3 – Im Beiwagen durch Hua Hin

Die Mandarin Lodge hat einen hübschen kleinen Pool, zu dem eine kleine Bar gehört. Super: Frühstückskaffee am Pool. Sogar echten Espresso…..denke ich. Dann kommt die Ernüchterung, der Kaffee ist schauderhaft. Und ich kann ihn nicht mal stehen lassen, die nette Frau an der Bar beobachtet mich stolz!

Schnell stürze ich das Zeug runter und greife meinen Rucksack für den Tag unterwegs. Drei Ecken weiter gibts dann eine italienische Kaffeebar und Entschädigung für die Plempe im Hotel. Es ist schon wieder brutheiß und Scharen europäischer Rentner streiten sich um die TukTuks, um zum Strand zu fahren. Gut für die Fahrer, da wird nicht lange um die Preise gefeilscht.

Mein Plan für heute: ein Künstlerviertel, von dem ich gelesen habe, und später der große Strand von Hua Hin. Ich schleiche in der prallen Sonne die große Hauptstraße entlang in der Hoffnung auf ein Songtaew, das mich in die Nähe des Viertels bringt. Jede Menge Verkehr, aber kein Linientaxi. Ich schmelze und habe die Abgase satt. Plötzlich hält eine sehr dunkelhäutige ältere Frau mit einem verschrammten Motorrad mit Beiwagen (!) neben mir. Ein fast zahnloser Mund strahlt mich an:“Taxi?“

Ja, das gefällt mir. Das ist kurios. Ich frage sie nach dem Artist Village Baan Sillapin. Ja klar, kennt sie und über den Preis sind wir uns auch schnell einig. Also hiefe ich mich in den metallic blauen Beiwagen, werde mit einer Handvoll seltsamer Nüsse versorgt und ab geht die Post. Fahrtwind! Meine Köpertemperatur sinkt wohltuend.

Eine ziemlich lange Weile folgen wir der Hauptstraße nach Norden. Die Stadt zieht sich ewig hin. Vorbei an Einkaufsmalls, Hotels, irgendwelchen Firmensitzen, modernen Appartmentblocks. Und vielen Regierungs-und Militärgebäuden, die hier – wie überall – auf großen ummauerten Grundstücken stehen, die thailändische Fahne immer gehisst.

Die obligatorischen weißen Mauern sind immer mit gerafften gelben Stoffbahnen geschmückt – ich weiß, das dies die Farbe des Montags ist und der beliebte König Bumipol an einem Montag gestorben ist, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das imme damit zu tun hat. Jedenfalls gibt es zudem immer irgendwo einen gold- und glitzergeschmückten prunkvollen Rahmen, in dem ein überlebensgroßes Portrait des wenig beliebten neuen Königs – mal allein, mal mit Gattin, mal mit Mutter – prangt.

Maha Vajiralongkorn ist seit 2016 König und wegen diverser Skandale, seines totalitären Regierungsstils und seiner Demokratiefeindlichkeit ziemlich unbeliebt. Aber – er ist mit ca 70 Milliarden Dollar der reichste Monarch der Welt. Und- er verbringt dem Vernehmen nach einen großen Teil seiner Zeit in Bayern. Ach ja: und auf Majestätsbeleidigung – und sei es ein blöder Witz – steht hier Gefängnis.

Ich bin etwas ausschweifend geworden, aber irgendwie dachte ich, so viele Menschen fahren nach Thailand, aber nicht viele wissen viel darüber, so wie ich noch vor ein paar Jahren.

Zurück zum Ausflug. Nach ziemlich langer Zeit fährt meine wackere Taxibikerin links ran und erklärt mir gebärdenreich, dass sie wohl doch nicht weiter weiß…. Uups. Späte Erkenntnis. Also her mit google. Und siehe da: wir sind falsch und uns trennen ca 12 km vom Ziel. Was soll´s, wir starten neu und ich lotze sie. Ich kann ihr nicht böse sein. Sie ist wirklich ein Original und hat es nicht nur gegen die männlichen Kollegen hier bestimmt nicht leicht. Das Geld hat sie ganz sicher nötig. Und ich habe es nicht eilig – auch wenn der Weg nun mehr als doppelt so lang ist.

Endlich haben wir Baan Sillapin gefunden! Aber verwirrt sehe ich ein großes, staubiges, baumbestandenes Grundstück mit ein paar leeren Kiosken und 5 Statuen… Künstlerdorf?? Meine Fahrerin schaut genauso blöd wie ich und fängt gnadenlos an zu kichern! Schließlich kichern wir beide…. Aber ich steige doch aus und will noch mal in dem unscheinbaren Gebäude nachsehen. Ich bitte sie zu warten und mich zurück zu fahren.

Und es gibt sie doch, die Kunst im Künstler-Village! Das Gebäude ist größer als es aussieht und beherrbergt die Gallerie eines größeren Künstlerkollektivs. Die Ausstellung präsentiert in wilder Mischung nicht nur verschiedene Künstler, sondern auch krass unterschiedliche Kunstgattungen und -stile von martialischen Metallskulpturen aus dem Bereich der Metal Gear und Comic – Welt bis zu ganz traditioneller Malerei, Skulpturen und Schnitzkunst. Ziemlich verrückt, das Ganze. Und nicht etwa getrennt präsentiert, sondern alles hübsch vermischt. Aber spannend anzusehen. Und -ganz nebenbei – hier, wie an vielen Orten, hängt wieder das Bild des alten Königs.

Auf geht´s , zurück ins zentrale Hua Hin. Ich will an den Stadtstrand, der ziemlich lang sein muss. Diesmal gleich mit meinem Navi, denn meine tapfere Bikerin besitzt offensichtlich kein Handy. In kurzer Zeit sind wir diemal am Ziel. Ich steige aus, meine Fahrerin traut sich keine Summe zu sagen. Ich zahle einen guten Preis, was mir ein weiteres strahlendes Lächeln, eine Verbeugung und noch mehr Nüsse einbringt. War eben ein … anderes, schräges Abenteuer…

…und wie es weiterging, erzählt das nächste Kapitel….

2. Hua Hin – ein verpfuschter Anfang und ein happy end

Die Hitze lauert bereits vor dem Fenster, als ich ausgeschlafen habe. Obwohl ich nur einen Lichtschacht mit irgendwelchen Gerümpel sehe, statt des beworbenen  Meerblicks…. Ich habe gut geschlafen, bin aber auf Krawall gebürstet wegen der enttäuschten Erwartungen. Also begrüße ich die Rezeptionsfrau höflich und frage nach einem anderen Zimmer, das der Anzeige gerecht wird . Sorryyy, madaaaam. We are fuuull! This (bedauerndes Schulterzucken): booking-com-room…( erneutes Schulterzucken). Ich koche…

Ich erkläre ihr mein Problem mit dem krassen Unterschied von „gewählt und bekommen“, darauf bietet sie mir an, nur eine Nacht zu berechnen, wenn ich innerhalb einer Stunde ein neues Quartier finde und auschecke. Also stürze ich los, da ich sicher bin ich, dass das ein Leichteres sei bei den vielen Guesthouses und Hotels.

 Auf diese Weise absolviere ich eine erste Sightseeing Runde durch mein quirliges Viertel, das direkt am Meer liegt. Hunderte Massage-Salons, Restaurants, Maßschneider, die in kürzester Zeit neue edle Outfits schneidern, Galerien und sonstige Läden. Die kleinen Gassen sind mir irgendwie vertraut und symphatisch: bunt, etwas heruntergekommen, aber dann wieder liebevoll mit kunterbunten, oft goldglitzernden Hausaltären versehen. Überall stehen Fahrräder und Motorräder, Gerümpel stört hier sowieso niemanden. Früchte und Krabben werden auf Tüchern getrocknet, die kleinen frischen Blumengebinde für den täglichen Schutz machen alles fröhlicher. Und überall Katzen und friedliche Hunde.

Aber so richtig genießen kann ich es nicht, mir klebt alles am Leibe und meine Stunde läuft unerbittlich ab. Es ist nicht nur Hochsaison, sondern auch ein verlängertes Wochenende. Überall besetzt. Als ich es fast aufgeben will, finde ich ganz in der Nähe schließlich doch ein Guesthouse, die Mandarin Lodge.

Ein charmanter ladyboy an der Rezeption findet noch ein Zimmer: Ich sehe es und bin happy. Also zurück zum Hotel, auschecken in  letzter Minute. Als ich samt Gepäck wieder zurückkomme, ist die Chefin in der Rezeption: Sorry, mistake, this room is booked!….Waaas?? Aber sie kann mir ein sehr teures Zimmer für eine Nacht anbieten oder ein…etwas einfaches…. Also notgedrungen dann das einfache: groß, sauber, alt, dunkles Holz, keine Fenster, nur Läden. Brutheiß.  An der Decke bemühen sich altersschwache Ventilatoren schrappend um etwas frische Luft. Und das mir… Zugluft, oh Gott!

Egal, ich will mir den Tag nicht verderben lassen. Ich mache mich auf, um zu einer der Sehenswürdigkeiten Hua Hins -natürlich einem Tempel-zu fahren. Ich entscheide mich angesichts des chaotischen Verkehrs, kein Motorrad zu mieten, sondern mit einem Sammeltaxi zu fahren, einem Song Thaew. Man winkt es an der Strecke ab. Ich frage mich bis dahin durch und finde auch einen Platz in dem altersschwachen Modell.

Diese Beförderungsart ist super billig, hat aber den Nachteil, dass man wissen muss, wo diese Linientaxis langfahren und wo man ein- und aussteigen will. Es sind offene Pick Ups mit einem Sonnendach und zwei Bänken, aber meist sind sie so voll, dass auch hinten auf dem Einstieg noch Leute auf den Stufen stehen und sich gut festhalten müssen.

