Der Tag beginnt erst Mittags, die innere Uhr ist immer noch auf mitteleuropäischer Zeit … Noch einmal faul sein und genießen – also Strand, Massage und Essen. Einziger Unterschied: Wir mieten zwei Fahrräder und fahren am Meer entlang, der Strand von Sanur ist mehrere Kilometer lang.
Schöne blühende Bäume und Palmen spenden Schatten, Blumen in allen Farben säumen den Weg. Das Meer präsentiert sich heute eher etwas lehmfarben, also aufgewühlt, das Wasser zwischen den künstlichen Molen ist bis weit hinaus eher flach – die offene See beginnt somit weit draußen.
Der Strand ist zwar wirklich rein touristisch, aber alles in einem erträglichen Rahmen. Zum Glück ist hier der Balanceakt gelungen, um Mallorca-Verhältnisse zu verhindern. Es gibt zwar viele Restaurants, Cafés und kleine Marktgassen, aber alles mit Stil, kein Eimersaufen, keine Ballermann-Beschallung und kaum Hotelklötze, sondern eher geschmackvolle Anlagen.
Was mein Vergnügen an der kleinen Radtour ernsthaft beeinträchtigt, sind die nervigen Fahrrad-Bumper und die vielen Fußgänger und Radfahrer im Verdrängungswettbewerb. Von den Spaziergängern fühlen sich die Hälfte dem ortsüblichen Linksverkehr verpflichtet, die Touristen flanieren, europäisch erzogen, rechts und dazwischen schlendern größere Gruppen, die den kompletten Weg blockieren. Ach ja, und dann kommen da auch noch die Läufer hechelnd dazu. Wo also fährt der rückichtsvolle Radfahrer? So schön der Weg hier am Meer entlang ist, irgendwann habe ich keine Lust mehr auf das Spiel und setze mich einfach auf einen Stein am Strand und schaue träge auf Sand und Meer. Eine kleine Eidechse leistet mir Gesellschaft.
Später verlege ich mich auf Studien, in deren Ergebnis ich die ursprünglich hellhäutigen Gruppen sortiere: 40 Prozent puterrot verbrannte Menschen, bei denen sich schon vom Hingucken die Haut ablöst, 40 Prozent weiß bis hellrosa Gefärbte mit langer Bekleidung, großen Sonnenbhüten Tüchern und viel SunProtection, die jeden Sonnenstrahl fürchten. Die verbleibenden 20 Prozent haben offensichtlich tatsächlich einen Mittelweg zwischen Panik und Wahnsinn gefunden. Verrückt …
Schon herbeigesehnt: Eine letzte Strandmassage bei Lola und Sweetie – so nennen sich die beiden Damen vom Vortag. Was für europäische Ohren eher nach Rotlicht-Pseudonymen klingt, ist hier einfach nur das Bemühen, den Kunden einen erinnerbaren Namen zu liefern, denn die indonesischen bleiben nicht in den Köpfen der Touristen.
Und dass sich die Kunden erinnern, ist in diesem Jahr besonders wichtig, denn – wie uns die beiden Damen erzählen – so wenig Touristen wie in diesem Jahr hatten sie seit Jahren nicht um diese Zeit. Einerseits liegt das sicherlich an der ökonomischen und weltpolitischen Situation in Europa und den USA. Außerdem aber arbeitet Indonesien – vor allem auch Bali – daran, nicht mehr soviel Billigtouristen einreisen zu lassen, die monatelang bleiben ohne Geeld auszugeben, womöglich gar schwarz hier arbeiten oder schnorren. Das Image als Billigland für solche Klientel bekämpft man offensichtlich gerade sehr aktiv. Auch wir mussten diesmal Kontoauszüge einer gewissen Höhe vorlegen, um ein Visum zu bekommen.
Was bleibt vom Tage ist, eine letzte Massage, ein letztes Bad nach Sonnenuntergang und ein leckeres Abendessen im netten Strandlokal gleich daneben. Morgen geht es weiter ins Unbekannte: nach Sulawesi….!