10 – Wiedersehensfreuden

Noch einmal die gewundene, oft steile Inselstraße im vollgestopften Sammeltaxi entlang, diesmal bis zum Bang Bao Pier am Südende. Und diesmal plagt mich kein Abschiedsschmerz…
Am Pier angekommen, werden wir eilig an etlichen Buden und Restaurants vorbeigescheucht, trotzdem ergattere ich noch einen Eiscappuccino. Am Anleger warten bereits zwei Motorboote, die Speedboats. Auf meinem Boot ist jedes Stückchen Bank eng besetzt, ob am offenen Bug, oder im überdachten Raum hinten, der ohne echtes Geländer am Heck endet. Unter den Bänken und zwischen uns türmt sich das Gepäck. Ich sitze ganz hinten und hoffe, dass ich nicht irgendwann im Wasser lande.
Kaum gibt der Käptn Gas, geht der Bug hoch und die bewegliche Gepäckmasse bewegt sich in die Gegenrichtung, das heißt auf meine Beine und die meines Nachbarn. Das Wegschieben und Zurückrutschen bleibt die nächsten drei Stunden das angesagte Spiel. Fast alle Passagiere an Bord sprechen Tschechisch oder Russisch.
Nach gut anderthalb Stunden und einigen kleineren und wohl unbewohnten Inseln, die vorbeigezogen sind, erreichen wir Koh Mak, die kleinere Nachbarinsel von Koh Kood. Die Viertelstunde Pause nutzen wir zu einem kleinen Landgang, bei dem sich die Insel als ausgesprochen lauschig präsentiert. Ein herrlicher Palmenstrand, ein paar Bungalows, aber trotzdem alles entspannt, ruhig und fast malerisch. So ganz anders als Koh Chang. Koh Mak ist außerdem ganz flach. Hier könnte ich mir auch ein paar faule Tage vorstellen. Ich merke, wie ich anfange mich langsam zu entspannen.
Aber erstmal geht es noch eine gute Stunde weiter über den Golf Richtung Osten, bevor die nebelblaue bergige Silhouette am Horizont näherkommt und mir ganz warm ums Herz wird: Koh Kood, my little island in the sun... Anders als die großen Fährschiffe hält das Speedboat an verschiedenen Ressorts, bevor der Rest der Fahrgäste am letzten hölzernen Anleger in einer sehr wackeligen Turnübung aus dem Boot steigt. Eine ältere Dame mit Stock wird von vier Leuten an Land gehoben und gezogen. Nicht wirklich seniorenfrundlich, diese Reiseart.
Anders als auf Koh Chang kosten hier die Sammeltaxis vom Boot zur entsprechenden Unterkunft nichts. Wie immer und überall sind es auch hier offene Pickups, das Gepäck kommt aufs Dach. Ich wundere mich immer wieder, dass trotz der ewigen Auf-und Abs nichts von den lose gestapelten Gepäckmassen herunterfällt.
Jeder wird der Reihe nach abgesetzt, daher dauert die Fahrt etwas länger, denn viele Ziele liegen nicht direkt an der Straße. Eine knappe halbe Stunde später zerre ich meine Tasche vom Auto und stehe vor Eve´s House. Die Unterkunft meiner Wahl – hier habe ich mich im vergangenen Jahr sauwohl gefühlt. Eher schlicht und nicht am Strand, aber dafür herrlich ruhig und ein Ort zum Wohlfühlen. Erstaunt bemerke ich, wie mir ganz warm ums Herz wird – es ist fast ein bisschen wie nach Hause kommen…. .
Kaum kurve ich auf die Rezeption zu, die aus einem Papierüberhäuften Tisch am Eingang zum offenen Restaurant besteht, stürzt auch schon die Besitzerin auf mich zu und umarmt mich überschwänglich. Was für ein Empfang!
Ich bin total überrascht, wirkte sie auf mich immer eher etwas kühl, neben ihrem Gatten, der ein echtes Original ist. Langer Zopf, freier Oberkörper, immer nur mit halblanger Hose und einem Schal um den Hosenbund bekleidet, immer ein Schmunzeln im Gesicht. Ein Künstler, wohl auch Ex-Musiker, brillianter Koch – aber leider auch Alkoholiker. Nach 21 Uhr ist er meist mehr oder weniger betrunken und vor halb neun morgens nicht zu sehen. Aber eine Seele von Mensch. Alle lieben ihn.
Es gibt ein bisschen Verwirrung, meine e-mail ist untergegangen, aber die beiden erinnern sich daran. Ich bekomme einen Mandarinensaft aufś Haus und muss ein Weilchen warten, während die beiden aufgeregt am Computer Reservierungen hin und herschieben und ich am Ende sogar einen Bungalow bekomme, obwohl ich nur mit einem Zimmer gerechnet hatte.
Großartig! Ich liebe diese winzigen Holzhäuschen, mit angemauertem Duschklo, die auf einem leicht hügeligen Gelände zwischen Palmen und Grünzeug verteilt liegen. Ganz schlicht, aber sauber und mit einer guten Matratze und einem Bänkchen vor der Tür. Ich bin wirklich glücklich!
Auf einen Anruf hin werde ich noch per Roller von der Tauchbasis Paradise Divers, bei der ich im vergangenen Jahr meinen Advanced Open Water Diver gemacht habe, zu einem ersten Plausch abgeholt. Auch hier freue ich mich, bekannte Gesichter wiederzusehen, wenngleich ich auch meinen Tauchlehrer und Lieblingsbuddy sehr vermisse – er ist weggezogen. Mike, der Besitzer, ist ein ausgewanderter Bayer, manchmal brummig, aber eigentlich sehr nett. Er führt den Laden auf deutsche Art – was ausnahmsweise in Verbindung mit der chaotischen thailändischen Mentalität eine gute Mischung ergibt. Ja, auch wir Deutschen haben auch einige schätzenswerte Qualitäten, ich gebe es ja zu….
Zurück im Eve´s verbringe ich den Rest des Abends mit einem chronischen Grinsen im Gesicht mit Fisch vom Grill, gekühltem Chang und meinem Blog. Ländlich sittlich liege ich halb elf im Bett und höre den Nachtvögeln und dem Gegnäcker der Geckos zu, die einzigen Geräusche, die es hier gibt.

