5 – Alt und schön

Taormina. Das ist mein Plan für heute. Ich habe gehört, daß diese alte Stadt an der Ostküste besonders schön sein soll. Es bedeutet zwar rund zwei Stunden Fahrt, aber das nehme ich gern in Kauf. Das Wetter wird immer noch von dem an der Küste vorbeigezogenen Hurrican beeinflusst – viele Wolken, mal sehen, was der Tag bringt. Auf jeden Fall ist es schön warm.
Einmal unten auf der Autobahn Richtung Messina angekommen, geht die Rallye wieder los. Wozu hier überhaupt Geschwindigkeitsschilder stehen, weiß ich nicht. Ich habe mich schon ziemlich angepasst, trotzdem gehöre ich immer noch mit Abstand zu den Langsamsten…


Die Strecke bis Milazzo kenne ich ja schon, danach kommen nur noch ein paar Tunnel, zum Glück. Aber je näher Messina rückt, desto niedriger und weitläufiger werden die Berge, sie sind nicht mit so vielen Bäumen bewachsen, wie weiter westlich. Ein anderes Landschaftbild, sanfter. Mir gefallen allerdings die wilden Berge besser. Aber das Meer bleibt fast immer in Sichtweite.


Kurz vor Messina endet diese Autobahntrasse, man muss durch die Mautstelle. Hier gibt es immer Automaten, die man vom Auto aus ziemlich schlecht erreicht. Allerdings sitzt ganz still und möglichst unauffällig ein Kassierer hinter der Scheibe daneben. Theoretisch kann man dann auch bei ihm bezahlen. Aber man tut es besser nicht. Seltsamerweise sehen die dicken älteren Herrn alle gleich aus und sind auch alle gleich bärbeißig und genervt, wenn so ein Störenfried sie mit Arbeit nervt. Muss wohl so in der Arbeitsplatzbeschreibung stehen.
Von der Großstadt Messina auf dem Nordostzipfel von Sizilien gelegen, bekomme ich nicht viel zu sehen, äußert den südlichen Ausläufern. Aber der Autobahnwechsel zur Nord-Süd-Richtung ist ein Erlebnis. Das Kreuz mit mehreren Ab-und Auffahrten liegt in einer großen, breiten Schlucht. Besser gesagt, eher darüber. Es ist eine gigantische Viaduktspirale, die aussieht wie die XXL-Version einer Kugelbahn für Kinder. Wer hier nicht aufpasst beim ewigen im Kreisfahren, stürzt tief!


Nun also nach Süden, am Horizont werden hohe Bergzüge sichtbar und dann endlich auch, dunstumhüllt, der Ätna. Die Küste wird wieder deutlich schöner, es sind wieder Strände zu sehen. Eine Dreiviertelstunde später schraube ich mich endlose Schlangenlinien nach Taormina hoch. Das kleine Auto keucht schwer im ersten und zweiten Gang nach oben und nervt damit die PS-starken Kollegen hinter mir.


Irgendwann nach dem dritten Tunnelausgang bin ich am Rand der Altstadt ganz oben auf dem Berg angekommen. Mir bleibt nur ein sündhaft teures Parkhaus, es gibt keine anderen Parkmöglichkeiten, es sei denn, ich fahre wieder die ganze Strecke runter. Aber das ist schnell vergessen. Durch das alte Messina-Tor kommt man in die eigentliche Altstadt, auf den Corso Umberto. Eine wunderschöne alte Straße, die sich für die zahlreichen Touristen in eine hübsche Shoppingmeile mit vielen Möglichkeiten zum Essen und Kaffeetrinken verwandelt hat. Kein billiger Ramsch, eher hochwertiger und schicker. Aber auch für die, die das nicht interessiert, ist es schön, hier herumzuspazieren. Immer wieder zweigen winzige, enge Gassen und Treppen ab. Blickt man durch eine solche Gasse nach oben, erhebt sich dahinter eine beeindruckend hohe, felsige Bergkuppe mit einem Gipfelkreuz.


Durch eine weiteres Tor in einer alten Mauer gelangt man auf die Piazza IX. Aprile mit gleich zwei Barockkirchen und einem Uhrenturm in der Mitte. Das schönste an dem nur zu drei Seiten bebauten Platz ist die vierte Seite: Sie bietet ein Panorama über Berge und die Küstenlinie nach Süden. Da dies ein besonderer Anziehungspunkt für Touristen ist, ist es natürlich auch der beste Platz für Künstler und Straßenmusiker. Der Corso Umberto schlängelt sich noch eine Weile dahin, bis zum nächsten alten Stadttor und einem sehr schönen alten Palazzo, dem Palazzo Corvaja.


Nur fünf Minuten entfernt ist die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit Taorminas: Das Teatro Greco, ganz oben auf dem Berg, zur einen Seite direkt über dem tief unten liegenden Meer. Der Eintritt ist nicht billig, aber das ist egal.
Das antike Amphitheater hat seinen Namen eigentlich von seinem zerstörten Vorgänger: Die alten Griechen hatten hier im 3. Jh v. Chr ein Theater gebaut. Ein Jahrhundert später haben dann die Römer an gleicher Stelle den jetzigen Bau errichtet. Für sein stolzes Alter ist noch ziemlich viel von dem alten Gemäuer erhalten: Die beeindruckend große Arena mit den Sitzreihen, das Orchester, die oberen Wandelgänge, eine Aussichtsplattform. Und das schönste sind die Mauerdurchbrüche auf der Rückseite der Bühne, durch die man auf die Stadt, die Küste und – den Ätna am Horizont schaut. Irgendwie seltsam sich vorzustellen, daß hier dereinst einige von den großen Feldherrn wie Octavian und Hadrian gesessen und sich divertiert haben…


Ich durchstreife noch ein bisschen die alten Gassen, aber dann bin ich geschafft und brauche eine Pause mit Limonengranito und Bruschetta. Ich konnte von hier oben schon einen ausgiebigen Blick auf die berühmte Isola Bella unten vor der Küste werfen – eigentlich wollte ich da noch hinfahren und auch an den Strand gehen. Aber nun scheint mir das doch zu stressig zu werden, immerhin muss ich noch zurück, und das würde ich gern vor der Dunkelheit schaffen.

Ich schlängele mich auf einem neuen Weg durch Taormina zurück zum Meer und zur Autobahn. Auch die nicht direkt zur Altstadt gehörenden Viertel sind heimelig und angenehm, aber es gibt unglaublich viele Hotels hier. Die Strände nach Süden sind zwar lang, aber nicht unbedingt zu Fuß zu erreichenAuf den Serpentinen nach unten jagen mich Motorroller- und Motorradfahrer mit röhrenden Motoren, sie kleben genervt an meiner Stoßstange, dabei kann ich angesichts der extremen Kurven nun wirklich nicht schneller als 50 kmh fahren.


Ich fahre auf einen Blick an der Isola Bella vorbei, bevor ich zurück auf die Autobahntrasse abbiege. Schnell bin ich wieder in Messina. Hier ist in Richtung Palermo aber die erste echte, kilometerlange Baustelle. Es gibt eine Umfahrung, auch Mr. Google weiß das. Die Route führt ein Stück durch Messina, so dass ich nun doch einen Eindruck bekomme. Dann geht es über die Dörfer in teilweise extrem engen Straßen – immer weiter nach oben. Irgendwann werde ich misstrauische, auch wenn das Navi stur bleibt. Inzwischen bin ich ganz oben in den Bergen über Messina. Und auch wenn das Folgende langsam inflationär wird: Wieder einmal bin ich begeistert von dem Blick, der diesmal gleich über mehrere hohe Bergzüge reicht. Manchmal stehen Kirchen, alte Festungsruinen ganz oben drauf. Der Himmel darüber schmückt sich mit Wolkengebirgen, die Sonne wirft ein paar Strahlen auf die Erde. Fast schon zu viel Postkarte.


Aber die Strecke hört nicht auf, sie wird immer länger und es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass ich meine Hände am Lenkrad keine zehn Sekunden gerade halten kann, eine Kurve jagt die nächste. Da könnte eine Geschäftsidee drauss werden: Extremfahrtraining in echter Natur. Aber die absolute Krönung habe ich noch vor mir: Die alternativlose Strecke führt mich durch ein hochgelegenes Städtchen mit Straßen, in denen immer nur abwechselnd Autos aus einer Richtung passieren können. Und der Clou am Schluss: eine steile Gasse, die so schmal ist, dass ich mit dem Panda kaum durchkomme ohne die Mauer links und rechts zu touchieren.


