4 – Napoli von oben

Heute gönne ich mir ein Frühstück, obwohl ich eigentlich nie frühstücke. Aber das Café am Platz, das gerade öffnet, ist zu verlockend: ein Cappuccino, ein duftendes, gefülltes Cornetto (Croissant) und eine Viertelstunde „Napoli vor dem täglichen Ansturm“ genießen. So muss der Tag anfangen. Meine Lehrerin kommt vorbei und ich hefte mich an ihre Fersen, denn verpassen möchte ich auch nichts von dem guten Kurs.

Vier Stunden später und den Kopf voller Grammatiksalat steht ein neuer Entdecker-Zug durch die Stadt an. Leider nieselt es und ich muss feststellen, dass meine alten Sneakers undicht sind … Wenigstens ist es nicht kalt. Wir haben heute die andere – bekanntere – Katakomben-Tour auf dem Plan, in Spaccanapoli, an der Piazza San Gaetano. Aber als wir dort ankommen, müssen wir feststellen, dass es eine lange Schlange Wartender gibt, die alle schon eine Eintrittskarte haben. Ein Ordner schüttelt nur den Kopf: Der ganze Tag ist ausverkauft.

Also suchen wir uns ein Restaurant in einem regengeschützten Kolonnaden-Gang und stopfen uns mit Parmiggiana und Pizza voll. Die Wartezeit nutzen wir, um online ein Ticket für den nächsten Tag zu buchen – auch schon fast alles ausverkauft. Einen Schrecken jagt mir eine weiß gekleidete menschliche Gestalt auf dem Fenstersims im ersten Stock des Hauses gegenüber ein. Mein erster Impuls: Oh Gott, der fällt gleich runter! Aber der zweite Blick macht klar: Es ist wieder einmal eine lebensechte Pulcinella-Figur, Spassmacher und Symbolfigur des neapolitanischen Volkstheaters. Ihr begegnet man hier in jeder Form: als Bild, Figur, Grafitti, Schlüsselanhänger etc.

Ein weiterer Spaziergang bringt uns zur Piazza Bellini, an dem alte Bäume im Sommer einigen der netten Cafés Schatten spenden. Wieder ein Tipp einer Lehrerin: das Caffè Arabo: Etwas alternativ, eher von Einheimischen frequentiert. Im Angebot arabischer Mokka mit Kardamom und leckere, aber ziemlich süße Dolci aus Honig, Feigen und Nüssen. Und grün-weiß-rote Coca-Cola-Dosen mit dem Aufdruck „Free Palastine“. Eher kein Touristenlokal.

An den Platz anschließend kommt man in die Via Port´ Alba, eine wunderbare kleine, gewundene Straße, in der sich ein alter Buchladen an den anderen reiht. Neue, alte und besondere Bücher in kleinen Läden. Wäre mein Italienisch besser, hätte ich hier mit Sicherheit zugeschlagen. Ein bisschen fühlt es sich wie „zu Hause“ an, denn ich bin in einem Haus voller Bücher aufgewachsen. Unbedingt zu empfehlen!

Mit Blick auf den Stadtplan beschließen wir zur Station der Zahnradbahn , der Funicolare, am Ende der Via Toledo zu spazieren und damit hoch auf den VomeroHügel zu fahren. Es gibt vier Zahnradbahnen in der Stadt, aber diese ist die wohl bekannteste. Die Standseilbahn verbindet das Zentrum mit den Stadtteilen Mergellina und Posillipo – doch das ist eher für die Einheimischen wichtig. Touristen nutzen die Bahn um zur Festung Sant´Elmo zu kommen.

Wir kommen gerade noch rechtzeitig, um in Ruhe auf die alte Festung klettern zu können, und dann von oben den großartigen Ausblick auf den Vesuv, die Stadt, das Meer und die Inseln Ischia und Capri zu genießen.

Die wechselhafte Geschichte der riesigen Burg geht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Aber besonders verdient gemacht hat sich mit dem Wiederaufbau und der Erweiterung der Burg der spanische Vizekönig von Neapel, Pedro Alvarez de Toledo, der die Festung zwischen 1537 und 1547 wiederaufbauen und erweitern ließ. Die Burg ist sternförmig in sechs Wällen angelegt. Sie wurde auf die unterschiedlichste Weise genutzt, von den jeweiligen Herrschern in der verrückten, wechselhaften Geschichte dieser Stadt. Sant’Elmo war auch ein Symbol der nur kurz währenden Neapolitanischen Republik von 1799.

Man sollte auf jeden Fall Zeit (und außerhalb des Sommers eine dicke Jacke) mitbringen, denn es dauert einige Zeit, bis man die alten Aufgänge bis oben hinaufgeklettert ist und oben die Ausblicke auf dem weitläufigen Umgang genossen hat.

Nachdem der Vesuv zur Belohnung für die Kletterei nun aus dem ganztägigen Wolkenversteck aufgetaucht ist und majestätisch im Abendlicht vor sich hin raucht, dürfen wir auch noch einen orange-rosanen Sonnenuntergang, den tramonto, über Ischia genießen. Dann aber zieht es mich ganz schnell nach unten, denn ohne wärmende Sonnenstrahlen ist es in luftiger Höhe plötzlich verdammt kalt.

Noch einen Campari zum Ausklang in einer der vielen Bars um die Station der Funicolare und dann geht es wieder ins Tal und zurück durch das Gewimmel der Altstadt. Diesmal waren wir schlauer als gestern und haben auf dem Rückweg das Lokal Casa di Santa Chiara angerufen und einen anderthalbstündigen Essensaufenthalt gewährt bekommen. Es ist ein kleines, enges, zweistöckiges Restaurant, in dem der Chef kocht. Gekocht wird mit Biogemüse und regionalem Fleisch und Fisch. Und es ist proppevoll mit Einheimischen.

Aber auf dem weiteren Heimweg müssen wir in Ruhe noch einen Amaro in einer Bar zur Verdauung trinken. Inzwischen hat es ziemlich heftig zu regnen begonnen, was mich wieder unliebsam an meine undichten Schuhe erinnert … Zufrieden und hundemüde fahren wir mit dem museumsreifen Fahrstuhl zu unserem kleinen Apartment hoch. Aber es hilft nichts, ich muss noch einen Text für den nächsten Kurstag schreiben … egal. Es war ein weiterer toller Tag in Napoli!

3 – Napoli von unten

Der erste Kurstag ist zu Ende, ich bin geschlaucht und höchst zufrieden. Zwei tolle junge Lehrerinnen, eine geborene Napolitanerin, die andere auf der Insel Ischia gleich nebenan geboren.

Wir schlendern in die Quartieri Spagnoli und schlagen uns erst mal ordentlich den Bauch voll – ganz italienisch mit mehreren Gängen … Besonders lecker : eine Suppe aus Linsen und Spinat! Mit halblangen Jeans und T-Shirts sind wir allerdings für Essen im ristorante wiedermal hoffnungslos underdressed. Alle anderen Tische werden von schicken Anzugträgern und eleganten Damen mit High Heels und Markengarderobe belagert. So geht man hier zur Arbeit! Aber zumindest haben wir uns beim anfangs muffeligen Kellner durch genug Essen (3 Gänge) rehabilitiert.