9 – Stippvisite auf Koh Chang


Es ist noch stockdunkel, als wir durch Bangkoks Vororte und Slums fahren, die sich direkt an die Schienen heranschieben. Dann endlich Bahnhof Hua Lamphong, mitten in Chinatown. Altehrwürdig, aber großzügig gebaut. Und betriebsam auch um diese frühe Stunde, es ist halb sechs.
Fest entschlossen, den Taxifahrern keine Chance zu geben und auch nicht willens gleich als Tagesauftakt ewig mit einem TukTuk-Fahrer zu feilschen, habe ich vor, mit der Metro und dem Bus zum Busbahnhof Ekkamai (der östliche) zu fahren. Auch wenn dies eine unangenehme Schlepperei bedeutet, denn die Metro fährt hoch oben und ist nur über steile Treppen zu erreichen. Leider ist meine Reisetasche immer noch entschieden zu schwer, obwohl ich mich schon gebessert habe. Und nette Männer, die mal mit anfassen, sollte man in Thailand besser nicht erwarten…
Aber meine guten Vorsätze werden zunichte, als mich ein aufdringlicher Taxivermittler bestürmt. Er nennt mir einen Preis und ich lache nur. Er fragt, was ich zahlen will, ich sage 150 (obwohl das immer noch zu viel ist). Er grummelt vor sich hin, da ich aber einfach weitergehe, schiebt er mich plötzlich vor ein Taxi, wo noch zwei Frauen stehen, die fast in dieselbe Richtung wollen. Wir teilen das Taxi, jeder zahlt seinen ausgehandelten Preis.
Das Taxi ist eiskalt, der Fahrer versteht plötzlich nichts, als wir uns beschweren. Kurz darauf setzt ein schrilles Piepsen ein, das bis zum Ende nicht mehr aufhört. Ich halte mir die Ohren zu, um nicht durchzudrehen. Die Frauen wollen in ein Krankenhaus, die eine ist auf einer Insel von einem wilden Hund gebissen worden und braucht eine zweite Tollwutspritze.
Ankunft mit dem Morgengrauen am Busbahnhof Ekkamai. Hier haben die verschiedenen Gesellschaften ihre Schalter. Ich nehme den Government Bus, die bieten eine komplette Route bis zum Pier Laem Sok außerhalb der Stadt Trat und gleich noch die Überfahrt zur Insel mit der Fähre.
Aber bis zur Abfahrt sind es noch anderthalb Stunden. Gegenüber der großen Straße, die auch noch durch die Hochbahntrasse geteilt ist, sehe ich ein geöffnetes schickes Neuzeitcafé. Nur heißt das, man muss hundert Meter weiter über eine hohe Fußgängerbrücke – natürlich ohne Fahrstuhl und Rolltreppe – auf die andere Seite und dann zurücklaufen. Aber ich kann die Ticketverkäuferin überreden, auf meine Reisetasche aufzupassen. Preis: ein Café Latte aus dem Yuppie Café. Lässt sich machen.
Ich bin der einzige Gast und lasse mir ein total überteuertes, aber leckeres Frühstück schmecken, dass es in allen Großstädten der Welt gibt: Toast mit Poached Egg und Avocado. Der Laden ist groß, modern und betont cool und gar nicht thailändisch. Als ich auf die Toilette will, bekomme ich einen Schlüssel und muss draußen drei Häuser weiter in den Eingang eines Parkhauses, dann mit dem Fahrstuhl in den vierten Stock und am Ende des Ganges ist dann das Klo. Also doch Thailand…
Endlich ist es soweit und der ausverkaufte Bus setzt sich in Bewegung. Inzwischen ist Berufsverkehr und der Bus braucht ewig, um aus Bangkok herauszukommen. Ich falle in einen seltsamen Halbschlaf, der irgendwann unsanft unterbrochen wird, weil mir der Schaffner unbedingt eine Flasche Wasser und eine Schachtel mit einem pappigen Croissant geben will. Aber wenigstens sind die Sitze ganz bequem und die Temperatur ist außerhalb der Kühlfach-Kategorie, was will man mehr.
Fünfeinhalb Stunden später sind wir endlich am Ziel. Raus aus dem Bus, dann steht da schon ein Kerlchen, das uns resolut zu einer muslimischen Mama schickt, die mit zweieinhalb Brocken Englisch, die man erst nach einigem Hinhören als solches identifiziert, effizient handschriftlich die entsprechenden Tickets für die Fähre ausschreibt.
Von einem vergammelten Parkplatz holt uns ein noch total verrosteter kleiner Bus mit fehlenden Fenstern, Rostlöchern und kaputten Bänken ab, um uns zum Pier zu bringen. Dort besteigen wir eine Autofähre, die nicht viel besser aussieht. Rost überall. Und Löcher. Aber die Auswahl an Überfahrtmöglichkeiten ist nicht sehr groß – keine Ahnung, wo und wann die nächste Möglichkeit besteht.
Mein Ziel ist Thailands zweitgrößte Insel Koh Chang, an der nördlichen Küste des Golf von Thailand, nicht zu verwechseln mit seiner kleinen Schwester Ko Chang vor Ranong in der Andamanensee. Seit einigen Jahren ist diese Insel , nicht weit von der Grenze zu Kambodscha, zu einem neuen Urlauberparadies gediehen. Ich verbinde das Kurz-Kennenlern-Rendezvous mit der Insel aber eigentlich vor allem mit einer sehr persönlichen Angelegenheit, über die ich hier hier nicht schreiben werde. Ein Freund und Kollege ist hier vor ein paar Wochen gestorben.
Am Rande dessen aber habe ich einen kleinen Eindruck von dieser Insel bekommen, der leider in meinem Falle so gar nicht gut ist. In Unkenntnis der Örtlichkeiten habe ich zuerst ein Guesthouse in Lonely Beach gebucht, einem von rund einem Dutzend Stränden der Insel. Die Insel besteht aus mehr oder weniger hohen Bergen. Mit dem Sammeltaxi, das unverschämt teuer ist, komme ich, teilweise über halsbrecherische Serpentinen, ans Ziel. Ein Alptraum: Tür an Tür stehen hier in mehreren Reihen überwiegend billige Gästehäuser, in den zahlreichen Bars dudelt schon jetzt, am Nachmittag, laute Musik.
Mein Zimmer ist klein, aber sauber, ich schaue dem nächsten Gästehaus auf Armlänge ins Fenster, die Wände sind sehr dünn. Nach einer Stunde taucht die deutsche Besitzerin auf, und verkündet, als sie mich einmal skeptisch angeschaut hat: „Aber eins müssen Sie wissen: Schlafen können sie hier nicht. Hier ist Party bis morgens. Überall. Wollte Sie nur drauf hinweisen.“ Und das nach einer achtzehnstündigen Reise!
Ich habe auf der Stelle ausgecheckt, auch wenn ich mein Geld nicht wiederbekommen sollte. Auf der Straße stehend habe ich kurz vor Sonnenuntergang per Handy versucht, ein bezahlbares Zimmer an einem anderen Ende der Insel zu finden. Schließlich habe ich gebucht und bin mit dem nächsten Taxi den ganzen Weg zurückgefahren, fast die gesamte Strecke führt durch zugebautes Gebiet, das nur aus Urlauberhochburgen besteht.
Um es kurz zu machen, ich habe ein halbwegs ruhiges und sauberes Zimmer für zuviel Geld in einem hässlichen Neubau am Rande von White Sands Beach gefunden. Mit einem sehr freundlichen thailändischen Besitzer.
Aber bereits mein abendlicher Spaziergang durch den Ort hat Fluchtgedanken ausgelöst. Eine Bar an der anderen, manchmal mehrere hintereinander, laute Kakophonie, die Läden heißen: Sweet love, cheeky bar, nice nice….. Zu essen gibt´s homemade Schnitzel, „deutsche Wurst, Butter, Käse“, Kebap, Burger, danish food, english porridge….und ein bisschen Thaifood. Der Ballermann in Thailand!
Ich setze mich in ein kleines Minirestaurant am Ende des Ortes. Thailändisch ist hier nur die hübsche Bedienung, Freundin des jungen bayrischen Besitzers. Nach zehn Minuten platzen fünf alte, lautbrüllende Kerle herein: die lieben Freunde aus dem Freistaat. Und die Herren sind, man verzeihe mir meine Abfälligkeit, dümmste alte Dorfdepps, die in ihrer Strandverkleidung wie ihre eigenen Karikaturen wirken. Mir reichtś, ich geh ins Bett.
Am nächsten Tag bleibt mir nur der Nachmittag, nachdem ich vorher getan habe, weshalb ich gekommen bin. Ich gehe zum Strand und muss fast drei Kilometer wandern, bis nur noch erträglich viele Menschen um mich herum liegen. Der Strand ist lang und weiß, aber einfach viel zu voll. Am Abend verwandelt er sich in eine von tausend Lichtern hübsch beleuchtete lange Restaurant Meile, wenn alle angrenzenden Gastronomen ihre Tische, Teppiche, Matten und Sitzkissen inklusive Lampions und Kerzen herausgeräumt haben. Das sieht sogar richtig hübsch aus, ist aber Business pur.
Auf dem Heimweg muss ich aufpassen, hier sind Taxen, SongTaews, Autos und jede Menge Roller unterwegs, viele davon mit alkoholisierten Fahrern. Ich weiß wohl, dass es sicher auch ein paar schöne Plätze hier gibt und auch der Dschungel im Inneren der Insel Spannendes zu bieten hat, aber der größte Teil der besiedelten Ostküste ist einfach hoffnungslos zugebaut und verschandelt.
Ich habe nach meinem schlechten Start und dem ebenso unschönen zweiten Eindruck aber weder Lust und Geduld, nach dem verborgenen Schönen der Insel zu suchen, zumal sie sehr weitläufig ist und ohne Gefährt schlecht zu erkunden. Und einen Roller würde ich hier auf keinen Fall fahren: zu schwierige Straßen, zuviel Verkehr, zuviele Verrückte und Betrunkene auf Rollern und in Autos.
Ich bin sehr zufrieden, dass ich hier das tun konnte, was ich mir vorgenommen habe. Aber darüber hinaus habe ich keine Lust mehr, länger hier zu bleiben und sehne mich nach meiner kleinen verschlafenen Insel Koh Kood, gut zwei Stunden von hier! Das Bootsticket ist gekauft!