Das Navi hat zwar wieder mal versagt bei diesem langen und anstrengenden Umweg, aber – es war ein aufregender und schöner Umweg. Nur gut, dass ich allein im Auto war (was ich übrigens hier schön öfter gedacht habe) – denn dem jeweiligen Beifahrer wäre garantiert schlecht. Endlich wieder unten auf der Küstenstraße, erreiche ich auch bald die Autobahn, die ich mir für den Rest des Weges verdient habe.


Die Sonne steht schon tiefer, aber hoch genug, dass ich mir noch meinen täglichen Ausflug ans Meer erlauben kann, bevor ich nach Santa Margherita hochfahre. Diesmal lande ich per Zufall an einem besonders schönen Strand in Mangiova, dem Grotte Strand. Ein ausgiebiges Bad unter einem kitschigen echten Regenbogen krönt meinen spannenden Tag. Als Ich auch noch ein kleines Restaurant entdecke, beschließe ich, hier im Sonnenuntergang zu essen.

Es war eine sehr schöne Zeit auf Sizilien mit vielen Entdeckungen, die Lust auf mehr gemacht haben. Und der morgige Tag wird für mich noch mal schön, für Leser aber uninteressant: Da ich mein Auto abgeben muss, haben mich ein paar sehr nette und lustige Leute aus dem Hotel eingeladen, mich mit an genau diesen Strand zu nehmen für einen letzten genussvoll faulen Tag. Sonne, Meer und süße Träume….

1 – Tief und Hoch

Sechs Uhr und ich schaue vor meinem Bungalow der im Nebel versteckten aufgehenden Sonne zu. Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn ganz kurzfristig hat sich ein Abenteuer ergeben. Tauchen! Ich habe vor zwei Tagen eine Werbung an einer Hauswand gesehen und nur aus Neugier über die hiesigen Konditionen eine e-mail geschrieben. Irgendwie dachte ich, dass die Saison wahrscheinlich vorbei ist, denn es sind nicht mehr viele Touristen unterwegs. Während der Tour gestern habe ich aber eine prompte Antwort erhalten und das Angebot, heute früh zu tauchen. Da konnte ich nicht widerstehen…


Ich bin überpünktlich beim Dive Center „Aqua Element“ am Strand von San Giorgio. Die gute Nachricht: Die Tauchgruppe besteht aus dem Instructor Marco und Mario, einem älteren Taucher, der wohl ein Freund ist. Ich muss nun nur noch die passende Ausrüstung finden, also anprobieren. Zu meinem Missfallen besteht Marco auf einem langen Suit mit Jacke und Kapuze. Angeblich ist es sonst zu kalt, was mir bei einer Temperatur von 22 Grad auf dem Grund wenig einleuchtet.


Ich hasse dieses dicke Zeug, was man nur mit viel Aufwand und Kraft anziehen kann und in dem man sich dann kaum bewegen kann! Es verunsichert mich total, zumal die Hose zu lang ist. Aber da muss ich wohl durch. Wir fahren vom Strand mit einem Schlauchboot los, Ziel sind zwei verschiedene Felsen, die etwas östlich Richtung Patti aus dem Meer ragen. Ich fühle mich immer noch etwas unwohl mit dem dicken Zeug. Aber im Wasser wird es hoffentlich besser. Mit dem schweren Rest der Ausrüstung behangen, geht dann alles sehr schnell.


Die Sicht ist exzellent – das Wasser ruhig und klar, leider scheint oben keine Sonne, sonst wäre es sicher noch schöner. Lobster winken mit ihren fluoreszierenden Fühlern, verschiedene Fische schwimmen vorbei, auch am Grund ist einiges Meeresgetier unterwegs. Immer wieder großartig, wenn auch nicht zu vergleichen mit den tropischen Gewässern. Doch ich komme irgendwie nicht recht zur nötigen Ruhe, denn mein Tank sitzt nicht mittig und ich versuche ständig daran herumzuzerren, weil er mich beim Schwimmen stört. Und irgendwann passiert es, ich werde nervös, achte nicht auf die richtige Schwebebalance, versuche zu schnell zu tarieren – und steige unbemerkt nach oben. Das sollte so nicht sein, ist aber nun mal passiert, der Instruktor hat es nicht verhindert.


Einmal oben, ruhe ich mich erst mal eine Weile aus und schwimme zum Boot zurück. Die beiden lassen mich in der Obhut des kugelrunden Bootsmanns und gehen noch mal unter Wasser, denn der Tauchgang hat erst eine halbe Stunde gedauert. Alles kein Problem, aber ich habe leichte Kopfschmerzen und verzichte vernünftiger Weise auf einen weiteren Tauchgang. Ein bisschen traurig bin ich schon, aber es wäre keine gute Entscheidung. Ja, ich bekenne es: Ich bin zwar kein Warmduscher, aber eindeutig ein Warmwasser-Taucher! Das ist meine Welt.


Zurück in meinem kleinen Auto überlege ich, was ich mit dem Rest des Tages machen will, das Wetter sieht eher nach Regen aus. Der Bootsmanns hat mir „Santuario de Tindari“ gezeigt, eine Kathedrale, die östlich von Patti majestätisch auf einem besonders hohen Berg thront. Das ist die beste Idee. Nach rund 40 Minuten durch die üblichen engen Serpentinen bin ich endlich da, d.h. im Dorf Tindari. Unterwegs habe ich wunderbare Sicht auf das beeindruckende Bauwerk gehabt, aber leider kann man auf diesen Straßen nicht anhalten.


Vom Dorf aus muss man den Rest zu Fuß oder per Shuttle-Bus zurücklegen. Aber es ist Mittagzeit, und da ist sogar die Madonna beim Essen: Es ist erst um 15 Uhr wieder geöffnet. Ich kehre in einem kleinen Restaurant zum Mittagessen ein. Ich bin der einzige Gast, außer einer italienischen Drei-Generationen-Familie, die hier irgend etwas feiert. Oder doch eine Beerdigung? Fast alle tragen Schwarz, die Männer weiße Hemden, am Kopfende sitzt der Patrone. Es ist wirklich immer dasselbe: Schon wieder das perfekte Klischee. Zwar nicht der Pate, aber eine Bilderbuch-Familie mit allem, was dazugehört, inklusive Zigarre, die er abseits von seinen Söhne flankiert, raucht.


Ich werde von Kellner gebeten, mich umzudrehen und die Familie zu begrüßen, die hier die Goldene Hochzeit der Familienoberhäupter feiert. Ich gratuliere angemessen, mit vielen bewundernden und freundlichen Gesten, mangels der richtigen Worte. Der Patrone ist zufrieden und wünscht mir huldvoll „Gute Appetitte!“


Als ich schließlich auf dem Berg mit der Kathedrale ankomme, nieselt es, aber das tut dem Eindruck des Riesenbauwerkes keinen Abbruch. Es ist eine Wallfahrtskirche mit einer Schwarzen Madonna. Das interessante Bild mit der schwarzen Madonna über dem Altar soll der Überlieferung gemäß nach einem Bildersturm in Konstantinopel im 9. Jh unbeschadet in einer Kiste an der sizilianischen Küste angeschwemmt worden sein. Es trägt die Aufschrift „Ich bin schwarz, aber schön“. Reicht wohl doch schon länger zurück, die Black Lives Matter – Bewegung…

Die Kirche, die groß, aber nicht sonderlich hübsch ist, wurde aber erst in den 50er Jahren gebaut.
Aber das Schönste ist der Ausblick von der Piazza vor der Kirche: Ein beeindruckendes Panorama der 220 Meter tiefer gelegenen Küste mit einer ungewöhnlichen Sand-Landzunge in der Lagune von Oliveri. Auf der anderen Seite blickt man auf das Gebirge. Aber die Küste sieht besonders spannend aus.


Und genau da will ich als nächstes hin. Obwohl Laghetto di Marinello, wie der Strand heißt, direkt unterhalb der Kirche liegt, ist es eine gute halbe Stunde Fahrt durch die Berge, bevor man endlich unten ist. Aus meinem Plan, auf die Landzunge zu wandern und das angrenzende Naturschutzgebiet anzuschauen, wird aber nichts: Es regnet. Aber – ohne Bad im Meer geht nicht. Also hopse ich schnell rein. Ich kann nicht so schnell wieder weg, wie beabsichtigt, da ein alter Fischer in mir einen willkommene Gesprächspartner sieht. Irgendwie merkt er nicht, dass ich nur einen Bruchteil verstehe. Ich höre, was über zu wenig Fisch klagt, was an den Winden aus Afrika liegt. Ich muss wohl an den richtigen Stellen den Kopf geschüttelt oder erstaunt geschaut haben – er freut sich. Und nass bin ich sowieso. Aber schließlich trolle ich mich und mache mich auf den Rückweg.


