Noch ein letzter Kurstag, ein letztes Mal sich ein bisschen „alltagszugehörig“ fühlen … Ein bisschen wehmütig spaziere ich durch die Via San Giovanni Maggiore Pignatelli durch die engen Straßen zum Vico Santa Maria dell´Aiuto zum Centro Italiano. Inzwischen grüßt der eine Gemüsehändler schon und ich kenne die Frau von der Straßenreinigung.
Auch den anderen drei Mitschülern geht es ähnlich, wir bedauern alle, dass schon Schluss ist. Es gibt Espressi, Nusswaffeln und Schokolade zum Kursende. Aber auch nochmal echten Unterricht. Allerdings gehen wir für die letzten zwei Stunden `raus zur Piazza Bellini in ein Café … Abschied.
Unser Mittagessen nehmen wir dann en famille noch mal an einem besonderen Ort ein, den wohl eher wenige Touristen finden, wieder ein Tipp von der Lehrerin: Cuccuma Caffè , Vicco II Gravina 1. Eher klein und unscheinbar, ist es aber auch für Einheimische eine bekannte Adresse, für Fremde eher ein Geheimtipp: Hier kann man auf die traditionelle napolitanische Art essen und anschließend Kaffee trinken.
Der Laden ist klein, fast zu eng für die sieben kleinen Tische. Außerdem wird hinter dem gemauerten Tresen direkt gekocht, auf zwei großen Gasflammen. Mehr braucht es auch nicht, denn hier kocht der Chef selbst und das auf alte Art. Auf der Speisekarte stehen verschiedene Pasta-Soßen, mit und ohne Fleisch, mit Gemüse, verschiedenem Käse. Die jeweilige Pasta-Sorte des Tages sucht der Chef aus. ABER: Pro Tisch (2-4 Personen) kann man nur eine Sorte Soße bestellen, denn serviert wird nach alter Sitte: Es gibt nur einen großen Teller für alle in der Tischmitte, davon wird gemeinsam gegessen. Serviert vom Koch persönlich mit lautstarkem Kurz-Gesang.
Unsere Pasta mit traditioneller Salsiccia, frischen Tomaten und anderem Gemüse ist super lecker! Der Chef meinte, wir bräuchten 250 g Pasta … weil´s so lecker war, haben wir tatsächlich alles in uns reingestopft. Danach gab es den legendären Caffè nach traditioneller Napolitanischer Art gekocht: In einem zweiteiligen Alu-Kaffee-Kännchen: Oben grob gemahlener Kaffee, unten Wasser. Wenn aus der Tülle unten Qualm und ein Tropfen Wasser kommt, wird das ganze auf den Kopf gestellt und läuft durch. Das Ergebnis: Lecker! Ein toller Tipp: Cuccuma Caffe!
Aber der volle Bauch ist kein Grund zum Müßiggang, denn wir werden Napoli morgen Nachmittag schon verlassen. Letzter Programmpunkt waren eigentlich die Phlegräischen Felder, ca. 20km westlich des Vesuvs. Dieses als unterirdischer Supervulkan eingestufte Gebiet vor den Toren Neapels, dessen Krater einen Durchmesser von ca. 770 m hat, ist allerdings wegen der unerklärlichen permanenten Anhebung der Erdkruste in den letzten Jahren und der hohen vulkanischen Aktivität auf unbestimmte Zeit gesperrt. Aber man kann mit dem Linienbus daran vorbeifahren bis in das Städtchen Pozzuoli.
Das allerdings klang ganz einfach: mit dem Linienbus. Nach einem strammen Marsch nach Lungomare wollten wir dort einen Bus erwischen … aber was wir nicht wussten, war, dass die Busfahrer der Gesellschaft gestreikt haben. Nach einiger Verwirrung, Herumsuchen und Warterei hat es dann doch noch geklappt, weil der Streik nur ein paar Stunden gedauert hat. Ein ziemlich unbequemer, alter Linienbus hat uns dann stadtauswärts geholpert – vorbei am Heiligtum des SC Napoli, dem Stadio Diego Armando Maradona . Kurz vor dem Ziel konnte man dann zwischen Häusern doch tatsächlich Rauchschwaden aufsteigen sehen. Mehr aber auch nicht …
Im 75-tausend-Seelen-Städtchen Pozzuoli war Endstation. Die Saison war hier – im Gegensatz zu Neapel, offensichtlich tatsächlich vorbei. Bei einem Spaziergang durch das alte Städtchen Richtung Meer haben wir zwar viele kleine Restaurants und Bars gesehen, aber kaum einen Touristen. Alles eher verschlafen.
Ein kleines Städtchen mit langer Geschichte: Gegründet immerhin schon 531 Jahre vor Christus. Erst griechisch und dann römisch war der große Hafen der Hauptgrund für den Wohlstand der Stadt. Die Römer haben ihn viel genutzt, z.B. für Getreidelieferungen aus Ägypten für die Stadt Rom. Die Phlegräischen Felder wurden als Heilthermen genutzt. Von der Hauptstraße aus können wir einen Blick auf und in das römische Amphitheater von Pozzuoli werden. Das Anfiteatro Flavio war mit 40.000 Plätzen immerhin das drittgrößte seiner Art in Italien. Unrühmliche Bedeutung hatte es zu Beginn der Christenverfolgung, als hier die ersten Märtyrer hingerichtet wurden. Wir können zwar nicht hinein, da die Anlage geschlossen war, aber wir konnten von der Straße aus einen guten Blick ins Innere werfen. Auf dem Weg zum Meer hinunter kommen wir an den Ruinen des Macellum vorbei, eines Marktes im Bereich des antiken Hafens.
Aber – diese Zeiten sind vorbei und heute lebt die Stadt vor allem vom Tourismus – den Fährverbindungen nach Ischia – und dem nahen Neapel. So trinken wir einen herbstlich-melancholischen Aperitif als einzige Gäste in einer Bar am Hafen und machen uns dann auf den Rückweg. Die Bahn Ferrovia Cumana fährt für etwas mehr als zwei Euro von hier ins Zentrum Neapels zurück, allerdings führt der Weg zum Bahnhof rund zwei Kilometer immer bergauf …
Ein letztes leckeres Abendessen und einen Wein (oder zwei?) gegen die Abschiedsmelancholie in der quirligen Altstadt … Aber immerhin bleibt uns morgen noch ein halber Tag, bevor wir die Stadt Richtung Castellamare di Stabia verlassen …