19 – Hallo Bali, zeig uns deinen Süden

Abschied von Sulawesi nach einer spannenden Zeit. Mit dem Wassertaxi nach Art der Bunaken geht es zurück nach Manado. Aus dem Taxi quer durch die Stadt entdecke ich so einiges in Manado, was ich gern noch gesehen hätte, wie die Chinatown. Aber es bleibt keine Zeit mehr, denn die Flüge zurück nach Bali sind gebucht. Und dafür müssen wir zu sehr un christlicher Zeit aufstehen; der Wecker klingelt um 3 Uhr …

Alles klappt perfekt, der Flieger wird uns mit Zwischenlandung in Makassar auf die Nachbarinsel Bali bringen. Langsam schließt sich der Kreis. Auf Bali haben wir unsere Reise begonnen, auf Bali wird sie enden. Aber nicht gleich, eine Woche bleibt uns noch. Zeit genug, den Teil der bekanntesten indonesischen Insel zu entdecken, der uns noch fehlt: die Südwest-Halbinsel.

Schöne Strände, teilweise Steilküsten, Surferparadiese und Yoga Retreats erwarten uns dort, laut dem, was wir gelesen haben. Wir haben uns für Balagan Beach in der Nähe der Stadt Jimbaran entschieden. Wieder ein netter Gojek-Taxifahrer, der zufällig auch noch aus Jimbaran stammt. Kaum 20 Kilometer, also gleich um die Ecke vom Flughafen Denpassar. Aber wie immer: Es dauert fast zwei Stunden, die Straßen werden immer schlechter und kurvenreicher, je näher wir unserem Ziel kommen. Teilweise sind es nur Schotterpisten mit Resten uralten Asphaltbelages. Von der Küste sehen wir kaum etwas, die Landschaft ist bergig und ziemlich zersiedelt.

Endlich stehen wir vor dem Guesthouse Balagan Sea View, nachdem wir erst noch ein paar allein gemütlich auf der Straße spazierenden Kühen die Vorfahrt gelassen haben. Aufatmen: Unsere neue Unterkunft sieht super aus, mit tropischem Garten, Pool, Blick auf das naheliegende Meer und schönen Zimmern. Genau richtig zum Entspannen und als Ausgangsbasis zur Küstenerkundung.

Als erstes wollen wir den Strand erkunden und ein Bad nehmen. Balagan Beach gehört zu den Surferparadiesen. Allerdings ist schon der Weg an der Steilküste hinunter eine zweifelhafte Hindernisstrecke. Unten angekommen sind wir dann doch reichlich ernüchtert. Nicht nur wegen des aufziehenden Regengusses, sondern wegen des Zustandes dieses angeblichen Paradieses. Ein Dutzend Surferstationen reihen sich mit schlichten, wenig gepflegten Holzbuden auf Stelzen an den Strand, den die Wellen des wegen des Wetters grauen wilden Meeres fast komplett überspülten. Aber das wäre völlig ok, wenn nicht der Müll wäre, der zum Teil einfach von den Buden aus der Hintertür geworfen wird. Uns ist die Lust auf weitere Besuche dieses Strandes schon beim ersten Besuch vergangen. Als der Regen nachlässt, machen wir uns flugs auf den Heimweg.

Tag 2: Wir mieten ein Motorrad und wollen nach Uluwatu, den wohl bekanntesten Ort dieser Küste, Mekka für Surfer und Yogis. Die erstaunlich breite, asphaltierte Straße führt zunächst – gutgepflegt – an einigen großen Golfplätzen und Edelressorts vorbei, aber dann ist auch schon Schluss. Die nun schmalen, gewundenen Straßen sind zum Teil nur im Schritttempo befahrbar, ein einziges Desaster. Der Verkehr wie immer dicht an dicht, auch auf den kleinen Straßen. Wären nicht alle Fahrer so entspannt und rücksichtsvoll untereinander trotz der halsbrecherischen Fahrweise, ginge hier nichts mehr.

