Mit Blick auf die von der Morgensonne beschienene grüne Teichlandschaft frühstücken wir auf der rustikalen Terrasse unseres Guesthouse … Das Thema Frühstück in Indonesien ist eher wenig ergiebig. Entweder man frühstückt landesüblich: gebratener Reis mit totgebratenem Ei (Nasi Goreng), gebratene Nudeln mit etwas Gemüse (Bami Goreng) und sehr durchgebratenem Ei, manchmal kleine Pancakes mit Banane dazu. Mit viel Glück manchmal eine Art Sandwich (nur mit Ei), aber das Weißbrot ist … suboptimal. Aber immerhin gibt es immer etwas Obst. Und den typisch indonesischen Kaffee, der tatsächlich seinen eigenen Charme hat.
Für diesen Tag steht die Stadt selbst und ihr berühmter Markt auf dem Programm. Einer dieser riesigen Märkte, auf denen es alles gibt, aber in diesem Fall noch etwas mehr. In jedem Blog oder Reiseführer ist ein besonderer Teil dieses Marktes Thema: Der Tomohon Extreme Market. Ich gestehe, ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob ich den sehen wollte. Aber irgendwie gehört es dazu, da muss man durch …
Wir fragen einen Mann nach dem Weg zum Markt, sogleich sind wir in ein Gespräch auf englisch verwickelt, er ist superfreundlich wie fast alle Menschen, die wir hier Sulawesi angesprochen haben. Er lädt uns sofort ein, mit ihm und seiner Familie im Auto zum Markt zu fahren: Ein Familienfest steht bevor und dafür werden sie auf diesem besonderen Markt Fleisch kaufen.
Auf dem Extreme Market wird Fleisch von Tieren verkauft, das für uns unvorstellbar ist: Hunde, Fledermäuse, Phytons, weiße Baumratten und die üblichen Fleischsorten. Außerdem starren abgehackte Schweineköpfe die Kunden böse an. Diese Markthalle ist zwar überdacht, aber nach allen Seiten offen, die Hitze des Tages wird hier bestenfalls durch den einen oder anderen müden Ventilator auf dem Verkaufstresen gemildert. Es ist heiß, riecht nach Blut, der Boden ist schmutzig und teilweise blutverschmiert. Und es ist voll, an diesem Tag besonders, denn es steht das chinesische Neujahr bevor, da wird gefeiert.
Ein freundlicher älterer Mann verwickelt mich in ein Gespräch, als ich mich neben der Verkaufsfläche an die frische Luft geflüchtet habe. Er erklärt mir vieles, nicht alles davon habe ich behalten. Das Fleisch der Hunde (es ist nur eine bestimmte Rasse) ist wohl etwas scharf und darf auf keinen Fall von Menschen mit Herzproblemen und Thrombosegefahr gegessen werden, ist aber sonst sehr beliebt. Das Fleisch der Python sei sehr milde und ebenfalls beliebt. Man gibt es besonders auch Kindern mit juckenden Hautproblemen, weil es den Juckreiz bekämpft. Die Baumratten, die niemals die Bäume verlassen und somit sehr sauber sind, gelten als besondere Delikatesse. Früher wurden hier auch Affen verkauft, aber das ist inzwischen verboten.
Irgendwann ist mein Forschergeist dann aber doch erschöpft und ich wende mich dem klassischen Teil des riesigen Marktes zu. Manche Stände sind wenig phantasievoll, andere – vor allem Obststände – ziehen die Blicke mit kunstvollen Arrangements von Früchten (Bananen, Orangen, Mandarinen, Äpfel, Ananas, Kokosnüsse, Rambutan, Lychies, Mangos ua.) und Gemüsen (u.a. Karotten, Tomaten, Bittermelonen, Kohl, Zwiebeln, Auberginen,Wasserspinat, Kresse, Bohnen, Basilikum, Ingwer, Papayablüten), Kräuter und Chilischoten in allen Farben. Ich habe hier diese öde Aufzählung eingebaut, weil ich selbst immer neugierig bin, was in anderen Teilen der Welt gegessen wird…
Mein Highlight war eine alte Frau, die in der Hitze ganz still, unter einem winzigen Sonnenschirm, vor mehreren Säcken Gemüse saß und mit einem alten Küchenmesser die perfekte, feine Gemüsejulienne geschnippelt hat – besser als jede Küchenmaschine. Der ganze Trubel um sie herum schien sie überhaupt nicht zu betreffen. Sie hatte aber dennoch das Marktgeschehen im Auge, hat mir freundlich zugelächelt – alles, ohne einmal abzusetzen oder sich zu schneiden. Toll!