Heute ist sizilianischer Abend. Der Chef versichert sich persönlich, ob ich auch komme. Angesichts von gutem Essen und Wein werde ich mir das nicht entgehen lassen. Das Restaurant ist voll – jedes Zimmer hat seinen Tisch. Was ich nicht wusste: es gibt natürlich auch sizilianische Musik. Drei Musiker aus dem Dorf ziehen mit Gitarre, Akkordeon, viel Stimmgewalt und massenhaft Herzschmerz durch das Restaurant. Sie sind zum Glück wirklich musikalisch und etwas abgedreht, und so kann ich das folkloristische Element des Abends mit einigem Humor ganz gut aushalten. Bald ist der Gitarrist so blau, dass er den Wein aus den Gläsern der überraschten Gäste trinkt. Die Italiener sind schlauer – die halten den Jungs gleich eigene Gläser hin.


Nach dem vierten Gang mit allein vier Sorten Fleisch und Wurst ist mir langsam schlecht – soviel kann ich einfach nicht essen. Ich darf gar nicht an den Nachtisch denken! Also lege ich ein Trinkgeld auf den Tisch und entschwinde durch die Hintertür. Ich sitze noch ein Weilchen am nächtlichen Pool und verdaue, dann kann ich mich ins Bett wagen.

4 – Inseln im Wind

Der Tag der Inseln…Gleich nach dem Frühstück geht es los, wir teilen uns zu dritt ein Auto, die Parkplatzsituation hier ist nervend und teuer. Der Hafen ist im rund 40 Kilometer entfernten Milazzo, was sich als wesentlich größere Stadt herausstellt, als gedacht. Mich erinnert sie an Vigo in Spanien. Nur, dass Milazzo flach ist. Das Auto bleibt Im Parkhaus, aber diese Leute wollen den Schlüssel nicht abgeben, was aber nötig ist, weil ein Angestellter die Autos an einem anderen Ort parkt und zur verabredeten Zeit wieder zurückfährt. Mir ist der Misstrauenszirkus etwas peinlich, aber schließlich haben wir es hinter uns.


Das Schiff der Gesellschaft Tarnav ist ziemlich groß, aber nicht besonders schön, es hat auch zu wenig Plätze an Deck. Ich bleibe drin, da ist es ganz angenehm -die Fenster sind geöffnet- und leerer. Alle tragen Masken (außer draußen), das ist hier keine Diskussion, bei Einsteigen wird Fieber gemessen. Die Fahrt zur ersten Insel dauert fast anderthalb Stunden. Die unverständlichen und recht lustlos vorgetragenen Erklärungen der Reiseleitung über Bordfunk nutzen nichts. Also nutz ich die Zeit und mache mich schlau.


Die sieben bewohnten ( und etlichen kleinen) Äolischen Inseln liegen im Thyrennischen Meer im Norden von Sizilien. Rund 13.800 Menschen leben dort. Das Inselarchipel sind vulkanischen Ursprungs, die Vulkane auf Vulcano und Stromboli sind noch aktiv. Ihren Namen hat die Inselgruppe übrigens von den alten Griechen, die hier den Sitz des Windgottes Äolus sahen. Auch Odysseus hat es bei seinen Irrfahrten hierher verschlagen. Das klingt sehr… sagenhaft. Kann man sich aber gut vorstellen, wenn man die Inseln da draußen so windumtost sieht. Heute gehören sie zum Weltnaturerbe, weil hier besonders zu den regen Vulkanischen Vorgängen geforscht wird.


Panarea, unser erstes Ziel, ist die größte der Inseln. Die felsige Küste ist teilweise vom Meer aus sehr spannend anzusehen, da hier schroffe und schöne Felsklippe direkt vor der Küste liegen. Die Insel ist ein großer Berg – so wirkt sie zumindest von Weitem. Der einzige Ort auf Panarea ist steil an den Berg gebaut. Er ist sehr hübsch: Enge gewundene, steile Gassen, alles in Weiß mit schönen Pflanzen und Bäumen. Die Häuser sind liebevoll gepflegt. Eine gelbe Kirche thront hoch am Hang. In Hafennähe gibt es etliche Restaurants, denn hier gibt es auch relativ viel Tourismus. Ansonsten wohnen hier wohl außer den Ureinwohnern vor allem Aussteiger.
Die Strände sind dunkel, aber liegen etwas weiter ab. Natürlich kann man auch neben dem Hafen baden , aber das ist wenig idyllisch. So werden auch die reichlich vorhandenen Felsen als Badeklippen genutzt. Mir klebt alles nur so am Leibe von dem bergigen Ortsrundgang bei der Hitze. Am liebsten wäre ich noch in die berühmteste Badebucht am Punta Milanezze gewandert, die schon zur Bronzezeit besiedelt war, aber dafür ist die Zeit doch etwas knapp. Also – wenigstens einmal in dieses kristallklare Meer…
Weil ich nicht am Hafen Schaubaden für die in den Restaurants herumsitzenden Touris machen will, wandere ich ein wenig auf einem halbhohen Rundweg entlang, bis ich unten eine Felsecke entdecke, wo sich schon ein paar Leute zum Baden versammelt haben. Genau, was ich suche. Eifrig kletterte ich über die gut begehbaren trockenen Felsen, finde auch noch ein Eckchen für meine Sachen und kann es gar nicht erwarten, in dieses wunderbare, leuchtend blaue Meer zu kommen.


Nur leider habe ich dabei nicht gesehen, dass der letzte Felsen des Plateaus gelegentlich überspült wird…Ich habe nur noch gemerkt, wie beide Beine wegrutschen und den Kopf hochgerissen – wenigstens das. Die Landung war heftig, aber glimpflich. Nur nicht für meinen linken Fuß. Der blutet überall. Ein kollektiver Aufschrei der kleinen Schwimmergemeinde. Heldenhaft winke ich ab und springe erst mal ins Wasser. Auch, weil das den Schmerz bessert. Langer Rede, kurzer Sinn – mein Talent für kleine Zwischenfälle hat wieder gegriffen. Ich humple barfuss, eine rote Fährte hinterlassend, zurück, um mir Verbandszeug zu besorgen. Tja , wir sind in Sizilien: Bis halb fünf ist Mittagspause…und das Schiff dann schon wieder unterwegs. Das einzige, was ein Souvenirladen zu bieten hat, sind winzige Pflaster. Aber mit Hilfe einiger Tempotaschentücher geht es schon.

Next Stop: Stromboli. Die jüngste Vulkaninsel, vielleicht auch deshalb ist der Feuerspucker hier noch besonders aktiv. Mit Glück werden wir das am Abend sehen. Aber erster Stopp : Der Haupthafen in dem Ort Stromboli, der um die 500 Einwohner hat. Es gibt noch eine kleine Siedlung auf der Rückseite der Insel. Der Hafen ist ebenso unspektakulär wie hässlich. Der angrenzende Strand – wie erwartet: schwarz. Das ist schon gewöhnungsbedürftig – wurde uns doch seit Generationen anerzogen: Weiß ist sauber, schwarz schmutzig. Aber eigentlich liegt der ungute Eindruck auch daran, dass dieser Strand hier in keiner Weise schön ist. Es liegt irgendwelches kaputtes, altes Zeug herum, Steine, Unkraut. Der Kies tut nackten Füßen zudem unangenehm weh. Jedenfalls löst nichts den Wunsch aus, sich da einen schönen Strandnachmittag zu machen


Die Reiseleitung hat keine Tipps gegeben, wo es schön ist, Hinweisschilder gibt es keine. Oben am Berg ist das Dorf mit der unvermeidlichen Kirche zu sehen. Alle folgen der Straße an der Küste entlang. Nach einer langweiligen knappen halben Stunde erfahren wir von einem Einheimischen, dass da nichts mehr kommt. Toll. Auf dem Rückweg begegnen wir noch ganz vielen Leuten, die ebenfalls wie die Lemminge in die falsche Richtung laufen, darunter viele Ältere mit Gehhilfen. Langsam regt es mich auf, dass weder die Inselgemeinde, noch die Reiseleitung dafür sorgt, dass man sich orientieren kann.


Meine Begleiter sind sauer und wollen gar nichts mehr, außer sitzen. Ich schütte einen halben Liter kalte Flüssigkeit in mich hinein und mache mich doch noch mal auf – schließlich brauche ich immer noch dringend eine Apotheke. Die winzige Gasse, die steil nach oben führt, haben die meisten Inselunkundigen einfach übersehen.


