08 – Thailand…die letzten Tage

Fünfeinhalb Stunden eingequetscht im Bus…mimimi… Dann der Superschock, vom gekühlten Bus in die Mittaghitze von Bangkok! Als die Türen am Busbahhof Ekkamai im Stadtteil Sai Tai Mai aufgeht, fühlt es sich an wie ein Schlag . Dazu das Geschrei und Gepfeife der Ordungskräfte (Pfeifen sind hier srhr beliebt!), der Verkehrslärm, die oft wild herumirrenden Reisenden mit ihrem Gepäck, dazwischen Taxis, Motorradtaxis und alles, was sonst noch die Lust verpestet und Lärm macht… inklusive der beiden Typen, die noch halb besoffen aus dem Bus von der Partyinsel Koh Chang steigen und erstmal auf den Bürgersteig kotzen… es ist die Hölle.

Zweimal wird meine Taxibestellung per App nach 10 Minuten gecancelt, da die Fahrer rettungslos im Stau stecken und nicht innerhalb der nächsten halben Stunde da sein können. Schließlich klappt’s doch noch, wieder eine lady driver. Wir schleichen durch die verstopfte Innenstadt, aber nach einer Stunde haben wir es geschafft.

Diesmal musste ich ein Hotel nehmen, das weder meiner Art zu reisen noch unbedingt meinem Portemonnaie entspricht – es ist Hochsaison und alles ausgebucht. Und ich wollte aber unbedingt in Pranakorn wohnen, da fühle ich mich wohl, es ist ruhig, aber quirlig, echtes altes Bangkok. Und doch nah an Banglamphur mit all seinen Restaurants etc. Dass Orchidhouse ist ein Hotel mit alten Teakböden und -möbeln, aber ohne Fenster, was hier in Asien nicht unüblich ist. Das Hotel macht auf chic, aber der Service ist eher… unter Durchschnitt.

Ich lasse es ruhig angehen, habe nicht viele Pläne. Einmal muss ich in Bangkoks Super-Shopping-Venter MBK, ich brauche eine gute Powerbank und ähnlichen Kram. Eine ganze riesige Etage bietet nur Elektronik an, die anderen fünf vorallem Klamotten, Schmuck und eigentlich -fast alles. Es gibt tatsächlich Irre, die nach Bangkok fliegen, sich ein teures Hotelzimmer in den oberen Etagen des gigantischen Baus nehmen und nichts tun als einkaufen. Jeden Tag!

In meinen letzten Tagen besteht mein größtes Vergnügen darin, eigentlich fast keine Pläne zu haben, sondern einfach herumzuschlendern, Boot zu fahren , einen Ausflug nach Chinatown zu machen und abends in den Straßenrestaurants lecker zu essen. Die tägliche Thai-Massage nicht zu vergessen, hier kostet eine Stunde 7 Euro…

Aber schließlich pacḱt mich doch noch mal die Lust auf Neues und ich buche für meinen letzten Tag in Thailand eine 3-stündige Fahrradtour durch die kleinen Straßen und Gassen von Chinatown und Thonburi. Co van Kessel Tours, im Lonely Planet gelobt, ist zwar ein holländisches Unternehmen, arbeitet aber ausschliesslich mit Locals.

Ich muss schon halb acht in Chinatown sein, die 3 stündige Tour geht früh los. Das bescheert mir eine Kamikaze-Fahrt mit einem Motorrad-taxi durch den berufsverkehr, diemeineen Blutdrück auf gefährliche Höhe treibt – über vier Spuren und Bürgersteige schlängelt sich das Bike durch den Berufsverkehr, ein normales Taxi hat keine Chance. Wir sind pünkzlich am Treffpunkt Riverside.

Es sind rund 220 Leute in der Gruppe für die Tour. Voran fährt unser weiblicher Guide, hinten ein zweiter „Lumpensammler“, dessen Aufgabe es auch ist, notfalls durch heftiges Winken mit seiner gelben Kappe die Austos anzuhalten, damit unsere geräderte Karawane eine Chance hat, mal eine Straße zu queren. Und das klappt sogar! Hätte ich nie gedacht, bei den irren Fahrern hier.

Diese Tour verdient es, hier in ein paar Absätzen beschrieben zu werden, denn sie hat sich wirklich gelohnt. Wir sind durch Straßen, Gassen und maximal 2 Meter breite …Durchlässe zwischen Häusern in Ecken gefahren, in die man sonst nie vordringen würde. Was im Kopf bleibt, sind Bilder vom Leben in Bangkok, die ich so wirklich noch nie gesehen hatte. Ich hätte auch nie wieder allein da herausgefunden!

Das war noch ein ganz neues Bild vom Alltag der Riesenstadt. Gelebt, gekocht, gearbeitet und gehandelt wird hier meist alles in einem : draußen steht die Wäsche auf dem Ständer zum Trocknen, im Eingang zur Schrottwerkstatt neben dem kleinen Obststand. Und gegenüber stehen zwei winzige Wagen zum schieben: Auf einem wird gegrillt, auf dem anderen Obst zum Verkauf mundgerecht gemacht. In einem als Garage fungierenden offenen Untergeschoss hat ein Künstler seine Bilder aufgehängt, daneben steht ein Friseurstuhl. Zwischendurch wuselt alles von Kind bis Oma und Teenager auf Bikes. So verrückt wie es hier war, habe ich es noch nie gesehen.