Entsprechend vollgestopft trödeln wir weiter durch die Straßen. Es wird einfach nie langweilig, immer wieder schöne alte Häuser, winzige Gassen und dann , gegenüber des Opernhauses Teatro San Carlo, eine neuwirkende, gigantische, mehrstöckige Einkaufspassage: die Galleria Umberto I. Ich bin verwirrt: Ist sie alt? Ist sie historisierend neu gebaut? Die kreuzförmigen weitläufigen Gänge sind von gewölbten Glasdächern überzogen, die in einer großen Kuppel in der Mitte zusammenlaufen. Alles strahlt in gelb und weiß. Eine mondäne Atmosphäre, viele Geschäfte für shopping ohne Grenzen und auf dem kleinen Platz an der Mittelkreuzung Straßenmusiker und ein paar Cafés. Egal, ob alt oder neu – eine sehr schöne Athmosphäre!

Erst später haben wir nachgelesen: Die Galleria Umberto I ist tatsächlich alt, der Bau begann 1887 als Teil der Stadterneuerung nach dem Ende einer Cholera-Epidemie 1884 nach Plänen von Emmanuele Rocco und Ernesto di Mauro.

Ein paar Straßen weiter, an der Piazza Plebiscito, haben wir unser Ziel erreicht : Napoli Sotterranea – das Unterirdische Neapel. Hier bietet sich eine von mehreren Möglichkeiten in der Stadt, das phantastische Netz aus Tunneln und Hohlräumen unter Neapel zu sehen. Um diese Jahreszeit können wir sogar ohne Anmeldung, nach einer kurzen Wartezeit, eine Führung in englischer Sprache mitmachen. Um diesen speziellen Zugang zu den Katakomben kümmert sich ein eher junges Team. Dieser Ort ist nicht so überlaufen, wie die wesentlich bekannteren Katakomben, von denen später noch die Rede sein wird.

Menschen mit Klaustrophobie oder Herzproblemen wird von der Führung abgeraten. Über eine düstere, sich in die Tiefe schraubende Treppe mit hohen Sandstein-Stufen gelangen wir im Halbdunkel auf den Grund der unterirdischen Stadt. In einem höhlenartigen Raum, von dem die Tunnel abgehen, gibt es zunächst eine kleine Einführung in die über 2000jährige Geschichte dieser ungewöhnlichen Stadt unter der Stadt, von der Antike bis nach dem 2. Weltkrieg. Unfassbar, was Menschen über die Jahrtausende hier an Arbeit geleistet haben!

Anfangs wurden die Tunnel in den Untergrund getrieben, um Sandstein als Baumaterial für die expandierende Stadt zu gewinnen, dann wurden die Tunnel als Zisternen für die Napolitaner genutzt. Alle Häuser bezogen ihr Wasser aus diesem Zisternen-Netz! Während des 2. Weltkrieges lebten in diesen kleinen Höhlen, die durch teilweise gerade mal 40 Zentimeter breite Gänge verbunden sind, tausende Menschen, um sich vor Bombenhagel und Panzern zu schützen. Was die Faschisten selbst – italienische, wie deutsche – nicht daran hinderte, sich hier ebenfalls zu verstecken. Genauso wie Schmuggler und die Mafia, deren Mitglieder sich hier gern der Verhaftung entzogen und ihre Waffen und anderes hier versteckten.

Die Führung ist nicht für sehr große, korpulente oder ängstliche Menschen zu empfehlen. Die endlosen Gänge sind nur spärlich erleuchtet, manche, über kleinere Strecken, gar nicht. An den Kreuzungen öffnen sich kleine bis mittelgroße Räume, hier wurde gewohnt. In machen dieser Räume haben Künstler zusammengelebt, was man an eingekratzten Bildern erkennt. In anderen Familien mit Kindern, Soldaten usw. Auch ein Toiletten-System (die türkische Variante) ist hier noch zu sehen. Eben alles, was Leben auf eine längeren Zeitraum möglich macht. Und natürlich gibt es auch einige kuriose Legenden, die der Führer erzählt. Eine z.B. über die Liebesdienste, die Frauen dem jeweiligen Zisternenwart , der sich hier überall fast ungesehen bewegen konnte, heimlich erwiesen, um damit das Leben der Familie ein wenig reicher zu machen.

Unzählige Geschichten und Legenden ranken sich um diese unterirdische Welt. Nach dem Krieg wurden große Teile mit Schutt und Müll zugeschüttet, erst viel später haben engagierte Menschen mühsam damit begonnen, dieses Tunnelsystem wieder freizulegen. Hier und da sind noch ein paar Fundstücke -von einem Bettgestell bis zu Gefäßen, Büsten oder Stahlhelmen- zu sehen. Aber man hat darauf verzichtet, hier künstlich gestaltete museale Ausstellungsräume anzulegen, was ich richtig finde. Kahl und leer regen diese endlosen, düsteren Gänge und Räume die Phantasie umso mehr an! In der Via Chiaia steigen wir schließlich nach ca. 75 Minuten wieder in die oberirdische Welt zurück, beeindruckt und … ein bisschen nachdenklich.

Wieder ein lustvoller Bummel zurück durch die flirrende Altstadt Richtung Spaccanapoli. Ein erfolgloser Versuch, in einem, von der einheimischen Lehrerin besonders empfohlenen, Restaurant zu essen. Alles ausgebucht, und wie es aussieht, kaum Touristen, eher ein Napolitaner-Treff. Schließlich landen wir nochmal in dem am Vorabend bewährten kleinen Restaurant in unserer Straße. Essen und gleichzeitig träge das abendliche street live beobachten. Es gibt wirklich schlechtere Arten, einen schönen Tag zu beenden …

2 – Napoli, first night, next morning

Nach einem kleinen Schläfchen in unserem wunderbar stillen Hinterhof-Zimmer bei den ECO-Suites Spaccanapoli sind wir wieder einigermaßen aufnahmefähig und lassen uns durch die sonntäglich überfüllten Gassen der Altstadt treiben. Obwohl die Saison eigentlich vorüber ist, ist normal schnelle Fortbewegung kaum möglich. Am entspanntesten ist es, sich einfach dem Rhythmus anzupassen und sich treiben zu lassen, kleine Löcher zum Überholen zu nutzen und dabei einfach mit großen Augen alles aufzunehmen. Lichterketten, wohin man auch sieht, die normale Straßenbeleuchtung, die bunten Schaufenster – es hat ein bisschen was von Weihnachten oder Rummel. Aber schön.

Es erstaunt mich, dass es hier nirgendwo hässliche Neu-oder Lückenbau gibt. Dafür sorgt wohl der strenge Denkmalschutz. Allerdings sind auch einige der ehrwürdigen alten Gebäude deutlich mitgenommen oder – wie in unserem Haus, zumindest im Innenhof eindeutig sanierungsbedürftig. Und das kann dauern, zu teuer…. Aber das Gute ist: Immobilienhaie und profitsüchtige Bauunternehmer haben hier kaum eine Chance – oder haben es zumindest schwer mit leichtem, fetten Profit. Wohl auch deshalb leben hier tatsächlich noch normale Napolitaner und nicht nur Neureiche.

Einen ersten Stopp legen wir schon nach 20 Minuten auf der Piazza Gerolomini, einem Platz an der Chiesa dei Girolamini ein. Hier locken viele nette Terrassen kleiner Restaurants mit Angeboten für einen leckeren Aperitif a la Apèrol, Campari oder einfach einem Wein. Um die Konkurrenz zu übertrumpfen, gibt es dazu noch eine reiche Gratisbeigabe an Antipasti von Wurst über Schinken, Käse, kleinen Bruschette und frittiertem Allerlei dazu. Lässt sich aushalten, so in der blauen Stunde mit dieser Kulisse….

