
















Unterwegs mit Beate

















Es ist nun schon meine neunte thailändische Insel, und doch sind das nur ein Bruchteil der Inseln dieses Landes. Koh Yao Yai und Koh Yao Noi werden meist in einem Atemzug genannt, liegen sie doch nur 10-15 Minuten mit dem Longtail Boat voneinander entfernt. Trotzdem ist die eine touristisch viel stärker entwickelt als die andere. Und – wer kennt unsere Vorlieben? Richtig, wir haben die ruhigere Insel gewählt.
Unser Guesthouse Baanjomjan liegt nur gut 10 Fahrminuten vom Hafen entfernt an der Westküste. Neben der Straße, etwas zurückgesetzt, liegen die gerade neu gebauten Reihenbunglows zweier Guest Houses. Es sieht alles noch ein bisschen nach Baustelle aus, für den Außenbereich hat die Zeit noch nicht gereicht.
Aber zum Baanjomjan gehören noch 3 einfache, neue Bambushütten, relativ groß mit einer kleinen Terrasse davor. Eine davon ist die unsere. Sieht ganz nett aus.
Aber- wie der cliff hanger des letzten Beitrags schon verraten hat: ein Eichhörnchen sieht das anders. Mitten inder Nacht beginnt sein Zerstörungswerk direkt über uns: lautes Knabbern, Knistern, Springen und ein steter Rieselregen zernagter getrockneter Palmwedel, die das Dach decken….
Ich will die Sache nicht ausweiten, das passiert eben, wenn man nicht im Ritz wohnt. Aber wir haben dann doch dringend um ein anderes Quartier gebeten. Eigentlich war alles ausgebucht, aber 100 m weiter haben die Inhaber noch einige neue Steinbungalows gebaut, die gerade fertig geworden waren. Gegen einen kleinen Aufpreis dürfen wir umziehen 🙂
Gut, dass wir gerade jetzt ein so komfortables Zimmer haben, denn ich habe mir leider etwas eingefangen und kann den Tag nicht weit von Bett und Bad verbringen. OK, damit sollte das Tief der Reise dann ja wohl überwunden sein.
Am Abend davor sind wir noch mit dem Roller nach Süden gedüst, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Die gelegentlich etwas holprige Straße führt immer wieder in Meeresnähe und die Ausblicke sind wunderbar auf die kleinen Felseninseln vor der Küste. Wir sind durch mehrere langestreckte Siedlungen gerollt (Dörfer wäre zuviel gesagt), viel halboffene grüne Landschaft, etwas hügelig, und ein bisschen struppigen Wald.
Das, was uns am meisten auf- und gefällt: Es sind hier trotz einiger Unterkünfte für Touristen noch richtige Siedlungen in denen die Inselbewohner ein ganz normales Leben führen. Hier leben und arbeiten Familien, spielen Kinder, hütet der Opa eine Kuh, wäscht die Frau Wäsche oder kümmert sich um Pflanzen. Das ist eher sehr ungewöhnlich. In vielen Orten prägt der Tourismus das sichtbare Bild der Orte: Unterkünfte jeder Couleur, Läden, Restaurants, Agenturen. Und bestenfalls nach hinten raus noch ein/zwei versteckte Räume zum Schlafen.
Das ist hier ganz anders. Es gefällt uns sehr. Die Häuser sind an der Frontseite nicht sehr breit, dafür aber nach hinten lang, wie auch anderswo in Asien. Und die meisten sind aus Holz und stehen auf Stelzen. Muss wohl gelegentlich feucht werden hier…
Einen Moment lang glaube ich mich geirrt zu haben, als ich durch die Bäume einen Elefanten sehe. Aber tatsächlich führt ein Opa seinen Elefanten zum grasen (wie sagt man das korrekt bei einem Dickhäuter?) . Irgendwo auf der Insel soll es auch ein elephant sanctuary (ein Elefantenasyl) geben, aber das steht nicht auf dem Plan.
Etwa in der Mitte der Insel führt eine Straße an die Ostküste zum Chong Lad Pier, an dem die Fähren nach Phuket abfahren. Hier gibt es einen kleinen Ort, der nun wirklich vorallem für Touristen gedacht ist mit vielen kleinen Läden, Supermarkt, Massagesalons, Arztpraxis und Restaurants. Am Ende dieser Straße steht eine große Moschee (in Südthailand gibt es mehr Muslime) und am anderen Ende, vor dem Strand, fordern Schilder die Touristen zur Kooperation auf, keine übliche Badebekleidung zu tragen, sondern sittsame weite Badehosen für Männer und lange Anzüge mit Tunika darüber und Kopftuch für Frauen. Und daneben ein weiteres Schild, auf dem appeliert wird, keinen Alkohol zu trinken. Hmm, ich verstehe das Problem, aber das kann kaum die Lösung sein. Und es befremdet mich auch insofern, als ich die Muslime in Thailand als überwiegend absolut tolerant anderen gegenüber kennengelernt habe.
Der Strand ist lang und feinsandig, mit einer langen Seebrücke. Auf ca 1 km Länge reihen sich Restaurants und Ressort aneinander, die die Sonnenbadenden mit allem für das leibliche Wohl versorgen. Man hört viel Deutsch, Französisch und Russisch. Schöner Strand, für meinen Geschmack aber zuviel geballter Pauschaltourismus. Nicht so ganz unsere Welt. Wir legen ein Pause im Sand ein, um den glühenden Sonnenuntergang zu genießen. Genug gesehen für den ersten Tag.
Tag 2 fällt für mich aus. Koma. Miki Roller und Strand
Tag 3: Ich lebe wieder, alles bestens. Und weiter gehts mit der Insel-Exploration. Diesmal fangen wir im Nordosten an, sehen uns den kleinen Ort und Pier an, wo wir angelandet wurden. Es ist wirklich ein sehr kleiner Ort mit einem Supermarkt, einer Reiseagentur, ein paar Obstlädchen, drei Imbissständen, wo irgendwas gebrutzelt wird, und zwei Mini-Restaurants. Nicht zu vergessen Schule und Sportplatz.
Wir fahren noch mal ans Klong Here Pier, um herauszufinden, wie wir am Abreisetag auf die Nachbarinsel Koi Yao Noi kommen, um von dort nach Koh Lanta zu fahren.