Nach dem Markt sind wir durch die Mittagshitze zur sg. City zurückmarschiert. Die City ist nichts weiter als ein zentraler Abschnitt der Hauptstraße von Tomohon. Es war so heiß, dass der Regenschirm zum Sonnenschirm wurde. Die Stadt besteht aus einem Netz von Nebenstraßen, die sich zu Wohnvierteln rechts und links der Hauptstraße ausbreiten. Die Straßen zwingen die Fahrzeuge zum Zickzack-Kurz, mit Löchern, bröckeligem Straßenbelag, als Lehmpiste. Natürlich überall mit ordentlichen Schlaglöchern und teilweise zugewucherten oder zusammengebrochenen, schmalen Bürgersteigen. Auf der Straße gehen ist meist sicherer und völlig normal, alle Fahrer sind daran gewöhnt und fahren fußgängerfreundlich.
Die Häuser haben eine meist blechüberdachte Terasse, auf der sich der größte Teil des Lebens abspielt: Essen, waschen, Gäste empfangen … Außerdem haben die Häuser dahinter anschließend einen fast immer offenstehenden Wohnraum, in dem – wenn man es sich irgendwie leisten kann- an einer Wand aufgereiht, eine fette Couch und mindestens zwei ebenso gigantische, verschnörkelte Polsterlehnstühle stehen. Der Anordnung nach dienen die Möbel allerdings bestenfalls zur Repräsentation, die Anordnung ist nicht zum unterhalten geeignet. Und – ich habe es mehrfach ausprobiert – die Monstrositäten sind total unbequem. Aber wer kann, hat so etwas. Die Familie sitzt samt Gästen ohnehin immer auf den alten Plastikstühlen vor dem Haus.
Wenn ein Geburtstag oder gar eine Hochzeit gefeiert werden soll, wird schon mal einfach die Straße gesperrt, da die Häuser viel zu klein für viele Gäste sind. Keiner regt sich auf, fährt man eben einen Umweg. Vor vielen Häusern – wie übrigens auch dem Hauptplatz von Tamohon – hängt noch die Weihnachtsdekoration und blinkt munter vor sich hin, obwohl bereits Mitte Februar ist. Natürlich nur an den christlichen Gebäuden oder öffentliche Orten, dieser christlichen Stadt. Die Muslime halten sich da raus, die Chinesen haben ihr eigenes Neujahrsfest.
Überall hier in Sulawesi sind die meisten Häuser aus Wellblech, manchmal sogar nur Presspappe, gebaut, nur wenige haben Stein-, Beton- oder Holzwände. Die Dächer sind fast immer aus Wellblech. Natürlich gibt es in den größeren Städten und Orten auch stabilere Häuser aus Stein und Beton, aber auch hier sind Blechdächer oft die Normalität. Der dieser Bauweise und dem Klima geschuldete Zustand der Häuser innen – wie auch bei unseren Unterkünften – würde so manchen reisenden Europäer schockieren: Schimmelige Bäder und Decken, gewellte schwarzfleckige Decken und Wandverkleidungen sind völlig normal.
Bei unserem Spaziergang sehen wir immer wieder in freundlich lächelnde Gesichter, die Menschen grüßen, Kinder winken und kichern, nicht selten wird man auch um ein gemeinsames Selfi gebeten. Das gilt übrigens für alle Orte, an denen wir bisher gewesen sind. Gibt ein gutes Lebensgefühl.
In der „City“ angekommen, suchen wir uns ein klimatisiertes, aber steriles modernes Café aus, das einen Internetanschluss hat. Es ist gar nicht so einfach, diesen Blog zu schreiben, weil es oft kein Internet gibt. Kaum haben wir unser Schoko-Croissant verputzt, meldet sich die Regenzeit zurück: Draußen gießt es wie aus Eimern. Also bleiben wir sitzen, allerdings leicht genervt von der Kundenwerbeaktion des Supermarktes nebenan: Ein Karaoke-Stand, mit völlig übersteuerten, brüllend lauten Lautsprechern, wo sich Teenager und junge Menschen die Seele aus dem Leib quietschen, brüllen und singen… Karaoke ist hier überall der Hit
Den Abend verbringen wir faul auf dem Balkon mit Blick auf Fischteiche, Vulkan und Regen…another day in Sulawesi. Für morgen steht eine ganztägige Tour zu interessanten Orten der Umgebung an: Unser Guest House-Besitzer wird uns persönlich fahren. Wir sind gespannt.