Gestärkt bummeln wir weiter durch den Trubel bis zur Kathedrale der Heiligen Maria Assunta. Schon von außen ein beeindruckendes Bauwerk, wird es innen noch prächtiger. Gold, wohin man auch schaut. Das Kuriose und etwas Verwirrende ist: Die Kathedrale hat gleich drei Namen: Sie ist auch als Duomo di Napoli oder Cattedrale di San Gennaro bekannt. Gewidmet ist sie jedenfalls der Jungfrau Maria. Gebaut wurde sie im 13. Jahrhundert auf den Grundmauern eines Tempels, der Apollo gewidmet war. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie immer wieder um- und weitergebaut, so dass es auch eine Reise durch die verschiedenen Baustiele von Gotik bis Barock ist. Das üppige Ergebnis ist, besonders wenn der Innenraum beim Gottesdienst beleuchtet ist, einfach überwältigend anzuschauen.

Gerade wird eine gut besuchte abendliche Messe gefeiert. Wir schleichen am Rand bis nach vorn, um die prächtigen Seitengänge anzuschauen und näher an den riesigen, golden strahlenden Hauptaltar heranzukommen. Ganz vorn in einem Seitenaltar, der vom Mittelschiff aus gar nicht zu sehen ist, steht ein kleines Grüppchen Menschen, gemischt in Alter und Geschlecht, und singt unter Anleitung eines Kantors, sozusagen aus dem Off. Es sind nur wenige Menschen, aber ihr Gesang schallt erstaunlich stark. So schön, dass wir bleiben. Kurz darauf tritt ein junges Mädchen ans Mikrofon zu einem Solo: Wunderbar!!! Sie hat eine großartige Stimme und wir können nicht weggehen, bevor sie aufhört zu singen….

Durch das Gewusel in den engen Gassen trödeln wir zurück in unsere Straße und finden, zwei Ecken von unserem Haus entfernt, ein nettes kleines Lokal. Gesättigt und mit einem Amaro zum Abschluß kehren wir zufrieden nach diesem gelungenen Auftakt in unser temporäres Zuhause zurück. Morgen beginnt mein napolitanischer „Alltag“, der 4-stündige Italienisch-Intensivkurs. Buona notte, Napoli!

Um 7:45 Uhr klingelt der Wecker, erster Schultag, das heißt früher da sein, denn es gibt noch ein Einstufungsinterview. Bin gespannt, wieviel mein bisheriges Italienisch wert ist… Glücklicherweise ist die Sprachschule „Centro Italiano„, nicht nur im selben Viertel, sondern tatsächlich nur eine halben Kilometer entfernt.

Die Stadt ist noch im Aufwachmodus: Ganz anders als am gestrigen Sonntagabend sind die Straßen fast leer, bis auf ein paar Einheimische, vorzugsweise mit dem Hund bei Gassi gehend, Straßenkehrern und der Müllabfuhr. Ein großes Graffitti von Maradona begrüßt mich gegenüber der Haustür, unterwegs bringen immer wieder bunte Streetart-Werke Farbe an die alten Gebäude. Eine Sünde in Sachen Denkmalschutz, aber ich mag die bunten Bilder an den dunklen Wänden.

In kleinen Gemüseläden werden Zwiebeln, Kürbisse und Tomaten in die Regale sortiert, von der Decke hängen getrocknete Kräuter. Ein parrucchiere (Friseur) rasiert den ersten Kunden in seinem winzigen Laden. Ich komme an einer kleinen Erdgeschosswohnung mit offener Tür direkt zur Gasse vorbei: in der anschließenden kleinen Küche läuft der Fernseher und neben dem Herd ist das Motorrad geparkt. Die kleinen Bars haben natürlich schon geöffnet, die letzten Tresen werden mit großen, knusprigen Croissants (Cornettos) und anderem süssen Gebäck befüllt, Menschen auf dem Weg zur Arbeit gönnen sich Caffe e dolce, bevor der Tag richtig beginnt. Die Atmosphäre ist …100% napolitana. Ich finde es toll!

Die Schule befindet sich in einer super engen Gasse mit hohen, 6-stöckigen alten Häusern: Vico S. Maria dell’Aiuto. Auch hier steigt man durch ein winziges dickes Törchen im großen Tor, um auf den Hof zu kommen. Die Schule residiert im Quergebäude, die Treppe im zum Hof offenen Treppenhaus ist aus Marmor, aber teilweise sehr wackelig und glatt … Wie es sich für eine brave Deutsche gehört, bin ich pünktlich, d.h. pünktlich gekommen – nur sonst niemand. Aber schließlich trudeln alle ein, die Schülerzahl ist übersichtlich, die Saison ist vorüber. Zu meiner großen Zufriedenheit lande ich in einen B1-Kurs mit nur noch 3 weiteren Schülern. Es kann los gehen!

1 – Bella Napoli

Napoli – das klingt immer ein bisschen … besonders: ein bisschen nach Pizza, Wein, Tarantella, Romantik, Kriminalität, Fussball, Kunst, Katholizismus und jeder Menge Geschichte . Namen wie Ruggero Leoncavallo, Enrico Caruso, Sophia Loren, Bud Spencer – ganz abgesehen von all den anderen Gelehrten, Klerikern und Architekten und Künstlern, die hier über die Jahrhunderte gelebt haben. Und der Name Diego Maradona … doch davon später. Auf alle Fälle hatte „Napoli“ für mich immer eine gewisse Magie. Zeit also herauszufinden, was es damit tatsächlich auf sich hat.

Und ich bin auch ein bisschen glücklich, einer besonderen Erinnerung aus meiner Bücherwurm-Kindheit nachzufühlen: Der Schriftsteller Kurt Held hat mit seinen Kinderbüchern „Giuseppe“ und „Giuseppe und Maria“ eine bleibende Spur in meiner Erinnerung hinterlassen mit der ebenso spannenden wie ergreifenden Kindheitsgeschichte im Napoli der Nachkriegszeit.

Also auf nach Napoli! Einerseits, um meine Italienisch-Kenntnisse endlich wieder etwas zu erweitern in einem Intensivsprachkurs an der sehr empfehlenswerten Sprachschule Centro Italiano, andererseits, um eine knappe Woche Zeit zu haben, diese Stadt endlich kennenzulernen.

Wir erreichen die Stadt am frühen Sonntagmorgen mit einem eher unbequemen Liegewagen im Nachtzug der italienischen Eisenbahngesellschaft trenitalia. Nach einem Marsch durch die großzügigen unterirdischen Gänge des Hauptbahnhofs Neapel an der Piazza Garibaldi landen wir endlich auf dem richtigen Metro-Bahnsteig tief unter der Stadt. Das riesige Bahnhofsareal ist ein Labyrinth aus Bahnsteigzugängen, Geschäften, Imbissen und Kunstinstallationen. Das Besondere an einigen Metro-Stationen in Neapel ist, dass Künstler sie als Projektionsfläche und Ausstellungsraum für farbenfreudige Installationen und Lichtinstallationen nutzen durften, was den sonst öden Charakter solcher Orte um ein Vielfaches zum Besseren wandelt. Über endlose Rolltreppen kommen wir endlich tief unten zum U-Bahnsteig der Station Napoli Garibaldi.