Es gibt ein ziemlich unverständliches Pallaver mit ein paar Einheimischen, aus dem wir immerhin entnehmen, dass es keinen Fahrplan gibt, aber von morgens um 8 bis abends um 6 immer wieder Longboats bei Bedarf. Anderswo ließe mich das etwas unruhig zurück, aber hier…klappt immer alles spontan.
Gleich in der Nähe liegt ein weiterer Strand, die Laem Had Beach. Er ist klein, aber liegt unter einem lichten Hain riesiger Kokospalmen mit Blick auf die Felseninseln bis hin nach Krabi in der Ferne. Manche kleinere Strände sind hier zur Ebbe nicht zum Baden geeignet, weil das Wasser einfach zu weit weg ist, andere verschwinden wiederum bei Flut.
Aber immer wieder begeistert bin ich vom Anblick der Longtailboote, gerade auch, wenn sie bei Ebbe schräg auf dem Sand liegen und ihre langen, gebogenen und meist bunten Holzspitzen, die Steven, in den Himmel recken. Oft sind noch bunte Tücher darum gebunden, die im Wind sanft flattern. Sie haben irgendwas mit Schutz zu tun, genaueres weiß ich aber nicht. Es sieht nur eben sehr schön aus.
Danach fahren wir sozusagen „quer rüber“ auf die Ostseite der Insel. Klong Son Beach. Einfach wunderschön. Ein langer, extrem feinsandiger Strand, begrenzt von Palmen und ein paar Laubbäumen. Ein wilder Strand mit nur einer Strandbude, die etwas zu essen und zu trinken anbietet, aber begrenzt – kein Internet, kein Strom.
Ein kaltes Getränk an der Bude und einen Moment faul sein… und schon ist das Meer weg! In kaum zu vermutender Geschwindigkeit verschwindet es in Richtung Horizont. Ich versuche hinterherzulaufen in der Überzeugung, ich käme schon noch ins Wasser… aber alles, was ich nach einigen hundert Metern geschafft habe, ist wadentiefes Wasser und das auch nicht mehr lange, so schnell zieht es sich zurück. Auf dem Rückweg zum Ufer erlebe ich noch ein lustiges Phänomen: Ganze Horden (oder soll ich sagen: Herden?) kleiner sandfarbener Krabben jagen kreuz und quer über das Watt. Es hat so was von Truppenbewegungen eines unbekannten Heeres. Das sieht total lustig aus!
Also wieder zurück an den Strand und noch ein bisschen faul sein. Es sind einige Menschen da, aber eine sehr überschaubare Anzahl. Und alles Leute, die wohl ein bisschen mehr so wie wir reisen… Alles klar. The winner of best beach prize is: Klong Son Beach!
Für den Rückweg gönnt sich mein Chauffeur noch eine abenteuerliche Sandpiste – aber alles wird gut und wir landen zum Abendessen im Restaurant, das zu unserem Guesthouse gehört. Schöner letzter Tag! Darauf eine frische kalte Kokosnuss!
Punkt 4: 30 Uhr rattert Lucky, unser Taxifahrer, den Weg zu unserer Lodge herunter, nachdem er mir schon gestern abend und um 4 Uhr nette Erinnerungs- oder Beruhigungsnachrichten geschickt hat. Auch mal nett, um diese Uhrzeit mit einer erfrischenden Brise durch die schlafenden Orte zu fahren. Als wir abfahren, bestimmt noch ein strahlender Vollmond den Himmel.
Pünktlich sind wir am Pier, checken ein, bekommen wieder einen der bunten T-Shirt-Aufkleber und schon geht es auf die diesmal ziemlich große Fähre in deren Bauch auch ein paar Autos mitfahren. Einige Mitreisende sind direkt von der Party gekommen, haben so ein spooky hollow-Gesicht und fallen nach wenigen Minuten auf See ins Koma. Ich bleibe erstmal im leicht unterkühlten Unterdeck, Miki legt sich draußen an der Reling auf eine harte Bank.
Als der Himmel sich grau zu färben beginnt, zieht es mich auch nach draußen, um dem Schauspiel „Sonnenaufgang über dem Golf“ beizuwohnen. Besonders schön ist das, weil sowohl der Blick zurück auf bizarre Karstinseln wie auch der Blick nach vorn auf das ebenso bergige Festland beeindruckend sind. Und da schiebt sie sich auch schon über den Horizont: die glühende Sonne des neuen Tages und sie hüllt alles in rosaroten Glanz.
Pünktlich läuft die Fähre in den Raja Ferry Pier in Don Sak ein. Ruckzuck ist alles entladen und schon stehen 200 Meter weiter Busse, deren Fahrer die Reisenden mit den entsprechenden Aufklebern in die passenden Busse scheuchen. Nach etwa einer Stunde in einem komfortablen Reisebus sind wir im Zentrum der Großstadt Surat Thani. Keine sehr attraktive Großstadt, aber eine wichtige und sehr geschäftige als Knoten- und Umschlagort für alles Mögliche.
Unsere Annahme, dass wir im Bus nach Krabi sitzen, ist falsch. Hektisch werden alle aus dem Bus gescheucht und wieder nach verschiedenen Destinationen sortiert. Gerade fallen uns noch unsere Koffer im alten Bus ein… Wir werden nun in einen kleineren, etwas seltsamen Bus gequetscht, der bis auf den allerletzten Platz voll ist. Er eriinert mich irgendwie an die Busse, diein der DDR eingesetzt wurden, um die Arbeiter auf die Felder zu fahren. Der Busbegleiter, den es hier in jedem Bus gibt, und eine Einheimische stehen und hocken die ganze Fahrt über auf den Eingangsstufen. Sonst ist absolut kein Platz mehr.
Das Gefährt scheint sich über die Jahrzehnte tapfer geschlagen und in die Neuzeit gerettet zu haben. Fünfziger Jahre-Ästhetik, alles abgenutztes Plastik in unterschiedlichen verschossenen Brauntönen inklusive der uralten Gardinen. Einen Gepäckraum gibt es nicht und so wird das Gepäck direkt in der ausgebauten 1. Reihe hoch gestapelt, wo es bei jeder Bodenwelle gefährlich schwankt. Semi optimal… um es mal so auszudrücken.
Eine streng auf 10 Minuten begrenzte Pinkelpause ist die Chance, kurz die Knochen zu sortieren, bevor es zur letzten Etappe geht. Pünktlich um 13:05 , wie geplant, rattert der alte Kasten in den Busbahnhof von Krabi, der Provinzhauptstadt an der Westküste. Erinnerungen werden plötzlich wach – ich war vor einigen Jahren schon mal hier.
