09 – Selamat Datang, Indonesia

…. heißt: GutenTag!

Knapp viereinhalb Flugstunden trennen Bangkok von Bali! Im letzten Tageslicht überfliegen wir die grüne Insel mit gleich mehreren hohen Bergen und Vulkanen. Landung im Sonnenuntergang in der balinesischen Hauptstadt Denpasar.

Was dann kam, war allerdings recht holprig: Meinen Partner im Leben und auf dieser Reise zu treffen, war erstmal gar nicht so einfach. Gleich nach den endlosen Schlangen für die Einreiseformalitäten will ich eine Simkarte für Indonesien kaufen, um mich zu verabreden. Aber daraus wird nichts. Bei meinem klapprigen Ersatzhandy verabschiedet sich der Simkartenträger und nichts geht. Totale Funkstille.

Das Gewimmel auf dem abendlichen Flughafen ist groß, mir schlägt die schwülheisse Hitze auf den Kopf, Taxifahrer werben brüllend um Kundschaft , Ordner pfeifen wir besessen, ohne irgendwas zu ordnen, es herrscht unüberschaubares Gedränge – und ich irre suchend und schweißgebadet durch das Chaos an den Ausgängen – keiner zu finden. Kurz gefasst, es war etwas Stress, bis wir uns gefunden haben. Und dass ohne Rupien und Telefon.

Aber alles wird gut – auch diesmal. Miki hat schon ein Taxi engagiert, es muss nur erstmal irgendwie durch das wilde Verkehrschaos vor dem Flughafen zu uns finden. Erschöpft sinken wir ins klima-gekühlte Kunstlederpolster und los gehtś Richtung Ubud, DER Stadt, in Bali. Eigentlich gar nicht weit … wenn nur der permanente Megastau nicht gewesen wäre. So dauert die Fahrt über zwei Stunden.

Einen Eindruck, wie es hier aussieht, kann ich kaum erhaschen, es ist stockfinster und die ewigen Scheinwerfer und Bremslichter nehmen jede Sicht. Endlich sind wir da, in einer kleinen stillen Nebenstraße außerhalb des Zentrums, beim Madra Homestay. Uns erwartet ein Bungalow mit Terrasse in einem weitläufigen wunderschönen Garten mit vielen blühenden Bäumen . Es gibt noch einige Bungalows, aber das Grundstück ist groß und es ist wunderbar still. Nur der Mond scheint durch die Blüten. Ein paar kleine Geckos flitzen durch die Gegend und … sonst ist es still.

Der Besitzer, ein netter Mann in traditioneller Kleidung – dem Sarong und dem Udeng (einem besonders gebundenen Tuch für den Kopf der Männer) ist ein traditioneller Wayan Figurenmaler, der für die Tempel arbeitet. Jede Nacht sitzt er auf seiner Terrasse und malt.

In den kommenden Tagen zeigt sich, dass der Verkehrskollaps hier permanent ist, und an diesem verlängerten Wochenende noch schlimmer – so das möglich ist. Es ist chinesiches Neujahr und alle fahren eben – z.B. mal auf Kurzurlaub nach Ubud. Es ist wirklich unglaublich nervend. Für die ca 3 km-Strecke von unsrer Unterkunft in die Stadt brauchen wir zwischen 1 un 2 Stunden im Taxi, das hier übrigens sehr billig ist. Berliner Berufsverkehr ist geradezu lächerlich dagegen.

Genug gemeckert – nun kommt nur noch Schönes! Die Stadt ist ein Traum! Ich habe noch nie so viele schöne, kunstvoll verzierte Gebäude, Toreinfahrten, Mauern, Tempel und Figuren gesehen wie hier! Es ist wie in 1001 Nacht – nur eben auf indonesisch! Zunerst dachte ich, wir würden in einem Viertel mit unzähligen kleineren Tempeln wohnen, was allerdings falsch war. Es ist ein normales Wohnviertel. Fast jedes etwas größere, nicht ganz ärmliche Haus ist mit einer kunstvollen Mauer umfriedet und hat einen Tempelaltar-ähnlichen Eingang. Mit mythischen Figuren, Gold, Silber und vielen Farben. Man kan sich gar nicht sattsehen.

Bali ist in einer Hinsicht nicht typisch Indonesien: Wärend auf den meisten Inseln vorallem der Islam verbreitet ist, sind die Menschen heir überwiegend Hindus. Daher auch die farbenfrohen und äußerst kunstvollen Figuren, die den Göttern huldigen. Mein anfängliches Bedürfnis vor jedem dieser Statuen, Tempel, Altäre , Eingangstore stehen zu bleiben, weicht nur mühsam der Erkenntnis, dass ich so nicht mehr als die 150 m bis zur Hauptstraße zu sehen bekomme.