An der Station Dante steigen wir aus und bekommen einen ersten Eindruck auf einer großen Piazza mit einem beeindruckenden Palazzo und einer riesigen Statue von Dante Alighieri, am westlichen Rand der Altstadt. Allerdings wird dieser erste Eindruck der beeindruckenden historischen Kulisse etwas gestört durch ein Militärfahrzeug mitten auf dem Platz und fünf schwer bewaffneten Soldaten. Bis vor einigen Jahren hatte Neapel ein gravierendes Sicherheitsproblem und damit auch eins für den Tourismus. Daran hat man heftig gearbeitet, sichtbares Symbol sind die strategisch verteilten Militärposten, zusätzlich von den Streifen der Carabinieri und der Polizia Municipale ergänzt.

Müde, aber neugierig zerren wir unser Gepäck durch die mit großen, unebenen, im Lauf der Jahrhunderte glattgetretenen Steinplatten gepflasterten Gassen der Altstadt. Vorsicht und ein Auge am Boden ist zu empfehlen, denn es kann schon mal ein solcher Steinblock fehlen oder sich gedreht haben und Unaufmerksamkeit kann den Läufer teuer zu stehen kommen.

Was für eine tolle Kulisse! Auch so früh am Sonntagmorgen – oder gerade – denn die Touristen schlafen noch, ein paar Geschäftsinhaber räumen in ihren Läden herum, die Straßenfeger versuchen der Massen von Müll in den Straßen Herr zu werden, Hunde werden Gassi geführt, die ersten Bars sind schon offen. Eine Bar ist hier in Italien eine wichtige Einrichtung: Anders als ihr Name sind Bars kleine Cafés, in denen man – oft im Stehen an der Theke – frühstückt, d.h. seinen Espresso oder Cappuccino trinkt und ein süßes Cornetto (Croissant) isst, bevor der Tag anfängt. Kein noch so kleiner Ort in Italien ohne eine solche Bar.

Diese Stadt sieht genauso aus, wie man sie sich vorstellt: enge, gewundene Gassen mit dem Flair längst vergangener Zeiten. Hohe Pallazzi zu beiden Seiten, an vielen Fenstern hängt tatsächlich die Wäsche zum trocknen über der Straße, wie man es aus all den Filmen und Bildern kennt. Bäume sind eher seltener, meist nur schattenspendend an den kleinen Plätzen am Ende der Straßen oder vor den schier unzähligen kleinen und großen Kirchen. Geschichte quillt aus jeder Mauerritze. Und doch überall die Klarstellung des Hier und Heute: Graffiti, Street Art, Skulpturen.

Via San Giovanni Maggiore Pignatelli, unsere Adresse für die nächsten fünf Nächte. Ein kleines Apartment im Quartiere San Giuseppe. Wie alle dieser Palazzi hat auch dieses hohe fünfstöckige alte Haus eine eher etwas düstere Fassade und ein sehr massives Tor mit einer eingelassenen kleinen Tür mit dickem Schloss. Wir wohnen im Seitenflügel, die Wand zum Hof ist halb offen, Mauersteine liegen blank, sieht nach Baustelle aus, ist aber eher ein Dauerzustand. Ein Drahtkäfig bildet den offenen Metallfahrstuhl-Schacht für die winzige Kabine. Nichts für deutsche TÜV-Fans … Das kleine Apartment – Teil einer größeren Wohnung – ist sauber und freundlich, hat außer viel Platz alles, was man für ein paar Tage braucht, sogar einen winzigen Balkon, an dem ich an den folgenden Abenden meine Hausaufgaben für die Sprachschule machen werde – vor oder nach dem Wein zum Abendessen …

Das aber ist etwas vorgegriffen, denn zunächst werfen wir das Gepäck im Flur ab, da wir erst am Nachmittag unser Zimmer beziehen können. Müde, aber begeistert schleppen wir uns die nächsten sechs Stunden durch die wunderbare Altstadt. Enge und weniger enge Straßen und Gassen, die nur selten einen engen Bürgersteig haben, manchmal einen Farbstrich, der den Fussgängern ein gewissen Vorrecht einräumen soll.

Aber egal, alles ist eng und Autos, Motorroller und Fußgänger rangeln sich auf beängstigender Nähe aneinander vorbei. Meine anfängliche leichte Panik lässt schnell nach, als ich zu meiner anhaltenden Verwunderung erlebe, dass es kaum irgendwelche Machtkämpfe, Zusammenstöße oder gar Verletzte gibt. Undenkbar für meinen deutschen Erfahrungshintergrund: Die Autofahrer halten selbst an großen Hauptstraßen, wenn ein Fußgänger sich anschickt, die Straße zu betreten. Wenn man verwirrt und unsicher schaut, wird man freundlich und leicht ungeduldig über die Straße gewinkt. Die Rollerfahrer, oft ohne Helm und mit großen Taschen oder eingeklemmten Kindern unterwegs, schlängeln sich gekonnt an den Passanten vorbei. Gelebtes Chaos mit gegenseitiger Rücksichtnahme ….

Wir spazieren durch die Altstadt zur Piazza Santa Maria La Nuova neben der gleichnamigen Kirche und gönnen uns ein echt italienisches Frühstück im Ba-Bar Caffé, das gerade aufgemacht hat. Leckerer Cappuccino und das landesübliche Cornetto mit Pudding und Marmelade gefüllt. Sonst mag ich kein süsses Frühstück, aber hier passt´s. Ein paar Touristen mit Rollköfferchen rumpeln über die Piazza, Napolitaner auf dem Weg zur Arbeit, Straßenkehrer.

Gestärkt machen wir uns auf zur ersten Entdeckungstour auf der anderen Seite der Via Monteoliveto, einer großen Hauptstraße, die die Viertel trennt. Die Via Toledo, ein Boulevard mit unzähligen Mode-, Schuh- und Technikgeschäften und Restaurants begrenzt das Spanische Viertel – das bekannte und von Touristen überrannte Quartiere Spagnoli mit seinen langen engen Gassen, förmlich tapeziert mit dem Konterfei des „Santo“ Diego Maradona, des argentinischen Fußballgottes, der von 1984 bis 1991 hier gelebt und den SSC Napoli zum Ruhm gekickt hat. Es ist schlicht unmöglich, in ein Schaufenster, auf ein Graffiti, in ein Restaurant oder überhaupt irgendwohin zu schauen, ohne dass Santo Diego einen anstarrt: als Fussballer, König, Jesus Christus oder was auch immer … Sogar die Gerichte auf den Speisekarten sind nach ihm benannt!

Darüber hinaus ist es ein wunderbares altes Viertel mit den schon bekannten hohen alten Häusern, die die engen Gassen zur Schlucht werden lassen, kleinen Plätzen mit Cafés und Geschäften. An einem etwas größeren werden frischer Fisch und Meeresfrüchte verkauft. Gleich daneben Gewürze, Blumen, Stoffe und glitzernder Modeschmuck. Aber überall sind auch genauso viele Einheimische unterwegs wie Touristen. Insofern ist das Quartiere zwar ein Touristen-Magnet, aber kein Disneyland wie oft andernorts zu finden.

Allerdings ist das Schlendern nicht ungefährlich: Ständig muss man auf seine Füße achten, denn die Gassen bestehen aus eben jenen großen unebenen Steinblöcken und -platten, plötzlich ein paar Stufen oder einfach einem Loch, wo die Steine fehlen.