Das Auto ist nach kurzer Zeit knallvoll, hinten fallen die Leute fast runter, aber das regt keinen auf. Die Song Thaew sind ein demokratisches Verkehrsmittel: Einheimische benutzen sie genauso wie Touristen. Die hübschen bunten, laut knatternden und stinkenden TukTuks hingegen werden meist nur von Touristen genutzt. Oder man nimmt sich ein Taxi – die teuerste Variante.

Mein erstes Ziel ist der Tempel Wat Khao Krailart. Er liegt auf der Spitze eines bewaldeten kleinen Berges am südlichen Ende von Hua Hin. Rund 130 hohe Stufen muss man erklimmen, auf denen einem etliche Hunde und Katzen begegnen. Traditionell füttern die Mönche immer Streuner, die dann natürlich gern bleiben. Oben angekommen umfängt mich eine unglaubliche Stille, obwohl hier und da einige Mönche an den Gartenanlagen arbeiten.

Zum Tempel gehören mehrere Gebäude – alles kleine Tempel für sich. Bunt und gold glitzernd liegen die einzelnen Gebäude über die Bergkuppe verstreut, eine riesige Goldene Buddha-Figur blickt ins Tal. Es herrscht eine friedliche Stille, über der Anlage: Ein terassenförmiger Garten mit einem kleinen Teich, alte blühende Bäume, schlafende Tiere und immer wieder glitzernde Stauen und Tempelgebäude. Und zur Krönung: ein wunderbarer 360 Grad-Blick über Hua Hin und das Meer.

 Der Haupttempel ist gerade wegen des Gebets der Mönche geschlossen, aber ein anderer ist offen. Ich habe ihn ganz für mich und kann den farbenprächtigen Raum, den Blumen geschmückten Altar und die friedliche Stille auf mich wirken lassen. An den Wänden sind Gleichnisse und -zum Teil- blutrünstige, aber auch lehrsame Geschichten dargestellt. Gleichnisse, wie es es sie –  anders – auch in der Bibel gibt. 

Es ist herrlich kühl hier im Schatten, mein Körper erreicht wieder Normaltemperatur. Ich wandere noch ein wenig herum und  mache mich an den Abstieg. Gefühlt sind es jetzt wieder 40  Grad, schon wieder schweißüberlaufen wanke ich ins nächste Restaurant und kühle mich mit einer eisgekühlten grünen Kokosnuss ab. Wo ist der Strand?? Irgendeiner! Bitte!

Ich finde den nächstgelegenen nach 10 Minuten Fussmarsch: eine langgestreckte Bucht, feiner Sand, blaues Meer. Ich reiße mir die Kleider vom Leib, um endlich ins Wasser zukommen. Herrlich! Auch der Blick die Küste entlang könnte schön sein, wären nur diese riesigen Hochhäuser und hässlichen seelen- und stillosen Betonklötze nicht…

Ich bitte eine nette Französin, auf meine gesammelte Habe zu achten, später kommen wir ins Gespräch – wenn man das so nennen kann: sie spricht nicht deutsch, ich nicht französich. Aber irgendwie gehtś. Sie fragt mich, ob ich mit ihr noch mal in die andere Richtung spaziere, hinter den riesigen Felsen rechterhand. Mit T-Shirt und Badehose gehen wir los, was mir dann irgendwann etwas unangenehm ist, da sich zeigt, dass auf der anderen Seite der Fischereihafen und der Fisch – und Meeres Früchte-Markt liegt. Aber von diesen Ausländern erwartet man nicht viel Etikette oder vernünftige Kleidung von uns, trotzdem fühle ich mich unwohl.

Neben den unendlichen Ständen mit blubbernden Aquarien mit Fisch, Hummern, Austern, Muscheln, Langusten, Krabben und……und…. und , stehen hier auch einige kleinere Restaurants und Wohnhütten. 20 m weiter schützt eine gigantische Betonmauer die Bewohner und Touristen des strunzhässlichen grauen Edelbeton-Komplexes mit schicken Appartments deren Bewohner vor dem Pöbel. Furchtbar! Oder, wie die Französin sagt: Bizarre!

Am Ende des Marktes habe ich die Auffahrt zum Wat Khao Takiap entdeckt, einem weiteren bekannten Tempel auf einem von Affen bevölkerten Berg. Der Plan steht: Zurück zum Strand, nochmal abkühlen und auf zur zweiten Tempelrunde, auch wenn ich schon ganz schön müde bin.

Tapfer laufe ich an den allgegenwärtigen neugierigen und immer hungrigen Makaken vorbei, die den Tempelberg als ihr Terrain betrachten. Nicht anschauen, habe ich gelernt, das könnten sie als Aggression verstehen… und die Zähne sehen gefährlich aus…

Der Weg führt steil bergan, gesäumt von blühenden Bäumen: Beaugainvillea in vier Farben , weißblühenden knorrige Wüstenblumenbäume und manch anderes, was ich nicht benennen kann. Etwas japsend erreiche ich die Bergkuppe und damit die Tempelanlage. Der Haupttempel erstrahlt in weiß, gelb, rot und Gold und drinnen hört man die Mönche jene seltsamen Sprechgesänge singen, die nie zu enden scheinen.

Aber es gibt noch ein paar weitere bunte kleinere, offene Altäre, Tempel und eine riesigen Gong. Und: am Ende einer weiteren, endlosen Treppe gen Himmel thront ein weiterer weißgoldener Tempel auf der Spitze des Berges. Der ist allerdings geschlossen. Trotzdem schleppe ich mich hoch, weil ich weiß, dass dieser Punkt eine der schönsten Aussichten über das Land und das Meer bietet. Und der Himmel färbt sich bereits rosa, bevor die Sonne untergeht.

Nun ist aber genug Kultur: Ich habe Hunger! Und was läge näher, als gleich auf dem Fresh Seafoodmarket Kao Takiap zu speisen! Inzwischen ist es dunkel, die Fischerboote schaukeln schlafend auf dem Wasser und die fröhlich beleuchteten Restaurants einiger Händler haben geöffnet. Unendliche Reihen angestrahlter Becken mit lebenden Meeres-Bewohnern warten auf ihr Schicksal-nur die Fische sind schon tot. Alles andere gibt’s auf Bestellung. Lecker, aber auch gruselig.

Ich suche mir einen Tisch auf der Holzterasse direkt über den Becken, da kann ich alles beobachten. Mich reizen die Lobster und vieles mehr – aber nachdem ich vor 15 Jahren in Vietnam beim Tauchen neben einer Lobsterfarm vom Wasserschlucken eine schwere Vergiftung von all den Medikamenten und Antibiotika hatte, traue ich mich nicht mehr, so etwas in Asien zu essen. Es ist vermutlich Unfug und hier vielleicht auch anders, aber… nee, geht nicht.

Ich bekomme einen riesigen Snapper vom Grill, extra für mich gemacht, gestopft mit Ingwer, Lorbeer, Chili und Kräutern . Wunderbar! Pappesatt und zufrieden lasse ich mich von einem Motorradtaxi nach Hause bringen. Den Gedanken an das scheußliche neue Zimmer habe ich verdrängt. Und: es gibt noch Wunder: Die Hotelchefin des Mandarin Lodge empfängt mich strahlend mit der Neuigkeit, dass die erwarteten Gäste nicht angereist sind und ich das schöne Zimmer Nr. 4 haben kann!

Nach dem verpfuschten Tagesbeginn ist es also doch noch ein spannender, wenn auch anstrengender Tag geworden! Raatri sawasdi! Gute Nacht!

ASIEN AGAIN – 1 – Thailand /Malaysia 2025

Schon wieder Asien…? – hat nicht nur ein Freund gefragt. Ja, schon wieder! Denn wenn ich etwas für meine Seele tun will und außerdem Abenteuer und neue Entdeckungen will, dann ist das einfach erste Wahl. Es tut meiner Seele gut: Soviel Lächeln und respektvolle Umgang miteinander, soviel alte – und neue – Kultur, wunderschöne Landschaften …. soviel Farbe, so gutes Essen!. Also ja, schon wieder Asien.

Zwar haben wir die Reise wieder in Bangkok begonnen, in dieser Stadt der krassen Widersprüche, charmant, schwer auszuhalten, magisch, verrückt und doch voller Tradition. Mich fasziniert diese Stadt immer wieder neu. Dennoch habe ich mich entschieden, diesmal nicht über Bangkok zu schreiben, da ich es schon mehrfach getan habe. Dennoch: meine Faszination bleibt für all die Widersprüche: Tradition und Supermoderne, schön und häßlich, Hochhäuser (das höchste 309m) und Millionen kleine Hütten und Häuschen für die Masse.

Die Armut der breiten Masse ist erschreckend, auch wenn ich in den letzten Jahren immer mehr neue Reiche bemerke, für die totschicke Appartment-Giganten hochgezogen werden, was vorher da stand , wird eben platt gemacht. Aber genug davon, das war nur zum Aufwärmen.

Erst mit der zweiten Etappe, für die wir uns auf eine gute Woche getrennt haben, soll dieser Bericht beginnen. Mich treibt es südwärts an den Golf von Thailand, in das königliche Seebad Hua Hin, bevor ich auf die Insel Koh Tao, fahren werde – dahin, wo ich bei meinem allerersten Thailandbesuch vor über 10 Jahren das erste Mal hier tauchen war. Revival.