Uluwatu ist ein sehr langer Straßenort, in dem sich endlos Geschäfte, Läden, Hotels und Pensionen aneinanderreihen. Alles ein bisschen auf Hippie- und Surferpublikum abgestimmt. Und vorallem: Es wird überall gebaut. Noch mehr Unterkünfte, Geschäfte, Restaurants. Der Laden läuft also, fragt sich, wie lange man das so weitermachen kann.

Das Publikum ist passend, vorallem hippe junge Menschen, aber auch ein paar Althippies und Esotheriker. Und sogar ein paar Familien, denn in der Nähe liegen einige der bekanntesten Strände dieser Gegend, die als die schönsten hier gelten. Wir haben einige davon auf der Liste.

Als erstes steht der Pantai Suluwan auf unserer Liste. Ein wenig außerhalb von Uluwatu führt ein Fußweg über Steintreppen durch einen Wald steil in die Bucht. Übrigens muß hier fast überall für die Strände Eintritt gezahlt werden. Wäre ja in Ordnung, wenn nur ein bisschen ersichtlich wäre, wofür das Geld verwendet wird. Für die Pflege jedenfalls nicht. Ob das in der Hauptsaison anders ist, wage ich zu bezweifeln.

Die steilen Stufen führen zum Strand selbst, eine Abzweigung zu einem kleinen, steil am Berg hängenden Örtchen, das nicht als Wohnort dient, sondern nur Läden, Restaurants und Surfshops beherbergt. Aber die kleinen Gassen sind so gar nicht gepflegt, die Mauern und Stufen bröckeln, es ist kaum etwas frisch gestrichen, die Beton-Wege sind Stolperfallen. Alle Ladenbesitzer versuchen die Passanten in ihren Laden zu locken, zu ihrem fast deckungsgleichen Warenangebot vom Bikinis, Sarongs, T-Shirts bis hin zu Schmuck und Schnitzereien. Das Ganze wäre nervend, wenn die Ansprache nicht so nett und liebenswert wäre. Nie ein beleidigtes Gesicht, wenn wieder nichts verkauft wird. Immer ein nettes Lächeln.

Wir klettern bis in die oberste Gasse wegen des tollen Ausblicks. Die Wellen schlagen am linken Ende des Strandes an eine riesige Felsenwand, die Wellenkämme scheinen endlos lang über den Strand zu rollen, dafür ist dieser Strand ja bekannt. Wohl der berühmteste Surferstrand – eben deshalb.

Allerdings kann man die Aussicht auf das Meer von den zahlreichen kleinen Bars und Restaurants nicht so richtig genießen, weil man zunächst einmal über die hässlichen und zum Teil kaputten Dächer dieses Standortes hinwegblickt. Ansonsten ist die Gegend wirklich spektakulär, wenn da nicht wieder der Müll wäre …

Schweißüberströmt kommen wir wieder oben am Strandeingang an. Weiter geht die Fahrt. Auf unserer Agenda steht ein berühmter Tempel: Pura Luhur Uluwatu, ein Hindutempel, der direkt auf der Steilküste steht – ein Magnet für Touristen und einheimische Besucher gleichermaßen. Als erstes müssen wir vor dem Betreten der ausgedehnten Tempelanlage einen Sarong anlegen, denn sonst dürfen wir den heiligen Ort nicht betreten.

Was mir wenig gefällt, ist, dass es hier diese frechen Langschwanz-Makaken gibt, die für ihre Frechheit und ihre Überfälle bekannt sind. Ich verstecke mein Mobil Phone unter dem Sarong, setze meine Brille ab. Die Viecher sehen ganz süß aus, vorallem die jungen und die Babies, von denen es hier jede Menge gibt.

Die Aussicht vom Rand dieser Steilküste auf die alten Tempelanlagen mit diesen ganz eigenen Mauern, Ornamenten, Götzen und Götterfiguren auf dem Plateau ist wunderschön.