Über die Toledo kommen wir zurück in unser Ausgangsviertel um die Staccanapoli. Inzwischen so müde, dass wir kaum noch aus den Augen schauen können, lassen wir uns die rummelige, überfüllte Trasse quer durch die Altstadt entlang treiben, vorbei an Bars, Geschäften jeder Art mit kleinen, aber liebevoll gestalteten Schaufenstern. Erfrischend, dass man kaum die ewig gleichen Ladenketten findet. Viele kleine Modegeschäfte, unzählige Schmuck- und Souvenirläden und natürlich Bistros, Bars und Lebensmittelläden, die weniger für den täglichen Bedarf gedacht sind, sondern eher für besondere Gewürze, Pasta, Backwaren, Alkoholika und napolitanische Spezialitäten. Auch hier immer wieder das siegestrunkene Gesicht des Fussballgottes.

Schließlich erreichen wir die Piazza del Gesú Nuovo. Ein großer offener Platz in dessen Mitte der Obelisco dell’Immacolata mit einer Marienfigur auf der Spitze thront. Direkt davor ertönen seltsame Klänge, zwei Straßenmusiker spielen auf selbstgebauten Instrumenten aus alten Plastikrohren. Straßenhändler, Geschäfte und Restaurants begrenzen den Platz.

An einer Seite fällt eine seltsame hohe Fassade aus dunklem Lavagestein mit merkwürdigen Zeichen auf. Doch ein Blick nach oben trifft Giebel und Kreuz – es ist die Chiesa del Gesú Nuovo. Als ich die Kirche betrete, muss ich einmal tief durchatmen angesichts von Größe und Pracht. Die 1470 vom Architekten Novello da San Lucano erbaute Kirche gilt als eine der schönsten Barockkirchen Italiens. Zurecht. Egal wo lang man schaut, überall blickt man auf neue Seitenaltäre, großformatige Gemälde, Skulpturen …

Wie ich später nachlese, beziehen sich viele Darstellungen auf den später heilig gesprochenen Arzt Giuseppe Moscati  (1880-1927), zu dem die Napolitaner noch heute um Kindersegen und die Heilung von Krankheiten beten.

Die riesige Kirche ist einfach so prächtig und wunderschön, dass man sich einfach nur hinsetzen und um sich schauen möchte. Im Mittelschiff ist gerade ein Messe im Gange, es wird viel gesungen. Der Altar ist strahlend golden und so reich, dass man kaum alles wahrnimmt. An den Seitengängen heilige Gräber, Gemälde, Statuen… es erschlägt einen fast. Inzwischen sind wir so übermüdet, dass wir uns in eine hintere Reise setzen und die Augen schließen, der Gesang und die Orgel dazu … wie das ausgeht, kann man sich denken…

Ein wenig erfrischt, begeistert, wenn auch immer noch nicht gläubig, verlassen wir die Kirche und verbringen die nächste Stunde -bis wir in unser Zimmer dürfen- bei Spaghetti Carbonara und anschliessendem Espresso in einem Straßencafé. Dann endlich: Eine Handy-Nachricht erlöst uns mit der Mitteilung, dass wir unser Zimmer schon eine Stunde vorfristig beziehen können …

Wie heißt eigentlich Mittagsschlaf auf Italienisch??? Pisolino pomeridiano!

23 – Kuala Lumpur: Tempel und Hochhäuser zum Abschied

Nach einem Tag auf kleiner Flamme, Faulsein, mal nichts tun und einem abendlichen Spaziergang ein paar Straßen weiter in die Jalan Bukit Bintang, dahin, wo die großen Malls enden und die Häuser wieder Normalgröße annehmen. Dort verwandelt sie sich allabendlich in eine Ausgeh-Ecke.

Allabendlich putzt sie sich auf für das Nachtleben heraus, den Restaurantbesuch, Massagen, Karaoke. Plötzlich stehen da unzählige Straßenstände, eine Band spielt an einer Ecke, an der nächsten wirbt lautstark eine riesige Karaokebar um Kundschaft. Die Werber vor den Restaurants versuchen mit wedelnden Speisekarten und Häppchen, dem Nachbarladen die Kunden abspenstig zu machen. Und es sind nicht etwa nur Touristen die sich hier amüsieren und sich die Bäuche vollschlagen, nein, offensichtlich gehen die Einheimischen auch gern aus. Und hier endet unser Tag bei einem indische Essen und einem Spaziergang durch „unser Viertel“.

Nach dem faulen Tag bleibt uns nur noch der dritte und letzte, denn unser Flugzeug startet erst um Miternacht. Auf dem Programm steht heute ein besonderer Ort: die Batu Caves, 15 Kilometer nördlich der Stadt.

Ein Grab bringt uns in die Sub Urbs vor den Höhlen. Schon auf der Fahrt dorthin wird augenscheinlich, dass die Bevölkerung hier vorallem aus tamilischen Familien besteht. Man sieht es an Geschäften, Restaurants, Aufschriften wie die an einer tamilischen Schule. Und an den vielen bunten Saris, statt der eher dunklen oder gedeckten langen Kleider und Schleier der Musliminen.

Die Nähe zu den Batu Caves hat einen logischen Grund: in den Höhlen sind Hindu-Tempel. Nach den Andenkenverkäufern am Eingang empfangen einen viele kleinere freche Java-Affen, die – oft gefüttert – ziemlich aufdringlich werden können. Aber lustig sind sie allemal und jetzt scheint es besonders viel Affen-Babies zu geben. Süß!

Schon stehen wir vor einem ersten knallbunten Schrein mit den Götzen, Göttern und Figuren, die mir vor allem aus Bali im vergangenen Jahr noch so gut erinnerlich sind. Aber die Hauptattraktion kommt erst 200 Meter weiter. Hinter einem belebten Platz voller Tauben, Touristen und bunter Götterskulpturen erhebt sich ein steiles, tiefgrün bewachsenes Bergmassiv, das einige große Kalksteinhöhlen birgt. Die größte ist 115 Meter hoch, wie ein nach oben offener Dom. Lichtdurchströmt und mystisch. In diese Höhlen wurden mehrere Hindu-Schreine gebaut, die einen verrückten Kontrast zu dieser rauhen steinernen Umgebung abgeben.

175 bunt bemalte, bei dieser Schwüle sehr mühselige Stufen führen zum Eingang. Den Weg nach oben kann man sich mit einem Blick zurück auf die Stadt Kuala Lumpur und der Sicht auf eine riesige goldene Statue des Gottes Murugan auf dem Vorplatz versüßen.

Und die Quälerei lohnt! Es ist ein großartiger Anblick, all diese bunten, kunstvollen, manchmal kitschigen Schreine in den aufeinander folgenden Kalksteinhöhlen mit riesigen Stalaktiten! Und das von oben einfallende Licht lässt alles noch mystischer erscheinen. Die Schreine erzählen vom Sieg des Gottes Murugan über den Dämon, habe ich gelernt. Aber auch ohne allzuviel Hintergrundwissen ist es ein Vergnügen diese ungewöhnlichen Höhlen mit den Tempeln und dem Sonneneinfall von oben anzuschauen.

Das war schon mal ein gelungener Ausflug, ein würdiger, für den letzten Tag einer tollen Reise! Auf dem Rückweg beschließen wir, uns ein Ticket für eine der beiden Routen der HopOn-HopOff-Busse zu besorgen, denn so können wir wenigstens noch ein bisschen mehr von der Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten sehen, als wenn wir noch einen einzelnen Punkt ansteuern.