Und hatten wir uns bis eben noch darauf eingestellt, dass es schwierig werden könnte herauszufinden, wann und von welchem der verschiedenen Piers eine Fähre nach Koh Yao Yai abfährt, erledigt sich auch diese Sorge sofort. Vor dem Bus steht eine Frau, die immer den Namen unserer Insel brüllt, eine Stück weiter wird für andere Orte geworben. Wir werden in ein kleines Gebäude geschoben: Ticket kaufen, neuer Aufkleber, 15 Minuten später Kleinbus zum Ao Noi Pier. Reisen wird einem in Thailand wirklich leicht gemacht.
Eine dreiviertel Stunde später, nach einer Fahrt durch imposante Berg- und Dschungelkulisse, sind wir am Pier, dem sich ein Naturschutzgebiet, der Strand von Ao Noi, anschließt. Der Strand ist schmal, aber sehr schön. Ein lichter Waldstreifen filigraner hoher Nadelbäume schließt sich an und am Ende der langgestreckten Bucht liegt der Pier. Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren schon mal mit dem Motorrad hier war, als ich die Küste von Krabi erkundet habe.
Ständig schieben sich Longtailboote und Speedboote an den Pier und laden Leute aus und ein, die alle im seichten Wasser aussteigen müssen, da es für die Boote zu flach ist.
Endlich dürfen wir auch waten…in unser Speedboot nach Koh Yao Yai. Das Gepäck werfen sich die Jungs von der Crew, ungeachtet des Gewichts, wie Bälle zu. Es wird einfach auf dem Vordeck gestapelt. Wir verschwinden im Bauch des Bootes, zu tief, um aus dem Fenster zuschauen und zu eng, um aufstehen zu können. Aber die rasende Fahrt über das Meer ist nach knapp anderthalb Stunden vorbei und wir klettern an Land.
Vor der Küste der Insel liegen viele kleine Felseninselchen mit verrückten Formen. Die berühmteste Inselgruppe hier, Koh Phi Phi, weltberühmt durch den Leonardo di Caprio-Kino-Hit „The Beach“ und den James Bond Film „The man with the golden gun“ , haben wir unterwegs passiert, sie aber leider nicht sehen können. Jetzt ist sie wenigstens am Horizont zu erkennen. Schon wieder eine Erinnerung:vor fünf Jahren habe ich an dem legendären Archipel getaucht. Ich erinnere mich, dass Koh PhiPhi aus der Nähe viel zu schön wirkt, um echt zu sein.
Die kleine Inselgruppe hat fast senkrecht austeigende hohe, tiefgrün bewachsene Felswände, umgeben von schneeweißen Stränden und irisierend türkisblauem und grünen Wasser. Leider ist sie inzwischen so überrannt, dass sie für bestimmte Jahreszeiten gesperrt werden muss, um sich zu erholen.
Und wieder ist es kein Problem, das gebuchte Guesthouse ein Stück im Landesinneren zu finden, die Motorrad-Taxis mit angebautem metallenem Beiwagen, auf dem sowohl Gepäck wie 1-2 weitere Fahrgäste untergebracht werden, warten ebenso wie einige Sammeltaxis und bringen prompt und preiswert jeden ans Ziel.
Eine gute Stunde später haben wir eine erste kleine Runde auf dem Motorrad gedreht, zu Abend gegessen und unsere Bambushütte bezogen, wo wir müde auf das große Bett fallen. Zum Glück gibt es ein Moskitonetz….denn, was wir noch nicht wissen, ist, dass die kommende Nacht sehr unruhig wird. Ein Eichhörnchen meldet nämlich Besitzansprüche auf unser Quartier an und hat beschlossen, das Dach genüsslich aufzuknabbern. Laut und mit einem steten Regen fallender Bambusstücke… Gute Nacht Koh Yao Yai.
….zumindest nicht in Koh Phangan….aber alles der Reihe nach. Nachdem wir erst einmal ein technisches Problem klären mussten, da keine einzige der alten ausgeleierten Uralt-Steckdosen in unserer Hütte noch die Kraft hatte, auch nur einen schmalen Stecker in Kontaktnähe zu halten. Und so ein Problemchen wird schon bedrohlich heute, angesichts der Handys als einziges Kommunikations- , Buchungs-, Aufzeichnungs- … und was sonst noch-Gerät. Aber dann konnte der Tag beginnen.
Helme auf und los. Verwöhnt wie man hier eigentlich in Sachen Organisation ist, haben wir schnell ein kleines Ticketbüro angesteuert, um unsere Weiterreise nach Südwest-Thailand am nächsten Tag organisieren zu lassen.
Ein kleines chaotisches Büro mit Schiffsfahrplänen und allerhand unverständlichen Werbungen tapeziert. Durch eine gläserne Schiebetür geht es in einen noch kramigeren Laden mit einem bunten alten Sofa neben der Kasse,. in dem man…ja, was eigentlich?- kaufen kann. Ich rufe, klatsche, rufe. Plötzlich bewegt sich die Sofapolsterung und materialisiert sich zu einer sehr…korpulenten älteren Dame im wilden Blütendekor, die gerade ein Nickerchen gemacht hat. Oha!
Sie schiebt ihren Oberkörper durch die Tür, und fragt etwas auf Thai. Hmm. Egal . Ich zeige auf die Bootspläne und erkläre ihr, dass ich Tickets nach Koh Yao Yai brauche. hmmm….. Sie nickt und greift zum Telefon, diskutiert eine Weile mit einem hörbar verkaterten Mann und erklärt mir, dass ihr Sohn, der Agenturchef, gleich käme. In einer halben Stunde…
Ok, was solls. Zeit, einen Saft zu trinken in einem Kaffee schräg gegenüber. Das ist allerdings ein nicht besonders gemütlicher, seltsamer Szeneladen, in dem alles clean biologic sugarfree gesund ist….Die Gäste sind ausschließlich meist jüngere Europäer, die überwiegend einen ziemlich verkaterten Eindruck machen und die mit auf Bänken und Tischen abgestellten Füssen ihren Freigeist bekunden. Gut gelaunt und gesund sieht irgendwie anders aus. Aber wirklich toll ist die Lage des Ladens: Geht man auf die hintere Terrasse, steht man nach drei Schritten im Meer!