Leider schon etwas in Zeitdruck, stürze ich die sich schlängelnde Gasse hoch, die überall von weißen Mauern eng begrenzt ist, überragt nur hier und da von blühenden Bäumen und Oliven. Es gibt hier kleine, liebevoll gestaltete Geschäfte, ein paar nette Restaurants. Ganz oben – eine kleine Piazza mit Kirche und einer Pizzeria. Und ein besserer Souvenirladen – mit integrierter Apotheke, die aus zwei Regalen besteht. Was ich wirklich brauche, gibt es nicht, aber ich nehme, was ich kriegen kann. Der Ort hat eine sehr eigene Atmosphäre, mancher mag sie durch die Enge vielleicht etwas klaustrophobisch empfinden. Oder gemütlich…


Zwischen den Häusern durch sieht man linksseitig den Vulkan aufragen, der von hier einfach nur wie ein riesiger, kegelförmiger Berg aussieht. Aber – die Luft riecht nach Schwefel. Eindeutig. Ich hoffe nur, dass wir am Abend wirklich Glück haben und etwas sehen können. Ansonsten hätte sich die Tür nicht besonders geloht. Ein Ausflug auf eine ganz nette Insel und eine eher…überbewertete, wären nicht viel für den Aufwand an Zeit und Geld. Ich besorge mir in einer Pizzeria noch ein paar Arancchini, das sind gefüllte und frittierte Klößchen , ähnlich den brasilianischen Coxinhas. Und zum Abschied sagt de Pizzaiolo doch tatsächlich: „Chiao, bella“! Das wollte ich schon immer mal hören! So ganz in echt…


Aber endlich ist die viel zu lange Pause von dreieinhalb Stunden, in denen man nicht viel machen kann, um. Es geht wieder auf das Schiff, dass jetzt vorbei an einigen wirklich schönen Felsnadeln, auf die Rückseite von Stromboli fährt – wo ich mit Glück den ersten aktiven Vulkan in meinem Leben sehen werde. Einige haben inzwischen im Internet gegoogelt und vernichtende Kritiken zu dieser Tour gefunden: „Alles Verarsche“, war der Tenor derer, die am Ende nicht mehr als ein winziges Rauchfähnchen gesehen haben…


Die Sonne geht malerisch und fotogen neben einer Felsinsel unter. Endlich ist es dunkel genug und das Schiff hat seine Position erreicht. Alle starren in dieselbe Richtung, Ober- und Vorderdeck sind so gar nicht Coronagemäß voll. Aber mit Masken…


Ein kollektives OOohhhhh! Es qualmt und raucht immer mehr aus der Spitze des Berges und dann züngelt tatsächlich Feuer auf! Nun starren alle gebannt weiter in die Richtung, auch als das kurze Schauspiel vorbei ist. Und tatsächlich haben wir nach gut zehn Minuten Starrens noch drei weitere Male das Glück, die Feuerteufel von Stromboli bei der Arbeit zu sehen! Ich muss sagen, ich bin schon beeindruckt. Denn auch, wenn die Flammen klein und von kurzer Dauer sind, springt meine Phantasie sofort an und ich stelle mit die ungeheuren Kräfte dahinter vor. Diese Hitze aus dem Mittelpunkt unserer Erde. Man wird schon etwas demütig angesichts der Naturgewalt….

3 – Cefalú und mehr

Nach dem Frühstück buche ich zusammen mit dem deutschen Paar eine Schiffsexkursion zu den Äolischen Inseln für den nächsten Tag. Wir werden zuerst nach Panarea fahren und später auf die bekannteste Insel: Stromboli. Hier sollten wir am Abend mit etwas Glück den Vulkan bei der Arbeit sehen können. Da ich nicht zum Ätna kommen werde, finde ich das besonders spannend, habe ich doch noch nie einen aktiven Vulkan gesehen.
Gegen Mittag tauchen dann wie versprochen Auto und Vermieter auf. Nach einigem Hin- und Her unterschreibe ich den Vertrag für einen winzigen Fiat Panda, aber auch eine Vollkaskoversicherung, da mir das Risiko zu groß ist, hier doch einen zumindest kleinen, aber teuren Schaden einzufangen, schon angesichts der Straßen.


Mutig ans Werk. Aufgeregt wie eine Fahranfängerin, mache ich mich sogleich auf, um die Hemmschwelle, heil mit einem fremden Auto heil von diesem Berg zu kommen, nicht zu groß werden zu lassen. Ziel ist Cefalú, ein Badeort mit Burgeinerberg und einer schönen Altstadt, um die 120 km Richtung Westen. Ich sage Mr. Google, wo ich hin will. Aber die vielen verschlungenen kleinen Straßen und Wege machen sogar dem Navi zu schaffen und ich lande nicht wirklich planmäßg auf einer halsbrecherisch steilen kleinen Straße, die sich in statt nach unten nach oben bewegt. Keine Chance zu wenden. Der kleine Motor keucht und kämpft, zweimal muss ich zurückrollen lassen und mit Anlauf und Karacho im ersten Gang einen zweiten Versuch machen.


Nach gefühlten 700 Kurven geht’s endlich von der obersten Bergkuppe, wo ich inzwischen gelandet bin, bergab – auch nicht ohne angespannte Nackenmuskulatur… Schließlich erreiche ich Patti, die kleine Stadt neben Gioiosa Marea. Ich muss einmal quer durch die Innenstadt, aber das finde ich ganz interessant, so sehe ich wenigstens was von der recht quirligen, nicht besonders schönen Stadt.


Die Autostrada ist kostenpflichtig, und wie ich lernen soll, gar nicht billig. Ich düse in Richtung Palermo, zuerst halte ich mich an die Geschwindigkeitsschilder, aber irgendwann gebe ich es auf, als sogar die LKW an mir vorbeipfeifen wie bei der Ralley. Mit leicht überhöhter Geschwindigkei bilde ich hier ein Verkehrshindernis wie anderswo ein Traktor….Außerdem bin ich die mitleidigen und genervten Blicke der Vorbeiziehenden leid.


Der erste Tunnel ist über dreieinhalb Kilometer lang. Und kaum beleuchtet, aus irgendeinem unerfindlichen Grund darf zudem nur eine Spur befahren werden – also Kolonne fahren in dem dunklen, engen Tunnel. Stress. Kaum haben wir den ersten Tunnel für ein paar hundert Meter verlassen, kommt der nächste und so geht es den größten Teil der Strecke weiter. Die Tunnel sind eng – nichts für Klaustrophobiker . Einige sehen wenig vertrauenerweckend aus mit all dem schwarzen Schimmelund der Feuchtigkeit. Mal sind die italienisch Galleria genannten Tunnel halbwegs beleuchtet, meist sehr wenig, einer gar nicht. Das ist wie Geisterbahn fahren, aber selber lenken. Der deutsche TÜV würde in Katatonie verfallen. Bei den riesigen Sattelschleppern bleibt oft nur wenig Abstand zur Tunnelwand. Aber – alle fahren aufmerksam, ohne Lichthupe und andere Nervereien.


Am lustigsten finde ich die regelmäßig wiederkehrenden Baustellenschilder. Manche sogar mit Spurschließungen….Ich habe nicht eine einzige Baustelle, keinen Sandhaufen, keine Schippe, keinen Arbeiter auf der ganzen Strecke gesehen. Und die Einschränkungen und Anweisungen interessieren folgerichtig auch niemanden…Sehr kurios. Aber dennoch beeindruckt mich die Strecke! Wieviel Jahre haben die an dieser irren Tunnelstrecke gebaut?? Und wenn man nicht im Tunnel ist, fährt man fast immer über gigantische Viadukte! Unglaublich. Trotzdem nervt mich die Strecke, ich komme mir vor wie ein Maki: Die Augen immer weit aufgerissen, um im Dunkeln zu sehen. Und von der wunderbaren Landschaft sehe ich auch nicht eben viel.


Aber die wenigen Aussichten sind dafür sehr schön. Das glitzernde Meer, die grünen Berge und die Ortschaften, die sich vor allem am Meer zusammenducken. Endlich kommt mein Abzweig nach Cefalú. Eine einzige lange Straße führt in die Stadt, ich drehe ein Runde um mich zu orientieren, dann parke ich das Auto in der Hautstraße, da ich weiß, dass die Altstadt für den Autoverkehr weitgehend gesperrt ist. Brav suche ich einen Parkautomaten, denn da verstehen sie hier keinen Spaß. Ich finde nur einen einzigen und der will mein Geld nicht. Ich muss einen leicht verzweifelten Eindruck gemacht haben. Ein älterer Herr will mir helfen, haut aber schließlich auch nur noch entnervt auf das Teil und winkt mich hinter sich her bis zu seinem Auto. Er nimmt seinen Parkschein raus -da sind noch fast vier Stunden offen- und schenkt ihn mir. Das ist doch mal ein Gentleman!


