Es hat in der Nacht wie aus Eimern geschüttet, so laut, dass man nur schlecht geschlafen hat. Aber das tut der Vorfreude auf das tiefe Grün keinen Abbruch. Lange Hose, festes Schuhwerk, Regenjacke und Kamera ´… Gleich 300 Meter hinter dem Eingang zum Nationalpark geben die schwarzen Schopf-Makaken, die hier zu tausenden leben, die Auftaktvorstellung. Sie turnen über uns in den Baumwipfeln herum, jagen sich auf dem Waldboden, Mütter schleppen die Kleinen mit sich herum. So lange man nichts zu essen auspackt oder ihnen zu nahe kommt, interessieren sie sich kaum für die entfernte Verwandtschaft auf zwei Beinen.
Weiter geht es, nun ohne Wege, auf für uns kaum sichtbaren Pfaden, die nur unser Guide kennt, bergan, immer tiefer in den Urwald. Bald schon hört man auch das Tosen des angrenzenden Ozeans nicht mehr, sondern nur noch die Geräusche des Waldes. Mich faszinieren vor allem die riesigen Ficus Elastica, die großen Verwandten der Gummibäume, die in meiner Kindheit recht langweilig in vielen Wohnzimmern verstaubt sind. Hätte es mir keiner gesagt, wäre ich niemals darauf gekommen, dass diese Giganten mit ihnen verwandt sind. Was für faszinierende Wurzeln und Stämme! Hin und wieder hat eine mindestens genauso beeindruckende dicke Liane so einen Stamm im Würgegriff. Einfach toll!
Während ich mich an den Pflanzen ergötze, ist Marley unentwegt auf der Pirsch, denn natürlich möchte er uns die Tiere zeigen, die alle hier zu sehen hoffen. Und das klappt auch mit Geduld und Beinkraft …
Um das hier nicht in eine endlose Geschichte zu verpacken, die wahrscheinlich nur so fesselnd ist, wenn man dabei war, fasse ich hier gleich beide Dschungel Wanderungen zusammen: die erste bei Sonnenaufgang und die zweite am nächsten Tag nach Sonnenuntergang mit Kopflampen im nächtlichen Dschungel.
Unsere Wander- und Klettertouren werden belohnt: Lizzards, gleich zwei der kuriosen bunten Nashornvögel, Schlangen, Sulawesi-Bären-Kuskus (kleine drollige Beuteltiere, die sich langsam ausschließlich auf Bäumen bewegen), Taranteln, Flughunde – um nur die prominenten Objekte der Begierde unserer Dschungel-Touren zu benennen. Meine Lieblinge sind und bleiben aber die nachtaktiven kleinen Koboldmakis mit ihren riesigen Augen (Tarsier), von denen wir tatsächlich gleich zwei in der Nacht zu sehen bekommen haben. Sie verlassen niemals ihren Baum.
Wir sind glücklich, unser Guide ist zufrieden, dass er soviel für uns gefunden hat – was wir ohne ihn wahrscheinlich kaum bemerkt hätten. Während wir bei der morgendlichen fünfstündigen Tour ordentlich ins Schwitzen gekommen sind, geht zum Abschluss der Nachtwanderung ein kräftiger Regenguss auf uns nieder. An der guten Laune kann aber weder das eine, noch das andere etwas ändern. Es war einfach großartig, auch wenn wir natürlich längst nicht alle Tiere gesehen haben.
Heißhungrig und zufrieden genießen wir unser Abendessen im hauseigenen Restaurant, in dem es sogar Bier gibt! Gute Nacht, Johnboy … ach nee, das war ja ein anderer Film. Terima kasi, Tangkoko! (Danke)