11 – Ab auf die Inseln: Togian Islands

Unsere letzte Etappe mit Anton: Zum Hafen von Ampana. Endlich wieder ans Meer. In aller Frühe verabschieden wir uns von Tentena und unserer schönen Eko-Lodge, denn wir müssen mittags am Hafen von Ampana sein, um auf die Togian Inseln zu kommen. Und es sind wieder ca sechs Stunden Autofahrt.

Zum Archipel gehören 56 größere Inseln (wobei größer teilweise sehr relativ verstanden werden muss) und viele weitere kleine Riffe und Inselchen. Wir haben gehört, dass sie noch ziemlich ursprünglich sein sollen – und das hat uns animiert. Allerdings haben wir keine Ahnung, welche wir auswählen sollten. So ist unsere Wahl eher zufällig auf Una Una gefallen. Kurzfristig haben wir auch ein Zimmer gefunden, das nicht teuer ist und das zu einem Dive Ressort gehört. Und das ist der Trumpf: Ich will endlich wieder tauchen!

Überpünktlich sind wir am Hafen, müssen aber noch ein Stückchen weiter zu einem anderen Anleger fahren, weil der Wasserstand zu niedrig ist für die Boote. Am Tag vorher konnte gar kein Schiff auslaufen wegen zu hoher Wellen. Na, wenigstens scheint es hier Kapitäne mit Verantwortungsgefühl zu geben, die bei unpassenden Wetterbedingungen nicht auslaufen …

Der Hafen entpuppt sich als ein einziger langer Steg, der weit ins Meer hinausführt, da das Wasser auch hier relativ flach ist. Ein Hafengebäude gibt es nicht, nur irgendwelche leicht verfallene Holzhütten, in denen Werkstätten oder was auch immer untergebracht sind. Die nächste Toilette ist in einer Moschee! Aber ich kann sie trotz halb langer Hose und ohne Tuch ungehindert benutzen.

Etwas erstaunt betrachten wir das größere Motorboot, das diese Strecke bedient. Angesichts der Entfernung und der häufigen Wetterwechsel wäre mir europäischem Weichei ein etwas größeres Schiff lieber gewesen. Es warten mittlerweile ziemlich viele Leute auf dem Steg, denn die Vormittagsfähre ist nicht ausgelaufen, da zu wenig Passagiere da waren. Dafür jetzt umso mehr und ziemlich viel Gepäck von Rucksäcken bis Plastiksäcken und Pappkartons – keine Ahnung, wo das alles hin soll …

Das andere Problem (das hier offensichtlich keins ist) ist, dass einer der beiden Motoren erstmal repariert werden muss. Wie gesagt, wer auf die Togians will, muss Abenteuergeist mitbringen. Irgendwann ist es geschafft und es gelingt uns, die ersten Plätze vorn hinter dem Käptn zu ergattern, wo die Bug-Kabine etwas Schutz vor etwaigen Wassermassen und Wind verspricht. Gebrannte Kinder …

Das Boot ist rappelvoll, aber alles geht besser als gedacht, auch wenn es ziemlich viele Wellen gibt und und auch dieses Boot öfter mal hart aufschlägt. Aber der Kapitän versteht sein Handwerk. Nach einer halben Stunde dreht er sich zu uns um und zeigt strahlend aufs Meer vor uns: Mehrere Dutzend Delfine spielen und springen direkt vor und neben uns! Was für ein toller Anblick!

Irgendwann haben wir die Fahrt dann überstanden und steuern zwischen kleinen grünen Felsatollen hindurch auf das kleine Örtchen Wakai auf der Insel Pulau Batudaka zu – Anlauf-und Ausgangspunkt für viele Schiffe zu den weiteren Inseln. Die Stelle, an der wir anlegen, (von Hafen keine Spur) sieht allerdings mehr als ernüchternd aus. Kein richtiger Steg, verrottendende Bretter und Balken sowie reichlich Müll. Irgendwie schaffen wir es, mitsamt unserem Gepäck an Land zu kommen ohne zu fallen.

Am Abend zuvor hatte ich WhatsApp-Kontakt zu unserem Resort auf Una Una. Irgend ein Boot sollte uns abholen. Aber wer und wann?? Alles easy, der Käptn weiß offensichtlich schon von uns und sagt, wir sollen einfach warten. Irgend ein Mensch, der Umur heißt, würde uns nach Una Una ins Pristine Paradise Ressort bringen …

Und tatsächlich: Keine halbe Stunde später legt eins dieser langen, schmalen hölzernen Motorboote an, die wir schon aus Bali kennen. Die eigenartigen Ausleger stabilisieren diese Boote erstaunlich gut auf dem Meer. Auch das Klettern an Bord schaffen wir wieder ohne uns etwas zu brechen. Und ab geht die Post …

Nach ungefähr zweieinhalb Stunden, von denen wir die letzten anderthalb doch etwas nass geworden sind, weil das Meer wieder unruhiger ist, legen wir auf Una Una direkt am Pristine Paradise Ressort an, das unter Palmen und riesigen Mangobäumen direkt am Strand liegt.