Plötzlich bekomme ich einen Schlag in den Rücken! Etwas kreischt an meinem Ohr und zerrt an meiner Kleidung. Ehe ich begreife, wie mit geschieht, ist es auch schon zu spät: Ein Affe ist mir ins Kreuz gesprungen und hat mir das Handy unter dem Sarong hervorgezerrt, das ich an einer festen Kordel trage. Mit einem Ruck ist das Handy weg und der Affe springt über die Mauer an der Steilwand und ich kann nur noch zuschauen, wie das Biest innerhalb von Sekunden das Telefon fachgerecht zerlegt und auf den Innereien rumkaut, die Teile wegwirft. Ich habe wie am Spieß geschrien, aber es war zu spät.

Ein Mann ist losgelaufen und kommt mit einer alten Frau zurück, die irgendwelche Reiskuchen aus ihrer Tasche zerrt und sie dem Affen hinhält. Der schmeißt die zerfledderten Einzelteile weg Richtung Abgrund. Inzwischen ist Miki bei mir angekommen, hat gesehen was passiert ist und klettert wagemutig über die Mauer, auf der Suche nach den Resten des Handys. Ich bin nur noch in Panik: Wegen meines neuen Phones, wegen der Angst, dass Miki bei der Aktion abstürzt, wegen des Riesenschrecks.

Eine Frau tröstet mich und sagt, ich solle froh sein, dass mich das Vieh nicht gebissen hat. Sie habe Fotos (von einem anderen Ort) gesehen, nachdem Touristen ins Gesicht gebissen wurden. Ich solle mich freuen, dass es nur das Handy sei. Das kommt an, langsam akzeptiere ich, dass ich verdammtes Pech, aber noch mehr Glück hatte. Übrigens zeigen etliche Überreste von Handys und Sonnenbrillen jenseits der Mauer, dass ich kein Einzelfall bin …

Meine Laune ist im Keller, aber ich versuche mich damit abzufinden und weiterzumachen, mich nicht in die Wut hineinzusteigern. Wir gönnen und eine kalte Kokosnuss und schwingen uns wieder auf das Motorrad. Glücklich ist, wer vergisst …

Letzter Ort unserer Sightseeing Tour ist der Nyang Nyang Strand. Der hat mir auf Fotos besonders gefallen, sah ziemlich idyllisch aus und ich hoffe, er enttäuscht nicht wieder mit Müllmassen. Eine halbe Stunde später fahren wir eine halsbrecherisch steile Straße von einem Hochplateau hinunter Richtung Meer. Ich gestehe, ich habe gelegentlich die Augen zugemacht. Aber irgendwie scheinen das alle nicht weiter beängstigend zu finden. Ob Touristen oder Einheimische, alle düsen auf den Bikes die steilen Kurven zum Meer hinunter.

Nyang Nyang Beach ist ein langer schmaler feiner Sandtrand, der sich an der Steilküste entlangschlängelt und der wirklich sehr schön aussieht. Allerdings ist der Meeresboden mit großen Steinen und Felsbrocken bedeckt, was das Baden bei der Brandung zum Balance-Akt macht. Ich versuche immer noch mich in Fatalismus zu üben und etwas zu entspannen. Nyang Nyang Beach ist nicht gerade ein Geheimtipp, ist in allen Reiseführern zu finden – aber die Strandbesucher-Zahl hält sich in erträglichen Grenzen. Und Sauftouristen kommen hier schon wegen der speziellen Anfahrt nicht her.

Den Abend verbringen wir bei einem guten Essen so entspannt wie möglich nach diesem Tag auf der Terrasse unseres schönen Guesthouse. Da das Zimmer sehr angenehm ist und wir nach der vielen Reiserei etwas Entschleunigungsprogramm brauchen, haben wir unseren Aufenthalt auf drei Nächte ausgedehnt, bevor wir Richtung Norden weiterfahren werden, Richtung Denpassar.

Njang Njang Beach #

Pantai Bingin