Ich habe mich für den Zug entschieden, um die Küstenstadt Hua Hin, den königlichen Badeort, zu erkunden. Der neue große Bangkoker Terminal Richtung Süden, der Krung Thep Aphiwat Central Terminal, der State Railway of Thailand ist gigantisch und strahlt in purem Marmor, blitzsauber. Riesig… Ich war schon von den 6 Eingängen überfordert.

An allen Zugänge steht mindestens ein Sicherheitsmann mit einem Scanner – Terrorismus ist auch hier ein Thema. Ich war völlig orientierungslos, schier ratlos, zu welchem Einlass ich musste. Aber – der Sicherheitsmann hat sich kurz verbeugt, meinen Koffer gegriffen und mich quer durch den Bahnhof zum richtigen Einlass – fast hätte ich gate gesagt – gebracht. Wie auf dem Flughafen werden jeweils hier an Durchgangsschranken die Tickets gescannt, nur wer am richtigen Aufgang steht, darf rein.

Ich hatte ein Ticket „2. Klasse mit Ventilator“. Schön der schmale, wacheḱelige Einstieg war …besonders. Erstmal drin dachte ich, ich soll in einem historischen Film á la „Brücke vom River Kwai“ mitspielen: Klapprige Holzwagons mit schmalen offenen Durchgängen zum nächsten Wagen, dunkelbraune Kunstledersitzen und zweiteilige Holzfenstern. An der Decke drehten sich fauchend uralte Ventilatoren. Der Gang ist so eng, dass schon ein kleiner Koffer ein Problem ist . Fast alle lassen die Fenster weit offen, es fühlt sich an wie auf offener See. Nur für Menschen wir mich mit einer Zugluft-Phobie ist das schon ein kleines Problem. Was sollś: Sonnenbrille auf, in Tücher gewickelt, schicksalsergeben.

Aber eins funktioniert perfekt: die Versorgung. Pausenlos kommen Händler und Angestellte der Bahn durch die Reihen mit riesigen Mengen Essen jeder nur denkbaren Art: warm, kalt, süss, salzig, scharf in Tüten (auch Suppen!), Schachteln, Bechern, Papier. Und die Thais essen am laufenden Band. Mit der Essenmenge hätte man eine Kleinstadt durch eine Hungersnot gebracht. Und zwischendurch erscheint immer mal ein Angestellter mit dem Wischmopp in den Gängen.

So klapprig der Zug auch aussieht, so sehr er über die Gleise schaukelt und ächzt: Er ist tatsächlich auf die Minute pünktlich, als er nach vier Stunden in Hua Hin einfährt. Einem wunderschönen historische Bahnhof in Rot und Gold mit Säulen, Drachen und anderen Fabelwesen. Und blitzsauber. Auch so ein verrückter Widerspruch: Es gibt hier oft ein Müll- und Dreckproblem, aber: an bestimmten Orten könnte man vom Boden essen.

Sofort fällt ein illegaler Taxifahrer über mich her, aber da ich weiß, wie weit das Hotel entfernt ist, einigen wir uns schnell auf einen vernünftigen Preis und ich bin froh, schnell ins Hotel zu kommen. Wir fahren durch eine quirlige, mit tausenden Lampen und Lämpchen erhellte Stadt, in der es nur so wimmelt. Ein großer Boulevard ist in den Pride- Farben beleuchtet. Schließlich ist Thailand ja auch das Land der Ladyboys, die schon immer als das dritte Geschlecht gelten -lange vor LGBTQ.

Nach einigem Herumgesuche im Gassen Gewirr haben wir das Hotel un gleichnamige Guesthouse Fulay in Meeres Nähe gefunden. Die Fotos in der Annonce waren bestechend schön, so dass ich von meinem sonst eher etwas knickerigen Unterkunftssuchen abgekommen bin, um mir mal was schönes zu gönnen.

Umso größer meine Enttäuschung als mein Zimmer in einem großen Hochhaus ist, direkt neben der Treppe, ohne Ausblick, klein, alt und in die Jahre gekommen. Aber es ist spät, niemand mehr da und ich bin hungrig und müde.

Also ärgern verschoben, ich lasse mir den Weg zum Nachtmarkt erklären, um noch ein bisschen Witterung der Stadt aufzunehmen un zu essen. Die Nachtmärkte gibt es in Thailand in fast jeder Stadt. Hier gibt es gleich mehrere. Der Trubel und die vielen Lichter machen fast ohne Alkohol betrunken – gut so, denn heute gibt s zu meiner Enttäuschung keinerlei Schlaftrunk: Für 36 Stunden herrscht Alkoholverbot: es sind Wahlen in Thailand.

Ich lasse den Nachtmarkt mit viel zu viel Touristen und zu wenigen Einheimischen hinter mir und esse für ein paar wenige Taler an einer kleinen Bude an einer Ausfallstraße. Satt, müde und ohne Bier falle ich dann in mein leicht wackelige Bett.

25 – Schlangen, Loris und Fledermäuse zum Abschied

Und ewig lockt der Dschungel… Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, wie könnten wir sie besser nutzen als nochmal abzutauchen ins tiefe Grün! Obwohl Großstadtkinder müssen wir nicht darüber diskutieren, ob und wieviel Dschungel noch sein muss…:-)

Night-Trekking in den Urwald! Wir bekommen ein extra Briefing, damit wir gut vorbereitet sind: unbedingt eine Kappe, falls sich Tierchen von oben aus den Bäumen auf uns fallen lassen oder Frösche auf uns zu springen. Unbedingt lange Socken über die Hosen, vor allem wegen der Blutegel. Und natürlich hat jeder seine Lampe, denn der Urwald ist wirklich schwarz bei Nacht.

Dieki hat diesmal die Führung einem Freund überlassen und macht den Schlussläufer. Der Führer ist ein echter Dschungelspezialist für die Nachttrecks. Ipol ist alles andere als ein Durchschnittstyp…eher ein schräger Freak und das findet er wohl auch ganz gut. Aber: Niemand soll hier den Wald bei Nacht so gut kennen wie er – spezialisiert vor allem auf Schlangen und Reptilien.

Ipol ist ein eher schmächtiger kleiner Mann, der schon äußerlich Aufmerksamkeit erregt. Mit Gummistiefeln und Muskelshirt bekleidet, trägt er ein großes selbstgefertigtes Messer am Gürtel: eine scharfe, ziemlich gefährlich aussehende Eisenklinge an einem Knochengriff in einem Fellschaft. Um den Hals trägt er eine Kette mit verschiedenen Knochen, Kiefern und getrockneten Köpfen von Reptilien – er sieht aus wie ein Medizinmann mit seinen langen Haaren. Aber das klingt sehr nach Show – ist es aber nur zum kleinen Teil: Der Dschungel ist seine Welt, das spürt man sofort. Er hat sein ganzes Leben nichts anderes gemacht. Ipol, the Snake, arbeitet als Tierretter. Und er wird öfter als Spezialist angeheuert für Filmdokumentationen und Projekte – zuletzt für die Animal Rescuer auf Netflix.

Wir marschieren am Hotel los und sofort fängt Ipol an, die Tiere der Nacht zu suchen. Er leuchtet fast jeden Baum am Weg ab, und tatsächlich entdeckt er schon nach 15 Minuten die erste Schlange auf einem Baum. Nachdem wir eine der ziemlich wackeligen Hängebrücken über den rund 50m breiten Fluss überquert haben, um auf die Dschungelseite zu kommen, zeigt er uns alle paar Minuten Schlangen, Frösche, Chamäleons, Fledermäuse und anderes Getier in den Bäumen und Büschen, die wir wohl nie bemerkt hätten in der Finsternis mit ungeübtem Blick.

Als besonderen Vorführgag steckt Ipol sich eine zusammengerollte Viper in den Mund und lässt sie wieder herausschlängeln – ich kann´s nicht fassen, mir graust es. Er lacht und auf meine Frage, ob die Viper nicht giftig sei, antwortet er: Yes, but not so much!  Und grinst. Aber bei allem Unfug ist er wirklich ein Spezialist. Und er passt auf uns auf

Die gefährlichste und tödliche Schlange hier ist die Königskobra. Man hat nach einem Biss nur wenig Zeit, um zu überleben. Hier in der Gegend gibt es kein Gegengift – erst im 4 Stunden entfernten Medan. Vorher nur eine 1. Hilfe-Station, die den betroffenen Körperteil abbindet. Ipol weiß wovon er spricht. Er wäre vor einigen Jahren fast gestorben, als er gebissen wurde. Er konnte nichts mehr sehen, nicht mehr atmen, war bewusstlos – aber es gab nirgends das teure Gegengift. Ein beherzter Arzt hat ihm ein Stück aus dem betroffenen Arm herausgeschnitten und wunderbarer Weise hat Ipol überlebt – mit einer großen Narbe als Andenken.

Also – auch wenn es zuerst nicht den Anschein hat bei seinen Mätzchen, wird sehr schnell klar, dass er die Gefahren ernst nimmt und sehr genau schaut, wenn er vor uns durch den schwarzen Dschungel streift. Und er sieht alles! Wir profitieren davon. Wir treffen unterwegs eine andere Gruppe, als wir uns während eines Regengusses unterstellen müssen, die hat kaum etwas gesehen. Wir haben zu diesem Zeitpunkt bereits 22 Schlangen gesehen, ein paar FröscheEidechsen, Geckos und ein Chamäleon bewundert. Die Orang Utan schlafen allerdings nachts oben in ihren Nestern in den Baumkronen. Die anderen Affen haben sich auch unsichtbar gemacht. Es ist ein verrücktes Gefühl – man ist in der absoluten Dunkelheit, sieht nur, was man anleuchtet, aber da ist der Sound des Dschungels, der Geruch und die absolute Gewissheit, dass man niemals allein ist.