8 – Fauler Tag in kleiner Stadt

Frühstück. Endlich mal wieder Eier…das ist das Einzige, dass sich Thais darunter vorstellen, wenn man nicht Suppe oder Reis isst. Würde ich viel lieber, aber die kleinen Pensionen machen das meist nicht, weil die Touristen immer europäisches Frühstück wollen. Also Eier…
Ich werde heute auf das Fahrrad umsteigen, auch wenn ein entscheidendes Körperteil dagegen ist. Aber sonst ist mein Bewegungsradium zu sehr eingeschränkt.
Gestern habe ich mich entschlossen, heute abzureisen. Spontan wie immer. Zunächst hatte ich vor, die Küste entlang über Hua Hin weiter nach Norden und dann nach Osten in Richtung Trat zu fahren. Von dort will ich dann per Boot auf die Insel Koh Chang. Allerdings erweist sich der Plan als kompliziert, zeitraubend und voraussichtlich anstrengend. Außerdem würden die letzten fünf Stunden wieder Minibus bedeuten – Grund genug, mich anders zu entscheiden.
Absurderweise geht es schneller, wenn man die deutlich weitere Strecke nach Norden, zurück nach Bangkok, und von dort wieder nach Südosten, nach Trat wählt. Und das bestechende daran ist für mich zudem, dass ich vielleicht Nachtzug fahren kann. Falls es noch eine Karte gibt.

So ist mein erstes Ziel gleich um acht Uhr der Bahnhof. Und ich habe Glück, es gibt ein freies Bett! Alles klar. Alles weitere werde ich in der Früh in Bangkok regeln. So bleibt mir jetzt noch ein ganzer Tag bis elf Uhrr abends.
Zeit, um das Strandleben der Stadt zu erkunden.

Nach einer kleinen neugierigen Stadtrunde will ich zum ca fünf Kilometer entfernten Lieblingsstrand der Thais am Wochenende. Einer von drei Stränden in der Nähe. Pratschuap Khiri Khan liegt an gleich drei großen Buchten. Der Lieblingsstrand der Thailänder ist der Ao Manao Beach. Da Montag ist, hoffe ich auf wenig Leute und radle los.
Ich unterbreche aber gleich nochmal für eine Stippvisite auf dem lokalen Markt. In einer nach vorn offenen Markthalle wird hauptsächlich Essbares verkauft, vor allem alles, was man an Fisch und Meeresgetier trocknen und als Gewürz benutzen kann. Daneben Gemüse, Fisch und Fleisch.
Mitten aus den vollgetopften Marktständen blickt immer wieder huldvoll und distanziert der blumenumkränzte König. Allerdings oft noch der vor zwei Jahren verstorbene Bhumipol. Sein Sohn ist dem Vernehmen nach nicht sehr beliebt. Außerdem regiert er zwar bereits, wird aber erst im Frühjahr offiziell gekrönt.
Es ist heiß und der Fischgeruch sehr intensiv, so fahre ich lieber weiter. Die Stadt endet und der Weg führt weiter durch eine Militärbasis. Nicht daran vorbei, sondern die Straße führt mittendurch. Jeder, der hier entlang will, wird gewissenhaft registriert, danach ist alles ganz unkompliziert, man darf nur die Straße nicht verlassen. Kilometerweit geht es nun durch die Luftwaffenbasis, vorbei an Soldaten- und Offiziersunterkünften, Sportplätzen, Hallen, einer Schule für die Kinder und sogar quer über Start- und Landebahn. Nur die Flugzeuge sind offenbar gut versteckt. Ist schon etwas seltsam.
Der Strand Ao Manao erstreckt sich über circa zwei Kilometer entlang der geschwungenen Bucht. Ein schmaler Sandstrand wird eingefasst von einem lichten Wald, in dem viele kleine Getränkebuden Liegestühle und Tische im angenehmen Halbschatten bieten. Da Montag ist, ist auch die Besucherschar übersichtlich und besteht aus Touristen, vornehmlich Rentner und ganz junge Familien mit Kleinstkindern.
Der Strand selbst ist zwar klein, aber sehr feinsandig und voller Muscheln – ein Paradies für Sammler. Das Meer ist sauber, durchscheinend und flach. Was das Ganze ungewöhnlich macht, ist die Kulisse, auf die man blickt: Aus dem Meer erheben sich links und rechts steile Sandstein-Inseln, die völlig mit Urwald bewachsen sind. Ein Ort, wo man gern den Blick auf Weite einstellt und einfach nur so dasitzt, vorzugsweise im seichten Wasser.
Als die Sonne hinter den hohen Bäumen versteckt ist, laufe bis zu Strandende, sammle ein paar Muscheln und schwimme eine große Runde im lauwarmen Meer.

Auf dem Rückweg beoachte ich noch ein paar Languren-Affen in einem Wäldchen in der Luftwaffenbasis. Die sind wirklich zu süß mit ihren weißen Kreisen um Augen und Schnauze und im Gegensatz zu den anderen Affen am Spiegelberg sind sie auch überhaupt nicht aufdringlich.
Ich trödle noch ein wenig durch die Stadt, die zwar geschäftig, aber dennoch völlig entspannt ist. Ein bunter Tempel ist das einzig auffallende Bauwerk. Ich gönne mir die erste Thai-Massage, seit ich im Land bin. Heftig, aber gut! Danach Abendessen für einen Euro auf dem Nachtmarkt und faul vor meinem Guesthouse sitzen bis die Zeit gekommen ist, Abschied zu nehmen. Von dieser angenehmen Stadt und meiner netten Wirtin, die mich die rund fünfhundert Meter mit dem Roller zum Bahnhof fährt – erst mich, dann die dicke Reisetasche.
Am Bahnhof warten ein paar Tuktuks auf ankommenden Gäste, das Pendent zum Taxistand am Berliner Hauptbahnhof, und ein paar Einheimische, die nach Bangkok wollen. Wie immer ist der Nachtzug aus dem Süden zu spät, ab er diesmal nur 45 Minuten.