Als ich ins „Reisebüro“ zurückkomme, höre ich noch hinten die Dusche, drei Minuten später taucht endlich der Chef endlich auf, noch ohne Hemd und mit nassem Haar. So sind die Leute hier eigentlich eher selten drauf, sie sind sehr rührige Geschäftsleute. Ich erkläre ihm, was ich will: Er soll mir eine Route und die entsprechenden Tickets zusammenstellen. Normalerweise geht das hier alles. Diesmal nicht – höchstens zum Festland.
Nächster Versuch im Haupt- und Hafenort Thong Sala, wo die Fähren ankommen. Auf dm Weg zum Hafen finden wir ein anderes Büro. Die Frau verleiht Motorräder und verkauft Tickets. Supernette patente Dame. Aber sie erklärt mir, dass sie nur Tickets für die Fähre und dann zwei Anschlussbusse kombinieren kann: zuerst in die Provinzhauptstadt Surat Thani und danach nach Krabi an der Westküste. Bis dahin sind es knapp acht Stunden. Von dort geht es per Speedboot weiter, da hilft schon jemand weiter… no problem, you find a boat and tickets….
Fairerweise schickt sie uns vor der Buchung der Fähre um 5:30 Uhr (!) noch mal weg, um einen Taxifahrer aufzutreiben, der bereit ist, uns um 4:30 Uhr in unserem Guesthouse abzuholen. Dazu haben die Männer wohl nicht immer Lust. Sie sagt, ich müsse mit einer kleinen Prämie winken… Hat geklappt! Lucky und seine Kollegen im Schatten am Pier halten einen wortlosen Monolog, wir einigen uns auf einen Preis und tauschen die Kontakte. Geht doch!
Wir düsen d, weiter durch den Teil des Ortes, den wir noch nicht gesehen haben. Belebt, eng, ein Geschäft am anderen, Restaurants, Werkstätten, Guest Houses. Aber nicht eben schön. French Bakery, Deutsches Restaurant, Irish Pub. Ach ja und thailändisch natürlich. Kilometerlang.
Aber weiter geht es, DER Partyort der Insel mit seinen Ausläufern ist unser Ziel: Haad Rin. In den umliegenden Kilometern stapeln sich die meisten Unterkünfte der Insel in jeder Preislage. Fast hätten wir hier gewohnt, da ich Probleme hatte, etwas Preiswertes in dieserZeit zu finden, aber noch nichts wusste von der Topographie der Parties….
An diesem Wochenende ist es wieder soweit: Full Moon Party! Da platzt die Insel aus allen Nähten, schon auf der Fähre hierher wird man mit aufreizender Werbung für dieses Event und die internationalen DJ´s bedröhnt. Und Haad Rin ist das Auge des Orkans.
Zunächst einmal aber sieht es nur nach einem vollgestopften Allerwelts-Massenurlauberort aus. Gelegen an einer sehr langen Bucht mit schönem Sand, begrenzt von hohen Kokospalmen. Wir wissen schon nach einer Viertelstunde nicht mehr, was wir hier sollen. Aber wir bekommen gerade noch mit, wie die ersten Wagenladungen von Bühnentechnik, Scheinwerfertürmen und Kabeln anrollen – alle direkt auf den Strand. Dazwischen läuft ein volltätowierter, übergewichtiger europäischer Rastalocken-Träger mit genug schepperndem Technikram am Gürtel herum, dass niemand daran zweifeln kann, dass er der obercoole Technikchef ist! Mädels : Mal alle hersehen!
Die Parties sind sicher eine Supersache für alle, die jung (oder so ähnlich) sind und die diese Art von Musik und Parties mögen. Kein Zweifel. Und die Leute auf der Insel verdienen an den Touristen. Aber sehr glücklich sind sie nicht damit, wie mir die Agenturbesitzerin erklärt hat. Da kämen auch viele… „nicht gute“ Menschen auf die Insel. Und es gäbe viele Probleme. Schon im Stefan-Loose- Reiseführer war zu lesen, dass nicht nur die Kliniken der Insel, sondern sogar das Krankenhaus der 5 Stunden entfernten Bezirkshauptstadt Surat Thani in diesen Nächten Extra-Betten freihalten wegen der Opfer der vielfältigen bewusstseinserweiternden Drogen, die auf diesen Partie geschluckt werden.
Wir haben jedenfalls genug gesehen und fahren noch einen Bogen durch die Orte der Südwest-Spitze, aber dann haben wir von diesem Teil der Insel genug gesehen und beschließen, den Rest unseres letzten Nachmittags nochmal an dem tollen Strand von Mae Haad zu verbringen. Ein leckererer Brunch mit frischem Mangoshake unter den Palmen, ein lauwarmes Bad und der Blick auf das Meer sind dann doch eher das, was wir als Vergnügen empfinden.
Und zu guter Letzt gönnen wir uns, nach dem Packen, am Abend noch phantastischen Red Snapper vom Holzkohlengrill und Thunfisch-Mango-Tartar mit Mango – mit Blick auf das nächtliche schwarz-silbern glitzernde Meer. Als Abschied von einer wunderbaren Insel im Golf von Thailand, die zwar ihre Unschuld verloren hat, aber zum Glück nicht ihre Schönheit! Kop khun kaa, Koh Phangan!
Eins scheinen alle Inseln gemeinsam zu haben: die lautstarken Hähne, die der Sonne beim Aufgehen Geburtshilfe leisten! Und ganz nebenbei faulen Urlaubern das Ausschlafen wegkrähen… Also einen Espresso auf Yogamatte bzw der Hängematte und dabei den körperbewussten jungen Partygängern zuschauen, die sich die Nacht mit Gewichten und Boxen aus den Muskeln trainieren, auf dem unserer Hütte gegenüberliegenden Freiluft-Gym.
Heute ist Erkundungstag. Und so mieten wir für die kommenden 2 Tage eins der x-tausenden Motorräder, die überall für 7 Euro am Tag vermietet werden. Lässt man sich einen Helm dazugeben, wird man nur mit knapper Not nicht angegrinst – hier fahren 95 Prozent der Kradfahrer barköpfig. Aber da bin ich pingelig – ich hatte schon mal einen Unfall und zum Glück einen Helm auf. Dafür nehme ich das schiefe Grinsen und das „Helmet! Of course, mamaaa!“ gern in Kauf. Falls ich es noh nicht erwähnt habe: Mamaaa, Papaaa (mit langem a am Ende) ist hier eine ehrenvolle Anrede für alle nicht mehr jungen Menschen, keine Herabwürdigung.
