16 -Langkawi II

Und noch einmal Entdeckungstour auf Langkawi. Diesmal auf einer etwas längeren Route Richtung Nordwesten. Die Insel ist sehr grün, aber über weite Strecken sehr zersiedelt, immer wieder unterbrechen kleine Häuser, Gewerbegebiete oder Siedlungen das dichte Grün. Und ganz kurios und besonders hässlich: Mitten im nirgendwo, mitten in den Wald gebaut: riesige Hochhäuser. Es sieht absurd aus! Erinnerungen an Rudow oder Marzahn ziehen durch den Hinterkopf… Ich habe auch nicht wirklich herausfinden können, wer in diesen modernen Apartmenthäusern wohnt. Jedermann? Firmenangehörige? Keine Ahnung. Es sind jedenfalls absurde Erscheinungen.

Hatte ich bisher außerhalb der Stadt eher bescheidene Häuser und Hütten gesehen, kommen wir diesmal auch durch Gegenden, wo offensichtlich erst in letzter Zeit schicke neue Einfamilien-Bungalows oder Appartmentblocks gebaut wurden oder gerade werden. Das bestätigt unseren Eindruck, dass hier durchaus richtig Geld verdient wird, zumindest von einem größeren Teil der Bevölkerung.

Unser erstes Ziel ist ein weiterer Wasserfall mitten im Wald: der Temurun– Wasserfall. Der kurze Weg von der Straße in den Wald ist aber besonders schön. Ein felsiges Tal mit riesigen Bäumen und der akustischen Untermalung vieler Vögel und dem Ruf eines Tieres, das wir gar nicht identifizieren können.Nach ca 300 Metern kommen wir an den Wasserfall, oder besser dem, was in der Trockenzeit davon übrig ist: eher ein Rinnsal mit einem kleinen kristallklaren Pool unten. Schade ja, aber trotzdem beeindruckend ist die riesige steile Felswand, über die das Wasser sonst in die Tiefe stürzt. Imposant ist wohl das richtige Wort.

Unser Weg führt weiter westwärts, hier ist auf der Karte ein kleiner Strand zu sehen. Wie sich herausstellt, tauchen wir nun kurz durch die Welt der Reichen und Schönen ein. Die Straße führt auf und ab durch tiefen, unzersiedelten Wald vorbei an dem noblen, gut bewachten Tor zu einem Edelressort. Noch ein paar Kilometer weiter reißt der Wald plötzlich auf und wir fahren mitten durch einen feinen Golfplatz, der sich den Berg hinab Richtung Meer zieht. Kleine Golfkarts kreuzen die Straße. Es sieht wirklich schön aus, aber irgendwie auch schräg.

Immer noch hoffen wir auf einen Strandzugang irgendwo in diesem großen Waldgebiet , aber nichts da… Also Rückzug. An einer Stelle haben wir durch die Bäume gelben Sand unten an der Küste leuchten sehen. Wir finden die Zufahrt und folgen zu Fuß einem Pfad zum Meer, zum Sandy Skull Beach. Was für ein schöner Anblick! Vor uns liegt ein relativ kleiner Strand, der von hohen Bäumen beschattet wird. Wir wollen eine kleine Pause einlegen, bevor wir weiterfahren. Allerdings wird die kürzer als geplant, als eine freche Affenbande Einzug hält. Alle bringen ihre Sachen in Sicherheit, denn die die diebische Bande kann ziemlich bissig werden, wenn sie nicht bekommt, was sie will.

Wir beschließen, Gummi zu geben und an den Strand im Nordwesten zu den schon bekannten Stränden zurückzukehren. Begleitet vom Ruf der Muezzin durchqueren wir ein paar Dörfer, bevor wir Richtung Strand abbiegen. Allerdings kommen wir nicht soweit, weil wir ein paar Kilometer vorher ein Burger-Restaurant mit einer schattigen Terrasse zum Meer entdecken. Davor zieht sich ein herrlicher, eher schmaler Strand kilometerlang hin: Tanjung Rhu Beach oder Long Beach Langkawi.