Trotzdem – ich liebe diese alten lila-goldenen Nachtzüge, die noch aus einer anderen Zeit stammen. Ich fahre immer zweiter Klasse. Man steigt ein und steht in einer grünen Welt, irgendwie erwarte ich immer, dass Neptun gleich um die Ecke schaut. Ein langer Mittelgang führt an unzähligen glänzenden grünen Vorhängen vorbei, hinter denen sich, in Fahrtrichtung ausgerichtet, die komfortablen Betten in zwei Etagen wie winzige Zimmerchen verbergen. Unten teurer als oben, da geräumiger.
Ein mürrische Schaffnerin drückt mir Kissen und Decke in die Hand und schon beginnt die gemütliche, schaukelnde Fahrt nach Bangkok…und in den Schlaf.

7 – Easy Rider

Frühes Aufstehen ist hier meine beste Kür, Schlaf völlig überbewertet. So bin ich schon um kurz nach sieben bereit für mein Frühstück, was hier inklusive ist. Wer hier reist und ungern Eier mag, hat es eher schwer. Also wähle ich aus, ob Rührei, Spiegelei oder Omelett, dazu gibt’s Toast, Marmelade und Obst. Und guten Kaffee. Reicht bei der Hitze, die schon am frühen Morgen loslegt.
Für heute habe ich große Pläne: Ich will in den Nationalpark Khao Nam Roi Yot, der zwischen den Städten Hua Hin und Pratchuap Khiri Khan an der Küste liegt. 100 Quadratkilometer geschützte Landschaft, inklusive Berge und Meer. Ich habe tolle Bilder von Höhlen gesehen, die sind mein Ziel. Der Lonely Planet hat mir diesem Ausflug schmackhaft gemacht. Und da auch sein Tipp, nach Pratchuap Khiri Khan zu fahren, gut war, vertraue ich ihm.
Ich habe nur zwei Möglichkeiten, dorthin zu kommen: mit dem Taxi oder dem Roller. Man muss mich nicht besonders gut kennen, um zu wissen, wie ich mich entschieden habe, obwohl ich diesmal gezögert habe, immerhin sind es fünfzig Kilometer dorthin. Trotzdem…
Olé hat mir einen Roller organisiert, einen, der ein bisschen kräftiger und schneller ist, schließlich geht es auch in die Berge. Um halb neun bin ich schon unterwegs. Zuerst rund 30 Kilometer auf dem Highway. Keine Frage, dass das hier erlaubt und normal ist. Es gibt sogar eine Bike-Spur. Allerdings ist die öfter nicht befahrbar: Mal parken hier Fahrzeuge, mal liegen Tiere herum, mal sind irgendwelche Gegenstände oder zerfetzte Reifen im Weg. Gelegentlich kommen auch andere Roller oder Lastenfahrzeuge als Geisterfahrer auf einen zu: Sie haben keine Lust, bis zu einer offiziellen Wendestelle zu fahren, um an ihr Ziel zu kommen.
Zuerst macht mich das ziemlich nervös, bis ich feststelle, dass die Autos, große LKW inklusive, damit rechnen und das ganz normal finden, dass man auf deren Fahrbahn einbiegt. Ein Hoch auf die gegenseitige Rücksichtnahme. Beeindruckend. Obwohl es schon ein seltsames Gefühl ist, neben so einem Sattelschlepper herzufahren.
In der Stadt Kui Buri führt mich das GPS auf Landstraßen. Lästig, wenn man immer extra anhalten muss, um auf das Handy zu schauen. Aber es klappt. Hier ist zwar angenehm wenig Verkehr, aber dafür wird die Straße immer schlechter. Vor allem hat sie tiefe Löcher… Ich bin schon lange unterwegs, als das Navi links abbiegen befiehlt. Die Straße wird zum Sandweg, dann Schotter und schließlich kaum befahrbarer ausgewaschener Lehmboden. Eine echte Herausforderung für mich. Ich zweifle, aber das Navi behauptet immer noch Recht zu haben. Nach ein paar Kilometern Geländefahrt durch Felder reicht es mir, ich wende und fahre auf die Straße zurück.
Und was macht das Navi? Blinkt unschuldig und behauptet immer noch dasselbe. Ich fahre einfach die alte Straße weiter und siehe da, auf einmal stimmt mir das Ding zu. Ich bin gefühlt schon durch Zentralthailand gefahren, als endlich ein erstes Hinweisschild in lateinischen Buchstaben auf den Nationalpark verweist. Am Horizont tauchen jetzt beeindruckende Berg-Formationen auf. Endlich habe ich die erreicht und irgendwann komme ich dann, nach Stunden auf dem Roller, auch an.
Geschafft, denke ich…. Ich kaufe mir eine Eintrittskarte, bekomme eine niedliche übersichtliche Karte mit den drei Höhlen und diversen Stränden. Ich gönne mir noch einen geeisten Cappuccino und als ich wieder aufsteigen will, ist mein Roller besetzt: von einem Affen, der mich böse anfaucht und die Zähne fletscht, als ich mich ihm nähern will. Das ist mir nun doch unheimlich und ich hole den einzigen Rancher, den ich finden kann: geschätzte achtzig Jahre alt. Aber – er verscheucht little Kingkong.
Weiter geht’s, die Karte sieht harmlos aus und die Landschaft mit den steil aufragenden bewaldeten Kalksteinbergen ist sehr schön. Irgendwann zweifle ich aber dann doch und halte an einem Dörfchen, um zu fragen. Achselzucken, trotz thai Karte. Weiter gehtś, irgendwann kommt endlich eine Werbung für die Höhlen. Aber kein Abzweig….
Um es abzukürzen: ich fahre und fahre, werde von freundlichen Menschen, die offensichtlich zwar helfen wollen, aber keine Ahnung haben, im Kreis geschickt über die aberwitzigsten Straßen und Wege, am Strand vorbei, an Feldern, Bergen, Wald. Wenig hilfreich ist dabei, dass die Ortsschilder nur in Thai geschrieben sind. Irgendwann entdecke ich dann ein Schild – in der Gegenrichtung. Noch eine ganze Ecke später habe ich es dann tatsächlich geschafft: es ist zwar eine andere Höhle als die, die ich gesucht habe, aber das ist mir völlig egal, ich will nur ankommen und absteigen.