Und durch all die geschäftige Enge fahren 2o neugierige Fremde auf gelben Fahrrädern. Unsere thailändische Guide hat vor dem Start die nordeuropäisch durchmischte ernstblickende Gruppe bei der Einweisung daran erinnert, das Lächeln und Grüßen nicht zu vergessen. Ist nutze das allerdings schon lange die Superwaffe und hier in Asien doppelt.

Es war verrückt zu sehen, wie krass das funktioniert. Nicht selten waren die Menschen echt genervt, dass nun auch noch Touristen da durchradeln und ihnen fast über die Füße fahren. Aber man hätte einen wunderbaren Film „Schuss-Gegenschuss“ machen können : genervtes Gesicht A , Lächeln und Grüßen Gesicht B, entspanntes Zurücklächeln Gesicht A! War wirklich beeindruckend!

Wir sind durch winzig kleine Gassen gefahren, an Tempeln vorbei, manchmal sogar durch das Tempel-Gelände, über Fabrikhöfe, Schulhöfe. Schlotternd auch mal über Hauptstraßen, Brücken, Märkte. In einem Viertel gab es nur Schuhläden: hunderte mit Millionen Schuhe. In einem anderen nur Schrotthändler und Auto-Ausschlachter…

Ein Extrastopp ohne Fahrräder war dem gigantischen Blumengroßmarkt von Chinatown gewidmet. Unvorstellbar, wieviele Blumen hier zu den traditionellen Ketten, Gestecken und Sträußen verarbeitet werden – und mit welcher präzisen Kunstfertigkeit! Wirklich ein Eindruck, der bleibt. Auch in den Obstgroßmarkt gab es einen Abstecher .

Eine Deutsche, die erst am Tag zuvor angekommen war, ist in der Hitze bei all den Eindrücken und Gerüchen ohnmächtig geworden und musste zurückgebracht werden. Too much, too hot, too everything!

Nach Chinatown ging es heftig strampelnd über den Chaopraya -Fluss nach Thonburi. Heute verwaltungstechnisch zu Bangkok gehörig, aber eigentlich die „Urstadt“, die lange vor Bangkok da war. Nach dem Fall der alten Kaiserstadt Ayutaya in den 70er Jahren des 18.Jh, deren Tempel und Ruinen immer noch eindrucksvoll in der Nähe von Bangkok zu sehen sind, erklärte ein General Taksim Thonburi zur neuen Hauptstadt des Königreiches Siam. Bangkok am anderen Flussufer war ein Dorf am Chaopraya-Fluss, was durch Handel- und Zoll aus Ayuthaya wichtig wurde. Erst 1971 wurde Thonburi eingemeindet.

Jetzt ist es ein schönes, rekativ ruhiges Wohnviertel, mit vielen Holzhäusern und schönen schmalen Uferwegen Es gibt sogar eine katholische Kirche zum Heiligen Kreuz. Viel berühmter aber ist der Wat Arun Tempel , der ganz ungewöhnlich nicht in Gold , Rot oder gelb erstrahlt, sondern in reinstem Weiss. Er ist noch heute der Tempel der Königlichn Familie.

Hier gabs eine kleine Besichtigung und anschließend eine Erholungspause im Klustergarten, der mit einem künstlichen Felsen mit Götzen , einem kleinen See – und vielen Schildkröten darin für Besucher zugänglich ist. Sie werden sogar auf Wunsch mit Schíldkrötenfutter ausgestattet. Die hungrigen Panzertäger kennen nichts im Kampf um die Häppchen. Es sieht aus, als ob das Wasser lebt!

Nach einigen Geschichten zur Geschichte ging es dann langsam zurück. Nochmal ein paar enge, aber sehr ruhige , beschauliche Wohnstraßen -so ganz anders als Chinatown. Noch ein rot-gold glitzernder Tempel , ein paar Kanalbrücken, neben denen sich beeindruckend große Warane sonnen, ein weiterer Markt und – per Fähre – wieder zurück nach Chinatown

Eine wirklich spannende Tour, an der ich nur zu bemängeln habe, dass es immer schnell weiterging und man kaum Zeit hatte, mal etwas länger zu schauen und auch zu fotografieren. Jeder hat es natürlich irgendwie doch getan. Und bei mir endete dieser tolle Vormittag damit, dass mir beim letzten Streckenabschnitt mein Mobilphone aus dem Fahrradkorb gesprungen sein muss. So eine …! Das nur zur Erklärung, warum es keine Photos von der Tour gibt.

Am nächsten Morgen hat sich der Kreis geschlossen: Um sieben Uhr bin ich noch einmal in dem kleinen Einheimischen-Restaurant von meinem ersten Bangkok-Tag eine Frühstückssuppe essen gegangen, bevor mich ein Sammel-Taxi zum Flughafen gebracht hat: Auf zu neuen Ufern: Bali wartet!