Das Lokal ist offensichtlich eine englische Enklave. Die Burger sind matschig, die Pommes zäh, aber es ist ein schöner Platz und – wir dürfen nun gratis zwei der wenigen Liegen mit Sonnenschirm benutzen. Faul verdösen wir den Rest des Nachmittags, unterbrochen von kleinen Badeausflügen ins warme Wasser, bevor wir mit der untergehenden Sonne nach Kuah zurückkehren.

Unser Abendessen an diesem Tag soll nur deshalb zur Sprache kommen, weil es wieder ein Fitzelchen Alltagsleben auf dieser malaysischen Insel erzählt. Wir haben ein anderes Viertel entdeckt, das so eine Art Nachtleben bietet mit vielen indischen, chinesischen und thailändischen Restaurants und einer seltsamen hässlichen Heinecken-Traglufthalle mit brüllend lauter Musik und einer Alkohol ausschenkenden Bar.

Aber ich habe mich sofort auf ein Thai-Restaurant eingeschossen – zuerst nur wegen des Essens. Dann allerdings zeigt sich, dass das Lokal ein bisschen Heimat für viele hier lebende Thais ist. Außer uns gibt es noch zwei Langnasen und sonst immer mehr Thais, je später der Abend, desto mehr werden es. Und die leben hier offensichtlich ihr all-feierabendliches, thailändisches Leben: freundliches Lächeln, kurze Röckchen, enge T-Shirts, Späße und jede Menge Bier. Und : laute Popmusik! Ach ja, ich geb´s zu: Ich fühl mich sauwohl…

Vom letzten Tag gibt es nicht soviel Spannendes zu erzählen, da wir ihn größten Teils am Strand und mit der Vorbereitung zur abendlichen Abreise verbracht haben. Nur ein Erlebnis soll noch Eerwähnung finden: unser Besuch des Makam Masuri Museums. Gewidmet ist es Masuhri, der Grab auf Mangkawi liegt und um das herum eine Art Heimatmuseum entstanden ist.

Masuhri, war Tochter von Pandak Majah und eine der schönsten Frauen des Landes. Sie heiratete einen Krieger, der bald darauf in den Kampf zog für lange Zeit. Mahsuri freundete sich mit einem Mann an, was ihrer eifersüchtigen Schwiegermutter Gelegenheit gab, Gerüchte in die Welt zu setzen und sie der Untreue zu bezichtigen. Daraufhin wurde sie vom Dorfältesten zum Tode verurteilt und auf besonders grausame Weise mit dem Dolch hingerichtet. Aus ihren Wunden floß weisses Blut, was als Beweis für ihre Unschuld genommen wurde. Sterbend verdammte sie die Insel zu sieben Jahren Unglück, das diese dann auch in Form von Eroberung, Epedemien, Missernten und anderem heimsuchte.

Erst sieben Generationen später, am Ende des letzten Jahrhunderts, blühte die Insel durch den Tourismus wieder auf. Masuhris Nachfahren wurden auf Phuket gefunden, woher ihre Familie stammte. Masuhris Grab, Makam Masuhri, liegt unter einer Marmorplatte auf dem Gelände des heutigen Museums. Hier wird das Leben und die Legende der Schönen erzählt, aber auch vieles über die Geschichte der Insel, ein bisschen wie ein Heimatmuseum. Im Museumsgarten sind auch einige wunderschöne traditionelle Stelzen- Holzhäuser nachgebaut worden. Und man kann live gespielte Musik auf traditionellen Instrumeten hören – ein bisschen kurios allerdings, denn als wir da waren, spielten die Musiker „Besame mucho“ – aber: auf historischen Instrumenten!

15 – Mangroven, Seeadler und Sand

Für Tag 2 haben wir uns den Kilim Geoforest im Nordwesten der Insel vorgenommen. Wir sind früh losgefahren, weil Mr. Ong uns dazu geraten hat, später würde es zu voll dort. Und ja, trotzdem trudeln schon die Reisegruppen ein, als wir ankommen. Wir spendieren uns ein Privatboot für die Tour durch die Mangroven, weil wir keine Lust auf Gruppen haben.