An der Bukit Bintag Plaza steigen wir also in einen der Doppelstockbusse. Auf dem Oberdeck ist es zwar heiß, aber der Fahrtwind macht es erträglich und es ist wirklich spannend, diese Innenstadt-Route zu fahren. Sie führt mittendurch all die Straßen mit den Gebäuden, die wir schon von Weitem als Skyline gesehen haben: Hotels, Firmensitze, Banken, Mosheen, sogar ein Kulturzentrum (das allerdings ist etwas reparaturbedürftig – für die Kultur sitzt wohl auch hier das Geld nicht so locker…) Es scheint ein aberwitziger Wettstreit darum im Gange zu sein, wer das größte verrückteste Gebäude baut. Vollkommen abgedreht.

Die bekannten Gebaude, das Wahrzeichen der Stadt, sind die Petronas Zwilligstürme, mit 452 Metern Höhe, die 1,6 Milliarden Dollar gekostet haben. Petronas ist die Mineralölgesellschaft. Es gibt kaum ein Kulala Lumpur-T-Shirt ohne diese Türme.

Aber mir gefällt besonders ein anderes Gebäude: der super elegante geschwungene Turm mit dem Namen Merdeka 118, mit 678,9 Metern das zweithöchste Gebäude der Welt. Und nachts übertrumpfen sich all diese Giganten noch mit ihren raffinierten Lichtkonzepten. Einfach irre. Egal, wie man zum Thema Stadtplanung, Wirtschaft und Energie steht – es ist zunächst erstmal faszinierend.

Ein Dutzend verrückter Scy Scraper weiter geht dann gar nichts mehr, der Bus steht nach der guten Hälfte der Strecke aussichtslos im Stau. Und da um 18 Uhr Schluss mit den Stadtrundfahrtenist, haben wir nur gut die Hälfte der Strecke sehen können. Aber das macht nichts. Wir haben soviele Eindrücke zu verarbeiten und der Tag neigt sich dem Ende.

Wir gönnen und auf dem Weg ins Axon noch eine letzte, herrlich entspannende Fussmassage und dann heißt es auch schon Abschied nehmen. Was für eine spannende Zeit! Wieviele Eindrücke, die sicher noch lange im Kopf weiterarbeiten und die das Leben spannend bleiben lassen….

22 -Die große Stadt: Kuala Lumpur

„Die schlammige Flußmündung“ – der Name klingt nicht besonders poetisch. Und trotzdem ist der Stadt mit diesem Namen eine gigantische Entwicklung widerfahren. Die Flüsse Klang und Gombak fließen hier zusammen und Zinn war der erste begehrte Schatz der Gegend. Inzwischen ist Kuala Lumpur eine brodelnde Metropole mit rund 2 Millionen Einwohnern im Stadtgebiet und vielen Millionen in der Peripherie. Auch hier waren die Briten die Kolonialherren bis zur Unabhängigkeitserklärung 1957. Inzwischen gehört die Stadt zu den großen Playern international: Wirtschaft, Universitäten, Banken.

Das alles ist nachzulesen und man erwartet eine asiatische Super-City…. Aber den Eindruck, den diese Stadt dann „in echt“ auf mich gemacht hat, der hat mich einfach erstmal umgehaun… Ich habe mich gefühlt wie das kleine Mädchen vom Land, das das erste Mal in eine Metropole kommt!

Ein Taxi hat uns in der Nacht nach einer Fahrt durch eine imposante Hochhauskulisse vor einem fast schon einschüchternden 37 stöckigen Hochhauskomplex abgesetzt, dem Axon Residenz. Unser Apartment liegt im 20. Stock. Die riesige Lobby mit viel glänzendem Marmor und tollem Lichtdesign, uniformiertem Empfangspersonal und Wachleuten an der Tür. Und dabei haben wir, wie immer, eigentlich nichts Edles gebucht…

Ein junger Mann holt uns in der Lobby ab, geleitet uns nach oben und erklärt , wie alles funktioniert. Ist nämlich gar nicht so einfach. Alles safe, alles elektronisch und digital. Man braucht für jede blöde Tür – zum Fahrstuhl, zum Flur, zum Zimmer die elektronische Key Card, ohne die kann man nicht mal seine Etage im Lift anwählen. Um die Tür zum Apartment zu öffnen, muss man noch dazu einen 9 stelligen Code eingeben…

So weit so gut. Das Apartment ist modern und schön, der Ausblick – unglaublich! Dagegen ist New York altbacken. Ein Wald von Hochhäusern in den verrücktesten Formen blinkt, strahlt, funkelt und flasht. Unglaublich. Ich will lieber nicht über die Energieverschwendung moralisieren, das Thema gibt´s hier offensichtlich nicht. ….aber toll sieht´s aus!

Am nächsten Morgen spaziere ich los, um eine Apotheke zu suchen. Ich komme mir zum zweiten Mal vor wie Gretel im Wunderland. Neben unserem Hotel führt eine eher schmale, schäbige Straße mit kleinen Läden und einfachen Restaurants entlang. Wellblech, Holz- und alte Backsteinwände, wackelige Konstruktionen, um Waren darauf auszubreiten, zu kochen oder als Kunde zu essen. 10 Meter über die Straße entfernt von unserem gigantischen Apartmentblock…Ein kleines, wirklich schmuddeliges Viertel. Man springt über Pfützen unterschiedlichster Ursache, muss auf die Füße achten, um nicht zu fallen. Überall schwarzer Schimmel, bröckelnder Putz, wirre Kabel.

Ich überquere eine größere Straße, passiere ein gigantisches rundes Parkhaus und bin in einer anderen Welt. Riesige Gebäudekomplexe, fast alle für Läden, Superstores, Malls. Alles ist voller Menschen, die in alle Richtungen strömen. Auf der breiten Straße Bukit Bintang, die dem Viertel seinen Namen gegeben hat, strömt der Verkehr, aufgeregte Verkehrspolizisten pfeifen gegen die Ampel an, weil irgendein wichtiger Konvoi Vorfahrt hat.

Bukit Bintang ist DAS Geschäftsviertel Kuala Lumpurs. Hier regieren die Superlative, klein und bescheiden ist das einzige, was es hier nicht gibt. Alles ist so riesig, gigantische LED-Wände blinken, blitzen, flimmern. Auf den Bürgersteigen hat sich noch eine Zeile kleinerer Restaurants dazwischen gequetscht. Im Gegensatz zu den kleinen, bescheidenen neben unserem Apartment sind die aber neu und chic.

Dass hier in der Stadt viele Reiche und Megareiche residieren, ist nicht zu übersehen: Feine Apartmentblocks mit viel Security, dicke Autos, Edel-Brands wie Louis Vuitton haben hier Stores, die das KeDeWe klein aussehen lassen. Doch zwischen den tollen, schicken Prestige-Bauten der Stadt liegen vor aller Augen, aber trotzdem unsichtbar, die Schmuddelecken der alten Stadt. Die kleinen oft eher etwas armseligen Behausungen derer, die den anderen das Leben schön machen: kochen, putzen, reparieren, liefern. Sie leben in Straßenzügen, die aus verfallenen, hässlichen und kleinen Häusern bestehen, im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten der Giganten nebenan. Obdachlose schlafen auf dem Boden, streunende Tiere suchen Fressen. Alltag in KL.

Aber ich schweife ab und greife vor. Erstmal weiter mit meinem ersten Ausflug. Auf der Hauptstraße angekommen, habe ich erstmal nur dagestanden und gestaunt. Klingt albern, war aber so. Eine Mall nach der anderen, davor glitzernde Springbrunnen, leuchtende goldene und silberne Eingangstore wie aus 1001 Nacht, der brodelnde Verkehr auf der Straße mittendurch.