Mein größter Wunsch war es, Loris zu sehen, diese katzenartigen Halbaffen mit den riesigen, im Dunklen leuchtenden Augen. Ipol sagt, dass das nur noch selten klappt, weil sie sich tief in den Dschungel zurückgezogen haben. Grund dafür ist, dass es einen Markt für die possierlichen Lori-Jungen gibt, die manche Leute als Haustier haben wollen. Ein business … Die Jäger knallen die Mütter ab, um an die Jungtiere zu kommen, der Schwarzmarkt blüht….

Es ist schon spät, als Ipol plötzlich doch ein Lori hoch oben in einer Baumkrone entdeckt. Ohne seine Augen könnte man es kaum sehen. Wenn es in unsere Richtung schaut, ist es, als würden zwei kleine Scheinwerfer eingeschaltet! Unglaublich. Die Loris bewegen sich extrem langsam. Da wir es einmal entdeckt haben, können wir auch seine eigenartige Art sich fortzubewegen erkennen. Ich bin total glücklich! Mein Traum: Ich habe ein Lori gesehen! Alle sind happy, Ipol ist stolz!

Nach rund vier Stunden machen wir uns auf den Rückweg. Aber Ipol nimmt uns vorher noch mit zu seinem Haus im oberen Dorf, um uns eine Kobra zu zeigen, die er gefangen hat.  Alle im Dorf kennen den Schlangenmann und seit er hier ist, erschlagen sie die Tiere, die sich aus dem Urwald hierher verirren, nicht mehr, sondern holen ihn. Er fängt die Tiere und setzt sie dann wieder im Dschungel aus. Das neuste Fundstück hat er in zwei dicken Plastiksäcken eingesperrt. Er lässt die wütende Kobra auf der nächtlichen Dorfstraße frei, damit wir sie sehen können. Stinksauer zischt sie und richtet sich auf! Unheimlich! Aber geschickt fängt Ipol sie wieder und sie verschwindet im Sack. Puh.

Es ist nach Mitternacht, als wir wieder in unsrem Zimmer sind. Noch ein kleines Weilchen auf dem dunklen Balkon dem Sound des Dschungels lauschen und alles revue passieren lassen… So ein spannender Abend!

Unser letzter Ausflug führt uns zur Fledermaushöhle, Bat Cave, die auch im Dschungel liegt, aber nicht sehr tief. Eine knappe, schweisstreibende Stunde zu Fuss, zunächst durch das Dorf, das sich endlos am Fluss entlang schlängelt. Wieder einmal wundere ich mich, dass bei den schmalen Wegen, die das Dorf durchziehen, nicht mehr Unfälle passieren. Ewig brummen die Motorräder hier entlang, mitten durch spielende Kinder, Hühner, Katzen, Hunde, Fußgänger. Viele kleine Restaurants hoffen auf Kundschaft – allerdings ist die Auswahl an Speisen sehr begrenzt – fast überall dasselbe Angebot. Und in vielen Auslagen steht ungekühlt das fertige Essen. 

Am anderen Ufer geht es dann weiter – durch Palmöl-Plantagen. Kurz bevor der Dschungel beginnt, indem der Höhleneingang liegt, gabelt uns ein Führer auf – der Kampf um Kundschaft ist hart , vorallem jetzt in der Regenzeit, wo es nicht so viele Touristen gibt. Da man nicht allein in die Höhlen darf, die zum Nationalpark gehören, engagieren wir ihn. Eine gute Entscheidung, er ist ein guter und sehr sympathischer Führer.

Um in die Höhlen zu kommen, müssen wir einen kurzen, aber steilen Anstieg über Felsen, Wurzeln und grobe Stufen bewältigen. Prima Chance, sich am letzten Tag noch ein Bein zu brechen. Aber alles geht gut und wir erleben noch eine spannende, nicht ganz einfache Klettertour durch die drei Fledermaushöhlen. Klaustrophobie darf man nicht haben. Es ist zum Teil stockfinster, ohne Lampe ginge nichts, aber zwischendurch fällt immer wieder man von oben Licht aus Felsöffnungen herein. Es sind herrliche Ausblicke in den Dschungel über uns.

Hunderte von Fledermäusen verschlafen hier den Tag, wie es sich für Drakulas Familie gehört. Sie flattern ein bisschen genervt, wenn man sie anleuchtet. Die Klettertour führt zum Teil durch sehr enge Spalten und über spitze Felsen, aber unser Führer zeigt genau, wo welcher Fuß aufgesetzt werden muss – das macht er super. Nur nicht einfach mit der Hand an den Wänden abstützen ohne vorher genau zu leuchten, es gibt Spinnen und Skorpione! Klingt aber gruseliger als es sich angefühlt hat. Es hat wirklich Spaß gemacht!

Eine Woche Bukit Lawang. Es ist unser letzter Abend und wir wollen mit Dieki & Friends zusammen essen. Wir haben uns gewünscht, zusammen mit ihnen in dem Restaurant zu essen, wo unser Obstkünstler Dedek kocht. Es liegt einige Kilometer entfernt am anderen Dorfende. Wieder werden wir mit den unverzichtbaren Feuerstühlen abgeholt, in diesem Falle ist es beruhigend, dass die Jungs nicht trinken. Es ist schon so ein wilder Ritt durch die Nacht. 

Wir essen Curry mit Huhn und Kokossoße, Chicken Satè mit Erdnusssoße und Gado Gado (scharfes Gemüse). Und ehrlich – es ist das beste Essen, was wir in Bukit Lawang bekommen haben! Wir bekommen sogar Bier dazu. Und wir haben jede Menge Spaß zusammen! Was für ein schöner Abschied nach einer spannenden Woche im Urwald von Bukit Lawang, Sumatra, Indonesia!

Selamat tinggal – Auf Wiedersehen!?

24 – … und ewig fasziniert der Dschungel

Schon beim Aufwachen ist der Dschungel einfach da: es riecht anders, der Fluss rauscht, die Affen sind zu hören, es ist schwül-heiss und alles ist klamm. Klingt nicht so romantisch, aber – ich liebe es. Zumindest eine Zeit lang.

Die größte Blume der Welt – ist in Sumatra zu Hause. Der Titanwurz. Eine Pflanze, bei der alles nach Superlativ klingt: die ausgewachsene Wurzel kann es auf über 100 Kilo bringen, die größte Blüte auf 3,5 Meter. Und obwohl die Blütezeit im Januar und Februar liegt, haben wir Glück – wir können sie noch sehen. Sie blüht in einiger Entfernung von Bukit Lawang, rund eine Stunde mit dem Motorrad und dann noch eine knapp dreiviertelstündige Wanderung durch den Dschungel.

Diesmal überlässt uns Diekie seinen Freunden Dedek und Kittin, er hat familiäre Verpflichtungen. Die Fahrt zum Dschungel am Fluss Lau Berkail, wo die Blume wächst, bewältigen wir natürlich auf dem Rücksitz der Motorräder. Wenn man hier irgendwohin will – abgesehen von echten Entfernungen wie nach Medan – fährt man Motorrad.

Hier allerdings würde ich auf keinen Fall allein fahren und auch nicht bei Miki auf dem Rücksitz. Zu gefährlich, zu abenteuerlich, zu halsbrecherisch sind schon allein die kleinen Wege, die unseren Ortsteil mit der nächsten Landstraße verbinden. Kaum 2 Meter breit, haben sie meist eine schmale Beton-Spur, die aber eher eine Stolperfalle darstellt, so kaputt wie sie ist. Es geht teilweise richtig steil hoch und runter und außer Passanten, spielenden Kindern, Hunden, Katzen und Hühnern teilt man die paar Zentimeter dann noch mit entgegenkommenden Motorrädern. Es ist unglaublich, dass es hier nicht mehr Unfälle gibt!

Zurück zum Thema. Eine gute Stunde dauert die Anfahrt, sie führt durch das langgestreckte Bukit Lawang und Pekan Bahorok, eine eher graue, wenig attraktive, chaotische Kleinstadt, bevor es über Schotterpisten Richtung Urwald geht. Zum Glück bemerken wir noch auf den letzten Metern vor der Wildnis, dass der Hinterreifen fast platt ist. Ein paar Meter weiter ist eine winzige chaotische Werkstatt – die Sache ist nach 15 Minuten erledigt. Das Motorrad hat ohnehin schon bessere Tage gesehen, Rückspiegel und Startautomatik sind Theorie, aber wenn man eine Weile hier ist, gibt man es auf, sich wegen solcher Dinge zu beschweren, die hier keiner versteht.

Der Weg führt durch endlose Palmöl-Plantagen. Eigentlich sehr schön anzusehen, wüsste man nicht, dass dafür tausende Hektar Urwald gerodet wurden (und immer noch werden)- unwiederbringlich- und hier nichts anderes mehr wächst und lebt. Das natürliche Biotop für die Orang Utan, Tiger, Rhinos, Elefanten und Tiger ist für immer  zerstört. Die Menschen hier sind arm, die Konzerne haben es leicht, die Bauern hacken auch noch ihre ökologische weniger schädlichen Kautschukbäume um, um das doppelte bis Dreifache zu verdienen – was immer noch ein Witz ist in absoluten Zahlen.

Unsere Fahrt endet am Ufer des breiten Dschungelstroms Lau Berkai. Hier übernimmt ein lokaler Guide die Führung. Die Ranger kennen die verborgenen Standorte der Blumen im Dschungel, die immer nur maximal drei Tage blühen. Nur sie wissen, ob und wo es noch eine Blume gibt. Wir haben großes Glück, dass es eine Blüte gibt.

