Und ewig grüßt das thailändische Murmeltier! Es lockt mich immer wieder, so freundlich, entspannt, chaotisch und…wunderschön wie dieses Land ist. Und noch gibt es einiges hier für mich zu entdecken.
Eine Vorbemerkung: Diejenigen, denen an echten Thailand-Reiseberichten gelegen ist, mögen sich bis zum nächsten post gedulden, dies ist eher eine Wegschilderung für all die, die mich kennen und neugieriger auf Persönliches sind….
Das Entdecken beginnt mit der Reise: das erste Mal über Moskau mit Rossiya, der Billigtochter der altehrwürdigen Aeroflot. Das Wichtigste zeigt sich gleich: moderne, gutgepflegte Maschinen. Einmal Airbus, einmal Boing. An Bord herrscht striktes Alkoholverbot, wie gleich viermal über den Bordfunk tönt. Wohl die Flucht nach vorn, angesichts der trink-und-lass-die Sau-raus vieler (männlicher) Landsleute.
Unterstellung? Neben mir, über vier Reihen verteilt, fünf russische Muskelpakete. Jeder mit einer demonstrativ mitgebrachten Literflasche Cola. Kaum ist der Start vorbei, wird ein halber Liter inhaliert und unter dem Sitz gekramt. Schon sind die Flaschen wieder voll und ich sitze im Vodka-Nebel…..
Mit einer halben Stunde Verspätung landen wir morgens um vier in Moskau: russischer Winter, die Landschaft unter uns leuchtet selbst im Dunkeln auf eine diffuse Art. Nach dem Aufsetzen rollen wir eine halbe Ewigkeit über Roll- und Parkfelder, unterqueren eine Schnellstraße, weißes Nichts, bis endlich das Flughafengebäude Moskau Scheremetjevo auftaucht. Noch klarer werden die Dimensionen, als uns der Bus vom Flieger zu terminal fährt. Ich dachte schon, ich hätte unwissentlich noch eine Bustour dazugebucht. Alles riesig…
Auch im Flughafen ist alles verwirrend und groß, die russischen Beschriftungen machen es nicht leichter. Am Gate angekommen bleibt mir noch viel Zeit, also beschließe ich, Kaffeetrinken zu gehen. An zwei von gefühlten 500 Restaurants werde ich nur angeraunzt: Nur Rubel, keine Euro. Aber im dritten Café hat man Mitleid und verrät mir schließlich, dass ich immerhin mit Kreditkarte zahlen kann. Später entdecke ich noch einen Automaten, an dem es Spacefood gibt: Kein Witz! Echtes Spacefood: vom Kuchen bis zu Lamm auf Reis alles aus der Tube! Echt kurios. Aber um fünf Uhr morgens dreht sich mir der Magen um bei dem Gedanken.
Endlich beginnt das Bording. Endlose Menschenschlangen – es ist eine Boing 777 und da gehen verdammt viele Leute rein. 90 Prozent Einheimische Fluggäste. An Bord gibt es für mich einiges Hin-und her- ich werde dreimal umgesetzt, aber zuletzt lande ich ganz zufrieden doch noch wieder auf einem Fensterplatz, neben mir frei, daneben ein gemütlicher russischer Opa. Und dann geht es endlich los….
Oder doch eher nicht, denn die ganze Maschine ist von einer soliden Eisschicht überzogen und kann nicht starten. In der Dunkelheit rücken zwei gespenstische Riesenameisen an: Spezialfahrzeuge zum enteisen. Ein Sattelschlepper mit einem Spezialkran, auf dem mit einem Riesenarm mit einem Scheinwerfer an der Spitze und verschiedenen Spezialdüsen für eine Enteiserflüssigkeit Stück für Stück enteist wird. Ich fühle mich wie im outer Space. Es sieht total verrückt aus durch das Bordfenster in die Nacht, den Schnee und das Space-Vehikel, das alle einsprüht und -nebelt. Über eine Stunde geht das so. Dann endlich darf die Maschine an den Start.
Der weitere Flug ist nicht weiter berichtenswert – eben öde wie alle Langstreckenflüge. Mit etwas Verspätung landen wir in Bangkok Suvurnabhumi – den Tag haben wir verpasst, auch hier ist es längst wieder dunkel. Ich habe noch einiges zu absolvieren von Inmigrationcontrol bis Telefonkarte, ehe ich weiter zum Zielort starte: einem kleinen Guesthouse am über 40 Kilometer entfernten zweiten Flughafen Don Muaeng, denn morgen früh will ich von dort Richtung Süden, nach Ranong fliegen. Und dort kann ich nur bis Mitternacht einchecken, dann ist da keiner mehr!
Immerhin finde ich nach einiger Forschungsarbeit mit viel landesüblichem Lächeln, verbeugen und mannigfaltigem Kopkun-kah heraus, dass ein teures Taxi nicht die einzige Möglichkeit ist, es gibt sogar inzwischen einen kostenlosen Shuttlebus, wenn man ein Ticket für Don Muaeng hat. Aber erst mal finden, von wo der fährt… geschafft, Gate 2 war des Rätsels Lösung – Tipp für alle, die das mal brauchen.
Erschöpft sinke ich neben eine russische Mutti, das quietschende, pfeifende Busmodell mit vieeel Klimanalage heizt los. Endlos geht es über die Highways und durch Bangkok , ich schreibe eine Mail and Guesthouse, in der Hoffnung, nicht vor verschlossenen Türen zu stehen.
Endlich…vom Airport trennen, ich nur noch wenige Kilometer vom Bett. Aber leider hat gerade keiner dieser Ganoven mit Taxi-Lizenz Lust, mich dahin zu fahren, sie warten auf Lukrativeres. Letztendlich fährt mich so ein Halunke – für den dreifachen Preis…. Auch schon egal, ich will nur noch ankommen. Die freundliche Guesthouse-Besitzerin wartet schon auf der Straße mit dem Schlüssel…Ende gut, alles gut. Good Night, Bansgkok! Hallo Thailand!