Gefunden habe ich die Phraya Nakhon Höhle, die wohl berühmteste des Parks. Der Weg dahin führt über einen sichtlich bröckeligen steilen Pfad, den man nur mit ausgezeichneter Kondition gehen soll, über eine Stunde soll die Wanderung dauern zu dem Berg, in dem sich die Höhle befindet. Oder man zahlt 200 Baht für eine kurze Bootsfahrt in die nächste Bucht. Angesichts der Hitze und des ohnehin zu erwartenden Anstiegs dann doch lieber der Griff zum Portemonnaie.
Die nächste Bucht ist von einem schneeweißen Sandstrand begrenzt, dahinter spendet ein lichter Wald Schatten für die Nationalparks- Lodge, die ordentlich teuer ist. Dahinter beginnt der Pfad zur Höhle. War gerade noch alles eben, macht schon ein Blick auf die ersten Meter klar: Das wird anstrengend!
Steil windet sich der felsige Pfad, dessen Steine und Felsbrocken zwar mit Zement befestigt sind, der aber nichts daran ändert, dass das Klettern über die unterschiedlich großen Steine und Wurzeln extrem anstrengend ist. Mich tröstet anfangs der Gedanke, dass es nur 580 Meter sein sollen. Mit wachsender Höhe macht sich dann eine gewisse mit Verbissenheit gepaarte Verzweiflung breit.
Das Wasser rinnt am Körper wasserfallartig herab, die Waden schmerzen, die Fussgelenke brüllen… Irgendwann muss doch mal Schluss sein! Um mich herum herrscht Keuchen und Schweigen, jeder ist mit sich beschäftigt. In meinem Hinterkopf entwickeln sich destruktive Gedanken wie: Vergiss die blöde Höhle, setz dich einfach hin und dann zurück…Aber der Stolz siegt: Gefühlte fünf Kilometer weiter ist es geschafft.
Der Höhleneingang! Zuerst geht es noch kurz steil nach unten, dann beginnt die Höhle: mit einem weiteren zwar nicht allzu langen, aber glitschigen Pfad nach unten. Dann erst hat man die erste hohe Höhle, die zwei große Lichteinfallstunnel gen Himmel hat. Richtige Bäume wachsen hier! Und links von mir zeugen glitzernde Stalagtiten davon, dass hier mal ein Wasserfall war.
Weiter geht es durch einen engen Felsdurchgang in die zweite Höhle. Der Anblick ist einfach unglaublich! In einer riesigen, hohen Höhle erreicht. Durch ein Loch fällt Sonnenlicht ein. In der Mitte steht auf einem Hügel ein kleiner Pavillon, der hellblau, gold und rosa strahlt. Es ist fast ein wenig unwirklich. Hier tief im Berg ein solches Bauwerk! Dafür hat es sich gelohnt.
Der Kuha Karuhas Pavillon wurde 1890 für den Besuch Rama V. gebaut. Seitdem darf sich nun jeder daran freuen, der es hier hoch schafft. Ich baue noch einen kleinen Steingott aus Geröllsteinen auf einen Steinbrocken, ruhe mich andächtig schauend etwas aus. Als mein Körper wieder Normaltemperatur erreicht hat, mache ich mich an den Abstieg und freue mich, dass ich gerade die Phraya Nakhon Höhle als erste gefunden habe, denn mir schwant bereits, dass ich angesichts der Ausdehnung des Parks die anderen beiden Höhlen nicht mehr zu sehen bekomme.
Völlig erschöpft lasse ich mich am Strand ins seichte, blassblaue Meer fallen. Ich habe zwar mein Badezeug vergessen, aber ich bade auf Thai-Art: Mit T-Shirt. In meinem Rucksack steckt noch eine Bluse zum überziehen, die kann ich später anziehen. Aber ohne Bad und ein Power-Nickerchen am Strand schaffe ich die stundenlange Rückfahrt nicht.
Per Boot geht es wieder zurück, beinahe hätte ich noch ein zweites Vollbad samt Rucksack und Kleidung genommen. Die Boote legen nicht an, sondern warten im knietiefen Wasser, wo die Passagiere dann mit einem wackeligen Turnakt einsteigen müssen, ohne Treppe oder sonstige Einstiegshilfe. Wieder an Land schlürfe ich noch eine frische Kokosnuss. Sonst werden hier überall Frucht-Smoothies frappé angeboten, aber das ist meistens mehr crushed ice als Frucht. Aber Kokosnuss ist Kokosnuss!
Danach heißt es: Helm auf und los! Als ich einen Fluss überquere, entdecke ich einen schwimmenden Markt: hübsche, bunte Holzboote, beladen mit Früchten und Gemüse und fertigen Speisen. Ich betrachte das ganze eine Weile von der Brücke, aber ich will mich nicht mehr allzu lange aufhalten.
Tatsächlich finde ich auch noch die dritte Höhle, die am nächsten zum südlichen Ende des Nationalparks liegt, aber wie schon befürchtet, lässt man mich nicht mehr ein. Aber so richtig böse bin ich nicht, habe ich doch die wahrscheinlich schönste gesehen und noch einen weiten Rückweg vor mir.
Diesmal sucht mir das GPS einen anderen Rückweg. Und der entspricht irgendwie mehr meiner eigenen Orientierung. Und irgendwann, nach gefühlten 20 Kilometern blinden Vertrauens, taucht sogar mal ein Schild mit lateinischen Buchstaben nach Kui Buri auf – der Stadt zwischen Park und meinem Ziel, also düse ich beruhigter weiter, hatte ich doch schon befürchtet die ganze Strecke zurückzumüssen. Endlose Weiten, Felder, Plantagen…. Gute Fahrbahn, löcherige Landstraße….ich komme mir schon vor wie der lonely rider von Thailand. Bloß gut, dass das Bike etwas mehr power hat, sonst würde ich wahrscheinlich nie ankommen.
Endlich der Highway! Jetzt noch mal konzentrieren und ein bisschen mehr Gas, ich habe keine Lust, im Dunklen zu fahren. Die Laster neben mir beunruhigen mich weniger als die Geisterfahrer auf meiner Spur…Mit untergehender Sonne passiere ich endlich das wunderbare Stadttor.
Ich halte noch am Nachtmarkt an und speise lecker für einen Euro. Preise wie früher in Thailand – ganz anders als auf den Inseln heute. Da ist es zwar für uns auch nicht sehr teuer, aber im Vergleich kostet es dort schon mal locker das Mehrfache.