Am Pier steigen gerade Schülergruppen in große Longtailboote, alle aus gestattet mit zwei jungen Mangroven-Bäumchen, die sie wohl im Rahmen ihrer Öko-Tour pflanzen werden. Sieht lustig aus, aber zeigt, dass Umwelt wohl eine Rolle spielt in der Schule.

Überhaupt ist uns aufgefallen, dass alle Schulen relativ große, gepflegte Gebäude mit viel Gelände haben, am Tor steht mindestens ein Guard, der aufpasst, dass es keine Probleme mit dem vorbeifahrenden Verkehr gibt und niemand Unbefugtes das Gelände betritt. Mittags ist Verkehrsstau, weil alle mit Motorrädern von der Schule abgeholt werden. Die Größeren fahren allein oder zu zweit. Größer fängt ab 10 Jahren an…. Kleiner Spaß am Rande: Auf den Verkehrsschildern, die zur Vorsicht wegen Kindern warnen steht, rot umrandet „Kanak Kanak“ – das heißt „Kinder“. „Kanak“ heißt Mensch.

Mit unserem Longtailboat geht es los auf verschiedenen Flußarmen durch die wilde Mangrovenwelt. Rechts und links erheben sich Bergrücken in tiefem Grün, am Ufer darf man dieses kunstvolle Wurzelgeflecht der Mangroven bewundern. Dazu der strahlend blaue Himmel. An einigen Stellen halten die Boote an und die Führer werfen ein paar Stücke Hühnerfleisch in die Luft: Adler stürzen vom Himmel und versuchen die Leckerbissen zu erwischen. Die größten sind Seeadler – die Wappentiere der Insel.

In einer kleinen Felsengrotte haben sich ein paar Makaken in Position gesetzt. Aber Touristen werden überall gewarnt, sie nicht zu füttern oder auch nur Essen außerhalb verschlossener Rucksäcke mitzuführen, weil die Biester richtig sauer werden können, wenn sie das nicht bekommen. Und sie Zähne sind furchterweckend…

Auf der Tour liegen auch zwei Fischfarmen mit kleinen Restaurants – alles auf schwimmenden Pontons. Wie werden abgesetzt und ein pfiffiger sehr junger Bursche geht mit uns zu den verschiedenen Schaubecken, erklärt uns die Fische, füttert sie per Hand. Ein großer Rochen hat sogar einen Namen. Ich darf ihm ein Stückchen Hühnerfleisch geben, das er mir tatsächlich vorsichtig von der Hand lutscht. Hui, komisches Gefühl! Mitgebracht haben die Fischerboote diese Exemplare zum Anschauen und wohl auch teilweise zur Anzucht. Ich frage, ob sie Medikamente bekommen, das ist hier in Asien oft ein Problem. Nein, er ist ganz empört. Wenn´s stimmt: super!

Weiter geht´s. Wir fahren auf die offene Bucht, die das Tor zur Andamansee ist und Teil des Kilim Forest Parks. Der Kontrast der dunkelgrünen bewaldeten Berge hinter dem blassblauen Meer ist schon fast kitschig.

Letzte Station ist eine große Höhle, durch die man durchlaufen und die Fledermäuse und Stalagmiten bewundern darf. Ich sag mal, ja… aber ich habe schon ziemlich viele Höhlen gesehen. Viel spannender finde ich den Laufsteg hinter dem Felsvorsprung zurück, denn da steht man plötzlich mitten im faszinierenden Gewirr der Mangrovenwurzeln. Ein beeindruckender Anblick.

Diese Kustwerke der Natur bewundern wir nach der Bootstour noch mal auf dem Öko-Pfad durch die Magroven. Wirklich verrückt. Würde man ein Gefängnis in die Mitte eines solchen Mangrovenwaldes bauen, man brächte keine Mauern. Da kommt einfach keiner durch, noch dazu mit dem Schlamm und Wasser darunter.

Es ist Mittag und wir sind zerschmolzen und brauchen eine Viertelstunde Schatten, zum Abkühlen. Für den Nachmittag haben wir uns eine Portion Strand versprochen.

Angekommen am Tanjung Ruh Beach, gönnen wir uns erstmal ein leckeres Mittagessen in dem sonst wenig attraktiven Strandrestaurant: eine gegrillte Seebrasse mit Reis und Salat. Perfekt bei der Hitze.