Kategorie: Asien
Fotos 6 – Bangkok
16. Bangkok – last call
Frühstück thailändisch: Gebratener Reis mit Gemüse und Cashew – und Chilli. Der Vormittag ist dem Kulturprogramm gewidmet: Tempelbesuch. Diesmal Wat Pho, eine der beiden größten Tempelanlagen der Stadt, berühmt durch den riesigen liegenden Buddha.
Zu erreichen ist mein Ziel am schnellsten mit dem Expressboot auf dem Chao Phraya, dem großen Fluß, der gleich neben dem Viertel von Nord nach Süd durch die Stadt fließt. Ahnungslose Neulinge lassen sich ein Ticket für das Touristenboot aufschwatzen, das 200 Baht pro Tag kostet. Wer schlauer ist, nimmt einfach die öffentliche Orange Flag Line, die vielen Einheimischen als normales, schnelles und staufreies Verkehrsmittel dient. Eine Fahrt kostet 15 Baht, ca 35 Cent.
Die Fahrt ist angenehm, selbst wenn man gelegentlich stehen muss, denn oft ist das lange Boot voll. Wenn der Fluss bei Wind unruhig ist, kann die Gischt auch schon mal für eine ordentliche Dusche sorgen. Das Boot legt mit heftigem vor-und zurückrangieren (und schwarzen Rauchwolken) jeweils an den schwimmenden Metallpiers an. Der Kapitän sitzt vorn, eingewiesen wird er per Pfiffen und Handzeichen des Bootsmanns hinten. Ein Schauspiel. Beim Ein-und Aussteigen muss man gut aufpassen, ganz schön wackelig so von einem schaukelnden auf den anders schaukelnden Untergrund!
Spontan entscheide ich, auf der anderen Flussseite zuerst den Wat Arun Tempel anzuschauen, ein rund 80 Meter hohes Bauwerk, dass über und über mit Mosaiken asiatischen Porzellans verziert ist. Die vier steilen Treppenaufgänge zum Turm sind jeweils von riesigen steinernen Wächterfiguren chinesischer Krieger bewacht, verschiedene Fabelwesen gesellen sich dazu. Beeindruckend.
Danach lasse ich mich auf die andere Seite übersetzen zu Wat Pho. Hier gibt es Schlangen an der Kasse, und wer ahnungslos mit kurzen Hosen, Röcken und ärmellosen T-Shirts gekommen ist, muss sich erstmal ordentlich verschwitzte lange Hemden oder Hosen ausleihen, um die Anlage überhaupt betreten zu dürfen. Passiert einem nur einmal, danach hat man seine Tempelkleidung garantiert immer bei sich! So wie ich…
Die Anlage ist riesig, unzählige Pagoden, kleinere und größere Tempel, Wandelgänge und Gebäude, ua. mit der ersten „offenen, demokratischen Universität“ und der ältesten Massageschule. Hauptattraktion ist natürlich der 45 m lange goldene Liegende Buddha, etwas zu groß für den Vorgarten. Untergebracht in einer Halle, deren Wände über und über kunstvoll mit Szenen aus dem Tempellleben bemalt sind.
Auch die größte Sammlung von Buddhafiguren gibt es hier zu bewundern, mehr als 1000 Buddhas haben hier ihr Zuhause. A propos Buddha: Überall in der Stadt und an den Tempeln bitten Plakatwände und Schilder darum, Buddha nicht als Tatoo-Motiv zu benutzen. Er sei keine Dekoration und es verletze die religiösen Gefühle der Gläubigen.
Die Anlage mit ihren weißen, roten, goldenen, silbernen und bunt glitzernden Bauwerken ist wirklich wunderschön. Allerdings wimmelt es natürlich von fotografierenden Touristengruppen, Selfie-Machern und leider auch nervigen Schreihälsen darunter. Abseits der repräsentativen Hallen und Tempel werden hier und da Gebete von den Mönchen abgehalten, auch öffentlich, für jeden, der teilnehmen möchte.
33 Grad, pralle Sonne, lange Kleidung. Ich löse mich förmlich auf. Nach einer guten Stunde kann ich nichts mehr aufnehmen, ich habe einfach zu viele schöne Dinge gesehen. Ich verbringe noch eine meditative Viertelstunde in einem ventilatorengekühlten Tempel mit einer besonders schönen weiblichen Buddhafigur, der ich auch ein paar Lotosblüten und Räucherstäbchen zu Füßen lege. Dann verlasse ich die heiligen Hallen.
Es folgt der sehr weltliche Teil des Tages: Geschenke Einkaufen im allseits bekannten Shoppingcenter MBK. Ich entscheide mich wieder für ein Tuktuk. Bloß gut, dass die Dinger nicht so schnell umkippen können: Die Fahrer rasen damit wie die Verrückten durch den dichten Stadtverkehr. Wofür es Fahrtrichtungspfeile gibt, ist mir schleierhaft, niemand richtet sich auch nur annähernd danach. Und wenn irgendwo das Abbiegen verboten ist oder der Stau zu dick wird, dann saust man eben mal schnell über eine Hotelzufahrt und über einen Liefereingang verbotener Weise durch Gebäude und Grundstücke – Hauptsache schnell.
Die Schilderung der folgenden zwei Stunden Konsumwahnsinn wäre zu öde, ich kaufe kaum etwas, der Overkill an Angebot lähmt mich. Aber ein Tipp: die Foodcourts im 6. und 7. Stock des Gebäudes sind – der Hammer! Küche aus aller Welt, edel präsentiert, in offenen Küchenblöcken zubereitet und trotzdem nicht besonders teuer.