Auf geht´s , nach Norden. Die etwas holprige Asphaltstraße mit reichlich Sand in so mancher Kurve windet sich mal sanft, meist aber in wilden Serpentinen auf und ab, immer wieder mit wunderbaren Aussichten auf das Meer und die grüne Küste. Da ich – in diesem Falle harmoniesuchend – auf das Fahren verzichte, kann ich diese wunderbaren Ausblicke bestens genießen. Andererseits werde ich gelegentlich sehr nervös, wenn ich bemerke, dass auch der easy rider vor mir die Aussicht genießt – angesichts der gefährlichen Straße.
Als ersten Abstecher haben wir uns einen Strand im Norden mit einem vorgelagerten Inselchen ausgesucht: Mae Haad Beach. Durch einen Palmenhain und über einen kleinen Fluß gelangen wir an den schmalen, aber wunderschönen Strand. Hohe Palmen und Huddu – Bäume geben etwas Schatten, das Meer ist sanft. 200 Meter nach Norden endet die Bucht. Zumindest bei Flut, denn bei Ebbe kann man zu der vorgelagerten kleinen Insel waten.
Trotz des paradiesischen Strandes ist es nicht allzu voll und die Touristen, die hier genießen, tun dies leise und entspannt. So wie wir. Das Baden erfordert etwas Vorsicht, denn das Wasser ist relativ flach und immer wieder ragen Korallen auf, an denen man sich bösen schneiden kann.
Und zu allem Luxus gibt es noch zwei Strandrestaurants für den kleinen oder großen Hunger und in jedem Falle: Durst. Wir gönnen und ein mittägliches fürstliches Frühstück , mit frischer Kokosnuss und Mangoshake zum ´runterspülen. Ja, eindeutig: zumindest an einigen Stellen, ist die Insel trotz des Tourismusbooms noch richtig schön!
Aber weiter geht´s, wir haben noch mehr vor. An der Nordküste entlang geht es weiter bis in den Ort Chaloklum Beach. Die einspurige Straße ist teilweise völlig verstopft von Motorrädern, Lieferwagen und Fußgängern. Überall kleine Läden und Restaurants, viele mit einer Holzterrasse zum Meer. Ganz nett, aber schon ein bisschen zu voll….
Wir fahren weiter, da wir zum Bottle Beach wollen, wo ich zuerst eine Unterkunft gebucht hatte, die ich wieder storniert habe, da sie zu weit abgelegen war. Weitere Kilometer unentwegten Auf und Abs, gefühlte hunderte Kurven….Bis die Straßen plötzlich in einer Lehmpiste endet und nur noch zu Fuß begehbar ist.
Aber das wollen wir schon angesichts der brütenden Temperaturen nicht. Also wenden und uns schicksalsergeben google zur Führung überlassen. Also: Umweg. Der allerdings gerät mehr als lang, da wir erst ein Stück zurück nach Westen, dann ganz nach Süden und zum Schluß wieder nach Nordosten müssen – sozusagen zweimal quer über die Insel. Inzwischen rasen wir auch mitten durch den Verkehr der größeren Straßen und ich bin schon etwas erschöpft vom festhalten und Helm wieder hochschieben, da das Ding zu groß ist und mir ewig im Nacken sitzt.
Endlich: das erste Hinweisschild auf Bottle Beach! Leider sind die meisten Hinweisschilder hier nur in Thai. Das sieht zwar wunderschön aus, ist aber für uns nicht zu entziffern. Und Entfernungen werden hier fast nie angegeben, nur die Richtung. Nur gelegentlich gibts mal ein Schild in lateinischer Schrift.
Noch ein paar Kilometer und die Straße biegt links ab….und verwandelt sich in eine abenteuerliche Lehmpiste voller Felsbrocken und Abbrüche steil bergab…. Ich protestiere aufs Energischste, da mir himmelangst wird, aber mein alter biker will unbedingt runterfahren. Dann allerdings, zwei Kurven später, stoppt ihn glücklicherweise ein Verbotsschild für alle Fahrzeuge, die keinen 4-Rad-Antrieb haben…
Aber 3 Kilometer vor dem Ziel wollen wir nicht aufgeben und machen uns zu Fuss auf den Weg, ich zerfließe schon nach einer Minute und wir rutschen ständig weg. Rettung naht in Form eines alten, zerbeulten PickUp-Taxis, das offenbar immer zwischen Bottle Beach und der Straße pendelt. Gern zahlen wir die 200 Baht! Aber selbst in diesem geländegängigen Gefährt hat es der Rest der Strecke in sich: man muss sich mit aller Kraft am Dach festhalten und die Füsse fest auf den Boden stemmen. Trotzdem knallt man immer wieder heftig an die Reling und wird wild durchgeschüttelt.
Endlich! Wie sind unten! Vor uns liegt eine langgestreckte Bucht mit einem Wald dahinter. In erster Reihe ducken sich ein paar Ressorts unter die Bäume. Wir passieren einen besonders schönen kleinen Altar in Gold und Grün, dann sind wir am Strand, dem Bottle Beach (Warum der so heißt, erschließt sich uns nicht) Wirklich eine sehr schöne Oase! Auch für Familien. Allerdings kommt man dann sicher nicht allzuoft an andere Orte, angesichts der wilden Fahrt nach oben und zurück!
Ein Stündchen später machen wir uns auf den Rückweg. Noch einmal in umgekehrter Richtung die wilde Fahrt und dann wieder auf´s Motorrad, denn es gilt noch ein Stück zu fahren. Durch die hohen Palmen am Straßenrand scheint in rotgoldenen Strahlen die sich neigende Sonne und taucht alles in ein ganzbesonderes Licht, es sieht wunderschön aus. In den größeren Orten stehen wir wieder unsinnig lange Zeiten an den Ampeln, die immer 120 oder gar 180 Sekunden in großer, roter roter Leuchtschrift ˋrunterzählen.
Eine Dusche später sind wir bereit, nach diesem spannenden, aber etwas anstrengenden Tag, für ein gutes Abendessen am Strand von Haad Yao.