Die Wanderung führt zunächst am Flussufer entlang, das noch die Spuren eines großen  Hochwassers im vergangenen November trägt – hier sprechen sie von einem Tsunami. Dann geht´s noch durch Wald und wilde Limonen- und Kautschukbäume eine Weile bergauf, bevor der tiefe Dschungel beginnt. Aber da sind wir auch schon am Ziel: Eine fast künstlich aussehende Blüte, die direkt am Boden beginnt: ein rotes Kelchblatt mit einem grüngelben hochaufragendem Laubblatt in der Mitte. Ein toller Anblick – der Aasgeruch, der sie vor Fressfeinden schützt und sie für Insekten anziehend macht, ist hier zum Glück nicht so sehr zu riechen. Aber der Anblick ist wirklich verrückt – die Blume sieht künstlich aus. Die Natur ist ein Zauberer…

Unser Exemplar ist ca 1,50 m groß, aber längst nicht so groß, wie eine alte Pflanze, die schon mal eine 5 Meter hohe Blüte haben kann. Eine alte Wurzelknolle kann über hundert Kilo wiegen. Eine Blüte bildet sie nur alle paar 3 bis 7 Jahre, sie blüht nur ein paar Tage. Toll, dass wir soviel Glück haben. Unser Guide weiß auch, dass der Berliner Botanische Garten ein Titanenwurz besitzt.

Keine Pause ohne Dedeks Fruit Special….

Bleibt der Rückweg und eine Erholungspause an einem kleinen Restaurant am Flussufer mitten im Wald, das mit einer Holzterrasse an der Böschung klebt. Auf der Rückfahrt danach gibts ein spätes Mittagessen in einem der einfachen Restaurants, Warun, von Pekan Bahorok, das Padang-Küche anbietet – sie gilt als eine der schärfsten und leckersten in Indonesien. Die Guides essen begeistert mit, es stehen verschiedene kleine Schüsseln mit Gerichten aus Huhn; Gemüsen, Fisch und Kräutern auf dem Tisch und jeder hat eine Schale Reis.

Man kann mit dem Löffel essen – oder eben mit dem Fingern, was die Jungs auch tun. Immer wieder gewöhnungsbedürftig. Es werden nicht elegant die Fingerspitzen benutzt, da werden schon die halben Finger mit Reis in die Näpfe mit Fleisch und Soße gesteckt und dann in den Mund. Völlig ok, nur für uns einigermaßen befremdlich. Wir nehmen dann doch die Löffel. Nur Miki hat ein Problem hier – er ist Linkshänder und das geht in Indonesien eigentlich gar nicht. Links ist die „schmutzige Hand“, mit der man weder isst, noch etwas gibt oder annimmt.

Als Nachtisch machen wir noch eine Pause unterwegs am Fluss bei frischer Kokosnuss-Milch und dann geht es zurück nach Bukit Lawang, unser Dorf am Fluss mit den 5 Hängebrücken. Ich mag das Dorf mit seinen engen Straßen und seinen freundlichen Bewohnern.

Hier ist das Leben zwar in vieler Hinsicht muslimisch geprägt, aber das Verbot  von westlicher kufr  Musik scheint nicht zu gelten. Die Youngsters hier lieben Blues-, Rock-, Pop- und Countrymusik! Überall sieht man sie Gitarre und Bongo spielen und dazu singen. Dedek, auf dessen Rücksitz ich heute fahre, singt die ganze Zeit laut vor sich hin. Schließlich fragt er mich, ob ich nicht mitsingen will. Wir einigen uns schließlichcauf unsere Adaption von „West Virginia“ und schmettern zu zweit bei der wilden Fahrt durch die Palmölplantagen John Denvers alten Hit zum Knattern des Motorrads. Absurd und total lustig!

Morgen ist Night-Treck in den Dschungel – wie aufregend!

23 – Das große Ereignis: Hochzeit Java Style

Es ist einfach toll, irgendwo auf der Welt Menschen zu treffen, die so ganz anders leben als man selbst und trotzdem eine Verbindung zu spüren. So geht es uns mit unseren Guides – speziell Dieki. Wir haben nicht nur das Glück, dass er ein kluger und kundiger Führer im Dschungel ist, sondern da ist außerdem viel Sympathie im Spiel, Altersunterschied hin oder her. Außer über das  Leben im Dschungel haben wir auch viel über unsere Leben geredet.

Das Leben hier in Sumatra ist anders als in Bali. Wieder eine neue fremde Welt. Wäre da nicht dieselbe Sprache, könnte es ein anderes Land sein. Was die Menschen gemeinsam haben, ist ihre ehrliche Freundlichkeit, das Lächeln, den respektvollen Umgang. Den Unterschied aber macht die Religion: Waren in Bali die meisten Menschen Hindus, ist die absolut überwiegende Mehrheit hier muslimisch.

Das wird sofort am Flughafen in Medan augenfällig und auch das Straßenbild ist ein ganz anderes, nicht nur wegen der vielen kleinen und größeren Moscheen überall. Am augenscheinlichsten wird es bei den Frauen: Fast alle tragen ein Hidjab und einfarbige Kleidung, die Arme und Beine bedeckt. Manchmal sogar schon die kleinen Mädchen. Es gibt hier auch Frauen, die den bodenlagen schwarzen Tschador tragen, der nur die Augen freilässt. Viermal am Tag wird von den Muezzin der umliegenden Moscheen lautstark Allah gepriesen.


Auf den Speisekarten steht natürlich kein Schweinefleisch und in etlichen Restaurants auch keinerlei Alkohol. In unserem Jungle Inn Guesthouse ist sogar das Trinken von Alkohol im Zimmer verboten. Das geht uns dann doch zu weit… abends auf unserem herrlichen Balkon, mit Blick auf Dschungel und den Fluss, erlauben wir ins dann doch ein eingeschmuggeltes Bier.

Dennoch wird man als Nicht-Muslim überall ganz selbstverständlich respektiert und freundlich behandelt, das soll hier unbedingt gesagt werden.
Auch „unsere Jungs“ sind Muslime, selbstbewusst, locker und souverän beantworten sie auch Fragen nach religiösen Dingen. Diese gegenseitige Sympathie ist sicher der Grund dafür, dass wir etwas Besonderes erleben dürfen: Wir werden zu Diekis Hochzeit eingeladen. Offiziell geheiratet hat er schon ein paar Tage zuvor, aber die Feierlichkeiten stehen noch aus. Also – spannend! Und… um es vorwegzunehmen, was ich nun im Folgenden erzähle – das ist mir bewusst – ist unbedarft, fehler- und lückenhaft und oberflächlich. Aber ich kann nur beschreiben, was ich sehe oder höre – bruchstückhaft. Aber es ist so ein tolles Erlebnis, dass ich es einfach weitererzählen möchte und sei es auf diese schlichte Weise.

Pünktlich halb zehn werden wir von zwei Freunden von Dieki mit Motorrädern abgeholt und zum Sammelpunkt von Dikies Familienmitgliedern – dem Restaurant seines Vaters im oberen Dorf – gefahren. Hier tummeln sich jede Menge Leute aus der Verwandtschaft: Männer, Frauen, Kinder in festlichen Kleidern – Muslimstyle. Alle warten essend, Tee trinkend und schwatzend darauf, dass es losgeht.

Nun bekommen wir kurz Dieki zu sehen, der umwerfend aussieht: Er hat wunderschöne traditionelle Kleidung an mit viel Gold, Rot, Gelb und Schwarz, die Fingernägel sind rot lackiert. Er zeigt nun doch Nerven, wirkt ganz ungewohnt ernst und wird kurz darauf, nach einem Foto im Kreise seiner Tanten, weggebracht. Nun wird ein Konvoi aus überfüllten Autos und Motorrädern zusammengestellt, in den alle hier versammelten Gäste verfrachtet werden. Los geht s ins untere Dorf von Bukit Lawang.


Hier gibt es einen großen freien Platz an der Straße – Lehmboden von einem Blechdach überdeckt: Festplatz für alle Anlässe, vor allem Hochzeiten. Bei Bedarf wird er dann von den Familien hergerichtet. Diesmal wurde er mit Dutzenden Plastiktischen und Stühlen ausgestattet und hat ein festliches Eingangsportal mit wunderschönen weißen Blumenketten erhalten, durch das später die Brautleute und ihre Familien schreiten werden. An der hinteren Wand gibt es eine lange, schmale Bühne, die Wand ist geschmückt und mit den Namen des Brautpaares beschriftet: Dieki & Kethlin. Zwei thronartige Sessel warten auf das Brautpaar, flankiert von vier weiteren Lehnstühlen. Schalen mit Blütenblättern, Reis und Räucherstäbchen stehen bereit. Alles sehr oppulent.

So ganz im Gegensatz zu dem eher super schlichten Platz mit den Tischen für die Gäste. Einfache weiße Plastiktische und Stühle und zwei improvisierte Essensausgaben, ebenfalls aus Plastikmöbeln, mit Plastiktellern und Bestecken. Ein paar Plastikblumen – das war dann auch schon alles an Tischschmuck.
Es wuselt nur so von Menschen, die meisten Gäste tragen traditionelle Kleidung, fast alle Frauenlange hellgrüne, hellblaue oder rosa Kunstseide-Kleider mit Pailletten oder Perlen, dazu das Kopftuch – manche auch ganz verhüllt in Schwarz. Aber das sind die wenigsten. Außer uns „Ausländern“ ist nur noch eine Amerikanerin eingeladen. Alle hier sind offen und freundlich zu uns, helfen, erklären, wenn wir nicht weiterwissen.