Für den Rückweg entscheide ich mich für das diesmal noch fehlende Verkehrsmittel: das Motorradtaxi. Sicherlich das riskanteste Verkehrsmittel, denn das sind die echten Großstadt-Desperados unter den Fahrern. Sie preschen gnadenlos zwischen den Bussen, Autos und Tuktuks durch, gern auch mal auf der Gegenfahrbahn durch den ohnehin aberwitzigen Verkehr. Aber einmal muss ich auf jeden Fall. Diesmal mit einer ungewöhnlichen Variante: einer Frau! Und die überzeugt. Auch sie gehört zu den Verrückten, aber ich kneife nicht einmal die Augen zu, wie so oft bei den männlichen Kollegen. Und sie fährt eine richtig schöne Sightseeing Route zurück. Eine halbe Stunde mit vielen Sehenswürdigkeiten: Parks, Tempel, das Nationalmuseum, das Nationaltheater. Klasse!
Nach einem Bad im Hotelpool mache ich mich für meine Abendrunde zurecht. Eine Schleife über die Rambuttri und immer wieder Fassungslosigkeit, wie sehr man sich zum Affen machen kann. Und, sorry, liebe Landsleute, die deutschen Männer können das am besten. Besonders peinliche Exemplare sind die zu Hause garantiert oberbiederen 40+Modelle, die hier auf einmal total cool mit blondiertem Iro oder Rastazöpfen und Dutts in geschmacklosen bunten Wallehosen und Tanktops herumlaufen und irre gut drauf sind. Boah, eh!
Schnell verschwinde ich um die Ecke in die echte Stadt und mache mich auf über die Klong Banglamphu Bridge in den mir bis dahin unbekannten Nachbarbezirk Phra Sakhon. Verrückt. Schon wieder ein ganz anderes Straßenbild. Alles eine Nummer kleiner und gemütlicher, aber durchaus großstädtisch. Auch hier gibt es etliche Unterkünfte für die Touristen, aber hier leben auch viele Thais und alles wirkt entspannt. Auch an den Suppenküchen essen hier viele Einheimische.
Nach einem kleinen Spaziergang suche ich mir einen kleinen Massagesalon. Noch einmal genüsslich-leidvoll entspannen… Nach dem anschließenden Essen ist es bereits gegen elf und eigentlich bin ich müde. Aber da war doch noch die Sache mit dem Blues-Club…
Und tatsächlich, da ist er, gleich in der Nähe der Brücke, in der Rama VIII Rd . Davor sitzen einige Leute draußen, denn der winzige, schlauchartige und urgemütliche Laden ist rammelvoll. Sieht tatsächlich aus wie eben so ein Musikclub aussehen muss. America in Bangkok. Ich finde noch ein Stühlchen, bestelle mir ein Chang und schon beginnt ein neues Set der jungen Bangkoker Band „The Heritagers“.
Super! Ich kann´s nicht fassen, die sind einfach toll. They got the blues! Mit einem älteren amerikanischen Banjospieler als Gast spielen sie viele Klassiker, aber das richtig gut! New Orleans ist überall! Der Laden tobt, ich kann mich nicht losreißen und halte bis zum bitteren Ende durch. Halb zwei mache ich mich glücklich auf den Heimweg. So ein schöner letzter Abend! Denn morgen heißt es Abschied nehmen, für dieses Mal.
Eine tolle Zeit geht zu Ende. Sawaddee káh, Thailand! Bis zum nächsten Mal.
Fotos 5 – Chiang Mai
15. First Night in Bangkok
Gut, dass es noch so früh ist, als ich in Bangkok lande: Die Hitze ist schon um halb acht kaum auszuhalten. Ich gebe den Bangkoker Taxifahrern noch eine Chance und – erwische einen netten und ehrlichen Kerl, der schon nach der ersten sanften Nachfrage sein Taxameter einschaltet.
Ich habe ein Guesthouse in Banglamphu gebucht, am Rande des Backpacker- und Halligalliviertels um die Khaosan- und Rambuttri Road. Wohlgemerkt am Rande, das hat sich bewährt. Denn Banglamphu ist ein Zwitter: hier gibt es besagte Ausgehviertel, wo es rund um die Uhr brummt und man alles findet, was das Touristenherz begehrt. Aber geht man auch nur eine Straße weiter, findet man da das alte Bangkok: unspektakulär, gar nicht chic, aber echt. Es ist wirklich verrückt: An einer Ecke tobt der Bär, zwei Ecken weiter ist davon gar nichts mehr zu spüren. Und mein Hotel Wild Orchid Villa lam Anfang der Rambuttri Rd. liegt genau an der Grenze. Es hat sogar einen kleinen Pool, was angesichts der Bangkoker Temperaturen toll ist.
Meinen ersten Tag beginne ich, leicht hitzeparalysiert im Hirn und motorisch verlangsamt, mit einem Mittagsschläfchen, nachdem ich mein Hotelzimmer (mit Fenster!) beziehen darf. Da Sonntag ist – der erste, den ich je in Bangkok erlebe – will ich unbedingt den berühmten Wochenendmarkt Chatuchak im Bezirk Phahonyothin, einem der 50 Bezirke von Bangkok, sehen. Er gilt als der größte Markt Thailands. Und ich will auch endlich wiedermal Tuktuk fahren. Ich liebe diese aberwitzigen, knallbunten Gefährte, in denen einem der Fahrtwind um die Ohren pfeifft, und sei es auch nur die abgasgesättigte Bangkoker Luft.
Nach erfolgreicher Preisfeilscherei geht’s dann eine halbe Stunde durch die Stadt in nördlicher Richtung. Ein großer Teil des Weges führt durch ein ausgedehntes Viertel, in dem lauter Militäreinrichtungen von Forschungsinstituten bis zu Verwaltungs-und Bildungseinrichtungen ihre ausgedehnten Sitze haben. Das heißt, es geht vorbei an endlosen weißen Mauern, Hecken, vielen Fahnen und jeder Menge Konterfeis des Regenten in majestätischen Posen.
