukommen, ohne gleich zweihundert Meter abgetrieben zu werden, bevor man auch nur die Maske geputzt hat.

Wie sind gehalten, uns sofort zur Ankerleine durchzukämpfen und die auf keinen Fall loszulassen. Aber die paar Meter dahinzuschwimmen wird schon zum Konditionstraining. Als ich an der Leine um die Boje greifen will, werde ich sofort weggerissen und klammere mich an irgendeinen Kerl, der gerade greifbar ist. Vlad holt mich an die Leine zurück und verdonnert mich noch mal, nicht loszulassen.

Abstieg an der Leine, unten wird es besser. Und – was für wunderbare Korallen. Sie sehen aus wie ein gigantischer Garten voller Salatköpfe, dazwischen flache Teller und dann wieder ein paar bizarre Skulpturen. Und über, unter und auf den Korallen tobt das Leben. Wir finden sogar zwei Nudibranches, wunderschöne, bunte Meeres-Nacktschnecken, die nicht leicht zu entdecken sind. Ein paar große Muränen drängeln sich unter einem Stein, herrliche buntgestreifte Butterfly Fische kreisen, und dicke gepunktete rabbit Fische. Ein Drückerfisch überlegt, ob er uns attackieren soll, aber wir sind ihm dann die Mühe nicht wert. Ein Glück, denn die können ganz schön frech werden. Natürlich gibt es noch so vieles mehr, was ich gar nicht alles einzeln erfassen kann und es würde die Geduld meiner Leser auch wahrlich überstrapazieren….

Man spürt immer noch etwas Strömung hier unten, will sagen, es schwimmt sich etwas schneller als beabsichtigt, aber die Umkehrung folgt, als wir um eine Biegung des Riffs kommen, wo man an einer Steilwand entlangschwimmt. Uff, da geht es gegen die Strömung. Das ist ziemlich anstrengend und man sollte trotzdem nicht die Ruhe verlieren, schon wegen der Luft und der Tarierung. Aber es geht vorbei und ist wieder ein Spezialtraining mehr. Am Ende winkt uns noch ein blau gepunkteter Rochen Good Bye. 

Was für ein schöner Abschlusstag! Ich muss an die Reisekasse denken, das warś erst mal mit Tauchen. Aber ich bin unglaublich zufrieden mit allem Erlebten, viele großartige Erlebnisse und Erfahrungen und: Ich bin  Advanced Open Water Diver! Hallelujah!

Zurück in Eveś Guesthouse feiere ich mich mit einem leckeren Essen und sitze noch ein bisschen bei all dem bunten Völkchen herum. Dann kommt die böse Nachricht, dass es ein Missverständnis gab und ich ab morgen kein Zimmer mehr habe… hektische Suche im Netz und per Telefon: Alles Bezahlbare ist ausgebucht, außer einem Guesthouse am Ende der Insel, j.w.d. Zerknirscht buche ich es, aber es passt mir so gar nicht, so weit draußen zu wohnen und hier weg zu müssen.

Als ich gerade in mein Hüttchen abtauchen will, ergibt es sich, dass das deutsche Päärchen von einer Party erfährt, als der tagsüber eher seriös wirkende ältere Geschäftsführer de Nachbarhotels plötzlich in schönster Ladyboy-Aufmachung erscheint und alle einlädt, doch auch hinzugehen. Ein barbetreibender Künstler hat Geburtstag und feiert öffentlich.

Schließlich lassen ich mich hinreißen, mit den beiden Deutschen und O, dem Chef, der seiner schlafenden Frau entwischt, mitzufahren. Thai-Party – sollte ich mir nicht entgehen lassen.

Die Openairbar Bartist (hier ist übrigens alles draußen, geschlossene Räume gibt es nicht) ist krachvoll mit Thais und ein paar Touristen. Es wird viel getrunken, viel getanzt und es gibt ein kleines Buffet. Die Thais sind offensichtlich ein begeistertes Partyvolk, sie lassen die Kuh fliegen. Es gibt einen über und über tätowierten DJ und von Zeit zu Zeit wird ein nach Zitrone, Ananas und Anis schmeckender Schnaps herumgereicht und zu diesem Anlass immer wieder aufś Neue Happy Birthday gesungen. Die Musik reicht von Thai-Pop bis zu 90er Oldies, deutschsprachigen Rocksongs und brasilianischer oder kubanischer Musik. Alles, was groovt, ist gut.

Wenn ich all das Bier getrunken hätte, das O mir immer wieder bringt, hätte ich einen veritablen Zweitageskater mitgenommen. Ich halte mich dann doch lieber zurück und lasse mich von einem Deutschen, der aus Kreuzberg kommt, aber schon seit 3 Jahren nicht mehr zu Hause war und der momentan für Kost, Logie und  Trinkgelder an einer Rezeption arbeitet, wieder mit nach Hause nehmen. Hier kann man nicht einfach ein Taxi nehmen…. Good Night, little island.