Wir dürfen auch hinter der Bühne in den „Arbeitsbereich“, wo von vielen fleißigen Frauen und einigen Männern den ganzen Tag über das Essen zubereitet wird – über viele Stunden, immer wieder Nachschub. Dutzende Frauen sitzen auf Planen am Boden und schnibbeln Kräuter und Gemüse, machen Salat, andere kochen, die Männer schüren das Feuer und tragen schwere Sachen herum.

Drei Kühe wurden gekauft – ein sehr besonderes Essen, denn Rindfleisch ist für die Menschen hier ein Luxus. Es gibt geschmortes Rindfleisch, Gemüse, Reis, Suppe, Krupuk und einen sehr leckeren Obstsalat mit frischem Chili – alles auf einem Teller, dazu Löffel und Gabel – wie üblich. Einige essen auch mit der Hand. Für uns immer ein ungewohnter Anblick – oder – wie der Berliner sagen würde: Mit alle Fünfe inner Pampe… Dazu gibt’s natürlich Wasserschälchen für die Finger. Für unsere Vorstellung von Hochzeitsmenü ist es ein eher bescheidenes Essen. Holen muss es sich jeder selbst, hier gibt keine Bedienung. Dazu gibt’s klares Wasser und als Variante Wasser zuckersüß in rot oder grün. Nicht mal Saft oder Cola.


Aber ich greife vor – das Essen beginnt natürlich erst nach dem festlichen Einzug der Brautleute. Die Hochzeit wurde nach traditionellem javanischen Ritual ausgerichtet, Diekies Familie kommt aus Java.

Die Braut, Kethrin, ist zuerst da mit ihrer Familie. Sie selbst ist ein Kunstwerk! Nicht nur wegen des unglaublich aufwendigen Kleides aus besticktem Brokat, mit Hose und einem glitzernden Kopfschmuck mit goldenen Strahlen. Ihr Gesicht ist extrem stark und exotisch geschminkt, wie sonst bei den berühmten klassischen Tänzerinnen. Einfach ein Gesamtkunstwerk. Unglaublich! Ich hätte sie nie wiedererkannt! 

Dann geht’s zur Bühne. Auf den Stühlen rechts und links haben die Eltern Platz genommen, anstelle von Diekis Mutter, die schon tot ist, eine Tante. Die Brautleute knien abwechselnd vor beiden Elternpaaren nieder, küssen ihnen die Hände, lassen sich segnen und bedanken sich bei ihnen. Dazu singt, die ganze Zeit über eine Lautsprecheranlage verstärkt, die Hochzeitssängerin mit einem Frauenchor – ehrlich gesagt für unsre Ohren sehr anstrengend. Und das geht noch Stunden so weiter…


Anschließend nehmen die Brautleute auf den „Thronen“ Platz. Über Stunden treten nun immer neue Gratulanten zu ihnen, die ewig anstehen und das Paar mit Blumen und Wasser und Räucherstäbchen segnen und ihnen ihre guten Wünsche vortragen. Das arme Brautpaar muss jedes Mal danach aufstehen für die unvermeidlichen Fotos. Ich weiß nicht, wie die das aushalten in dieser Hitze! Geschenke werden irgendwo anonym gesammelt, gern auch Geld, um das alles hier zu bezahlen.

Ich trage nur ein leichtes Sommerkleid und bin völlig erledigt. Die Brautleute haben fünf opulente Outfits im Laufe der Stunden zu präsentieren – alle so kunstvoll und wärmend. Erst am Abend dürfen sie etwas Moderneres, Lockeres anziehen – das erleben wir nicht mehr, wir sind nach vier Stunden fix und fertig bei der Gluthitze und ziehen uns diskret, aber verständnisvoll entschuldigt, zurück.


Diekie ist offensichtlich besonders bekannt und beliebt hier– entsprechend groß die Zahl der Gratulanten, allerdings hatte selbst er wohl nicht mit -letztendlich- 2200 Menschen gerechnet!! Er ist noch Tage später beeindruckt.


Am Nachmittag treten auf einer zweiten Bühne auch der Bürgermeister und ein weiterer Sänger auf. Am Abend dann – im lockeren Teil – hat eine Band gespielt, Freunde von Diekie, extra aus Medan angereist. Die letzten Stunden feiert die Familie (immer noch groß) im engeren Kreis. Wir hätten wiederkommen dürfen, aber ehrlich gesagt, waren wir völlig kaputt. Diekies Freunde, Dedek und Kittin, haben uns die ganze Zeit betreut und den Fahrdienst gespielt.

Ein tolles Erlebnis! Aber ich bin froh, dass ich dereinst mit „nur“ einem Kleid und 10 Gästen heiraten durfte…
Den Rest des Tages verbringen wir erschöpft und inspiriert in unseren Hängematten auf dem Balkon mit Blick auf Fluss, Urwald und dem Besuch des alten Affen mit dem furchteinflößenden Gebiss, der schon ein paarmal unser Obst geklaut hat. Aus dramaturgischen Gründen habe ich diesen Tag vorgezogen, der umrahmt war von zwei weiteren Trekkings, von denen ich im nächsten Block erzählen werde…

22 – Hallo Sumatra!

Indonesien ist so verdammt groß! Unsere Reise nach Sumatra dauert den ganzen Tag. Die zwei Stunden nach Denpasar zu Flughafen nicht mitgerechnet. Der erste Flug geht nach Jakarta, Java, also nur eine (große) Insel weiter, er allein dauert zweieinhalb Stunden. Dann Transit nach Medan, Nordsumatra. Und vom Flughafen Kuala Namu in Medan noch eine gefühlt endlose Fahrt von fast vier Stunden in den Dschungel, nach Bukit Lawang. Es sind gerade anderthalb Stunden übrig vom ganzen Tag.

Anfangs überrascht mich eine gute mehrspurige Autobahn um Medan, aber nach einer Stunde kommt das dicke Ende: eine schmale, z.T. sehr marode, regennasse Straße, die sich erst durch die Palmöl-Plantagen, dann durch den nächtlichen Dschungel in die Berge quält. Die Orte am Straßenrand sind kaum zu erkennen, es ist zu dunkel, und die Lichter dann blendend hell. Die Straße zwingt manchmal zum Schritttempo, obendrein kommen noch mit dicken Baumstämmen beladene LKW entgegen. Überall Pfützen – es hat geregnet. Die letzten 4 km legen wir dann samt Reisetaschen und Rucksäcken auf dem Rücksitz zweier Motorräder zurück… Eine schmale, abgebröckelte Betonspur von nicht mal 2 Meter Breite windet sich über kurze steile Hügel mitten in den Urwald, ganz ans Ende von Bukit Lawang, das in einem Flusstal im Urwald liegt.

Das Garden Inn ist unsere erste Herberge, später wechseln wir 100 Meter weiter ins Jungle Inn, das allerletzte Haus vor dem Dschungel. Erwähnenswert ist das Garden Inn an dieser Stelle, nicht nur, weil das Zimmer mit Naturstein und Holz sehr originell eingerichtet ist und der Blick aus dem Fenster auf einen rauschenden Fluss mit einer grünen, hohen Wand aus Dickicht dahinter schon sehr speziell und beeindruckend, sondern, weil gleich auf dem Tisch ein Hinweis steht, dass alle Lebensmittel in eine verschließbare Blechtonne gepackt werden müssen….

Wie ernst zu nehmen das ist, stellt sich am nächsten Morgen um fünf heraus, als ich nach wenigen Stunden Schlaf hochfahre, weil ich denke, dass ein betrunkener Nachbar randaliert. Nix Nachbar: Auf dem Dach, dem Balkon, am Fenster, unter dem Vordach – überall tollt eine Horde Affen herum und feiert Party! So ein Lärm! Nach einer knappen Stunde haben sie sich ausgetobt und ziehen weiter. Welcome to the Jungle!

Noch nach unserer Ankunft in der Nacht ist der junge Guide, den uns Johanna empfohlen hat, im Hotel aufgetaucht, um über eventuelle Trekking-Touren zu reden. Eigentlich war ich total fertig und wollte nur noch schlafen und einen faulen Tag dranhängen. Aber Dieki, ein sympathischer, fröhlicher junger Kerl, meinte, wir sollten uns das überlegen, es seien gerade Orang Utan in der Nähe, und man wisse nicht, wie lange.

Also, nix mit Jammern und Schlaf nachholen, um acht Uhr geht´s los zur Tagestour in den Dschungel. Lange Hosen, in die Socken gestopft (damit keine Insekten und Blutegel in die Hosen krabbeln), Trekkingschuhe aus Gummi, pro Kopf einen Liter Wasser, Insektenspray und Sonnencreme. Wir sind allein mit zwei guides.  Diekie gehört zu 10 guides, die eine offizielle Lizenz als Führer im Gunung Leuser Nationalpark haben einem der besterhaltenen natürlichen Dschungelbiotope der Welt.

Es sind über 30 Grad, aber immerhin sind es unter dem dichten grünen Blätterdach zwei, drei Grad weniger und der Schatten ist wohltuend. Es ist eine Orgie von Grün in allen Formen und Schattierungen, fast vergisst man, auf den Weg zu achten, weil man immer nur schauen möchte. Jeder Schritt will überlegt sein, auf dem steinigen, von Wurzeln und Lianen bedeckten Pfad. Dieki scannt mit geübtem Blick die Baumkronen.

Plötzlich treffen wir auf ein paar andere Wanderer, aber ein größerer Gecko und ein paar freche Makaken sind zunächst das Einzige, was wir zu sehen bekommen. Kurz darauf turnen noch ein paar andere Affenarten um uns herum, am hübschesten sind die Thomas Blatt Affen, die sehr auffällig sind mit ihrer ungewöhnlichen schwarz-weißen Frisur. Sehr schön anzusehen.