Als Kontrastprogramm folgt dann eine ziemlich marode Straße an einem Klong (Kanal) entlang, vorbei an einem Slum. Endlich verkündet mein Fahrer, dass wir da seien. Ich stehe vor einer endlosen Umzäunung, die einige kleine Eingänge hat, an denen Straßenhändler Obst und Getränke verkaufen. Auf geht’s.
Schon nach wenigen Minuten ist mir klar, dass das höchstens eine Stippvisite werden kann, auch wenn ich mir noch so viel Zeit lasse. Endlose, wellblechüberdachte schmale Gänge, in denen sich ein Stand an den anderen reiht, ein Ende ist nirgends zu sehen, höchstens neue Abzweigungen. Menschenmassen, In-und Ausländer, schieben sich durch die Enge, Kaufrausch total. Über 5000 Stände. Im Angebot: eigentlich alles, außer Trödel und Ersatzteile.
Schon nach 15 Minuten bin ich kurz vor einem Koller als ich endlich um eine Ecke biege, die auf einen etwas breiteren, nicht überdachten Umgang führt. Endlich Luft zum ATMEN und ein kleines bisschen mehr Platz! Viele Suppenküchen und Grillstände, selbstgemachtes Kokoseis, Obst, Getränke. Kleine Stände und richtige Restaurants. Sogar eine Cocktailbar mit einem total aufgedrehten DJ liegt an meinem Weg. Zwei ältere thailändische Soulman machen richtig gute Musik, kaum beachtet von den Massen. Seifenblasen, ein Chor der Heilsarmee (?), Sammlungen für ein soziales Kinderprojekt . Nur – wie überall auf thailändischen Märkten: Fast keine Abfallbehälter. Wer etwas zu sich nimmt, wird den Müll nicht los, irgendwann stellt man ihn dann genervt an den Boden.
In einer Halle dreht sich alles um Kunst, die Bangkoker Künstlerszene präsentiert hier seine Werke oder arbeitet vor Ort – von richtig künstlerisch wertvoll bis zum spontanen Aquarellportrait des kleinen Kläffers der Kundschaft. Oder man chillt einfach schlafend vor seiner Kunst. Musiker sorgen für den handgemachten Soundtrack.
Über 5000 Stände sollen es sein – wenn mal nicht noch mehr. Nach zweieinhalb Stunden bis ich fertig. Ich pflüge noch weitere zehn Minuten durch die Massen, auf der Suche nach einem Ausgang. Ein pink-grün-metallicfarbenes Tuktuk bringt mich zurück, mit Blick auf die gruselig schöne untergehende Sonne, die hier dank Smog immer von einer knallorangen diffusen Wolke umgeben ist.
Zum Essen streife ich erst durch das Ausgehviertel, ist mir aber irgendwie alles zu rummelig. Ich biege ab in die eher glanzlosen Nebenstraßen, esse eine köstliche Entensuppe für 90 Baht, und ein paar chinesische Dimsum und mache mich auf den Heimweg.
Unterwegs auf der Pra Arthid komme ich an einem besonders schönen, blumenüberhäuften Altar vorbei. Als ich ein Foto mache, spricht mich ein englisch sprechender Farang (Ausländer) an, der mit seiner französischen Frau gerade am Straßenstand nebenan zu Abend isst. Er erklärt mir, das sei besonderer Ort, hier habe der berühmte alte Baum von Banglamphu als Wahrzeichen gestanden, bevor er eines Nachts aus Alterschwäche umgefallen sei. Nun steht hier der Altar, mit einer Spendenbox für Futter für die Straßenkatzen von Bangkok daneben, von denen es tausende gibt. Zwei Katzenbabies mit Stummelschwänzen und Mama tummeln sich wie bestellt davor.
Der Mann lädt mich ein, mich zu ihnen zu setzen. Irgendwie finde ich die beiden ganz interessant, was sich sogleich bestätigen soll. Sie haben 14 Jahre in Thailand gelebt, jetzt kommen sie regelmäßig zu Besuch. Er ist gebürtiger Texaner, sie Südfranzösin. Der Mann fasziniert mich vom ersten Moment an, weil er mit ausgeprägtem Südstaatenslang und tiefer Krächzstimme spricht, so wie mein liebster Musiker-Freund Freund aus New Orleans, der inzwischen leider nicht mehr lebt.
Ich setze mich und erfahre viele Geschichten aus Thailand und ihrem Leben. Er heißt Bill Bloomer und ist tatsächlich professioneller Musiker, eine Weile hat er in New Orleans gelebt. Zum Abschied geben mir die beiden den Tipp, einen kleinen Bluesclub im angrenzenden Bezirk Phra Nakhon zu besuchen. Ein Geheimtipp. Aber für heute bin ich restlos erledigt und falle nur noch ins Bett.
Fotos 4 – Pai
14. Bye bye Pai, hallo Chiang Mai
Ich bin super pünktlich am Busbahnhof, weil ich noch frühstücken will, wenn das Gepäck verstaut ist. Und endlich weiß ich wieder, warum ich Minibusfahrer nicht ausstehen kann (der von der Herfahrt war allerdings so nett, dass es mich ganz verwirrt hat, auch das soll gesagt werden): Kaum sieht der Mann meine Tasche, zieht er ein Gesicht, stellt sich auf das Dach und erwartet, dass ich 19 Kilo über den Kopf stemme….seine Kollegen von den anderen Bussen stehen mit verschränkten Armen neben mir und starren mich an. Danke, Mr. Backpacker, der du mich gerettet hast!