Leider ist es inzwischen halb zwei – alle Geschäfte machen zu. Vor halb fünf passiert hier nichts. Die Stadt isst und schläft. Also wandere ich in Richtung Altstadt, suche mir ein nettes kleines Restaurant und bestelle was ganz Ungewöhnliches: Pizza! Es gibt auch noch ein italienisches Schauspiel gratis: Ein Auto blockiert alle anderen auf einem winzigen Platz, weil der Fahrer mal eben was erledigt. Geschrei und geschüttelte Fäuste, ein anderer verliert die Nerven, drängelt sich vorbei und fährt laut scheppernd über ein Verkehrsschild. Steigt aus, stellt es an eine Hauswand. Inzwischen ist auch der verschwundene Fahrer wieder aufgetaucht und alle fahren friedlich davon als wäre nichts gewesen. Wer wird denn wegen sowas die Carabinieri stören – die haben auch Mittag!


In der Altstadt haben zumindest einige Geschäfte der Touristen wegen geöffnet. Es ist nett, hier herumzuschlendern in den engen Gassen, die mich stark an Pontevedra in Galizien erinnern. Eine schöne alte Kirche steht am Anfang eines Weges, der auf einen riesigen Felsen mitten in der Stadt führt, Oben thront eine Festung. Aber mein heldenhafter Vorsatz, trotz der Schwüle hinaufzusteigen, erledigt sich – der Weg ist wegen Instandsetzungsarbeiten geschlossen.


Ich kaufe ein paar Mitbringsel, schlendere noch ein wenig und beschließe dann, einen Abstecher an den bekannten Sandstrand zu machen, der direkt an Stadt und Altstadt anschließt. Aber meine Verweildauer verkürzt sich stark angesichts des überfüllten Strandes, viele Abschnitte sind von den engstehenden Liegen der Hotels blockiert, der kleine Rest ist voll und nicht sehr sauber – einfach schrecklich. Ich flüchte ins Meer und verschwinde auf der Stelle wieder.


Auf dem Rückweg zum Auto entdecke ich einen wunderbar altmodischen Delikatessenladen, der nur Einheimisches verkauft. Der dicke Chef, offenbar Vorkoster persönlich, erkennt gleich das Leckermäulchen in mir und ich werde mit reichlich Kostproben von Käse und anderem verwöhnt – ich muss nur immer die Augen schwärmerisch verdrehen und „molto bene“ sagen. Aber – seine Rechnung geht auf und am Ende lasse ich ein ordentliches Sümmchen da und gehe mit einem schweren Beutel raus…
Der Rückweg wird wieder unerwartet etwas abenteuerlich, da das Navy , wie schon gesagt, hier angesichts der vielen gewundenen Straßen und des oft fehlenden Signals alles andere als verlässlich ist. Es führt mich zuerst auf die alte Küstenstraße nach Messina, die sich mit tausend Kurven, aber einem herrlichen Blick oberhalb des Meeres entlangwindet. Gerade habe ich beschlossen, die längere Strecke in Kauf zu nehmen, weil sie so schön ist, führt mich das Navy an einem Kreisverkehr völlig falsch auf eine immer schlechter werdende Straße, die in einem weiten Bogen unter der Autobahn durch rund um eine riesige Schlucht führt.


Meine Fahrkünste werden ein weiteres Mal getestet, als sich die Straße fast auflöst und in einen steilen Holperweg mit 170 Grad- Kurven direkt am Berg verwandelt. Eigentlich eine tolle Gegend und ich fahre durch Wildnis, aber auch an sehr schönen Gehöften vorbei, leider kann ich aber nichts wirklich anschauen, dazu ist die Strecke zu…anspruchsvoll. Endlich aber komme ich wieder auf die schöne Küstenstraße. Die ist zwar einspurig und eine Kurve geht in die nächste über, a ber sie ist gut asphaltiert und erscheint mit nun paradiesisch. Ich habe den Strand von Gioiosa Marea angepeilt und hoffe, noch zum Sonnenuntergang ein Bad nehmen zu können.


Irgendwie lande ich aber doch wieder eine Weile auf der der Autobahn….Aber letztendlich fahre ich früher ab und so erfahre ich, dass Gioiosa Marea nicht nur aus den auf den Bergen verteilten Anwesen besteht, sondern eine alten Ortskern am Meer hat. Richtig mit Kirche, Geschäften und Hauptstraße und ein paar Restaurants. Allerdings findet das Navy danach wieder nicht die richtige Straße zum benachbarten Strand. Und ringelt sich am Berg hoch und runter. Ich habe wohl die Überraschúngsroute gebucht….


Rund 12km später wird s mir zu dumm und ich biege einfach an einer kleinen Straße Richtung Meer ab – und lande in Capo Calava, einem wunderschönen Kiesstrand, der an einer beeindruckenden steilen Felsklippe endet. Ein Diskothek thront an der Straße, aber die schläft noch. Die letzten paar Strandbesucher sind gerade im Abmarsch, was ich gar nicht verstehen kann. Denn die Sonne verwandelt sich eben in einen orangen Ball kurz über dem Meer. Sunset. Ich stürze mich nach der langen Fahrt doppelt glücklich in die Fluten und schwimme der untergehenden Sonne entgegen. Was für ein Moment!


Ich beschließe, dermaßen erfrischt, noch einmal nach Gioiosa Marea zurückzufahren und mich in eine Bar zu setzen, einen Happen zu essen und einen kleinen Spaziergang zu machen. Das örtschen entpuppt sich als hübsch und gemütlich: mit einer kleinen Piazza, auf der die Alten zum Plausch sitzen, einer scheppernden kleinen Kirchturmglocke und einer angesagten Bar, vor der die Verliebten sitzen und Aperol Spritz trinken.
Ich kann aber erst mal nichts bestellen, denn es gibt keine Speisekarte, nur einen Barcode auf dem Tisch. Verstohlen lade ich eine App herunter, denn der Kellner scheint nicht mal auf die Idee zu kommen, dass jemand keine hat, so entschlossen, wie er auf den Code zeigt. Schöne neue C-Zeit.


Zufrieden setze ich mich später wieder ins Auto und denke, die paar Kilometer den Berg hoch schaffe ich nun auch noch. Aber da habe ich ein weiteres Mal die Rechnung ohne sizilianische Straßenführung gemacht. Es ist stockfinster, die Gegend fremd und voller kleiner Straßen – ich muss nach Navigation fahren. Und – fast schon zu erwarten: Das verdammte Ding führt mich auf die schrecklichsten „Straßen“ , die es hier gibt. In weitem Umweg über Bergkuppen und Strecken, die mich schweißgebadet ans Steuer ketten. Und wenn ich hier abrutsche, dann findet mich keiner….
Aber Ende gut, alles gut, ich hab’s geschafft. Glücklich verleibe ich mir noch einen leckeren Hauswein ein, der übrigens direkt hier auf dem Gut wächst, und falle in mein Bett.

8. Die Provinzhauptstadt Krabi (I)

Drei Stunden nach nach meinem Abschied von der Insel zerre ich mein Gepäck durch irgend eine seltsame dunkle Nebenstraße von Krabi, die genauso viele Bauschuttkippen wie Brachen und kleine Häuser anzubieten hat, und suche auf meine ratlosen Navi das Baan To Guesthouse. Eigentlich sollte mich der Minibus-Fahrer hinfahren, aber er hatte wohl keine Lust mehr und hat mich oben an einer Hauptstraße abgesetzt. Nicht, dass ich mich fürchten würde, aber im Dunklen in einer Stadt, von der man nicht die geringste Vorstellung hat, ist schon nervig. Und gerade hier ist es bis auf zwei herrenlose Hunde wie ausgestorben. Irgendwann kommt eine dicke Oma auf einem Roller vorbei und zeigt mir den Weg.


Obwohl eigentlich im Stadtzentrum von Krabi, liegt das Baan To Guesthouse ziemlich versteckt, ruhig und abgeschieden. Wirtin und Zimmer sind in Ordnung, bis auf den alterschwachen quietschenden Ventilator. Unten im kleinen Restaurant hinter dem Haus sitzen so ein paar deppe Deutsche, die laut und dumm herumblöken, und alle anderen Gäste mit ihren Weisheiten nerven, aber halb zehn schließt das Restaurant. Einziges Problem: Es ist drückend heiß, auch am späten Abend, und der alte Propeller macht Lärm und Zugluft Richtung meines Kopfes, was ich gar nicht vertrage. Aber morgen wird ein anderes Zimmer frei.