Eine Viertelstunde später steigt Bikerqueen vor dem Guesthouse ab. Ich muss mich bemühen, normal zu laufen, denn ehrlich gesagt, tut mir der Hintern weh, als wäre ich den ganzen Tag auf dem Pferd unterwegs gewesen.
Ich werde mit einem allseitigen „Good Job, Madame“, begrüßt, denn hier weiß jeder alles und so wissen auch alle von meinem großen Ausflug. Einer der Herren nimmt mir das Tanken und Roller- Abgeben ab. Mir bleibt nur noch, nebenan ein Bier zu holen und mich tief zufrieden in den Liegestuhl fallen zu lassen. Olé schiebt mir noch einen Hocker unter die Füße und gemeinsam beobachten wir das träge abendliche Leben in der Baan Khlang Soi.

6 – Welcome to Pratchuap Khiri Khan

Mein bestelltes Motorrad ist chon eine halbe Stunde zu früh da…. Uralter Opi, freundlich und fast zahnfrei grinsend. Konnte wahrscheinlich nicht mehr schlafen. So bleibt mir am Pier noch Zeit, mir einen sticky rice für ein späteres Frühstück zu kaufen. Das Speedboat kommt pünktlich von Festland, ich frage mich, wie da 35 Passagiere samt Gepäck raufpassen sollen. Aber wie immer geht das, allerdings ist das beladen und Einsteigen nicht für Ältere oder Behinderte vorstellbar, es ist ein echter Balance-Akt!
Das Boot rast über das Meer, den Bug steil in den Wind, so dauert es nur gute vierzig Minuten, statt zweieinhalb Stunden mit der Fähre. Kaum angelegt brüllt auch schön ein Mann „To Bangkok!! To Pratchuap Khiri Khan“. Niemand sagt einem, wie es geht, aber es funktioniert. Per Van werden wir vier Passagiere zum Busbahnhof gekarrt. Und eine gute dreiviertel Stunde später geht die Minibus-Reise dann los. Zumindest sieht der Fahrer noch einigermaßen vertrauenerweckend aus, das ist bei diesem Berufsstand schon mal was. Und ich brauche nicht mal das angedrohte zweite Ticket für meine Reisetasche zu bezahlen…
Alles Thais, außer mir. Er lädt zehn Minuten später noch Frau und Kind ein, kommen mit Sack und Pack auf den Beifahrersitz. Neben mir setzt sich eine ältere Frau neben einen älteren Mann, beide kennen sich nicht. Aber sie unterhalten sich die nächsten vier Stunden, bis der Mann aussteigt, ohne Punkt und Komma. Und das laut. Und ehrlich gesagt, bohrt sich lautes, schnelles Thai mächtig in die Gehörgänge. Aber immerhin habe ich es in die zweite Reihe geschafft – Kenner wissen: etwas mehr Beinfreiheit und Zugriff auf die Schlitze der gnadenlosen Klimaanlage!
Trotzdem werden es lange fünf Stunden, bis wir endlich ankommen. Die Route führt einmal quer durch das Inland von einer Küste zur anderen. Und wieder: Grün, grün, grün in tropischer Dichte. Mal Wald, mal Kokosplantagen, mal Obstbäume. Wenn ich eine Farbe nennen sollte, die ich mit Thailand verbinde, dann ist das Grün. In Brasilien wäre es eher: Bunt. Aber hier nicht.
Unterwegs habe ich mir eine Guesthouse-Adresse aus dem Netz gefischt. Am Busbahnhof von Pratchuap Khiri Khan springt ein Taxifahrer auf mich zu. Er will 250 Baht. Am Ende einigen wir uns auf 180. Manchmal ist diese Handelei anstrengend.
Der Weg in die Innenstadt führt durch eines dieser riesigen bunten, goldglänzenden Tore mit Gottheiten und Fabelwesen, wie ich sie schon oft hier gesehen habe. Die sehen wirklich sehr schön aus! Ein kleines bisschen aber auch nach Disneywelt… Nach kurzer Fahrt setzt das Taxi mich in einer kleinen Nebenstraße vor dem Guesthouse ab. Die Wirtin schaut überrascht: You booking? Nö, aber will Zimmer. Kein Problem, eins der vier ist frei. Während das ladenähnliche, zur Straße wandlose Untergeschoss eher schäbig aussieht und ich auf dem Weg nach oben Zweifel bekommen, weil „heruntergekommen“ wohl der richtige Begriff ist, bin ich total erstaunt, als ich das Zimmer sehe. Blitzsauber, einfach, aber nett eingerichtet. Es gibt zwar nur ein Klo unten für das ganze Haus, aber was sollś.
Und irgendwie mag ich Olé, die hagere, lebhafte Wirtin, die so gern lacht, ihren langhaarigen Bruder, der wie ein Musiker aussieht, und ihren Mann(?). Es gibt vier Tische vor und in der improvisierten Lobby, die Hälfte auf dem Bürgersteig.

Ausschankgenehmigung hat sie offensichtlich keine, Bier und ähnliches wird mal eben klammheimlich nebenan durch ein Gitter aus einem Privathaus verkauft. Aber eine kleine Espressomaschine hat Olé! Yeah!
Ich bin total erledigt, sie quetscht mich in den Liegestuhl vor dem Haus und macht mir einen riesigen geeisten Cappuccino. Nach einer halben Stunde bin ich wieder fit. Sie vermietet mir ein Fahrrad, das erstaunlicher Weise mal Erwachsenengröße hat. Nur die Vorderbremse hat’s in sich: Einmal bremsen, fast über den Lenker gegangen. Keine Bremse, eine Sofortblockade. Hier ist das irgendwie Prinzip, wenn man irgendwas mietet: Im Prinzip funktioniert alles, ABER….. irgendetwas ist immer.
Ich drehe eine Kennenlernrunde durch diese gemütliche und tatsächlich noch erstaunlich authentische kleine Stadt. Ich sehe zwar Touristen, aber um die wird kein Wirbel gemacht, die müssen sich einpassen. Die Atmosphäre ist angenehm entspannt.
Mein erster Weg führt zum großen Tempel. Es ist bereits Sonnenuntergang und das Gold werden angestrahlt – ein wunderschöner Anblick. Ich höre den schon bekannten Singsang einer Messe. Menschen kommen, knien vor einem kleineren Buddha vor dem Eingang nieder und legen kunstvolle Blumengestecke und Räucherstäbchen ab.

Hinter dem Tempelgelände erhebt sich ein Berg, auf dessen Kuppe ein riesiger weißgoldener Tempel prangt. Khao Chong Kra Chok heißt dieser Tempelberg, den man über 396 steile Stufen auch erklimmen kann. Aber bei der Hitze habe ich dazu nicht wirklich Lust, und auch von hier unten ist der Anblick beeindruckend.
Ich fahre weiter, vorbei am Blumenmarkt, der am Rand dieser Hauptstraße aufgebaut ist, was trotz des fließenden Verkehrs irgendwie funktioniert. Ich fahre unten am Tempelberg entlang zu Meer. Und auf einmal traue ich meinen Augen nicht: der Berg scheint zu leben! Tausende Affen rasen die steilen Hänge hoch und runter und bevölkern auch die Straße. Mir ist das etwas unheimlich, so lustig das aussieht, denn ich weiß, dass die Affen in Asien oft ziemlich frech und aggressiv sind. Aus gebotener Distance schaue ich dem Treiben eine Weise zu, bevor ich mich wieder auf das Rad schwinge und brav im Linksverkehr weitergondele. Vor mir das abendlich graue Meer und am Horizont links und rechts hoch aufragende Felseninseln. Ein schöner Anblick!
Mein eigentliches Ziel ist der Samstags-Nachtmarkt auf der Strandstraße. Gerade ist es dunkel genug, dass die Buden ihre Lichterketten und Lampen einschalten, diesen Anblick liebe ich. Es gibt auf diesem besonderen Wochenendmarkt eine Menge Buden, die Taschen, Technik und Bekleidung anbieten, das gehört eigentlich nicht zu den traditionellen Nachtmärkten.
Meine Motivation herzukommen ist eine andere: Nirgends isst man so gut und billig in Thailand, wie auf den Nachtmärkten. Hier gibt es alles von Meeresfrüchten, über Fleisch – gegrillt, gekocht, gebacken, vegetarisches Essen, Teigtaschen, Gemüse, Obst, Suppen und so weiter bis zu knallbunten Nachtischen. Leider fehlen diesem Nachtmarkt die provisorischen Tischchen, an denen man sonst essen kann. So bekommt man hier alles in Styropor, Plastik oder meistens einfach Plastiktüten (bis zu den Suppen und Soßen!) und muss dann sehen, wo und wie man das essen kann.
Ich entscheide mich für die Kaimauer. Allerdings habe ich so meine Probleme mit fünf Tüten voller matschiger oder flüssiger Speisen. Die Ente und die Fleischspießchen sind ja noch zu händeln, aber der Rest gestaltet sich eher schwierig. Es schmeckt phantastisch, aber ich sehe aus wie eine Zweijährige nach dem ersten Messer- und Gabelversuch… trotzdem lecker!
Den Rest des Abends verbringe ich nach einer weiteren kleinen Fahrradrunde im Liegestuhl vor dem Baan Khlong Son Guesthouse. Es ist irgendein Feiertag und die Thais sitzend trinkend und feiernd draußen, die Stimmung ist prächtig. Die Musik kommt aus dem Bluetooth-Lautsprecher.