Ein weiteres kleines Rätsel des ersten abendlichen Ausfluges zum Essen kann ich erst am folgenden Morgen mit Hilfe unserer Wirtin lösen: Überall vor den Eingängen, an Straßenecken, auf Stufen, Motorradsitzen, Autos…. liegen kleine kunstvolle Körbchen aus Bananenblättern mit Blüten, Kräutern, Reis und manchmal Süssigkeiten. Machmal glimmen noch Räucherstäbchen. Dabei spielt es offensichtlich keine Rolle, wenn jemand drauftritt oder darüberfährt. Sie werden mehrmals täglich erneuert. Ganag Sari heißen diese Körbchen.

Wie ich lerne, gehört das zu den Ritualen, die jeder Hindu erfüllt: Er bietet den Göttern und Schutzwesen mehrmals täglich seine Gaben und betet dabei. Um wenigstens ein bisschen meine ziemlich peinliche Ahnungslosogkeit in Sachen Hinduismus zu verstehen, musste ich mich schlaumachen , vorallem durch unzählige Fragen, denen die Befragten – wie Wirtinnen und kommunikative Taxifahrer geduldig genatwortet haben. Sie sprechen offensichtlich gern über ihre Kultur und Religion, wenn sich jemand dafür interessiert.

Die Hindus, die ebenso wie die Buddhisten an die Wiedergeburt nach dem Nirwana glauben, haben eine Vielzahl von Göttern, Sehern und Heiligen, die alle unterschiedliche Bereiche des Lebens betreffen und besondere Stärken haben. Tätsächlich sind es über 3000 verschiedene Götter. Drei davon sind besonders wichtig: Brahma steht für die Schöpfung und gilt als derjenige, der das Universum erschaffen hat. Vishnu ist die göttliche Form der Erhaltung und Shiva – der dritte Hauptgott des Hinduismus – verkörpert das Prinzip von Zerstörung und Neubeginn. Und die bekannte Gottheit Ganesha mit dem Elefantenkopf ist besonders für das Glück zuständig. Sollte dies alles ein wenig schlicht erklärt sein, liegt das an der bisherigen Ahnungslosigkeit der Autorin.

Jedenfalls ist es eine solche Lawine von Eindrücken und Informationen, die über mich rollt, dass ich nur einiges wenige davon verarbeiten kann – und das ist schon richtig viel. Zu meinen angenehmsten Erfahrungen hier gehört es, wie ruhig, freundlich und respektvoll die meisten Menschen miteinander – und auch mit ahnungslosen Fremden – umgehen. Überflüssig zu sagen, wie respektlos und peinlich sich manche Reisende verhalten. Wobei hier auffällt, dass es vergleichweise weniger tumbe Party Touristen gibt als an anderen Orten.

Nach dem ersten Ausschlafen fahren wir ins Zentrum von Ubud. Hier dominiert der Ubud Palast, eigentlich Puri Saren Agung, der frühere Königspalast, der noch heute dem örtlichen Fürstengeschlecht gehört. Eine wunderschöne Anlage mit verschiedenen Gebäudeteilen, Toren, Altären und vielen Pflanzen und Bäumen. Abends finden hier Tanzaufführungen statt.

Wir kaufen uns für den Abend Kartem für eine kecak-Tanzauffohrung im Pura Dalem Ubud Tempel gekauft. Einer der traditionellen Tänze, und der Urvater des vielzitierten Affentanzes – daher kommt unser geflügeltes Wort. Ich bin sehr gespannt, denn von der balinesischen Tanzkunst hat wohls jeder schon gehört.

Nach dem ersten Spaziergang sind wir schweissgebadet, es herrscht eine extrem feuchte Hitze und das Chaos von Menschenmassen, Geschäften, Händlern und der traffic jam hat uns geschafft. Also nach Hause in unser schönes ruhiges Viertel, ausruhen, duschen, Abendessen und dann Tanz… dachten wir. Rechnung ohne den Verkehr gemacht… haben es mit Mühe zum duschen geschafft und per Motorradtaxis, die kamikazemäßig durch jede Lücke fahren, gerade noch zur Aufführung geschafft.

Wir sitzen rund um die Tanzfläche verteilt, es ist dunkel, zum Tempel führt eine breite verzierte Treppe hoch, die ebenso wir die Bäume eindrucksvoll beleuchtet ist. Ohne mich jetzt in Einzelheiten verlieren zu wollen – es war wirklich faszinierend, die Sage um Macht, Rache und Rettung durch den Affengeneral Hannomann zu sehen. Dabei wird übrigens kein einziges Instrument gespielt – alles wird durch den rhythmischen Gesang der „Affenhorde“ (immer zwischen 50 und hundert Männer) begleitet. Wunderschöne Kostüme, kraftvolle Tänzer , graziöse Tänzerinnen, wechselndes Licht – und ein echter Feuertanz: Hannoman, der General des Affenheeres, tanzt mit nackten Füssen im Feuer!! Keine Ahnung, wie der das macht. Kein fake! Exotischer als eine solche Aufführung kann man nicht ins erste Bali-Abenteuer starten!