Und diesmal landen wir einen Volltreffer. Ein größeres Restaurant hat eine zusätzliche Außenküche am Strand aufgebaut, ein Holzkohlengrill, an dem ein hingebungsvoller Koch Fisch, Fleisch, Kartoffeln und Maiskolben zubereitet. Er mariniert das Grillgut, füllt die Fische mit Kräutern, Ingwer, Knoblauch und irgendwelchen Blättern und rollt sie dann in Bananenblätter, in denen sie auf dem Grill geschützt in Ruhe garen können. Köstlich! Für Fleischliebende gibt es lecker marinierte Spare Ribs. Und das alles mit den Füssen im Sand und Blick auf das nächtlich glitzernde Meer. Was für ein schöner Tag….
Mit der proppevollen Fähre geht es weiter, genauer gesagt zwei Inseln weiter nach Koh Phangan, wo sich unsere exklusive kleine Reisegruppe wieder vereint. Der Gedanke an diesem Treffpunkt war einerseits, dass ich die Insel nicht kenne und andererseits, dass mein Mann sie vor über 25 Jahren besucht hat, als sie noch ein recht jungfräuliches Island war. Inzwischen ist sie international bekannt für ihre Full Moon Parties, ein Party-event, zu dem mittlerweile DJs aus aller Welt eingeflogen werden. Rave am Strand bis der Arzt kommt, leider manchmal im wörtlichen Sinne.
Aber darüberhinaus ist Koh Phangan einfach eine überaus beliebte Ferieninsel für jedermann. Wir sind also gespannt, was uns erwartet und hoffen, dass wir nicht enttäuscht werden. Denn party people sind wir genauso wenig wie Freunde des Bespaßungstourismus.
Tatsächlich kommen wir nur eine halbe Stunde versetzt am Thong Sala Pier an und treffen uns am Ende des langen Piers in all dem Getümmel. Wir haben ein Zimmer in der Backpacker Lodge Sharilea gebucht, im Nordwesten der Insel. Wie man irgendwohin kommt, braucht man sich hier in Thailand nirgends zu sorgen, es sind immer Leute da, die die Amkömmlinge sofort an ein Sammeltaxi auf der richtigen Route verwiesen.
In diesen Dingen sind die Thais sehr clever und für Ankommende ist das sehr angenehm. Es gilt jeweils einen Fixpreis pro Person. Das Gepäck kommt aufs Dach oder zwischen die Beine, rund 10 Personen passen auf die schmalen Bänkchen, es können auch mal 12 ´reingequetscht werden.
Und los geht es über die ruckeligen Straßen. Thong Sala am Hafen ist ein geschäftiger Ort mit vielen Restaurants, Cafés und Läden, aber besonders schön ist er nicht. So richtig reißt die Bebauung eigentlich den ganzen Weg über nicht ab, auch außerhalb des Ortes, aber immerhin gibt es auch jede Menge üppiges Grün und schöne Blüten. Die meisten Häuser sind relativ klein und einstöckig, mit Ausnahme weniger Hotels. Oft bestehen sie auch nur aus einem Wellblech oder Bambusdach und Blech-, Holz- oder Bambuswänden. Fast alle Häuser beherrbergen, zumindest nach vorn, entweder einen Agentur, ein Geschäft, einen Massagesalon oder ein Café, außer die Hotels. Normale Wohnhäuser sieht man -zumindest hier in erster Reihe nicht.
Linkerhand tun sich immer mal Lücken auf und geben den Blick frei auf das hellblaue Meer. Der erste Eindruck könnte wirklich schlechter sein, zumal es nach Norden immer ruhiger wird. Wir haben bei der Auswahl des Zimmers auch strikt darauf geachtet, nicht auf die beliebte Südseite zu geraten. Zumal auch Mikis Erinnerungen in diese Gegend zurückkehren, und er sehen möchte , wie es jetzt dort aussieht. Mit Befüchtungen…
Wir sind die letzten, die aussteigen. Die Lodge scheint mitten in den Urwald gebaut, so eine Mischungs aus Hippie-, Esotheriker,- und Partypeople -Unterkunft. Es gibt ein auf Stelzen stehendes Haus auf einem kleinen Hügel – aus dunklem Holz gebaut. Neben der Rezeption beherrbergt es ein relativ großes Restaurant mit vielen bunten Lämpchen und kleinen Tischen, an denen man überwiegend auf Sitzkissen sitzen muss. Aus den Lautsprechern schallt Fusion Musik, und das nicht sehr leise. Die europäische hippe Rezeptionsfrau beruhigt uns: Nur so bis kurz nach Mitternacht, dann fahren sowieso viele auf die Parties…
Die Zimmer sind Holzhütten auf kleinen Stelzen mit einer kleinen Terrasse, einer Hängematte in Rasta-Farben und einem Yoga-Kissen. Das Innere ist zweckmäßig, sauber und ein bisschen in die Jahre gekommen. OK.
Das große, ansteigende Gelände ist sehr grün – überall große alte Bäume, Palmen und üppige Büsche. Wirklich schön. Der Strand ist drei Minuten entfernt. Ort und Strand heißen Haad Yao.
Wir schaffen es gerade noch, zum Ende des an diesem Tag wenig spektakulären Sonnenuntergangs. Der feine Sandstrand ist sehr breit, da gerade Ebbe ist. Die Bucht zieht sich ein paar hundert Meter hin, überall gibt es Restaurants und dahinter Ressorts. Alles in allem ist es immer noch schön, trotz des Tourismus.
Nach einem Strandspaziergang essen wir in einem der Strand-Restaurants, bevor wir den Tag gemütlich mit einem Bier auf der Terrasse unserer Hütte beschließen. Die Musik ist auszuhalten und endet tatsächlich um halb eins. Der Start auf Koh Phangan war schon mal gut.
Nach dem Overkill an Menschen, Verkaufsständen im Hafenviertel und nervigen Taxifahrern , die alle versuchen, einen viel zu hohen Preis aufzurufen, flüchte ich in einen klimatisierten 7/11 und trinke erstmal ein eiskaltes Kokoswasser. Diese schon legendäre Supermarktkette ist in Thailand immer und überall die Lösung für fast alles. Fast rund m die Uhr bieten sie auf meist kleiner Fläche so ziemlich alles, was der Reisende für jede Eventualität so braucht. Ich brauche jetzt Ruhe und was Kaltes.
Als ich 5 Minuten später wieder ins Getümmel trete, pirscht sich ein Taxifahrer von der Seite an und bietet mir die Fahrt zu einem normalen Preis an. Na also. Geht doch. Zufrieden klettere ich auf die mit 2 Bänken in Fahrtrichtung und einem blechernen Sonnendach ausgestattete Ladefläche und ab geht´s nach Tanote Bay. Gut festhalten! Die Straße windet sich in endlosen, teilweise super steilen Kurven über den Bergzug in der Mitte der Insel. Die letzten Kilometer gehen so steil bergab, dass mein Plan, mir einen Roller zu mieten, in einer extra steilen 270° Kurve von der Ladefläche fliegt….