Die vier Busse sind krachend voll. Und noch einmal heißt es Karrusselfahren ohne Ende, ab ins Tal. Am Weg passieren wir etliche größere Altäre und verschiedene goldene Gottheiten. Plötzlich lässt der Fahrer das Lenkrad los, faltet die Hände vor dem Gesicht und verbeugt sich! Also, mir ist Buddha ja durchaus sympathisch, aber ob er auch Busse lenkt?? So viel Gottvertrauen habe ich dann doch nicht und muss mich erstmal von dem Schreck erholen, als der Fahrer gerade noch die nächste Kurve kriegt.
Gute drei Stunden später sind wir in Chiang Mai. Ein Linien-Taxi, ein Song Taew, setzt mich vor meinem schönen Guesthouse Awana ab, das ich mir nach dem Reinfall auf der Herfahrt gegönnt habe. Kannte ich noch vom letzten Mal. Diesmal habe ich ein Upgrade bekommen und darf in ein richtig tolles Zimmer mit alter Fußbodenmalerei und viel Licht einziehen.
Ich vertrödele aber keine Zeit, schließlich habe ich nur einen halben Tag, bevor ich morgen in aller Herrgottsfrühe nach Bangkok fliege. Im benachbarten Hotel miete ich mir ein Fahrrad und los geht es. Ich staune, wie gut ich mich noch zurechtfinde in den vielen, verwirrenden kleinen Straßen der Altstadt. Als wäre es erst gestern gewesen: Hier habe ich Kaffee getrunken, hier gefühstückt, dort gesessen und Blog geschrieben… Alles wie gestern. Nur mein Lieblingsfrühstückscafé ist abgerissen. Anything goes.
Um sich überhaupt zu orientieren, muss man erstmal das thailändische Straßenbennungssystem verstehen: Der Name stammt immer von einer großen Straße, nach ihr heißen dann aber abgehenden Nebenstraßen, immer mit einem kleinen Zusatz: Soi1, Soi2… Bevor ich das herausgefunden hatte, habe ich überhaupt nichts gefunden, weil ich das Gefühl hatte, dass alles gleich heißt.
Die Altstadt von Chiang Mai liegt in einem von vier Kanälen umflossenen Quadrat, an jeder Seite gibt es noch die Ruinen eines historischen Stadttores, mal mehr erhalten, mal sehr wenig. Der Verkehr umfließt die Altstadt innerhalb der Mauer nur in einer Richtung, will man sich in die andere bewegen, muss man den Kanal kreuzen. Und das ist bei dem Verkehr ganz schön schwierig!
Die Stadt ist extrem quirlig, geschäftig und trotzdem gelassen und charmant. Die Menschen sind überwiegend sehr freundlich und hilfsbereit. Mein erster Weg führt mich zum Massage-Studio der weiblichen Ex-Häftlinge, eine Einrichtung, die ich schon beim letzten Mal entdeckt habe. Die Frauen erhalten im Gefängnis die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen und arbeiten dann unterschiedlich lange in diesem Zentrum. Sie erhalten dafür oft eine Haftverkürzung, und die Arbeit hier funktioniert gut als Resozialisierungsmaßnahme, denn so haben sie gleich einen ordentlichen Job. Ich finde das erstens eine sehr gute Idee und zweitens habe ich die Massagekünste der Damen das letzte Mal schätzen gelernt. Also mache ich einen Termin für den Abend vor dem Essen.
Dann gondle ich den Rest des Nachmittags mit weniger PS als bisher, dafür aber gelassen, kreuz und quer durch die Straßen. Ich schlendere über einen kleinen Markt, auf dem alles von Fisch über Obst und Tee bis zum Maßanzug verkauft wird. Die Schneiderin sitzt mitten an ihrem Stand an einer alten Nähmaschine. Mein Weg führt vorbei an den schier unzähligen goldenen Tempeln von Chiang Mai, immer wieder schön anzusehen. Wollte ich in jeden hineingehen, wäre ich tagelang beschäftigt.
Die Zeit vergeht wie im Flug, schon ist es Zeit für meine Massage. Die traditionelle Thaimassage ist ja bekanntlich nichts für Weicheier, aber sie tut so gut! Anschließend wurstele ich mich mit einigem Herumgefahre durch das abendliche Verkehrschaos zur richtige Seite der Altstadt durch, wo ich auf dem abendlichen Food Mart essen will.
Das Chaos ist unglaublich. Unzählige Stände wurden auf beiden Seiten der Straße aufgebaut, zum Teil noch mit Tischen und Stühlen, und mittendurch führt die immer verstopfte Straße um die Altstadt. Teilweise können die Kunden gar nicht anders, als vor einem Stand auf der Straße zu stehen, da wird man schon mal angehupt, wenn die Verkehrslawine direkt am Allerwertesten vorbeigeht. Aber gemessen an dem Chaos wird nur sehr wenig gehupt, Gelassenheit und gegenseitiges Aufpassen ist der Tenor. Autos, Tuktuks, Motorräder und Fahrräder drängeln sich irgendwie durch die Menge. Hier und da steht ein Polizist in dem Gewirr und pfeifft wild, aber niemand kümmert sich darum. Und das jeden Abend.
Der Markt befindet sich an einem gut erhaltenen Stadttor, wo sogar noch ein ganzes Stück der Stadtmauer erhalten ist, dem Tha Phae Gate. Direkt daneben ist die Markthalle der Altstadt, die ist aber am Abend geschlossen, wenn das große Fressen beginnt. Es gibt wieder einfach alles und man kann sich kaum entscheiden. Die Einwohner von Chiang Mai sind besonders stolz auf ihre vielen Wurstsorten, die mir aber irgendwie zu fettig aussehen. Und kunstvoll aufgefädelte gegrillte Därme oder Hühnerköpfe möchte ich auch nicht.