Verrückt: ich sitze mit einem großen Chang im Liegestuhl in einer Straße mitten in einer Thailändischen Kleinstadt und höre Louisiana-Blues! Wieder so ein besonderer Moment, den ich in den Alltag mitnehmen werde…

5 – Inseltour

Eigentlich wollte ich unbedingt ganz früh ans Meer…ganz so früh war es dann doch nicht. Aber ich habe inzwischen von meinem Nicht-Rasta-Opa einen Roller gemietet. Zusammen mit den Italienern will ich die Insel ein bisschen näher erkunden. Mein erster Thailand-Roller-Ausflug nach meinem Unfall letztes Jahr. Aber inzwischen ist alles anders: Ich bin fleißig in Berlin e-Roller gefahren als Mitglied der Emmi-Scooter-Sharing-Gemeinde. Sollte also besser klappen. Und Autos, die einen bedrängen könnten auf den schmalen Straßen, gibt’s keine auf der Insel.
Erst mal ist der Tank leer. Toll. Also, zum hundert Meter entfernten Restaurant schieben, die verkaufen auch Sprit. Inzwischen weiß ich ja, wonach ich suche. Wo Tankstellen fehlen, verkaufen Läden und Restaurants das Zeug, abgefüllt in leere Plastikflaschen. Früher dachte ich, das sei irgendwelches Speiseöl… Das Ganze wird dann mit Hilfe einer weiteren abgeschnittenen Plastikflasche als Trichter eingefüllt und fertig.
Und los gehtś. Die schmale Straße ist zwar theoretisch mit Betonplatten befestigt, aber die haben ordentliche Löcher, da heißt es aufpassen. Ich komme gut beim Guesthouse der beiden an. Erst noch eine kleine Runde Strand und dann gehtś los.
Zuerst zum Hafen, denn ich will morgen weiterziehen. Ich habe mir eine kleine Stadt gegenüber an der Golfküste ausgesucht, die noch ganz entspannt sein soll und einen Nationalpark in der Nähe hat. Aber wie kommt man da hin?
Das allwissende Internet nutzt hier in Thailand nur begrenzt. Hier läuft vieles anders. Ich entdecke eine Mini-Agentur von Asianair. Vielleicht wissen die was….Tun sie. Und nicht nur das, entgegen aller Voraussicht kann ich hier nicht nur ein Bootsticket aufs Festland kaufen, sondern die Frau telefoniert dreimal und schon habe ich eine kombinierte Verbindung mit Abholung am Hafen in Ranong und Minivan direkt nach Pratchuap Khiri Khan. Unglaublich – das ist Thailand. Nirgends gibt es einen offiziellen Plan, aber alles geht.
Erstens Ziel ist die entlegendste der drei großen Strandbuchten: Ao Kwam Peen. Zum Eingewöhnen geht es eine Weile über die schmale, aber überwiegend betonierte Inselstraße, wenngleich sich der Belag auch an vielen Stellen soweit verflüchtigt hat, dass die Drahtverstrebungen obenauf liegen oder sogar in netten Schlaufen freiliegend. Rechts und links jede Art von Grün, ein paar Häuser, viele davon Pensionen oder Minirestaurants, außerdem Hühner, Katzen und die allgegenwärtigen Hunde, denen man immer mir gebotener Vorsicht begegnen sollte, auch wenn sie fast immer friedlich sind. Fast…
Die überall in Thailand üblichen Hausaltäre sind hier weniger bunt und glitzernd als in anderen Ecken des Landes, hier sehen sie meist etwas verwittert aus und die Farbe blättert. Aber frische Blumenketten hängen immer daran, übrigens auch an einigen Bäumen am Strand.
Koh Phayam iat eine hügelige Insel, die fast über und über bewaldet ist, Landwirtschaft habe ich keine entdecken können. Tagsüber brütet die Sonne, nachts bleibt es sehr warm – die Zeit der Nachtvögel, die die eigenartigsten Schreie ausstoßen. Und natürlich der Geckos mit ihren seltsamen gackernden Lauten. Trotz wachsender Beliebtheit immer noch eine wirklich beschauliche kleine Insel. Vielleicht nicht mehr die vergessene Hippie-Insel von einst, aber immer noch sehr entspannt.
Schließlich führt die Straße bergan in einen Wald. Von Beton keine Rede mehr, Stufe zwei des Rollertrainings mit wachsendem Schwierigkeitsgrad. Die Spurrillen kreuz und quer in dem festgefahrenen Lehm und die losen Schottersteine flößen mir schon Respekt ein. Als es aber schließlich jenseits der Bergkuppe lehmig-schleimig mit extremen Löchern und Rillen steil bergab geht, links nur noch Bäume und Steilhang, drapiere ich mein kleines Gefährt dezent zwischen den Bäumen und wandere hinter meinen vorausfahrenden Gefährten her.
Unten erwartet uns eine mit hohen Urwaldbäumen bewachsene weitere schöne sichelförmige Strandbucht. Ein paar Zelte verstecken sich zwischen Büschen und weiter hinten kleben ein paar kleine Bungalows am Hang. Hier steigen offenbar alle ab, die hinterher erzählen, dass sie ganz weit weg von allem in der puren Natur gewohnt haben. Und sie sehen auch so aus: Blonde Rastalocken, verstrubbelte Haare, viele Tücher, leicht abgerissen, die weiße Haut rot von der Sonne, in Tragetüchern herumgeschaukelte Babies. Oft ein eher etwas ungesundes Aussehen, warum auch immer. Einziger Verpflegungspunkt ist ein Strandrestaurant.
Aber es ist wirklich wunderschön, das blaugrüne Wasser, die üppigen Bäume und Pflanzen, die knorrigen Wurzeln der alten Bäume, die bis ins Wasser reichen. Aber für einen ganzen Urlaub hier wäre mir das dann doch zu abgelegen. Abgesehen davon, dass angesichts der ewigen Tagesbesucher von echter Abgeschiedenheit nicht die Rede sein kann. Wir schlürfen eine kalte Kokosnuss, blinzeln auf´s Meer und machen uns auf den Rückweg – erstmal zu Fuß, die beiden haben ihren Roller auch vor dem letzten halsbrecherischen Wegstück stehen lassen. Aber hier fahren wirklich ein paar Verrückte, zum Teil zu dritt auf einem Roller, mit Kind, mit dem Bike rauf und runter….
Eine knappe Stunde gemütlichen Cruisens später sind wir an Koh Phayams größten Strand Ao Yai. Die Strandbucht gehört zu den längsten, die ich je gesehen habe, je nach Gezeiten auch extrem breit oder nur normal breit. Strahlend weißer Zuckersand. Palmen und hohe Bäume mit extrem langen Nadeln, Lianen und wieder Mangroven spenden Schatten für die vielen Bungalowanlagen, die sich angenehm dezent im Grün verstecken. Etliche Restaurants und Strandbars stehen zur Auswahl.
Aber das klingt anders als es tatsächlich aussieht, trotz der vielen Unterkünfte und eben auch Menschen, wirkt der Strand nicht voll. Er ist einfach so groß, dass er das alles schluckt. Trotzdem stelle ich für mich fest, dass mir unser Hausstrand, der Buffalo Beach, am besten gefällt.
Ich liege unter ein paar hohen Bäumen und beobachte kleine gelbschwarze Kolibris, bis ich einnicke. Dann ein ausgiebiges Sitzbad, denn auch hier ist das Wasser flach. Und auch hier – trotz Tourismus: keine Jetskis! Übrigens habe ich außer den Longtailbooten hier auch noch keine Yachten gesichtet. Das erscheint mir eher ungewöhnlich. An allen Stränden fällt auf, dass es sowohl am Ufer selbst wie auch im Wasser sehr sauber ist. Kaum der sonst übliche Plastikmüll. Schön, dass es das noch gibt.

