Das fängt gut an … mein erster Text für diesen Post des neuen Blogs ist gerade dem instabilen Internet zum Opfer gefallen … er ließ sich nicht speichern und verschwand. Umso entschlossener mache ich mich nun zum 2. Mal ans Werk …
Rund 18 Stunden liegen zwischen uns uns dem garstigen Berliner Winter, eine lange Nacht eingequetscht in Reihe 14 des Turkish Airline Fluges nach Denpasar, der Hauptstadt von Bali. Die Sonne ist bereits untergegangen. Aber ein riesiger farbenprächtiger, mit Gold geschmückter Drache schlängelt sich den Gang vom Flugzeug zur Passkontrolle den Neuankömmlingen entgegen und nun weiß ich: Ich bin bin wieder da, auf Bali, der Insel der Götter!
Aber nichts ohne Arbeit. Nachdem wir bereits in Berlin eine kleine Odyssee auf der Indonesischen Botschaft für ein Visum hinter uns gebracht haben, müssen wir nun noch übernächtigt an Selbstbedienungs-Computern eine Welcome-Card beantragen. Aber alles geht vorbei und irgendwann sind wir dann draußen in der nächtlichen Schwüle, die einen gleichermaßen erschlägt wie glücklich macht …
Noch eine kleine Verhandlung mit dem Taxisdisponenten und schon schieben wir uns durch den nie abreißenden Verkehr nach Sanur, einem Strandort gleich westlich an die Hauptstadt Denpasar anschließend. Zwei wunderbare beleuchtete Hindu-Statuen begrüßen uns an der Einfahrt zum Guesthouse Cove Jivva Nattaya. Das freundliche Lächeln Asiens am Empfang und der erste Blick in den Garten, in dem die Unterkünfte verteilt sind, ist wie ein Traum: dezent beleuchtete blühende Bäume, riesige rosa Blüten von großen, knorrigen Frangipani-Bäumen auf dem Weg, Bambus, Gras und ein türkis strahlender Pool. Dazu das heisere Quaken der Baumfrösche. Alles, wovon man nach dieser Reise träumt. Für alles andere sind wir zu müde … das wunderbar breite Bett ist unser Willkommensgeschenk.
Geweckt werde ich um 6 Uhr morgens vom Rauschen eines Wolkenbruchs – es ist Regenzeit. Aber als wir endlich bereit sind, das Bett zu verlassen, hängt nur noch die Schwüle in den Bäumen und die Sonne scheint. Wir mieten einen großen, kräftigen Honda Motorroller, der aber schon über 20.000 km auf den rumpeligen Straßen Balis hinter sich hat. Die Helme passen nicht wirklich, aber immerhin haben wir welche. Los geht´s im täglichen Verkehrswahnsinn. Unser erster Weg ist eher prosaischer Natur, wir wollen ein paar Kleinigkeiten besorgen und fragen, ob mein altes Handy hier für einen fairen Preis repariert werden kann – die ICON Mall ist unser Ziel. Und die liegt praktischerweise fast auf dem Strand.
Wofür hier auf allen Straßen Spuren markiert werden, ist völlig unklar, sie interessieren keinen. Wild rasen Motorräder, PKW und Lastwagen durcheinander, ein ewiges hin und her, kreuz und quer. Es ist der Wahnsinn – aber: Ich habe noch nicht viele Unfälle hier oder in anderen Ecken Asiens gesehen. An den Kreuzungen stehen oft Statuen: mal Kriegshelden, mal wunderschöne Hindugötter. Vielleicht halten sie ja die schützende Hand über all den wahsinnigen in ihren Gefährten …
Gleich hinter der Mall liegt der Strand und die Promenade von Sanur. Kilometerlang ziehen sich Fuß- und Fahrradwege am Meer entlang. Der Strand ist relativ schmal, aber durch die Schatten spendenden blühenden Bäume sehr einladend. Überall liegen auch die typisch buntgestrichenen balinesischen Boote vertäut, die mit ihren seltsamen Auslegern wie Spinnen aussehen, die auf dem Wasser hocken. Und vor allem – das endlose blaue Meer. Weit draußen schwingen sich Surfer auf die Wellenkämme.
Aber die Idylle scheint nicht ganz selbstverständlich zu sein, denn der endlose Strand wird immer wieder durch weit ins Meer gebaute halbrunde Mohlen in einzelne Gebiete geteilt, damit die Wellen nicht ungehindert in die Bucht rollen und den Strand abtragen. Wer genau hinschaut, kann an einigen Stellen sehen, dass unter dem Sand bereits Sandsäcke versteckt sind, die offensichtlich verhindern sollen, dass der gefräßige Ozean den neuen schönen Strand nicht wieder mit sich nimmt.
Natürlich gibt es auch Restaurants, kleine Marktreihen und Fahrradverleihe. Doch uns genügt heute ein kleiner Bummel, eine frische Kokosnuss und eine Massage. Verrückterweise geraten wir an einen Massagepunkt, an dem sich eine der Frauen an Miki erinnert, der vor zwei Jahren schon mal hier war!
Am Nachmittag düsen wir Richtung Denpasar. Der Pasar Badung, der Große Markt besteht aus einem riesigen dreistöckigen Gebäude und dem Gebiet drumherum, neben dem Fluß. Tagsüber werden an den Ständen in der sengenden Sonne Obst, Gemüse, Gewürze, Fisch und Fleisch und auch Bekleidung verkauft, abends verwandeln sich die Stände in einen der beliebten Nachtmärkte, auf denen man phantastisch und spottbillig essen kann – allerdings sehr unbequem.
Das Gedränge ist unglaublich: Käufer, Verkäufer, Frauen mit risigen Warenkörben auf dem Kopf, Motorroller, Fahrräder – alle durcheinander, oft auf kaum mehr als anderthalb Meter breiten Gängen. Erstaunlicherweise gibt es kaum Unfälle und alle ertragen den Wahnsinn – ganz ohne Geschrei und Gezeter. Der Fisch und die Meeresfrüchte sehen phantastisch aus, allerdings kann ich die Frage nicht verdrängen, wie die die Sonne hier überstehen … Gleich am Stand werden die Hühner ausgenommen und die wunderbaren Gabenkörbchen für die Götter mit Reis, Kräutern und Blüten bestückt – alles auf einmal, alles in chaotischer Ordnung, die wir wohl nie verstehen werden.
Wir bummeln noch eine kleine Straße entlang, in der es nur Seiden- und Stoffgeschäfte gibt, versuchen, uns nicht die Beine zu brechen in den Löchern auf dem schmalen Steinstreifen, der als Bürgersteig dient. Genug, zurück in unsere Idylle in Sanur, ein bisschen Ausruhen und den Abend in einem kleinen japanischen Restaurant beschließen. Vor dem Zimmer noch ein bisschen den Baumfröschen und Nachtvögeln zuhören und totmüde ins Bett fallen.