Die Guides sind untereinander in Kontakt, um sich austauschen zu können, falls jemand die Orang Utan sieht – das, worauf alle hoffen. Nur noch hier und in Borneo gibt es wilde Orang Utan in Indonesien. Orang Utan bedeutet „Wald-Mensch“, lernen wir in einer Warte-Pause. Affen (monkeys) haben Schwänze, Orang Utan, Schimpansen und Gorillas nicht. Wir haben die Orang Utan an einer Stelle offenbar knapp verpasst und müssen nun Geduld haben, warten und hoffen, so Diekis Methode.

Die Orang Utan von Sumatra sind kleiner als die auf Borneo, da es hier Tiger gibt und die Orangs sich auf den Bäumen aufhalten müssen, um vor ihnen sicher zu sein. In Borneo sind die Orang Utan viel größer, aber mit ihrem Gewicht, können sie nicht in die Baumkronen klettern – ohne Feinde müssen sie das auch nicht. Allerdings leben die meisten Orang Utan auf Borneo in Auffang-Stationen, wo sie gesund gepflegt und aufgepäppelt werden, um möglichst wieder ausgewildert zu werden. Der Lebensraum unserer rotbraunen Verwandten ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft, Wilderei, Abholzung und andere Sauereien haben die Bestände drastisch reduziert.

Während wir mitten im Wald -wieder allein- auf Orang-Glück warten, erzählt Dieki die erschreckende Geschichte der Tiere während der Pandemie. Vorher gab es auf Sumatra eine Population von rund 6000 Tieren, jetzt sind es noch etwa 5000, hier in Bukit Lavang nur noch 400-600. Viele Tiere sind an Covid gestorben. Aber viele sind auch durch Wilderer verschwunden, die, zu jener Zeit ungestört, die Tiere gejagt und gefangen haben, um sie für lächerliche Summen zu verkaufen. Viele angeblich an reiche Chinesen. Es wurden auch Tiger geschossen, nur, um ihr Fell für lächerliche 150 Euro zu verkaufen. Es ist eine traurige Geschichte.

Dann endlich – ein Orang Utan-Weibchen gibt sich die Ehre! Sie turnt zunächst hoch über uns durch die Baumkronen. Doch mit der Zeit kommt sie immer näher und gibt eine echte Vorstellung. Großartig! Was für tolle Tiere! Sie bleibt fast eine halbe Stunde, bevor sie sich wieder in die Tiefen des Waldes verzieht. Wir streifen weiter auf unserer Suche. Oben in den hohen Baumwipfeln hängen die Nester der Orang. Jeden Tag bauen sie ein neues Schlafnest an einem anderen Ort, damit Feinde ihnen nicht auflauern können. Sie sind Einzelgänger, nur die Mütter behalten ihre Jungtiere ein paar Jahre in der Nähe.

Obstpause. Dedek entpuppt sich als wahrer Künstler: Er hat verschiedene Obstsorten im Rucksack. Auf riesigen Blättern richtet er die geschnittenen Früchte zu einem wahren Kunstwerk an, verziert mit Blüten aus dem Urwald. Es erinnert mich an die Gabenkörbchen auf Bali. – nur viel größer! Aber das kann eigentlich nicht sein, denn unsere Guides sind, wie fast alle hier, Muslime. Aber Dedek meint, die Geister des Waldes mögen das. Und wir dürfen es essen!

Langweilig wird das Wandern hier nie, zu faszinierend ist diese Wildnis. Wir beobachten verschiedene Affen, Insekten, Riesenameisen, Eidechsen, Geckos. Unsere Guides sind ständig auf der Lauer, Dikie ahmt den Ruf der Orang nach, aber wir scheinen kein Glück mehr zu haben. Aber wir hatten schließlich schon welches, wir dürfen uns wahrlich nicht beschweren.

Wir klettern einen steilen Pfad in ein Tal hinab – und auf der anderen Seite wieder hoch, dankbar für jede Liane, an der man sich festhalten kann – nicht, ohne vorher hinzusehen, ob eine der Riesenameisen oder womöglich eine Schlange draufsitzt. Endlich oben angekommen, brauchen wir eine Pause – und bekommen sie! Wir sehen inzwischen etwas mitgenommen aus, im Gegensatz zu den beiden Jungs.

Hokus Pokus kommt aus Dedeks Rucksack nun ein komplettes Mittagessen für vier zum Vorschein. Einzelne Portionen, jeweils in ein Bananenblatt gerollt: Nasi Goreng, Hühnchen, Krupuk und Ei – und natürlich scharfe Soße. Zum Nachtisch Ananas.

Kaum haben wir eingepackt und rüsten zum Weiterwandern, raschelt es über uns: Eine Orang Utan-Dame und in ihrer Nähe ein Baby! Es dauert nicht lange und sie kommt immer näher, bis sie direkt vor uns auf dem Weg sitzt, einen Meter Abstand höchstens. Das Baby turnt über uns durch die Bäume. Madame Orang scheint uns besonders zu mögen, denn sie beschließt, nach ausgiebigem Beäugen, uns zu begleiten, manchmal nur einen Meter neben oder vor uns – fast 20 Minuten lang. Was für ein Glück!

Am faszinierendsten sind die Gesichter dieser Tiere! Sie sind so ausdrucksstark, das man immer erwartet, dass sie gleich anfangen zu erzählen. So schöne Tiere! Und so friedlich. War mir die Nähe anfangs noch etwas unheimlich, habe ich schon kurz darauf überhaupt keine Angst mehr. Friedlich, neugierig, zum Spielen aufgelegt. Ich kann´s nicht glauben, dass wir soviel Glück haben! Sogar Diekie stellt fest, das würde nicht oft passieren.

Den Rest des Weges schwelgen wir noch im Glück. Wir erreichen den Fluss Bohorok, der auch an unserem Hotel vorbeifließt. Kleine Ananaspause und dann taucht von der anderen Flusseite ein anderer junger Kerl auf, mit drei riesigen Reifen auf dem Kopf: Rafting! Der Fluss ist breit, voller Felsen und Steine unter Wasser und hat eine kräftige Strömung. Es ist ein echter Spaß: 5 erwachsene Menschen in drei aneinander hängenden alten Reifen! Rasant gehts flussabwärts, wir bleiben oft an Felssteinen hängen, sind pudelnass – und haben Spass. Was für ein großartiger Tag!

21 – Abschied von Bali, bevor es nach Sumatra geht

21 – Abschied von Bali

Die Tage in Candidasa neigen sich dem Ende zu und damit die Bali-Zeit. An unserem Abschiedstag zieht es uns nochmal in die Wildnis. Der Wasserfall Terjun Jagasatru liegt rund 40 Minuten auf dem Motorrad in den Bergen.

Auf dem Weg dorthin fahren wir durch einige Dörfer, die sich für den Feiertag am 28. Februar herausgeputzt haben. Riesige Palmwedel werden von ihren Blättern befreit, die dann gerollt, geflochten, mit bunten und goldenen Bändern und anderem Schmuck verwoben, wieder am kahlen Blattrücken befestigt werden. Diese hohen Schmuckwedel werden dann an der Straße aufgestellt. Es sieht sehr schön und festlich aus, eine Straße entlangzuschauen, in der sich vor jedem Haus ein solcher Schmuck im Wind wiegt. Die meisten Menschen fertigen diese kleinen Kunstwerke selbst an.

Hari Raya Galungan heißt der hinduistische Feiertag, der alle 210 Tage stattfindet und den balinesischen Kalender bestimmt. Die Feierlichkeiten beginnen 3 Tage vor dem eigentlichen Feiertag und enden 11 Tage danach. Die Zeit ist gefüllt mit Dekorationen, Opfergaben und Gebeten. Galungan feiert den Sieg der Tugend (Dharma) über das Übel (Adharma) und die Niederkunft der Geister der Verstorbenen und der Götter. Wieder was gelernt.

Einen Tag vor Galungan haben sich die Ortschaften festlich herausgeputzt. Richtig idyllisch wirken die drei Bergdörfer, die wir passieren. Was mich immer wieder fasziniert ist, wie winzig viele Häuser tatsächlich sind, auch für ganze Familien. Meist ein Raum, und der auch noch klein, oft ohne Fenster.

Die Straße schlängelt sich in wilden Serpentinen steil in die Berge, immer durch den saftig grünen Urwald. Der tut sich immer wiedermal auf und lässt einen tief Luft holen, angesichts der die großartigen Panoramen zum Meer.

Nachdem wir in rund 500 Metern Höhe angekommen sind, zweigt die Straße zum Wasserfall ab und führt zunehmend steil in aberwitzigen Kurven in die Tiefe. Angesichts des Zustandes der Straße und der plötzlich um die Ecke brausenden, entgegenkommenden Motorräder, die niemals links auf ihrer Spur fahren, bin ich selbst auf dem Rücksitz etwas angespannt…

Noch angespannter, um nicht zu sagen: panisch, wäre ich gewesen, hätte mein tapferer Fahrer mir nicht verschwiegen, dass auf dem letzten und steilsten Stück die rechte Bremse versagt hat! Aber wir landen heil auf dem Parkplatz oberhalb des Wasserfalls und beschließen später zu überlegen, wie wir in eine Werkstatt bzw. zurückkommen.

Mitten am grünen Hang thront ein riesiger Buddha, denn auch dieser Wasserfall gilt als Tempel – mit geweihten Neben-Becken, die Nichtgläubige nicht betreten dürfen. Anstrengende 15 Minuten später sind wir ans untere Ende des Wasserfalls Terjun Jagasatru geklettert, der sich nur dem auftut, der tapfer trotz unaufhörlich rinnenden Schweißes, die steilen Stufen hinunterklettert. Der Wasserfall versteckt sich hinter der letzten steilen Kurve, nur sein Rauschen ist lange vorher zu hören.