Übrigens kann man hier an versteckten Stellen auch noch gelegentlich Moken antreffen, die Seenomaden der Andamanensee, die fast das ganze Jahr auf dem Wasser leben und fast nur zum Handeln oder bei Unwetter an Land kommen.
Hunger! Das Bamboo, ein ausgesprochen nettes Restaurant mit einer großen Holzterrasse, stillt unsere kulinarischen Bedürfnisse auf das Angenehmste. Träge schwatzen wir dem Sonnenuntergang entgegen, erscheint uns doch diese gigantische Bucht, mit dem mittlerweile wegen der beginnenden Ebbe bereits fast 100 Meter breiten spiegelnden Strand, als Must-See-Kulisse für den nahen Sonnenuntergang. Und wir werden nicht enttäuscht….So schön, so kitschig, so bunt! Man kommt sich wiedermal ganz klein vor. Übrigens hängt die Mondsichel hier immer wie eine Schaukel nach unten, selbst die ist hier eben anders.
Wir müssen zurück, meine Rollermiete läuft ab, die beiden haben einen Tag mehr Zeit. Das Abendessen ist in einem Restaurant mit offenem Grill geplant, da werde ich wohl mit Taschenlampe hinwandern müssen…Aber der Rasta House – Chef, der unsere Verabschiedungs- und Verabredungsszene, laut furzend, von seiner Hängematte aus beobachtet, winkt mich huldvoll zu sich, um mir zu sagen, dass er mir zwei Stunden Miete schenkt und ich mit meinen Freunden essen fahren soll. Nett!
Mit gegrilltem Snapper und Barracuda geht dieser schöne letzte Tag zu Ende. Abschied von neuen Freunden und schon wieder Taschepacken. Noch ein letzter Kampf mit dem Ventilator und ein Tète a Tète mit einer süßen Eidechse in meiner Dusche und dann schließt sich das rosa Moskitonetz zum letzten Mal um mich.

4 – Koh Phayam, Island in the Sun

Die alte Hippie-Insel Koh Phayam empfängt mich mit schräger Abendsonne am Pier. Hier zeugen einige Restaurants und Läden von der endgültigen Ankunft des Toursismus, aber alles eher klein. Ein beherzter Motorrad-Taxi-Opa schwingt sich meine große Reisetasche vor zwischen die Beine und mich hintendrauf. Ich habe noch eine Stunde, bevor wir in See gestochen sind, schnell ein Guesthouse gebucht, dafür bin ich jetzt sehr dankbar, da meine Verfassung längeres Suchen sehr unangenehm machen würde.
Nach fünfzehn Minuten Fahrt durch viel Grün haben wir in einer offensichtlich sehr ruhigen Ecke der Insel das Rasta-House erreicht. Falls ich es noch nicht erwähnt habe, viele Thais haben durchaus einen Faible für Raggae, daher sicher der Name und die Deko in der offenen Lobby: Bob Marley und ein „Proudly provide: Marihuana, sponsert by…umm: forgotten“– Plakat. Lustigerweise sind die Besitzer ein altes Ehepaar und so gar nicht hippie…
Ich darf einen schönen Bungalow auf Stelzen beziehen, einfach, sauber, aber: Klimaanlage benutzen verboten, ist nicht in meinem Preis enthalten. Macht nix, kann ich eh nicht leiden. Nur leider ist der Ventilator sehr alt, den kann man nur noch ganz an oder ganz aus machen. Auch egal, nur einfach auf das Bett legen, in das rosa Moskitonetz mit Spitzenoptik starren und ausruhen….
Zum Abendessen bin ich soweit regeneriert, dass ich das nächstgelegene Restaurant (eins von zweien hier) aufsuche und um eine klare Hühnersuppe mit Reis und Gemüse bitte. Steht nicht auf der Karte, wird aber natürlich gemacht. Hier läft das so: man wartet ziehmlich lange auf das Bestellen, denn es wird jeeweils eine Bestellung angenommen und die wird dann von mama erstmal abkekocht. Dann gehts weiter, dann hat man die Köchin exklusiv. In Westeuropa läuft das unter: Entschleunigung.

Da es nur vier Tische gibt, setzt sich später ein italienisches Paar an meinen Tisch. Sie verraten mir auch gleich, wo der Strand ist. Jetzt ist es allerdings stockfinster und Straßenbeleuchtung gibt es hier nirgends. Nur Bäume, ein paar wenige Häuser und jede Menge Nachtvögel und wilde Hunde. Die einzigen Fahrzeuge sind hin und wieder die allgegenwärtigen Motorroller, aber auch die verstummen gegen neun an diesem einsamen Inselende.
Am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder schön aus, mir geht es wieder gut. Ich bin noch ein bisschen lahm, mache mich aber dann auf zum Strand, ausgerüstet mit Hängematte und Buch. Ein etwa 500 Meter langer Sandweg führt durch den Wald zum Buffalo Beach. Und der Blick, der sich auftut ist einfach umwerfend!
Eine ebenso langgezogene wie tiefe, strahlend weiße Strandbucht, von Mangroven und andere Bäumen gesäumt, in der sich ein hellblaues Meer kräuselt. Am südlichen Ende ragen rund fünfzehn Meter hohe zerklüftete Sandsteinfelsen aus dem Sand, die aussehen, als hätte sie ein Bildhauer hier aufgestellt. Oben sind sie mit Grün und kleinen Bäumen bewachsen, unten muschelbesetzt. Ein Stück weiter steigt ein urwaldbewachsener Berg steil auf.
Unter den Bäumen entlang des Strandes verstecken sich die Bungalows von vier Ressorts. Dennoch scheint der riesige Strand fast menschenleer. Es ist Flut und- soviel weiß ich schon- gute Gelegenheit zum Baden, denn wenn Ebbe ist, dann tut sich hier ein mindestens kilometertiefes Watt auf.
Ich finde einen schönen Platz für meine Hängematte und kann einfach nur im Schatten entspannen mit dem schönsten Ausblick, den ich mir vorstellen kann. Das Baden ist kindgerecht, will sagen, das Wasser ist sehr flach, so dass man ziemlich weit laufen muss, um wenigstens hüfthoch im Wasser zu stehen. Aber man kann sich auch einfach nur ins Wasser legen, es trägt so gut, dass es nicht viel schlechter funktioniert als meine Hängematte.
Zuerst wundere ich mich über die seltsamen Muster im Sand: netzartige und sehr kunstvolle Formen aus präzise geformten winzigen Sandkügelchen. Dann entdecke ich die Künstler entdecke: kleine weiße Krebse mit fast spinnenartigen, langen Beinen, die unglaublich schnell rennen können, um sich in ihren Löchern zu verstecken, wenn man näher kommt. Verrückt!
Später schlendere ich den Strand entlang als ich ein fröhliches „Buon giorno, Beatrice!“ höre. Ich entdecke die beiden Italiener, Monica und Joshua, in einem Liegestuhl an einer Saftbar. Es stellt sich heraus, dass sie hier einen Bungalow gemietet haben. Wir verabreden uns zum Abendessen in dem kleinen Restaurant. Das ist das Angenehme am Alleinreisen: Wenn man möchte, kann man immer Gesellschaft haben, man muss aber nicht.
Die Sonne geht unter und ich in mein Stelzenhäuschen. Der Abend endet dann unterder bunten Lichterkette des kleinen Restaurants mit einer Kokossuppe mit vielen Zutaten und einem Ingwertee und netten Gesprächen über Venedig, Berlin und Thailand. Koh Phayam war eine gute Idee… Di mak mak! (Sehr gut!)