Abschied von Tomohon, Destination Urwald, dem Nationalpark Tangkoko. Unser Guesthouse-Chef bietet sich als Fahrer zu unserem nächsten Ziel an, denn auch diesmal würde sich die Fahrzeit etwa verdoppeln, nähme man einen Bus. Rund drei Stunden werden wir also wieder im Auto sitzen, gefühlt tausende Kurven hinter uns bringen im Straßenzirkus von Sulawesi. Aber in der Nacht gab es heftige Regengüsse, die einige Erdrutsche verursacht haben, das könnte sehr lange dauern, deshalb werden wir streckenweise eine ungewöhnliche Route nehmen: über die Autobahn von Manado, der Großstadt im Norden der Insel, Richtung Bitung. Es ist die einzige in Sulawesi, bis jetzt!
Nachdem wir uns bis zur Auffahrt geschlängelt haben, erleben wir ein ganz und gar unerwartetes Bild: eine wunderbar ausgebaute Autobahn wie wir sie aus Europa kennen … aber leer! Wir sind fast die einzigen, die hier entlangdüsen. Der Grund sind die zu bezahlenden Gebühren. Sie sind gar nicht allzu hoch, aber für die Menschen hier einfach eine Ausgabe, die man besser vermeidet.
Danach führt wieder eine der miserablen Landstraßen Richtung Tangkoko. Die Bäume werden immer dichter und höher, riesige Mangroven, Palmen und allerhand undurchdringliches Buschwerk. Der Dschungel endet – bzw. beginnt – direkt an der Küste. Wir haben ein Zimmer in einem der Homestays in der Nähe des Eingangs zum Nationalpark gebucht, im New Family Homestay. Das Haus ist offenbar noch nicht sehr alt und erscheint uns fast etwas ungewöhnlich, da es ein massives Steinhaus mit einem richtigen Ziegeldach ist.
Über dem Eingang von der kleinen, aber mit schicken, glänzenden Fliesen ausgelegten Veranda prangt üppiger Weihnachtsschmuck „Happy Christmas!“ … Mitte Februar. Auch im Haus ist überall zu sehen, dass die Familie finanziell besser ausgestattet ist als andere – und darauf wird einiger Wert gelegt: Im blitzblanken Eingangsraum und im anschließenden großen Wohnzimmer (für die Gäste) stehen gleich mehrere der schon beschriebenen Polsterlehnstühle und Sofas mit üppigen Schnitzereien und fetten, festgestopften Polstern, dass das Sitzen eher eine Tortur ist. An den Wänden hängen – außer Jesus – gerahmte Fotos der Familie.
Auch in unserem Zimmer ist alles fast neu, glänzend und blitzsauber. Vor den Fenstern hängen dicke, kunstvoll geraffte, altrosa und graue Samtvorhänge mit Gold – und Silberborten. Aber das war es dann auch schon mit dem Edelambiente: An der Decke funzelt nur eine Glühbirne und die einzige Möglichkeit, etwas aufzuhängen, ist ein wackeliger Nagel in der Wand. Die Zimmertür hat einen zentimeterbreiten Spalt zum Wohnzimmer, wenn sie geschlossen ist. Wenn ich dies hier so ausführlich beschreibe, will ich weder gehässsig noch arrogant sein, sondern einfach mal erzählen, wie anders hier alles ist. Und wie schnell man sich daran gewöhnt.
In einfacheren Häusern sind die Wände meist einfach nur aus Holzbrettern oder dünnen Platten, die Bäder haben selten warmes Wasser – ein Duschkopf und eine Toilette sind die ganze Einrichtung – schwarzer Schimmel ist überall – ganz normal angesichts des Klimas. Aber fast immer ist alles dennoch relativ sauber. Genug davon.
Wir machen einen Spaziergang zum Meer, das man schon aus der Entfernung rauschen hört. Warum wird klar, sobald wir an den Strand kommen: Die Wellen sind hier riesig, zu groß, um Lust auf Baden zu machen. Der Sand ist tiefschwarz : Vulkansand. Es läuft sich schwer in diesem Sand, bei jedem Schritt sinkt man tief ein. Weit kommen wir nicht, unsere sehnsüchtig suchenden Blicke können nur eine Strandbar ausmachen … und die ist geschlossen. Sieht irgendwie alles recht verlassen aus.
Wir brechen das Strandexperiment ab und machen einen Spaziergang durch den Ort, aber der entpuppt sich eigentlich weniger als richtiges Dorf, es ist eher eine Ansammlung von Häusern – mal groß, mal klein, mal mit, mal ohne Garten, mal ärmlich, mal etwas solider. Außerdem gibt es noch eine Schule (die Schulgebäude sind übrigens fast überall auffallend massiv und gut instandgehalten), einen kleinen Supermarkt … und natürlich die obligatorischen Gotteshäuser – eine kleine Moschee, eine kleine Kirche!
Am verlockendsten erscheint uns nach diesem Spaziergang das Restaurant unseres Guesthouses mit seinen überdachten Tischen und ein paar blühenden Sträuchern. Ein netter junger Mann steht plötzlich am Tisch, stellt sich als Marley vor: Er ist der Guide des Hauses, der bei Bedarf die Dschungel-Führungen macht. Jedes Guesthouse hat hier eigene Guides. Wir buchen eine Führung am nächsten Morgen, 5:30 Uhr! Wer Tiere sehen will, muss mit ihnen aufstehen!