Ein erster Spaziergang führt mich nach fünf Minuten ins Zentrum. Das ist irgendwie recht dunkel, keine Ahnung, was in den relativ großen Häusern entlang der Straßen untergebracht ist. Als schön würde ich nach einem ersten Eindruck die Stadt nicht beschreiben, aber natürlich – wie nicht anders zu erwarten, sehr geschäftig, denn das ist die Provinzhauptstadt. Und – trotz des Massentourismus hier -wirkt alles noch sehr authentisch.

Auf einem Hügel mittendrin tront, wunderbar angestrahlt, ein blau-weißer Tempel: Wat Kaew Korawaram. Ich kann ihn wieder nur von außen bestaunen, fehlt mit doch etwas, um meine nackten Arme zu bedecken. Auf dem Weg in die Stadt rein, habe ich hier auch schon einige Moscheen gesehen. Wieder der Mix des thailändischen Südens…

Krabi ist der Name eines alten thailändischen Schwertes und so sind dann auch zwei gekreuzte Schwerter das Wappen der südlichsten Provinzhauptstadt Thailands. Sie liegt am Indischen Ozean, genauer eben an der Andamanensee, hat 120 km Küste und über hundert Inseln und sehr viel Wald. Die Stadt lebt hauptsächlich vom Fischfang und vom Tourismus. Überall wird gebaut.

Der hiesige Nachtmarkt ist für mich als Nachtmarktfan eher enttäuschend, was das Essen betrifft, aber natürlich findet sich dennoch etwas Gutes zum Abendessen. Kurios ist an diesem Markt eher das Beiprogramm: Auf einem großen Platz in der Mitte thront eine Bühne, davor viele Zuschauerreihen, die fast alle von überwiegend thailändischen Familien besetzt sind.

Auf der Bühne findet ein seht seltsames Programm statt, das ich nicht verstehe. Da stehen Erwachsene und ein Schlange Kinder. Es wird viel geredet und die Kinder machen seltsame Geräusche, alle johlen und klatschen. Am Ende hat immer ein Kind gewonnen und bekommt einen Preis, der höchstens für Mama geeignet ist – irgendwelche Decken oder Wäschestücke. Scheint aber ein Hit zu sein, diese Art von Unterhaltung. Mein erster Ausflug endet, als die Saufkumpane eben in ihren Zimmern verschwinden.

Zuerst bin ich kreuz und quer in Krabi unterwegs, das viel größer ist, als ich dachte. Endlose Straßen, mäandern von der Innenstadt aus Richtung Umland. Irgendwie ähneln sie den amerikanischen endlos-Straßen mit Werkstätten, Geschäften, Firmen, Märkten …. alles ohne Plan und Ende, wild zusammengewürfelt und schwer einzuordnen. Mal fast protzig, mal als Blechhütte. Und – ebenfalls wie überall hier – Schimmel, wohin man blickt. Der Preis des tropischen Klimas. Überallem schwebt das übliche Wirrwarr der Stromleitungen. und manchmal – mittendrin fast dörfliches Ambiente mit Hühnern und Hunden.

Mein erster Weg führt mich zum Busbahnhof außerhalb der Stadt, da meine Wirtin behauptet, es gäbe keinen großen Linienbus für mein Weiterfahrt, obwohl mir dafür im Internet Tickets angeboten werden. Und tatsächlich, egal was man da buchen kann – es gibt Richtung Khao Lak – mein nächstes Ziel – keinen solchen Bus. Sehr seltsam. Muss ich wieder mit einem dieser beengten Minivans Vorlieb nehmen.

Ganz in der Nähe soll es in einem Felsen am Meer ein paar schöne Höhlen geben. Die allerdings liegen offenbar auf einem wahrhaft riesigen Gelände eines Edelressorts. Ich irre eine kleine Ewigkeit darauf herum, mein Navi dreht sich im Kreis und die gelangweilt flanierenden Hotelgäste zucken nur die Schultern. Auch egal, es gibt noch mehr zu sehen.


Am Rande der Stadt fließt ein breiter Salzwasserfluss Richtung Meer, am anderen Ufer wächst und ein Mangrovenwald. Auf einer Insel, die von zwei weiteren beeindruckenden grün bewachsenen Sandsteinkegeln beschattet wird, leben freche Affen, die eine besondere Höhle bewachen: Khao Khanap Nam. Mein nächstes Ziel. Ich brauche allerdings ein Boot, das mich übersetzt. Eigentlich wollte ich durch den Wald zu besagter Insel spazieren, aber da ich allein bin und ein schlechtes Geschäft, will mich keiner zu einem tragbaren Preis übersetzen. Schließlich einigen wir uns auf eine kurze Überfahrt: Nur Insel und Höhle und zurück.

Meine Wasserflasche nimmt mir der Bootsfüher ab – das würde nur die Affen provozieren, die sie mir dann stehlen wollen. Dementsprechend skeptisch behalte ich bei meinem einsamen Gang zur Höhle zwei Exemplare im Blick. Sie mich auch.

Die Höhle kann man über eine Treppe und eine Leiter erreichen. Sie ist wirklich ziemlich eindruckvoll mit all ihren Stalakniten und Stalaktiten. Hier wurden die ältesten Knochenfunde von Urmenschen in Asien gemacht: Ein 47000 Jahre altes, überdurchschnittlich großes Skelett. Sicher ist, dass vor 30000 Jahren in dieser Gegend erste menschliche Siedlungen waren. Während des zweiten Weltkrieges hat sich die japanische Armee hier verschanzt.

Weiter geht’s, aber erst, nachdem ich meine Körpertemperatur bei einem Watermelon Shake im Schatten wieder auf einigermaßen normal gebracht habe… (Fortsetzung folgt)

7. Abschied von Lanta … Krabi wartet

Irgendwie bin ich ein bisschen unentschlossen. Ich habe ja längst geplant, heute die Insel zu verlassen. Aber eigentlich fühle ich mich gerade ganz wohl… Ich lassedas Schicksal entscheiden: Ein Anruf bei Apo-Dhatu Divers am Abend und die Frage, was sie morgen vorhaben…ist es etwas Neues, bleibe ich, sonst pack ich mein Köfferchen. Nein, morgen klappt es nicht mit dem Wrack.

Also: Abschied von der Insel. Ein leckeres Abendessen am Grill, ein Strandspaziergang. Drei Dutzend Mosquito- Stiche bei Blog und Bier auf meiner kleinen Terrasse im Sea Pearl Cottage, wie das zum Restaurant Thai Cat gehörende Gästehaus übrigens tatsächlich heißt. Diese Mosquitos hier sind seltsam: Sie nerven, beißen in Kompanie-Stärke und am nächsten Tag sieht man kleine Punkte, die man aber nicht spürt.

Mr. Coco, mein Ansprechpartner und Kümmerer seit dem ersten Tag, schaut noch vorbei und sagt mir, dass er alles wunschgemäß organisiert hat für meine Abreise morgen. Obwohl er ja findet, ich solle noch bleiben… Das ist das Tolle hier: man findet immer sofort Leute, die alles perfekt organisieren, ganz einfach so, ganz nach Wunsch.

Am Morgen freue ich mich, dass ich meine Abfahrt auf halb fünf gelegt habe, so bleibt noch Zeit für Yoga am frühen Morgen, einen early bird Strandbesuch und ein Thai-Frühstück (Hühnersuppe) mit Blick auf das Meer.

Später fahre ich noch mal nach Saladan und gönne mir eine Abschluss-Massage bei Wan. Ein bisschen schlendern, ein Besuch im heiß empfohlenen Lanta Silver – Laden…. Noch ein bisschen aufś Meer starren…

Mr Coco ist ganz genervt, weil sich mein Minibus verspätet, mir ist das egal. Schließlich kommt der vollgestopfte Van und es geht los. Wir müssen lange an der Lanta-Autofähre von Lanta Noi zum Festland warten, es ist so was wie rush hour. Neben mir sitzt ein gesprächiger junger Siebenbürger Ungar aus Rumänien, das ist alles ganz spannend und die Zeit vergeht schnell. Noch einmal sehe ich von der Fähre die Sonne über Koh Lanta untergehen, dann warten neue Horizonte.