Der helle Sandstrand ist ca 300 Meter lang, ziemlich breit und zur Landseite von ein paar hohen, aber eher lichten Tamarindenbäumen begrenzt, die übrigens überall auf der Insel im Mischwald wachsen. Was die Angebote an Touristen betrifft, ist es hier etwas seltsam: Man will sie unbedingt, bietet aber nicht viel an. Angefangen von den wenigen, lieblosen Restaurants in Strandnähe bis zu fehlenden (oder sehr raren) Sonnenschirm-Angeboten. Auch hier gibt es nur 12 Sonnenschirme am ganzen Strand. Wir verkriechen uns im lichten Baumschatten, da allerdings liegen alle…

Trotzdem ist es ein sehr schöner Strand, das Wasser ist fast ein bisschen zu warm, um zu erfrischen. Der Blick geht auf die vorgelagerten Felseninseln und Thailand am Horizont.

Zum rotgoldenen Licht des Sonnenuntergangs kommen wir wieder in Kuah an. Diesmal suchen wir uns ein Restaurant aus, das Thaifood verspricht, aber ohne Thais auskommt. Die weiblichen Bedienungen sind wie überall traditionell muslimisch – sittsam gekleidet, eine Kellnerin muss immer den Kopf verrenken, um alles zu sehen, weil sie nur den Augenschlitz frei hat. Die Feministin in mir hat schlechte Laune… Ich kann das absolut akzeptieren, wenn eine Frau aus freiem Willen den Schleier nimmt, aber hier haben eindeutig die wenigsten eine Wahl, wie man schon bei den Kindern sieht.

Ich sei überempfindlich und intolerant….. Ich denke lange darüber nach, komme aber weiterhin zum springenden Punkt „freiwillig“. In der kommenden Nacht lese ich viel über Malaysia. Und zu meinem Entsetzen erfahre ich, dass erst 2009 der zuständige Fatwa-Rat von Malaysia eine Rechtsauslegung des Koran für verpflichtend erklärt hat, dass muslimische Mädchen beschnitten werden müssen. Zum Glück gibt es auch hier Frauenrechtsorganisationen, die dagegen kämpfen. Aber allein die Tatsache, dass die unsägliche Praxis hier noch normal angewendet wird, macht mich fassungslos.

Sorry, für meinen empörten Diskurs, aber einmal musste ich das hier loswerden. Natürlich gibt es sicher auch hier die toleranteren Eltern, die dieser Vorschrift nicht folgen und das ihren Töchtern nicht antun, aber dennoch… Auch insgesamt sind hier die islamischen Sittenwächter sehr stark. Und ich finde, man spürt das irgendwie.

Sicher, das Interessante und Positive an Malysia ist, dass hier 4 Religionen ziemlich friedlich nebeneinander/miteinander leben: Muslime, Buddhisten, Hindus, Christen. Das ist super. Dennoch ist das öffentliche Leben , wie ich es bisher hier erlebe, deutlich muslimisch geprägt.

Aber zurück zum Urlaub. Nachdem der Muezzin in der Moschee neben dem Restaurant seine extrem laute Lobpreisung des Propheten beendet hat, füllt sich das Restaurant fast bis auf den letzten Platz. Offensichtlich geht man hier sehr gern in Familie essen. Oder auch allein – sofern man ein Mann ist. Die Restaurants sind hier fast immer gut besetzt.

Lustig finde ich immer, dass am Nachmittag auch entlang der Straßen durch die Ortschaften alles ausgestorben ist – gegen Abend aber plötzlich alle möglichen Buden und Schuppen am Wegesrand zum Leben erwachen und sich in (Mini-)Restaurants oder Imbisse verwandeln. Manche bieten nur ein einziges Gericht an: gefüllte Teigtaschen, Gergrilltes, Gekochtes – leider wissen wir bei fast allem nicht, was es ist und die Sprachbarriere erlaubt auch keine Erklärungen. Bestimmt einige Leckerbissen verpasst…

Das rituelle Bier auf dem Balkon, ein bisschen planen für den Rest der Zeit und umständliches, nervendes Buchen der Weiterreise und schon ist es Mitternacht in Langkawi….