Dann endlich: Tanote Bay! Mir geht das Herz auf: Gelber Sand, hellblaues Meer, grüner Palmen-Urwald. Sichelförrmig schmiegt sich Tanote Bay an die Insel, drei große Felsblöcke geben der Bucht ihr eigenes Gesicht. Hier scheint die Zeit tatsächlich im Bogen vorbeigeschwommen zu sein, alles ist wie vor 10 Jahren.
Ich habe eine Hütte im selben Ressort gebucht, dem Diamond Beach Ressort. Die einzige Wahlmöglichkeit bei der Zimmerwahl an besteht in Klimaanlage oder Ventilator. Ich kann es kaum fassen, dass ich die oberste Holzhütte am Hang mit Blick durch die hohen Palmen auf den Strand bekomme. Genau neben der, die ich vor 10 Jahren bewohnt habe. Keine Klimaanlage, nur das Nötigste und das ist offensichtlich 10 Jahre älter. Klein, sauber, bequeme Betten und eine kleine Holzterrasse. Nostalgie pur.
Ich hänge meine mitgebrachte Hängematte auf der Miniterrasse auf und schau einfach nur… Unten glitzert das Meer durch die Bäume, auch ein paar Abschnitte vom Strand, oben hinter den Baumwipfeln den unverschämt blauen Himmel. Das terassenförmige Terrain des Diamant Beach Ressorts mutet ein bisschen wie ein lichter Wald an: riesige Kokos-Palmen zwischen alten Laubbäumen, allerhand Büsche und wunderschöne Frangipani– Bäume mit roten und weißen Blüten, die im Mondlicht zu leuchten scheinen.
GRoßre Vögel stoßen tagsüber laute, spitze Schreie aus, manchmal scheinen sie auch zu kämpfen. Jede Menge kleiner Vogelarten flattert durch die Äste, manchmal kommen ein paar neugierige Gefiederte schauen, ob es was zu holen gibt. Überall klettern graubraune Eichhörnchen herum, sie kommen oft ganz nah. Und dann sind da noch die zum Teil ziemlich großen Geckoss, die voralllem in der Dämmerung herauskommen und ihre spitzen Schreie ausstoßen; „Ge-ko…Ge-Ko!“. Nachts allerdings tragen die Männchen gelegentlich erbitterte Kämpfe aus – vorzugsweise die großen Exemplare. Das macht richtig Krach!
Gleich in der ersten Nacht bin ich aus dem ersten tiefen Schlaf hochgeschossen, weil ich dachte, dass ein Mensch erst gegen mein Fenster geschlagen hat und dann auf das Dach gesprungen ist. Aber dann war mir schnell klar, dass nur wieder zwei große Geckos ihre Revierkämpfe austragen. Was für ein Getöse!
Und morgens um sechs kräht auch hier – wie es sich gehört – ein Hahn ganz aufgeregt von der Neuigkeit, dass die Sonne wieder aufgeht! Also alles sehr ländlich auf die etwas exotischere Art.
Es ist wirklich verrückt, dass sich hier fast nichts verändert hat, bis auf die Eigentümer zweier Ressorts, fünf gibt es. Aber nicht von der Sorte mit Bespaßung, sondern nur mit Bungalows und je einem Restaurant. Tagsüber kann es schon manchmal etwas voller werden am Strand, das sind die Tagestouristen von der anderen Seite der Insel, aber die verschwinden meist vor Sonnenuntergang. Früher hat man mehr deutsch´in Tanote Bay gehört, jetzt ist die Mischung bunter: Skandinavien, Holland, Südeuropa, Ukrainisch sind besonders stark vertreten.
Ganz aus dem Häuschen bin ich, als ich sogar mein kleines Lieblingsrestaurant wiederfinde! Lay´s ist der Underdog hier: kein Guesthouse, nur ein kleines Restaurant , das aus einem Bambushaus besteht und ein paar Tischen am Strand. Im Erdgeschoss wird gekocht, oben ist ein Deck, auf dem man im Liegen, auf die typischen Thai-Sitzkissen gebettet, essen kann. Ich sitze lieber unten am Tisch mit den Füßen im Sand unter den Lichterketten und schaue beim Essen auf das nächtliche Meer.
Tatsächlich erkennt mich Lay wieder! Sie ist ganz aufgeregt – so wie ich! Sie freut sich, immer, wenn ich komme in diesen Tagen (also fast immer), ich freu mich wenn ich da bin. Und sie kocht sehr lecker! Und mit dem Wechselgeld gibt´s immer noch eine eine Handvoll Obst. Zum Ritual gehört auch meist ein wortreiches Pallaver in Thai mit englischen Brocken, von dem ich nur ahne , worum es geht. Aber wir lachen uns fröhlich zu, verbeugen uns – eben Konversation á la Thailand. Liebenswert, lustig und respektvoll.
Der Hauptgrund für meine Rückkehr liegt am anderen Ende der Bucht: Calypso Diving. Abgesehen von der Tatsache, dass der aus Stuttgart stammende Gründer und Besitzer inzwischen nicht mehr hinter dem Empfangstresen steht, da er mit seiner thailändischen Frau und Tochter inzwischen in Hua Hin lebt und gar nicht mehr selbst hier den Laden schmeisst, ist alles beim Alten.
Eine nette Lobby, die gleichzeitig als Treffpunkt und Büro dient, ein nettes Team, zu dem noch ein ganz alter Hase gehört, Michel aus Leverkusen, der schon über 25 Jahre hier ist. Der Rest ist bunt zusammengemischt aus der Schweiz, Irland, Deutschland und…?? Wer sich einsan fühlt oder auch einfach nur Lust auf Gesellschaft hat, trifft hier bis zum frühen Abend immer jemanden. Die Tauchergemeinde ist einlustig buntes Völkchen vom norwegischen Rentner über englische Tattoofreaks bis zu französischen Ex-Marine-Tauchern.
Und ich kann endlich wieder tauchen, meine Leidenschaft….Darüber habe ich mich bereits in den vergangenen Jahren ausführlich ausgelassen und erspare dem Leser meine Elogen über das tiefe Blau. Aber wer tauchen (lernen) möchte, dem sei dieser Ort ans Herz gelegt! Koh Tao ist nicht umsonst ein Taucher-Mekka.