Die nächste geöffnete Apotheke wird mir in der Bukit Bintang Plaza Mall angezeigt. Um das Ganze jetzt nicht noch mehr auszuwalzen: Ich habe trotz freundlicher Hilfe des zahlreichen Wachpersonals 15 Minuten gebraucht, um diese Apotheke zu finden. Hier sind auf 48 Stockwerken (drei unterirdisch) mehr als 1000 Geschäfte und Restaurants untergebracht. Der Grundriss entspricht der eines kleinen Viertels. Mittendrin ein mit tausenden Lichtern beleuchtetes goldglänzendes Wunderland als Atrium, kitschig wie aus 1001 Nacht. Und die meisten Läden in dieser Mall sind von der gehobenen Art, viele gehören zum obersten Preissegment. Wer kauft das alles??

Und natürlich gibt es auch außerhalb dieses gigantischen Komplexes weitere große Einzelstores der beḱannten Labels, eher selten auch mal eine Zeile Stände und Läden mit einheimischem Billigkram . Vieles hier grenzt an Gigantomie. Und das beschränkt sich nicht auf unser Viertel Bukit Bintang, wie ein Blick aus unserem Fenster im 20 Stock zeigt. Auch in der restlichen Innenstadt wird repräsentiert, geprotzt und gewetteifert.

Schon ein Blick aus unserem Fenster im 20. Stock gibt des Blick auf viele andere riesige Gebäude frei. Jedes anders, fast jedes unverwechselbar.

A propos Blick. Ein Grund, warum wir uns für das Axon Residence entschieden haben, waren die Fotos von einem Infinity Pool im 37. Stock. Das sollte unser kleines Extra für die letzten Tage sein, in dieser heißen Stadt. So abends, nach dem Sightseeing. Dachten wir. Falsch gedacht! Ramadan! Das Ding wird knallhart geschlossen, obwohl ein Großteil der meisten Gäste und Mieter hier gar keine Muslime sind und man damit wirbt! Das empfinde ich als Ignoranz allen Nichtmuslimen gegenüber, deren Geld man gern nimmt. Meine Verärgreung wird mit einem Schulterzucken abgetan. Später treffe ich noch etliche verärgerte Gäste…

Die Sache mit dem Ramadan ist ohnehin ein wenig seltsam. Ich weiß natürlich, welcher Gedanke hinter dem Fastenmonat steckt. Aber ich verstehe nicht, wieso dann nach Sonnenuntergang nicht nur alle Sinnesfreuden wieder erlaubt sind, sondern geradezu zelebriert werden. Nehmen wir nur das Essen: Tagsüber weder Essen noch Wasser und kaum geht die Sonne unter, wird gegessen, was nur geht. Alle halal Restaurants hier werben mit ihren Angeboten zu riesigen Ramadan-Büffets am Abend. Und sobald es dunkel ist, ist es überall brechend voll und es wird genussvoll und überreichlich geschlemmt.

Wir erobern die Stadt ersteinmal schrittweise, zu Fuss. Tapfer und neugierig spazieren wir – schweisstriefend – durch Gassen und große Straßen. Vorbei an der modernen Hochbahn, die die Stadt auf hohen Betonträgern durchschneidet. Mehrere Autobahnen durchpflügen KL, wie es die Einheimischen wohl nennen. Die großen Magistralen sind breit, oft sechs- oder achtspurig, der Verkehr ist einfach irre. Ununterbrochen. Aber immerhin gibt es noch Bürgersteige. Und viel Polizei.

Wir sind haben uns Chinatown als Ziel ausgesucht mit dem berühmten Straßenmarkt in der Petalin Street. Keine besonders aufregende Strecke, aber das Laufen durch eine fremde Stadt gibt einem doch immer so ein bisschen Gefühl für den Ort. Die Mischung der Kulturen, Volksgruppen und Religionen prägt das Stadtbild. Namen, Bezeichnungen, Schriften: Arabisch, Chinesisch, Malay, Hindi. Vom Tschador bis zum Minirock, vom Sari bis zum chinesischen Seidenkleid, Fez, Kippa, Basecap oder rosa Punkfrisur – hier geht alles.

Endlich haben wir Chinatown erreicht und auch schnell die Petalin-Street gefunden. Ein typischer Straßenmarkt, über dem die üblichen fröhlichen roten und gelben chinesischen Laternchen schaukeln. In Kreuzform kuschelt er sich in die Gassen des Viertels. Hier gibt´s sehr viele leckere Dinge zu essen, von Nudeln über Fleisch, Fisch , Obst, Süsses bis der Zahnarzt kommt. Und leckere Säfte: frisch gepresstes Zuckerrohr mit Zitrone, Mango-Shakes, Eis-Cappucino – außer Wein und Schnaps eigentlich alles.

Dutzende Stände mit immer denselben T-Shirts, Caps, Taschen und Hosen, Fake-Marken-Uhren, Technikfirlefanz und auch mal Nützliches…. jeder kennt das aus irgendeinem Urlaub. Aber die Leckereien sind was besonderes! Und wir entdecken ein Massagestudio „Thai/Bali Style“. Genau! Das hat uns gefehlt.

Das Abendessen versinkt im Regen, der hier wohl an den meisten schwülheißen Tagen irgendwann alles dampfen lässt und die Bürgersteige und Fahrbahnen in glitschige Stolperstrecken verwandelt. Wir sind geschafft vom vielen Pflasterlatschen und so vielen neuen Eindrücken! Infinity-Pool ist nicht….also bleibt ein Abendessen im Viertel und vielleicht ein kaltes Bier? Gibt´s ja nicht überall. Aber unter einer Plane vor dem Regen versteckt, klappt das dann doch noch mit dem vollem Magen und dem Feierabend-Bier.

21 – Zurück ans Meer -Semporna

Der Dschungel sagt uns ein letztes Mal Good Bye: Auf der Fahrt zur Bushaltestelle in Kinabatang hält der Fahrer plötzlich an, am Straßenrand parkt schon sein Kollege, der andere Touristen zu einem anderen Bus bringt. Große Aufregung…?? Ja, tatsächlich! Auf einer großen verwilderten Lichtung vor dem Wald sagt ein kleiner Elefant „GoodBye“! Ein bisschen schüchtern versteckt er sich im Unterholz und wackelt dann gemächlich fressend Richtung Wald. Tschüss, Kleiner, grüß die Familie!

Die fünfstündige Fahrt führt durch Landschaften, die sich nur gelegentlich in der Landschaftsformation unterscheiden, sonst ist immer nur eins zu sehen: Palmöl-Plantagen. Es ist deprimierend, also packe ich lieber mein Tablet aus und schreibe, auch wenn meine Haltung dabei eher ungesund ist.

Endlich wird die Landschaft eindeutig flacher – wir kommen in die Küstenregion. Trotzdem Palmöl…

Um drei Uhr nachmittags kippt uns der Bus in einer ziemlich hässlichen Stadt aus: Semporna.

Dass so viele Touristen nach Semporna kommen, hat nur einen Grund: vor der Küste liegen in der Celebessee kleine Inseln, die bekannt sind für ihre Tauchspots, die zu den schönsten der Welt gehören. 

Deshalb sind wir hier. Also irgendwie vor allem meinetwegen, auch wenn Schnorchler hier genauso auf ihr Kosten kommen.