Fazit zu Koh Lanta? Eine schöne Insel in einer phantastischen Umgebung: der südlichen Andamanensee mit diesen unglaublich vielen, wilden bizarren Felseninseln. Diese Anblicke sind einfach unglaublich, davon kann man nicht genug kriegen. Und das Tauchen war auch sehr schön hier, das würde ich gern wiederholen.

Ansonsten kann man hier gut mal ein paar Tage ausruhen, denn trotz der schier unüberschaubaren Zahl an Unterkünften für jedes Budget, findet man am Strand erstaunlich wenig überfüllte Ecken, stattdessen viel Platz. Und die Urlaubermischung ist auch angenehmer als in Phuket und insgesamt entspannt. Klar, Lanta ist ein absoluter Touristenmagnet, mit Thailand hat das nur noch wenig zu tun – vom Essen und den freundlichen vielen dienstbaren Geistern mal abgesehen.

6. Unterwasser – Zauberwelt

Genug Landrattendasein, es wird Zeit… zum Tauchen! Punkt 7:30 Uhr steht der Jeep von Apo Dhatu Divers vor dem Tor, der Chef selbst kutschiert mich und ein Schwyzer Paar zum Pier in Saladan.

Dort bin ich erstmal irritiert, wie sich ein kleines Dive Center wie Apo Dhatu so ein großes Tauchschiff leisten kann. Das klärt sich schnell: Die verschiedenen Tauchschulen hier sind smart genug, bezüglich ihrer Tauchboote und der dazugehörigen Crews zusammenzuarbeiten – in wechselnden Kombinationen. So sparen sie Kosten und die Umwelt freut sich. An Bord sind rund 15 bis 20 Taucher und eine erfreuliche große Zahl an Guides , das spricht für eine gute Betreuung.

Zwei Tauchgänge sind geplant, Ziel sind zwei Sandstein-Felseninseln, Koh Bida Nai und Koh Bida Nok. Die Fahrt dorthin dauert anderthalb bis zwei Stunden, Nichttaucher zahlen dafür auf den Ausflugsbooten richtig Geld. Nach dem Ablegen der MS Lanta Divers gibt es erstmal Frühstück, später werden wir mit Obst, Getränken und, zwischen den Tauchgängen, einem Mittagessen versorgt – wir leben gut.

Die Fahrt an der Küste entlang ist wunderschhön, immer wieder kleine Inseln und schöne Anblicke. Weiter draußen ist eine Zeit lang weniger zu sehen, bis immer wieder, weit entfernt, die oft steil und schroff und manchmal wirklich bizarr aufragenden Kalkstein-Inseln auftauchen, für die die südliche Andamanensee so berühmt ist.

Ich bekomme einen eigenen Guide zugeteilt – beim Tauchen bleiben die Schulen getrennt. Die anderen vier Taucher von Apo Dhatu sind eher Anfänger oder machen sogar gerade erst ihre Prüfungstauchgänge. Ich bin begeistert, denn erstens macht das Tauchen in so kleiner Formation noch mehr Spaß, und außerdem bin ich nach einem Jahr Pause zugegebener Maßen auch etwas nervös. Mat ist Franzose (komisch, ich habe fast immer französische Instructors und Guides) und ein cooler Typ.

Das Völkchen der Tauchlehrer und -guides ist übrigens ein ganz besonderes: Es sind alles Menschen, die um die Welt ziehen über Jahre und meist mal hier, mal da leben und arbeiten. Eine Mischung aus Weltennbummlern, Aussteigern, Idealisten und manchmal auch schrägen Typen. Oft tätowiert, das gehört schon fast dazu. Die Bootscrews sind übrigens immer Einheimische. Ist wohl zu hart, schmutzig und schlecht bezahlt…

Die Fahrt an der Küste entlang ist wunderschhön, immer wieder kleine Inseln und scchöne Anblicke. Weiter draußen ist eine Zeit lang weniger zu sehen, bis immer wieder, weit entfernt, die oft steil und schroff und manchmal wirklich bizarr aufragenden Kalkstein-Inseln auftauchen für die die südliche Andamanensee so berühmt ist.

Die Aufregung steigt, beim Briefing erfahren wir die geplanten Tauchrouten und Bedingungen und was es möglicherweise zu sehen gibt. Wir ankern zuerst vor Koh Bida Nai, die steil, karstig und mit allem möglichen Grün bewachsen, vor uns aufragt. Inseln wie diese habe ich noch nirgends außerhalb Asiens gesehen. Sieht toll aus, mit dem hellen, türkisen Wasser drumherum, dass dann weiter drau0en in Tiefblau übergeht.

Das wirklich Lästige am Tauchen ist die Vorbereitung. Die Ausrüstung zusammenzubauen ist nur nervig, wenn man es nicht sooft und routiniert macht, weil man sich furchtbar konzentrieren muss, um nichts falsch zu machen, denn das ist schließlich lebenswichtig im engsten Wortsinn. Aber richtig lästig finde ich das anziehen: All diese engen Sachen, in die man sich reinzwängt bis hin zu den Flossen. Dann das schwere Equipment, der Bodycheck, ob alles funktioniert. Und zu guter Letzt wackelt man mit der Last und den Flossen wie ein Teletubbie über Deck zum Ausstieg. Wäre das Tauchen nicht so wunderbar, würde ich das sicher schon deshalb längst drangegeben haben.

Der erste Tauchgang ist genauso schön wie der zweite, obwohl die Sicht für hiesige Verhältnisse nicht so kristallklar ist wie meistens. Aber 15 -bis 18 Meter Wunderwelt sind genug. Eine bunte bizarre Welt voller Korallen, Farne, bewachsener Felsformationen – und natürlich all die quicklebendigen Bewohner, die uns so selbstverständlich annehmen, beäugen, mitschwimmen lassen.

Gleich beim ersten Abtauchen sind wir von einem riesigen Schwarm Yellow Snapper umgeben, das ist so schön, dass ich keine Zeit für Nervosität habe. Die eleganten Barracudas, die lustigen Clowns- und Korallenfische, die schrägen Kofferfische, schillernde Papageienfische, schwebende Rochen silberne Barsche, Schwärme von Butterfly– und Surgeon-Fischen extravagante Scorpion- und Lionfische – beide wunderschön, sehr giftig, aber überhaupt nicht am Kontakt interessiert. Und das sind nur ein paar von all den geschmeidigen, bunten, vielfältigen Schuppenträgern, die wir in den nächsten beiden Tagen sehen, die meisten kann ich kaum beim Namen nennen.

Eine Seeschlange begleitetet uns ein Stück des Wegs – auf Abstand, aber mit Interesse. Und wir finden sogar Nudibranches, das sind wunderschöne kleine Nachschnecken in verrückten Formen und Farben, sie sehen aus wie vom Schmuckdesigner, sind schwer zu finden, man muss sehr ruhig tauchen und genau hinschauen.

Da unten gibt es so viele Formen und Farben, wie oberhalb der Wasseroberfläche kaum irgendwo. Es ist einfach immer wieder faszinierend.

Keine Angst, das geht jetzt nicht Seitenlang oder tagelang so weiter, ich beschränke mich auf dieses eine Mal. Natürlich ohne zu vergessen, mich damit zu brüsten, dass ich am zweiten Tag eine Riesenchildkröte entdeckt habe, die sich unter einer großen Koralle schlafen gelegt hatte.

Die Ausbeute – rein optisch und ideal, versteht sich – ist an den beiden Tauchtagen, die ich mit hier auf Lanta gönne, einfach phantastisch. Schön auch mit anderen Tauchern unterwegs zu sein, die Spaß haben, begeistert sind und sich an alle Regeln von gegenseitiger Hilfe bis „Nichts berühren, nichts mitnehmen“ halten.

Am zweiten Tag geht es zu einem gut zwei Stunden entfernten Archipel, das aus vier dieser besonderen Inseln besteht: Koh Haa. Diesmal ist der Chef, Jean Marc, Guide für mich und Stephane, meinen Buddy an diesem Tag. Ich erspare, wie versprochen, allen Nichttauchern weitere ausufernde Schilderungen… es ist einfach immer wieder ein wunderbaren Erlebnis, inklusive der Sensation, sich unter Wasser in ein anderes Wesen zu verwandeln, das sich eben auch ganz anders fortbewegt : mit dem Atem, statt mit Armen und Beinen.

Wir sind jeweils erst gegen 16 Uhr zurück – und ich bin platt. Da braucht es nicht mehr viel zum glücklich und zufrieden sein: Ein abendliches Bad im Meer, eine Massage, ein leckeres Abendessen, ein Bier… Die Welt kann so schön sein!