Die Tage vergehen wie im Flug: Die Vormittage verbringe ich unter Wasser, die Nachmittage in meiner Hängematte mit dem großartigen Ausblick und die Abende bei Lay. So faul war ich selten, aber ich habe es genossen. Einfach mal entspannen an eine liebgewonnenen Ort, von dem man so manches Mal geträumt hat!
Noch einmal durch die kleinen holprigen Straßen von Hua Hin – bis auf die dienstbaren Geister auf dem Weg zur Arbeit und ein paar Bettflüchtlinge ist es noch leer und 7 Uhr morgens in Hua Hin.
Ich bin mit unterwegs zum Abfahrtspunkt der Busse der Fährgesellschaft Lomprayah, die das Monopol auf die Routen nach Koh Tao, Koh, Phangang und Koh Samui hat, die drei beliebten Inseln vor der Küste von Chumphon. Clever wie diese Geselschaften hier sind, organisieren sie auch gleich aus größeren Städten die Anfahrten zum dortigen Hafen in eigenen Bussen. Alles perfekt durchorganisiert.
Mit einem nagelneuen Komfortbus erreichen wir nach dreieinhalb Stunden gen Süden durch immer üppigere grüne Palmen-Landschaften den Pier von Chumphon, der Hauptstadt der gleichnahmigen Provinz. Hier herrscht chaotisches Gedränge und babylonisches Sprachengewirr, denn es fahren verschiedene Fähren dicht nacheinander ab. Aber auch wenn kein Mensch die quäkenden Durchsagen in unverständlichem Thai-Englisch versteht, kommt nichts durcheinander.
Schon bei der Ticketausgabe wird man überprüft und eingecheckt und vor dem Einsteigen in den Bus wird jeder mit einem bunten Aufkleber geschmückt, der ein bestimmtes Ziel bedeutet. Hat zwar ein bisschen was von Warenversand, aber so wird keiner ohne das richtige Etikett durch die Ticketkontrolle und in den falschen Bus oder auf´s falsche Schiff gelassen. Ganz einfach also – man folgt immer nur den anderen Rosanen, Blauen, Gelben.
Der Pier ist mindestens 200 Meter lang, und der Marsch mit Gepäck in der gnadenlosen Sonne übe den rumpelige Steg zu unserer riesigen Highspeed– Fähre wird sehr lang. Das Meer ist so hellblau, dass es unnatürlich wirkt. An der Küste begrenzen Kokospalmen ein paar Strände. Draußen im Meer unterbrechen ein paar schroffe Felseninseln das schier unendliche Hellblau.
Die Mitreisenden sind ein wilde Mischung aus flippigen und betont coolen Youngstern aus aller Welt, die zu den berühmten Parties der Inseln wollen. Sie sind die ganze Fahrt damit beschäftigt zu kiffen, die Infos über die coolsten Locations und Events auszutauchen, Instagram-Fotos zu machen oder ihren Kater von gestern zu überleben.
Dann gibts da noch die mittlerweile in die Jahre gekommen Wilden von einst. Sie haben das Auftreten „Ja wir Quasi-Thais … was dem Deutschen sein Schrebergaten, ist uns Weltbürgern halt Thailand.“ Eine etwas kleinere, aber markante Gruppe sind dabei die Alt-68er, dazu kommen die sonstigen Hippies und Szenegänger der 70er, 80er und 90er. Über ihre Erscheinung Statements abgebend: sooo „unangepasst“ und cool wie einst: Männer mit sehr langen, schütteren Haaren (sogar Rastazöpfen in Grau), in viel zu kurzen Hosen, und bunten Muskelshirts. Frauen mit großen Sonnenbrillen, schwarz oder blond gefärbten wilden Haarschöpfen, mit entweder zu engen oder zu weiten Hippieroben und: unbedingt ohne BH!
Gruppe drei: Die jungen Familien. Viele verbringen die Elternzeit in Asien, manche sind sogar monatelang samt Kleinkindern unterwegs.
Und dann bleibt noch der buntgemischte Rest aus Normalos, die einen schönen Cluburlaub gebucht haben, Individualreisenden wie mir (und übrigens immer mehr alleinreisenden älteren Frauen), verliebte junge Päärchen, Rentnerpaare, meist in kleinen Gruppen. – und natürlich ein paar Thais.
Nur frisch angereiste und ahnungslose Touristen stürmen auf das Oberdeck, wer schlau ist, sichert sich einen Platz unter Deck. Denn die Sonne auf dem Meer ist gnadenlos. Nach gut zwei Stunden rasen wir auf die Insel zu: Grün und bergig wartet Koh Tao auf die nächste Invasion, die Fähre nimmt aber wenigstens genauso viele Menschen wieder mit. Aber wir müssen heute noch um die halbe Insel fahren und vor einigen großen Felsen im Meer geduldig warten, denn der kleine Hafen ist noch besetzt, irgendeine andere Fähre ist zu spät und der kleine Pier von Mae Haad kann uns nicht mehr verkraften.
Ich bin inzwischen tatsächlich etwas aufgeregt: Für mich ist es ein Wiedersehen nach zehn Jahren! Koh Tao war die erste Thailändische Insel für mich. Damals als Tauchneuling gekommen, um zu Tauchen. Ein Freund und Kollege, ein ganz alter Hase in diesem Sport, hatte mir die Insel empfohlen, mit strikten Anweisungen, wo genau ich hinzugehen hätte. Denn Koh Tao ist DAS Mekka für Taucher. Attraktiv, preiswert – und überfüllt. Zumindest auf der Westseite, wo die billigsten Unterkünfte, die meisten Restaurants und Diskotheken und die … preiswertesten Tauchschulen sind. Leider auch viele eben …billig.
Ich hatte strikte (liebevolle) Anweisung, NUR auf der abgelegenen Ostseite der Insel in einer kleinen, etwas feineren Bucht, Tanote Bay, abzusteigen und bei der einzigen deutsch geführten Tauchschule zu tauchen. Nicht wegen des Deutschseins, sondern der Sicherheit. Es war eine wunderbare Zeit damals, ich habe viel gelernt. Und nun bin ich also zurück als fast schon altgediente Tauchsüchtige. Ich freue mich und habe gleichzeitig Angst, dass nichts mehr so ist, wie damals…. Was erwartet mich??