Ich gönne mir einen kompletten Snapper. gedünstet mit Gemüse und Reis. Ganz schön schwierig, einen Platz zum Essen zu finden, denn ich will das Essen weder Mitnehmen, wie viele Einheimische, noch kann man einen Fisch im Stehen essen, noch dazu mit Stäbchen. Die Standbesitzer finden einen kleinen wackligen Campingtisch für mich, der steht allerdings genau neben einem Müllhaufen. Ist halt so, da stört sich hier keiner dran. Es schmeckt großartig und ich habe den Tisch einfach so verschoben, dass ich den tobenden Wahnsinn beobachten kann, statt des Müllhaufens.
Danach bin ich ziemlich geschafft und will auch schnell das Fahrrad abgeben, denn ich habe keine Ahnung, wie lange die Rezeption besetzt ist (einige schließen um neun oder zehn) und in Thailand muss man bei allen Ausleihen seinen Pass hinterlegen. Wäre ungünstig, wenn ich den heute abend nicht wiederbekommmen würde, denn morgen früh um 5 muss ich zum Flughafen.
Ausgerechnet jetzt verlässt mich mein Orientierungssinn, dank Dunkelheit, Lichtern und Gewusel habe ich keine Ahnung, wohin ich muss. Aber ein paar nette Thais, die gerade vor dem Haus sitzen und essen, können mir weiterhelfen, danach finde ich nach ein paar kleinen Extraschleifen durch die Gassen auch zurück. Schade, dass die Zeit hier so kurz war! Aber es ist fast Mitternacht und ich muss um 4:30 Uhr aufstehen…Gute Nacht, quirliges, symphatisches Chiang Mai!
Fotos 3 – Koh Kood 2
13. Unter Buddhas Schutz
Nach dem Aufwachen bleibe ich noch etwas eingemummelt in meinem Bett, schlürfe meinen Espresso und schaue dem langsam lichter werdenden Nebel draußen zu. Schließlich wage ich mich, mit nur zwei Kleidungsschichten, in den neuen Tag. Ich schnappe mir noch eine herrlich aromatische Banane aus dem hauseigenen Garten, die immer für die Gäste daliegen, und mache mich strammen Schritts auf ins Dorf.
Ich genieße den Blick am Wegesrand. Aber einen Ort zum Frühstück finde ich ierstman trotz einiger Restaurants oder Cafés auf dem Weg nicht, denn sie sind erstens leer und zweitens ist die Hälfte davon so clean organic healthy, dass ich opportunistische Lust auf irgendwas Bodenständiges habe, ohne Weizengras und Pu-Err-Tee. Zwei perfekt gestylte amerikanische Läuferinnen eilen gazellengleich an mir vorbei, lange davor und danach hallt mir ihr ununterbrochnes, schrilles “ Oh, sooo great!“ im Ohr. Bei allem Respekt, Ladies, da ist mir das Muhen der Kühe auf der Wiese vor der Brücke doch lieber. Passt irgendwie besser in die Landschaft.
Am Berghang über mir thront majestätisch der Weiße Buddha, eine der Sehenswürdigkeiten hier und ein wichtiger Ort für die Buddhisten unter den Einwohnern. Weise scheint er da oben zu meditieren und im Blick zu behalten, was wir kleinen Menschlein hier unten so treiben.
Schließlich bin ich im Dorf angekommen und schlendere ein bisschen kreuz und quer. Der bis vor wenigen Jahren kleine Ort, übrigens die älteste Ansiedlung hier, ist offensichtlich ganz schön in die Breite gewachsen. Zwar ist alles noch überschaubar und nicht allzu hektisch, aber irgendwie bedaure ich, nicht vor dem großen Boom der Partyfreunde und Wanderesotheriker hier gewesen zu sein. Ich besichtige noch den größten Tempel samt Pagode, zumindest von außen, denn leider ist er geschlossen.
So langsam bin ich ziemlich hungrig und suche nun ernsthaft nach einem Frühstück. Ich entscheide mich für ein winziges Café, das mit poschierten Eiern auf Avocado mit echtem Baguette wirbt. Ich frühstücke gemütlich und grummele immer noch etwas in mich hinein wegen der verpassten Möglichkeit auf eine gute Trekkingtour. Was mache ich nun an meinem letzten Tag in Pai….
In meinem Hinterkopf formt sich eine Idee. Ich stelle fest, dass ich nun irgendwie doch anfange, das Rollerfahren mit dem Unfall zu verbinden, auch wenn das so ja gar nicht stimmt. Und eigentlich habe ich keine Lust, eine neue Angst, die mir dann irgendwann in der Zukunft im Wege steht.
Die nette Berlinerin gestern hat mir von einem eigenwilligen Typen hier erzählt, der zwar, wie viele hier, vom Rollervermieten lebt, der da aber offensichtlich eine Mission damit verbindet. Nicht nur weißt er seine Kunden ungewöhnlich gründlich ein, sondern er glaubt auch nicht, dass sie sicher fahrfähig sind, bevor er sich nicht ausgiebig davon überzeugt hat.
Klingt nach meinem Mann. Also Schultern gestrafft und den Laden gesucht. Der Typ guckt mich an und sagt doch glatt: In Ihrem Alter sollte man nicht mehr Roller fahren lernen, die Reflexe könnten zu langsam sein…. Wer mich kennt, kennt auch den süss verpackten Killerbienenblick, mit dem ich denn Mann nun bedenke. Jetzt hat er meinen Kampfgeist gedopt!
Ich erkläre ihm, dass ich bereits Roller fahren kann, und auch nur einen mit wenig PS möchte. Mein lädiertes Auge ist unter meiner großen Sonnenbrille nicht zu sehen, muss also nicht erklärt werden. Daraufhin ist er einverstanden, aber wie alle muss ich probefahren, die Seitenstraße vor dem Laden immer auf uns ab. Da kurven schon einige andere rum. Er schaut immer mal zu und horcht auf die Motorgeräusche. Ein echter Sicherheitsfreak. Aber gut so! Hier fahren genug Verrückte durch die Gegend.