Am schmuddeligen Busbahnhof drängeln sich gleich ein paar junge Männer mit alten Schubkarren, die einem das Gepäck ins Quartier fahren wollen. Sie verlangen zu viel, selbst der Preis, auf den wir sie runterhandeln ist zu hoch, aber wir lassen uns darauf ein, da unser Quartier nur ein paar Gehminuten entfernt liegt.

Der erste Eindruck wird vom zweiten abgelöst: Ja, die Stadt ist wirklich hässlich und in keinem guten Zustand… Man muss auf seine Füsse achten, um nicht über den bröckelnden, holprigen Zement zu stolpern oder auf die vielbefahrene Straße zu geraten, was aber gar nicht möglich ist, weil manchmal ein Stück Bürgersteig fehlt. 

Wir haben ein Zimmer in Dong´s Homestay gebucht, offensichtlich wieder ein chinesischer Vermieter. Das Haus liegt in einer chinesichen Wohnsiedlung, die angenehm ruhig und sauber wirkt. Gut gemacht. 

Es gibt noch eine kleine Debatte mit den Schubkarrenjungs, die plötzlich das Doppelte verlangen von dem ohnehin schon zu großzügigen Preis. Das ist neu, so etwas habe ich in Asien noch nicht erlebt. 

Mr. Dong ist ein freundlicher und fröhlicher Chinese, der uns gleich erzählt, dass er früher mal in der Sowjetunion gelebt hat. Sein Haus hat 8 saubere, kleine Gästezimmer mit Bad und einen Eingangsbereich mit Sesseln und Kühlschrank, den man benutzen kann. Auch vor dem Haus kann man sich an einen Tisch setzen. Alles prima.

Und dann sind wir auch gleich unterwegs ins Büro der Tauchschule, bei der ich aus dem Urwald per Whatsapp gebucht habe, um die Papiere auszufüllen und das Equipment für den nächsten Tag auszusuchen. Eine Taucherin, ein schnorchelnder Begleiter.

Danach fahren wir ins städtische Krankenhaus, weil der Schnorchler sich böse die Blase erkältet hat. Ich rate ihm zu einer Privatklinik – wir haben eine gute Auslandsversicherung – aber er möchte ins Kommunale Hospital.

Was wir dort erleben ist eine Zeitreise in die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts, was Örtlichkeit und Einrichtung betrifft! Allerdings werden auf mobilen Wagen auch ein paar sehr moderne medizinische Geräte hin- und hergeschoben. Aber der Eindruck ist … uff. Uralte Liegen mit rissigen Matrazen rundherum an den Wänden aufgeteilt, in der Mitte des ca 60 Quadratmeter großen Raums eine Büroinsel, wo die Ärztin und ein paar Schwestern und Pfleger zusammen arbeiten können.

An den vier Wänden gibt es verschiedene Abteilungen: Die „Asthma-Bay“, wo gerade ein Kind und ein alter Mann inhalieren müssen, ein weiterer Bereich, wo ein Junge mit einem Gips seine Narkose ausschläft und ein alter Mann gelegentlich vor sich hin stöhnt,  eine Red Zone, die offensichtlich gerade nicht gebraucht wird, und die Dengue-Bay. Da hier gerade kein Patient liegt, wird dem Alien aus dem fernen Europa hier eine Liege  zugewiesen für die Untersuchung. Das Laken wurde schon öfter benutzt…

Soweit , so spooky. Aber: Die selbstbewußte junge muslimische Ärztin und die Schwester machen einen wirklich kompetenten Eindruck und gehen kurzentschlossen ans Werk: Laboruntersuchungen, ein mobiles Ultraschallgerät und weiteres. Die erste Behandlung wird etwas länger dauern und da es für mich nicht mal einen Stuhl gibt, ziehe ich mich diskret zurück in unser fußläufig zu erreichendes Quartier.

Unbedingt zu erwähnen ist, dass ein ausländischer Patient für alle Untersuchungen und Therapien nur ganze 100 Ringit zahlt (Kurs 1€ :4,6 MYR). Einheimische zahlen nur 11 Ringit pro Klinikbesuch. Und ich glaube nicht, dass da irgendjemand krankenversichert war. Eine Lektion Landeskunde für Fortgeschrittene.

Die nächsten drei Tage werde ich in geraffter Form wiedergeben – einfach, weil ich die meiste Zeit unter Wasser oder auf dem Boot war. Aber eins ist klar: Die Tauchspots sind wirklich super schön! Ich hatte noch nie so viele riesige (und kleine) Meeresschildkröten um mich herumschwimmen, auf Tuchfühlung! Sie sind großartig. Und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, davon kann ich mir eine Scheibe abschneiden! Die größten waren ca 2 Meter lang. Fantastisch! 

Aber abgesehen von den Fischen, den wunderschönen Nacktschnecken und Hummern haben mich die bunten Korallen wirklich überwältigt!  Riesige Riffe. So herrliche Formen und Farben…. Und das alles in oft kristallklarem, hellblauem Wasser über einem weißen Meeresboden. 

Nur an einem Tag hat es tropische Regengüsse und Wellen gegeben, das war eher suboptimal, wenngleich es unter Wasser ruhiger und angenehmer war, als bei Wolkenbruch und hohen Wellen an der Oberfläche im offenen Tauchboot zu sitzen, wie auf der stressigen Hinfahrt. Es war eine kleine Tauchschule ohne Ressort und ich hatte das Glück, dass ich an zwei von drei Tagen meine eigene Guide hatte.

Mein begleitender Schnorchler ist nur an einem Tag mitgefahren, hatte ein paar tolle Schnorchelgänge und hat sich an den anderen Tagen als Rekonvaleszent diskret in Mr. Dongs gastlichem Hause zurückgezogen.

Getaucht wurde immer an Spots in der Nähe verschiedener Inseln: Mabul, Kapalai, Mataking und TimbaTimba. Nur die berühmteste, Sipadam, habe ich ausgelassen: Allein der Preis für die Tauchgenehmigung für den berühmten Nationalpark verdirbt einem die Stimmung. Und außerdem tröste ich mich damit, dass das Tauchen dort ziemlich stressig ist, weil man wohl fast immer gegen eine starke Strömung ankämpfen muss. Und das würde mich ziemlich stressen. 

Ich  war jedenfalls glücklich und habe mit dem letzten Dive meinen 100. Tauchgang absolviert! Und immer noch Lust!

Zu Semporna gibt es leider nicht viel Gutes zu sagen. Eine hässliche Stadt mit riesigen Müllproblemen, Slums und ohne Charme. Und: Es ist die erste Stadt in Asien, in der ich mich in gewissen Straßen unwohl und unsicher gefühlt habe. Viel Armut und unterschwellige Aggression. Wir haben uns im Umkreis von 250 Metern von unserem Guesthouse bewegt, nur mal essen und einkaufen. 

Wenn sich die Verantwortlichen da nichts einfallen lassen, versinkt die Stadt – und sogar das Meer demnächst ganz im Müll. Es ist furchtbar anzusehen! Und die sozialen Probleme würden wohl geradezu explodieren, kämen eines Tages weniger Touristen…

Mit beginnendem Ramadan nehmen wir Abschied – die muslimischen Restaurants – alle, bis auf die chinesischen – machen erst nach Einbruch der Dunkelheit auf. Aber immerhin hatten wir ein leckeres letztes Abendessen. 

Und morgen geht´s auf zur letzten Etappe: Kuala Lumpur!