Drei Tage Süd-Bali waren schön, aber sind dann auch genug. Die Orte sind entweder groß und chaotisch wie Jimbaran oder eher Ansammlungen von Häusern und ein paar kleinen Läden, aber wirklich schön sind sie nicht. Und überall wird wie verrückt gebaut, das aber richtig hässlich: Beton, der schön schwarz ist, bevor die Wände fertig sind, Golfplätze für die, die zur Gemeinde der Golfer gehören und eben die vielen Surferbuden und Gyms.
Wir haben noch eine Ecke der Insel auf dem Plan, die uns ganz und gar fehlt: den Tempel Tanah Lot im Süd-Westen. Auf Bildern habe ich ihn schon öfter gesehen, also gehörte zum must see für uns. Wir haben uns mit unserem letzten Taxifahrer wieder auf einen Tagespreis geeinigt, um mit ihm zuerst Richtung Westen zu fahren und danach zurück nach Sanur, dem Strandvorort von Denpassar, wo unsere Reise begonnen hat. Dort wollen wir die letzten vier Tage verbringen.
Eigentlich ist Tanah Lot nicht sehr weit weg, aber … es dauert eben wieder. Allerdings wird meine Laune immer besser, denn je weiter wir uns gen Western bewegen, desto mehr bietet sich am Straßenrand das Bild, das ich bei der ersten Reise nach Bali im Kopf mitgenommen habe: Viele Häuser und Grundstücke haben diese wunderbaren dazugehörigen Tempel, Portale und Mauern, mal gelb, mal rot, orange oder schwarz-gold! Götzen und Gottheiten Rollen die Augen, Strecken die Zunge heraus oder Strecken die Arme aus – es ist einfach großartig. Ich erinnere mich, dass hier fast jeder, der ein eigenes Grundstück hat und ein Haus baut, auch solche Tempel und Götterfiguren einplant. Ich starre begeistert aus dem Fenster und fühle mich ein bisschen wie in einer Phantasiewelt. So schön!
Gute zwei Stunden später haben wir es geschafft: Pura Tanah Lot, der Meerestempel. Wörtlich bedeutet sein Name „Land inmitten des Meeres“. Der Tempel selbst steht auf einem winzigen Inselchen, das nur bei Ebbe zu erreichen ist. Als wir ankommen , gibt es noch zuviel Wasser, um zum Tempel selbst zu gelangen. Das ist aber eigentlich auch nicht nötig, es ist auch so ein eindrucksvoller Anblick, den Tempel inmitten grüner Bäume wie auf einer Scholle thronen zu sehen. Irgendwie hat es für mich etwas von einer Fatamorgana.
Gebaut hat den Tempel der Überlieferung nach Anfang des 16. Jahrhunderts ein Hindupriester, der von Java vor den Muslimen nach Bali geflüchtet ist, als Meditationsort für sich und seine Schüler. In einer kleineren Höhle am Strand gegenüber des Felsen entspringt in einer Höhle eine Süßwasserquelle, die als heilig gilt und von Priestern bewacht wird. Hier leben auch die heilige Schlangen, die als hochgiftig gelten, aber noch nie jemanden gebissen haben sollen. Höhle und Schlange werden von Priestern bewacht, die kategorisch auf die Spendenbox weisen, wenn jemand die Schlangen sehen will.
Die gesamte Tempelanlage zieht sich einige hundert Meter am Meer entlang, ist also ziemlich groß und wirklich wunderschön. Auch hier haben Gläubige überall diese kleinen Opferkörbchen mit Blüten, Kräutern, Reis und manchmal Süßigkeiten hingestellt. Dieses heilige Ritual vor Götter-Bildern, Tempeln oder Statuen absolvieren die meisten Hindus mehrmals am Tag: immer schön angezogen, mit etwas, das nach Weihrauch aussieht.
Die Besucher hier sind vorallem Balinesen, aber auch Touristen aus aller Welt. Sarong ist hier nicht Pflicht, aber angemessene Kleidung selbstverständlich, nur ein paar dicke deutsche Stammtischgenossen haben das wohl nicht mitbekommen …
Nach einem Spaziergang durch die Tempel-Anlage und die sich anschließende kleine Zeile von Geschäften und hübschen kleineren Restaurants, genehmigen wir uns noch einen Luwak-Kaffee. Das ist diese legendäre teure Kaffee, dessen Bohnen erst von iltisartigen Mardertieren, den Luwaks, gefressen werden, die die Bohnen dann fermentiert wieder ausscheiden. Gereinigt hat der Kaffee einen zugegeben leckeren Geschmack und kostet mindestens dreimal soviel wie nicht ausg… Kaffee. In dem offenen kleinen Café liegen drei ausgestopfte Luwaks auf dem Tresen und einem Brett über den Tischen … Uups: Plötzlich rekeln sie sich und schauen sich um! Sie sind zahm und begleiten ihren Besitzer jeden Tag zur Arbeit.
Auf dem Rückweg zur Hauptstraße bittet unser Fahrer plötzlich anhalten zu dürfen, da er eine verzweifelt wirkende junge Frau neben ihrem Motorrad hat stehen sehen, der er Hilfe anbieten möchte. Um es kurz zu machen: Wie sich herausstellt, kommt sie aus einem anderen Teil Balis und macht hier eine Art Ausbildung, bekommt aber kein Geld dafür. Jetzt ist auf dem Heimweg ins Dorf ihr Roller kaputt gegangen und sie kann weder die Reparatur bezahlen, noch kommt sie allein in den nächsten Ort. Komang, unser Fahrer, geht zurück und gibt ihr, wie wie sehen können, ein Drittel seines Tagesverdienstes, damit sie ihr Fahrzeug in einer Werkstatt reparieren lassen kann. Das ist wegen des Karmas, erklärt er uns ganz einfach. Wir sind ehrlich beeindruckt. Am Abend geben wir ihm noch einen dicken Bonus – für das Karma.
Am späten Nachmittag erreichen wir Sanur, nachdem wir uns quer durch den wahnsinnigen Stadtverkehr der balinesischen Hauptstadt Denpassar gekämpft haben. Wir hatten Glück, das letzte freie Zimmer in dem kleinen Hotel, dem Cove Jivva Nattaya zu bekommen. Zufrieden nehmen wir ein Bad im Pool unter den blühenden Bäumen. Dann faulenzen, essen schlafen. Endlich wieder das Bali, das mir vor zwei Jahren so sehr gefallen hat.
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