Der Mann lässt mich fast eine halbee Stunde kreisen, dann darf ich los. Die letzte Warnung gilt den Touristen aus dem Nachbarland: Ich soll mich vor den Chinesen auf Scootern in Achtr nehmen, die sind gefährlich….Er malt mir eine schöne Route auf, die keine unbefestigten Straßen einschließt, weil ich das nicht möchte. Berge und Kurven finde ich herausfordernd genug! Also macht sich Moto-Granny auf. Hier muss man schon ganz shön aufpassen, weil hier wesentlich mehr Verkehr herrscht als auf meinem Inselchen, inklusive großer LKW.
Zuerst fahre ich noch etwas angespannt, langsam sowieso, aber dann werde ich langsam wieder etwas lockerer. Ich komme an der Memorial Bridge vorbei, die die Japaner im 2. Weltkrieg hier für ihre Truppentransporte über den Fluss gebaut haben und an einem knallbunten Disneylandverdächtigen Etwas am Straßenrand. Ich schaue auf die Karte und erfahre, dass dies ein chinesisches Dorf mit dem Namen Santichon ist, das allerdings in der Tat etwas zu sehr für die Augen der Besucher gepimpt worden ist. Ich halte kurz an und schau ein bisschen, weil alles so schön bunt und glitzernd ist, besonders gefällt mir die Drachenbrücke. Trotzdem habe ich keine große Lust, lange zu verweilen. Als ich nach einer dreiviertel Stunde endlich von der großen Straße abbiegen kann, bin ich endgültig entspannt genug, um die Landschaft und die tollen Aussichten zu genießen.
Ich mache eine Pause bei einem Elefantencamp und schäkere ein bisschen mit dem Dickhäutern. Danach gibt es Eiskaffee in einem der teuersten Ressors ganz oben auf dem Berg, fernab des Pöbels. Am schönsten ist aber die Aussicht von einem ausgedehnten Hochplateau, das mit gelbblühenden Feldern bedeckt ist. Von hier schaut man auf der einen Seite auf einen rötlich bewaldeten hohen Bergzug und auf der anderen Seite auf ein schier endloses Panorama entfernter Bergketten bis zum Horizont. Jetzt glaube ich, dass das hier in die Ausläufer des Himalaya übergeht, wie ich es gelesen habe. So schön!
Zufrieden tuckere ich nach zweieinhalb Stunden wieder nach Pai und liefere die alte Mühle ab, die mir der misstrauische Mann zugeordnet hat. Er freut sich jetzt und ich mich auch! Trauma gebannt und Schönes erlebt.
Über meinen Abend zu schreiben ist müssig, es wäre nur wieder eine erweiterte Speisekarte….Mit einem Bier im Rucksack lasse ich mich von meinem schon bewährten Motorradtaxi von gestern nach Hause fahren und genieße meine letzte Nacht hier mit Blick auf die silberne Mondsichel über den Bergen.
12. Entdeckerfieber
Die Zeit läuft, nur keine unnötigen Pausen… Der Morgennebel ist noch nicht mal von der Sonne vertrieben worden, als ich schon mit Rucksack und allem, was ich übereinanderziehen kann, am Eingang stehe und darauf warte, abgeholt zu werden zur Exkursion. Als der offene Pickup ankommt, muss ich mir ein Foto verkneifen: alle 6 anderen Teilnehmer, die bereits auf den Bänkchen hocken, sind mit demselben „Zieh- einfach-alles-an-und-schau- nicht-hin“-Stil angezogen. Es ist sooo kalt!
Die Feuchtigkeit macht alles noch schlimmer, aber die Sonne kämpft sich durch den dichten Nebel, als wir losfahren. Mittags ist es dann heiss. Erstes Ziel sind die 55 Kilometer entfernten Höhlen Tam Nam Lot. Schon wieder Kurven! Und diesmal seitlich zur Fahrtrichtung sitzend, ohne nach vorn schauen zu können. Wir vertreiben uns die Zeit damit, uns bekannt zu machen: England, California, Israel, France, zweimal Berlin. Gute Mischung.
Der Blick nach hinten, der einzige, den wir haben, ist wieder genauso schön, wie gestern, Berge, Berge, Berge und wilder Urwald. Endlich rumpeln wir über den letzten Wegabschnitt zu den Höhlen. Ich bin erschrocken, wie viele Autos hier schon stehen, und fürchte, vor lauter Leuten die Höhle nicht zu sehen. Dann geht es los, begleitet und bewacht von unseren mit Petroleumlampen ausgestatteten Führern.
Unglaublich! Diese Höhlen sind riesig! Drei verschiedene große Felshallen, die durch verschlungene Gänge miteinander verbunden sind. Mittendurch fließt ein Fluss. Die Menschen sind darin wie Ameisen und das Gewimmel stört überhaupt nicht. Man muss sehr aufpassen, wo man hintritt, denn der Untergrund ist gefährlich und bietet hundert Gelegenheiten zu stürzen. Halsbrecherisch steile Treppen verbinden die verschiedenen Höhlen, teilweise muss man über schwankende Bambusstege, die auf Sandsäcken liegen, balancieren. Der deutsche TÜV hätte den Laden längst geschlossen.
Gut, dass der hier nichts zu sagen hat, es wäre zu schade, wenn man hier nicht durchstreifen könnte. Manche Räume sind klein und eng, dann wieder tun sich Kathedralengroße Hallen auf, in denen Stalagniten und Stalagtiten in jeder Größe zu bewundern sind, glitzernde Mineralablagerungen, die wie Wasserfälle aussehen. Dazwischen bizarre Felsskulpturen. Eine sieht aus wie ein Krokodil, daneben hockt eine steinerne Schildkröte.