5. Inseltag

Hühnersuppe zum Frühstück ist eine echte Alternative! Und wenn man die noch nach einem ersten Bad im Meer mit Blick aufś Meer löffeln darf, umso mehr.

Heute ist Inseltag. Dazu habe ich mir einen Roller vom Guesthouse geliehen Er war erstaunlich billig und nach einem Blick auf das Gefährt weiß ich auch warum. Wäre dies nicht unmöglich, würde ich sagen, das Teil ist älter als ich. Eine grüne Rostlaube, allerdings nicht an den entscheidenden Teilen. Eine halbe Rolle Klopapier geht drauf, um die Vogelkacke darauf wenigstens abzuwischen.

Dann gehtś los Richtung Süden, angekommen bin ich ja am Nordende, in Saladan. Aber im Süden gibt es ein paar interessante Ziele. Einen Nationalpark mit Höhle und Wasserfall zum Beispiel. Wasser ist immer magisch für mich, deshalb soll das mein erstes Ziel sein. Ich düse gemächlich die westliche Straße hinunter. Bis kurz vor dem südlichen Ende ist alles bebaut, mal mehr, mal weniger , je nachdem, ob ein Strand in der Nähe ist. Aber bebaut heißt hier nicht zugebaut, alles ist kleinteilig, mit Lücken, ohne Betonkolosse. Die Baumaterialen sind zumeist Holz, Blech, Bambus, Lehm oder eben auch mal Beton.

Angesichts der Zahl der Geschäfte, Imbisse und Restaurants frage ich mich, wie schon so oft in Thailand, wie die alle überleben können. Zwischen all den kleinen Bauten entdecke ich eine winzige Moschee, die ihr Minarett fast verschämt und kaum höher als ein dreistöckiges Haus gen Himmel erhebt. Sieht irgendwie kurios aus. Hier und da gibt es auch ein paar buddhistische Altäre, alles friedlich nebeneinander.

Die Straße ist abenteuerlich: Kilometerweit erstklassig asphaltiert, dann plötzlich eine totale Lochpiste mit losem Schotter oder fiesen Betonrillen in Fahrrichtung. Gen Süden wird die Bebauung spärlicher, die flache Landschaft hügelig bis bergig und alles tiefgrün. Dschungel.

Plötzlich kommt eine Abzweigung zur Tiger Höhle – Khao Mai Kaew. Kurzentscchlossen ändere ich meinen Plan und folge der kleinen Straße, die sich durch die grüne Landschaft schlängelt, durch ein einheimisches Dorf. Leider übersehe ich das unscheinbare nächste Schild und gerate auf Abwege, die immer mehr einer dieser Querfeldein-Motorradpisten gleichen, rein in den Urwald. Schließlich komme ich zu einem einsamen Haus mitten im Wald und ein leicht bekleideter Mensch kommt aus seiner Open-Air-Dusche, kichert und verrät mir, dass ich falsch abgebogen bin.

Ich habe Mühe, das Bike auf dem Pfad zu wenden. Als ich zehn Meter weiter bin, merke ich, dass ich meine Brille verloren habe. Ich laufe zurück und stolpere ganz hässlich. Und falle, mit dem Knie auf eine scharfe Steinkante, die einen tiefen messerscharfen Cut in mein Knie haut. Egal, denke ich, bloß raus aus dem Wald. Schwinge mich auf den Roller und erschrecke eine Viertelstunde später die Leute am Restaurant, wo die Führungen zur Höhle losgehen.

Aber mit Hilfe einer Thai-Oma und eines netten Menschen aus Malta wird mein Bein gewaschen und verarztet. Alles gut. Es tut auch nicht sonderlich weh, glatter Schnitt. Auf gehtś zur Höhle.

Alledings hat wohl keiner damit gerechnet, wie anstrengend die halbe Stunde bis zur Höhle ist. Der Weg geht steil nach oben und ist in keiner Weise gut ausgebaut. Teilweise müssen wir uns an Seilen hochziehen und über mehr als wackelige Holzleitern mit Riesenstufen am Felsen hocharbeiten. Der Schweiß läuft in Strömen, alle sechs Höhlenbesucher keuchen. Und eine kleine grüne Schlange gibt die angemessene Deko. was so alles über den Weg huscht, können wir so schnell nicht erkennen.

Aber der Wald ist wunderschön. Dann kommt die Rangerstation, wir bekommen Kopflampen. Noch ein Stück Geschicklichkeitstraining über Felsblöcke und wir sind endlich am Höhleneingang. Und spätetens hier dürfte die Tour für korpulente Besucher enden, denn der Felsspalt, der als Eingang dient, ist…sehr schmal.

…und was dahinter kommt, zum Teil noch mehr. Es ist eine Art Schlangenmenschenparcour mit integriertem freeclimber training. Ich habe ja schon so einige Höhlentouren gemacht, aber das ist wirklich Extraklasse. Durch enge Felsspalten, über glibberige Felsbrocken, über extreme Leitern. Nichts für Klaustrophobiker noch dazu. Plötzlich glitsche ich aus meinem Schuh…

Ein Blick nach unten erklärt die Sache, mein Knieschnitt ist trotz enger Verpflasterung aufgegangen und das Blut läuft in Strömen. So kann ich nicht weiterklettern, aber allein zurück auch nicht. Also setzen sie mich in einer Minihöhle ab, die zum Glück einen winzigen Spalt zum Himmel hat, und ich muss warten, bis die Anderen nach einer halben Stunde zurückkommen. Gut, dass ich nicht wusste, was für gigantische Spinnen in der Höhle wohnen. Also sitze ich da, versuche mein Knie zu beruhigen und eventuelle tierische Besucher im Auge zu behalten. Schmerzen habe ich überhaupt nicht, zum Glück.

Schließlich werde ich wieder abgeholt. Zum Glück ist die Höhle wohl nicht allzu spektakuär gewesen, sonst hätte ich mich gegrämt. Zurück aus dem Höhlenlabyrinth geht es einen anderen Weg, der noch schwieriger ist. Ich versuche, das Knie möglichst selten zu beugen, damit es nicht wieder blutet. Aber leichter gesagt, als getan. Und kurz vor dem Ausgang bin ich dann kurz vor der Panik. Wir müsssen uns im Liegen durch eine Felsenge schieben…. Aber alles überlebt. Ein paar hundert Fledermäuse sagen in der letzten Biegung auf Wiedersehen und der Berg entlässt uns.

Der Abstieg ist wie zu erwarten noch eine kleine Herausforderung, aber alles halb so schlimm. Wieder in der Zivilsation fahre ich in eine Apotheke, lasse den Schnitt desinfizieren und mit wasserdichtem Pflaster verkleben. Die Apothekerin sagt, baden und tauchen kein Problem, solange mir nichts wehtut. Und seltsamer Weise tut ja nichts weh. Ist eben nur ein blödes Blutgefäss getroffen.

Das Leben geht weiter und meine Erkundungstour auch. Den Wasserfall lasse ich aus, er soll jahreszeitlich bedingt kaum Wasser führen. Und Elefantenreiten im Nationalpark…. da halte ich mich lieber an die Plakate mit der Aufschrift: „Love Elephants? Do not ride!“ Also auf nach Lanta Old Town an der Süd-Ost-Küste. Noch ein ganzes Stück Wegs, aber es lohnt sich. Das winzige Städchen ist sehr hübsch nund beschaulich. Eine Flanierstraße voller Läden und Restaurants scheint auf Horden von Touristen zu warten, führt aber stattdessen ein beschauliches Kleinsststadtleben.

Auch die östliche, zweite Straße von Lanta hat mir eine ganz andere, ziemlich ursprüngliche Seite der Insel gezeigt. Zwar gibts auch hier einige wenige Unterkünfte und Restaurants, aber ich habe kaum Touristen gesehen. Alles ist eher verschlafen und grün. Eben dörfliches Leben mit Hühnern und Kühen auf der Straße. Und dahinter das Meer. Ich schlürfe einen Eiskaffee auf einer Dachterasse in der Altstadt mit spektakulärem Blick aus ein Inselarchipel. Sehr gemütlich und entspannend nach dem Höhlentrip.

Irgendwann trödle ich zurück, gemütlich und auch zufrieden nach einem spannenden Tag, kleine Pannen werden in Kauf genommen. Ein Bad im Meer bei Sonnenuntergang (übrigens ohne irgendwelche Probleme) und ein leckeres Abendessen in einem Restaurant in Klong Kong, dem Nachbarstrandort, ein Chang Bier auf meiner Mini-Terrasse und – Gute Nacht!