Der Empfang ist sehr herzlich, wir bekommen einen kleinen Bungalow in 2. Reihe zum Meer. Man sieht, dass alles mal mit Liebe gebaut wurde , aber 10 Jahre ist das sicher her und seitdem hat nur noch das brutale feuchtheiße Klima daran gearbeitet. Auf Sulawesi muss man ohnehin Europa aus dem Kopf verbannen. Das Bett ist groß und sauber, 20 Meter vor uns glitzert das Meer …

Treffpunkt und Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens ist das „Restaurant“ wo drei Mahlzeiten gereicht werden, immer Kaffee und Tee bereitstehen und man sich eben trifft. Telefon und Internet gibt es auf den Togians nur über Satellit. Und das auch nur in den Ressorts – manche lassen die Gäste dafür zahlen. Bei uns ist es gratis. Aber es funktiert nur von 5 pm bis 5 am (also abends bis morgens). Ausnahme ist, wenn der Kompressor für die Sauerstoffflaschen der Taucher angeworfen wird, dann gibt es im Restaurant außer der Reihe Verbindung. Macht schon ein wenig nachdenklich, dass das so ein Thema ist. War noch vor ein paar Jahrzehnten normal, im Urlaub nicht erreichbar zu sein …

Außer uns sind zur Zeit noch vier weitere Gäste da – es ist keine Saison. Das Essen ist für alle gleich, einziger Unterschied: vegetarisch oder nicht. Gegessen wird, gemeinsam mit einer deutschen Teilzeitmitarbeiterin aus Berlin, an einem langen Holztisch, was durchaus die gesellschaftlichen Kontakte fördert. Irgendwie so ein bisschen wie Kommune, ganz lustig, wenn auch das Essen selbst eher langweilig ist. Bier und Cola gibt’s gegen Bezahlung. Die erstaunlich zahlreichen Mitarbeiter sind alle unglaublich freundlich, immer mit einem Lächeln oder Winken. Das ist wichtiger als schicke Bungalows.

Ansonsten ist easy living angesagt, die meiste Zeit liegt man in einer der zahlreichen Hängematten, liest, redet, faulenzt. Ein langes hölzernes Pier führt weit ins Meer raus, denn gleich kurz vor dem Strand beginnt ein wunderschönes Korallenriff, das geschützt werden soll. Daher soll möglichst nicht vom Ufer ins Meer gegangen werden. Ab 17:30 soll schon gar nicht mehr gebadet werden, die Meeres Bewohner brauchen Ruhe und an unserem Strand schlafen nachts die Stachelrochen, die gefährlich werden können.

Nach dem Abendessen tauchen die dive master auf und verkünden die Tauchplätze für den nächsten Tag und erklären, was es da zu sehen gibt und für wen sie geeignet sind. Es gibt drei mögliche Tauchgänge pro Tag. Ich finde es super, dass wir so wenige sind. Ich werde immer einem belgischen Sonderling zugeteilt, der sich aber als nett und sehr erfahren herausstellt. Wir beide dürfen Tieftauchgänge machen, die anderen noch nicht. Ich will hier nicht mit endlosen Taucher-Elogen langweilen, aber soviel sei gesagt: Es werden sehr tolle Tauchgänge bis auf 31 Meter mit einem Hai, Barrakudas, vielen Nemos, den wunderschönen, aber giftigen Skorpionfischen, Seeschlangen, Neonfischen, Meeresschildkröten und unendlich vielen anderen wunderschönen, farbenprächtigen Fischen und großartigen, gesunden Korallenriffen.

Es lohnt sich also auf die Togians zu kommen, um zu tauchen – und übrigens auch nur zu schnorcheln, wie mein Reisegefährte erzählen kann. Ich habe es nachgelesen: Auf den Togians gibt es 819 verschiedene tropische Fischarten, über 540 verschiedene Muscheln und 341 verschiedene Korallen … ein Traum!

Außerhalb des Wassers unternehmen wir nicht viel. Einen Spaziergang in das so genannte Dorf, das eine halbe Stunde Weg von uns entfernt liegt und eigentlich nur aus ein paar entlang der „Straße“ verteilten Häusern, einer Grundschule und natürlich einer Moschee besteht. Es sollte dort einen kleinen Mini-Supermarkt geben. Gefunden haben wir allerdings nur einen maximal 5 Quadratmeter großen Laden mit vergammeltem Gemüse, Zigaretten, ein paar undefinierbaren Tütchen und Fläschchen …

Die Straße ist eher ein abenteuerlicher Lehm-, Gras und Schotterweg, auf dem uns oft mit ganzen Familien besetzte Motorräder mit ausnehmend freundlichen Menschen, friedliche Hunde oder freundliche Kühe begegnen. Die Insel ist von hohen Bäumen, dichtem Grün und Kokospalmen bewachsen. Es gibt außerdem einen aktiven Vulkan, der das letzte Mal in den 80ern des letzten Jahrhunderts ausgebrochen ist und der immer noch aktiv ist.

Eigentlich wollten wir zusammen eine Vulkan Tour machen. Aber mein Dive Master findet das für mich nicht cool, nach so viel tiefen Tauchgängen. Also muss der amtierende Schnorchler allein los. Für diese Tour wird man von örtlichen Guides mit einem geländegängigen Motorrad abgeholt, oben angekommen, begleitet er seinen Kunden auf den Krater.

Gut, dass du nicht mitgekommen bist, heißt es später – die Motorradfahrt wäre zu viel für dich, wild am Strand entlang und einen unsäglichen Weg zum Vulkan Gunung Colo hoch. Oben muss man das letzte Stück laufen und sogar ein kleines Stück an einem Seil am Felsen hochklettern – und das bei der Hitze oben vom Vulkan.

Ich faulenzen also derweil in der Hängematte, schreibe und schaue zu, wie die Wellen an den Strand liefen. Wir sind am zweiten Tag auf unseren Wunsch in einen noch älteren Bungalow umgezogen, der aber direkt am Meer steht. Toll, in der Hängematte (oder nachts im Bett) beim Plätschern des Meeres einzuschlafen und aufzuwachen…

Vier entspannte Tage Una Una, irgendwie wie 4 Tage aus der Zeit gefallen. Nächstes Ziel: Tomohon im Norden.