Man muss dicht bei den Führern bleiben, denn es ist wirklich stockdunkel. Aber der Geruch des verbrannten Petroleums ist ziemlich intensiv und etwas übelkeiterzeugend. Nach einer Weile steigen wir am Fluss auf lange, schmale Bambusflöße, je vier Personen und die beiden Führer, die das Floß fahren. Es ist ein toller Anblick, all die Boote auf dem dunklen Fluss mit den schwankenden Lichtpunkten der Laternen still durch die Höhlen fahren zu sehen. Ein bisschen wie im Märchen.
Im Wasser tummeln sich große, graue Fische und oben kreischen hunderte von Fledermäusen. Wir fahren bis zu einem Ausgang der Höhle, der sich plötzlich strahlend im Sonnenschein präsentiert. Aber noch ist die Tour nicht zu Ende, von hier aus geht es weiter in einen anderen Teil der ca 600 Meter langen Höhle. Hier wurden Artefakte gefunden. Holzsarkophage, die mindestens 800 bis 1000 Jahre alt sind und hier einfach so herumliegen, ungesichert, ungeschützt. Und ein paar 2-3000 Jahre alte Höhlenmalereien gibt es hier auch.
Die lange Fahrt hat sich gelohnt, es ist wirklich beeindruckend. Wieder an der Oberfläche, werden wir mit Mittagessen Thai-Style in einem offenen, sehr rustikalen Lokal unter Bäumen versorgt. Und schon geht es weiter, wir haben noch einiges vor bis Sonnenuntergang.
Nächstes Ziel: Der Wasserfall Mor Paeng. Der wahre Preis für diese Entdeckungen sind nicht die 12 Euro, die der Ganztagesausflug mit Essen und Nationalparksgebühren alles ein allem kostet, sondern die langen Schaukelfahrten von Ort zu Ort. Aber ich hätte auch keine Lust, das alles selbst abzufahren auf den durchaus sehr befahrenen aanstrengenden Bergstraßen.
Der Wasserfall ist einer der eher sanften Art, der sich über einen breiten, abgeflachten Felsen in ein Bassin ergießt. Schön anzusehen, aber nichts so besonderes. Immerhin eine erfrischende Pause.
Weiter geht es zu den Hotsprings. Genau genommen, einer davon, um Pai gibt es nämlich mehrere Thermalquellen. Und einige verlangen 300 Baht Eintritt. Nicht so diese. Bei Sai Ngam fließt das aus dem Boden kommende warme Quelwassee in einen Fluss, der sich zu einem breiten naturbelassenen Badebecken unter Bäumen verbreitert. Besonders heiß ist das Wasser hier allerdings nicht, eher angenehm warm. An anderer Stelle sollen sie bis zum 80 Grand heiss aus dem Boden kommen.
Badepause, entspannen. Ich habe mir extra ein riesiges wasserfestes Pflaster für meinen Arm besorgt, das Baden lasse ich mir hier nicht entgehen. Inzwischen bin ich übrigens eher bunt als blau im Gesicht, und in meinem linken Auge ist sogar wieder eine normale Iris vor inzwischen blassrotem Hintergrund auszumachen. Alles wird gut.
Letztes Ziel für heute: der berühmte Pai Canyon. Wir sind rechtzeitig vor Sonnenuntergang da und können in Ruhe vorher noch ein bisschen herumlaufen und staunen. Es ist unglaublich schön: gelber Lehmboden, tiefe Abbrüche, auch auf dem Weg schlängeln sich tiefe Spalten auf dem Hochplateau, bizzare Felsformationen und rötlich schimmernde steile Felswände. Einfach wunderschön!
Allerdings bleibt mir ein großer Teil der Pfade auf dem Kamm verschlossen, denn dahin gelangt man nur über aberwitzig schmale, glatte und völlig ungesicherte Pfade – rechts und links der Abgrund. Und so bleibe ich, leise weinend, mit meiner Höhenangst und all denen, die dasselbe Problem haben, auf dem uns zugänglichen Teil zurück. Ich kann nicht glauben, dass hier noch keiner abgestürzt sein soll. Es sieht unglaublich gefährlich aus!
Trotzdem, ich genieße diesen großartigen Ausblick und das strahlend orange Licht des Sonnenuntergangs! Einziger Minuspunkt: viel zu viel Leute! Es ist die Sensation hier und viele kommen mit dem Roller aus Pai für diesen Augenblick.
Neun spannende Stunden sind vorbei und ich lasse mich im Ort absetzen, um wieder auf der Walking Street zu schlemmen. Diesmal entdecke ich leckere süße, gegrillte schwarze Klebreisfladen mit Sesam gefüllt, zubereitet von zwei bis auf die Augenschlitze tief verschleierten Frauen. Es gibt hier einige Muslime, viele sind irgendwann aus Burma hierher geflüchtet. Aber hier geht das Nebeneinander von Muslimen, Buddisten und Hindus ganz gut, wenngleich man auch lieber unter sich bleibt.
Zwischen meinen einzelnen Gängen suche ich verzweifelt Veranstalter von Trekkingtouren. Denn das wünsche ich mir für Tag Zwei. Endlich finde ich zwei und die telefonieren sogar noch herum, aber das Problem ist, dass es für den nächsten Tag nur meine Anmeldung gibt und mit einer Person machen sie das nicht. Und dabei wäre es eine so schöne 6-Stunden-Tour. Zu drei Dörfern der hier lebenden Minderheiten, den Lisu, den Lahu und den Karen. Und zum Schluss noch einen Wasserfall zum Baden.
Ich weine fast vor Enttäuschung, aber das hilft nichts. Immerhin tue ich dem Veranstalter, selbst ein Karen, leid genug, dass er mich für 50 Baht mit dem Roller durch die Nacht nach Hause fährt. Noch ein Kummerbier auf meiner nächtlichen Terrasse und dann schön warm einrollen….9




































