… Und ewig grüßt das Murmeltier – ich wiederhole mich nun …. – aber tatsächlich ist es immer wunderschön: Laut rauschend stürzt das glitzernde Wasser aus dem Berg malerisch in ein kleines Felsenbecken, bevor ein Flüsschen es weiter ins Tal trägt. So etwas viermal zu lesen ist ein wenig öde, es viermal zu sehen ist immer wieder großes Kino:

Sogar hier unten, weitab des nächsten Dorfes, klebt an der Felswand ein von einem Schirmchen geschützter Altar mit frischen Opferkörbchen. Das heißt, dass hier – weitab des Dorfes- jeden Tag mindestens ein- bis zweimal jemand herunterklettert, nur für das offering.

Ein Bad unter dem sprudelnden Wasser und eine andächtige halbe Stunde später klettern wir wieder nach oben – von der Erfrischung ist oben so gar nichts mehr übrig. Aber: die Bremsen sind abgekühlt und auch die rechte Bremse greift wieder. Wohlwissend, dass dies ein fragiler Friede ist, tuckern wir gemütlich, mit kleinen Pausen wieder talwärts, einem faulen Restnachmittag am Pool des Rama Shinta und einem rosa Sonnenuntergang am Strand von Candidasa -hinter dem Seerosen-See-  entgegen.

Morgen früh bringt uns Zacharias – der Fahrer, der uns aus Amed nach Candidasa gefahren hat- zum Flughafen von Denpasar. Das haben wir schon auf der Fahrt nach Candidasa vereinbart, als er uns erzählt hat, dass er Katholik ist. Denn morgen am Galungan einen hinduistischen Fahrer zu finden, ist schwierig. Übrigens: gut, dass wir nicht am 11. März fliegen: Da ist hier Nyepi, der Tag der Stille: 24 Stunden alles geschlossen, kein Strom, keine Musik, keine Feste, kein Essen, kein Verkehr, nicht mal Flugzeuge!

So allerdings können wir problemlos in unseren Flieger steigen – via Jakarta nach Kuala Namu, Medan.  Der Jungle wartet!

20 – Markt, Meer & More

20 – Markt, Meer & More

Irgendwie auch ganz schön, mal ein paar Tage nicht ständig packen und umziehen zu müssen. Die Tage gemächlich angehen und trotzdem immer wieder Neues zu erleben.

Ein letztes Mal den Bleigurt umschnallen und den Regulator in den Mund… Danke, Indischer Ozean, für deine Gastfreundschaft, Danke Yemanjá, Göttin des Meeres, für deinen Schutz.

Eigentlich wollte ich bei einem Freund von Tauchbasis-Chef Mike aus Koh Kood tauchen. Aber wie sich herausstellt, ist der auf Heimatbesuch in Spanien. Und sonst sehe ich keinen zwingenden Grund, mit dem Benthos Dive Center zu tauchen. Es ist teuer und das nicht lebenswichtige Equipment wie Anzug, Booties etc sind derart alt und zerschlissen, dass mir die Lust vergeht.

Also – give locals a chance! Ich suche mir ein ganz kleines Unternehmen – genaugenommen ein Ein-Mann-plus-Familie-Unternehmen, das mir auf Anhieb gefällt. Der Chef heißt tatsächlich Gusti – nein, kein Bayer, echter Balinese! Ich werde hier keine weiteren Unterwasser-Geschichten erzählen, aber vom Drumherum. Die Blue Lagoon ist mein letztes Tauchziel: Stachelrochen, Hai, große Tintenfische und eine riesige Schildkröte sind meine besonderen Abschiedsgeschenke von Yemanjá, inmitten der wimmelnden Vielfalt.

Aber spannend waren auch die tollen Gespräche, die wir mit Gusti in den Pausen und beim anschließenden Lunch – der immer inklusive ist – geführt haben. So haben wir zum Beispiel über die Unterschiede der Religionen und meine freundliche Sympathie für den Buddhismus und Hinduismus geredet. Gusti strahlt stolz und merkt an, ja , sie freuen sich über Interesse an ihrer Religion, aber sie hätten es nicht nötig, andere davon zu überzeugen, sich ihnen anzuschließen. Das sei Privatsache. Gesunde Ansicht!

Ich frage ihm Löcher in den Bauch, unter anderem auch noch mal über die offerings, diese kleinen bunten, gabengefüllten Körbchen, die den Göttern überall kredenzt werden. Jetzt weiß ich mehr: Sie enthalten deshalb Früchte, Kräuter, Gemüse, Blüten, Reis, manchmal Fleisch und werden mit Wasser besprüht – weil das alles für das steht, was die Natur den Menschen zum Leben schenkt. Einen Teil davon wird den Göttern zurückgegeben, als Dank und Bitte, dass der Kreislauf weitergehen möge.

Auch über die Zeiten von Covid haben wir gesprochen – eine schlimme Zeit für die meisten hier, die vom Tourismus leben. Die Zahl der Toten hier ist vergleichsweise gering gewesen. Es besteht Impfpflicht und die Maßnahmen waren ziemlich strikt. Für Kinder bis 6 Jahren gab es gute Finanz-Hilfen vom Staat, das war für viele eine Rettung. Und die Zeiten, in denen die Schulen immer mal geöffnet waren, waren wichtig, da bekamen die Kinder Essen.

Insgesamt war die Zeit für viele extrem. Gusti hatte 11 Jahre für eine Tauchschule in russischer Hand gearbeitet, und sie haben ihn mit einem einzigen Monatsgehalt in die Wüste geschickt. Er hat drei Kinder. Aber er hat alles auf eine Karte gesetzt, sich seine Pensionsansprüche auszahlen lassen und damit in Zeiten des Nichtstuns die Dive-Instructor-Prüfung gemacht. Damit konnte er dann sein eigenes kleines Unternehmen gründen. Bali Dive Shop. Die Familie macht die Arbeit im Hintergrund, er taucht und macht Kurse und sein Schwager fährt das Boot. Super Typ – super Laden. Nette family.

Wir hatten noch jede Menge andere Themen – vom Umgang mit Teenagern und Alten oder die Bedeutung der lokalen Feiertage. Wir hätten sicher noch Gesprächsstoff für etliche Tauchtage gehabt, aber es war nun mal mein letzter.

Für den nächsten Tag haben wir einen Ausflug geplant. Mit dem Bike fahren wir Richtung Norden in das Städtchen Amlapura. Dort gibt es den großen Markt. Auf dem Weg dorthin passieren wir auf einem Berg Pura Lempujang – eins der bekanntesten Fotomotive Balis, das „Tor zum Himmel“. Die offenen aufstrebenden Stelen rechts und links scheinen tatsächlich in den Himmel zu führen – zumindest auf Fotos. Dennoch sparen wir uns den Eintritt – man sieht das schöne Bauwerk auch so. Und an Affen jeden Alters mangelt es rund um den Tempel auch nicht. Ein Wunder, dass nicht mehr davon überfahren werden, so frech wie die an der vielbefahrenen Straße herumspringen. Die Aussicht von hier oben über die dschungelbewachsenen Berge auf das Meer ist toll.

Dann müssen wir zweimal eine Zwangspause einlegen: Der Himmel schüttet wieder Wassermassen über uns aus. Schließlich schaffen wir es, mit ein bisschen Nieselregen, in das Provinzstädtchen Amlapula. Den Blick auf die Google Wegbeschreibung kann man sich sparen – da, wo hunderte Bikes und ein paar Autos jeden Zentimeter zuparken, ist das Ziel nicht weit: Pasar Amlapura Timur – der zentrale Markt, untergebracht in riesigen, ziemlich baufälligen Hallen, die aus alles Nähten platzen, sodass etliche Stände noch außen herum angesiedelt sind.

Jede Nacht um Eins öffnet der Markt und schließt am Mittag. Hier versorgen sich die Restaurants und Hotels, aber auch viele Einzelkunden. Das Gewimmel ist riesig, die Farben, Gerüche und Geräusche überwältigend. Hier gibt es auf zwei Etagen alles: Unten die Lebensmittel, Gewürze und Blumen, oben billige Kleidung, Elektronik und Haushaltwaren. Es erinnert mich sehr an den Markt in Bangkoks Chinatown. An den Seiten quillt der Markt unter dem seitlich offenen Dach hinaus, verbogene Bleche und Schirme haben den Regen nicht abgehalten. So kann man nur – meist eher erfolglos – versuchen, die schmutzigen Pfützen zu umgehen. Meine Füße sind schwarz und schmierig, ich rutsche ständig aus den Flipflops. Der Markt ist ein Erlebnis, aber allzu lange halten wir den Wahnsinn nicht aus. Schnell noch ein paar Mangosteen-Früchte gekauft und raus!

Ist mir alles ein bisschen zu viel. Und irgendwie kommen mir die Zementfiguren auch recht neuzeitlich vor – was sich bestätigt, als ich höre, dass der Originaltempel vor einigen Jahrzehnten durch ein Erdbeben zerstört worden war. Trotzdem eine hübsche Anlage, die ich aber nicht in die Liste meiner Favoriten aufnehmen kann.

Zu guter Letzt treibt es uns ans Meer – ein bisschen entspannen. Eine gute halbe Stunde auf dem Motorrad und einen schönen Sonnenbrand auf den Armen mehr, wartet das große kühle Blau. Auf dem Weg dorthin passieren wir zum ersten Mal eine bessere Wohngegend. Schöne Häuser, Mauern, Gärten, verschlossene Tore und sogar einige Security Guards auf einigen Grundstücken. Schilder verraten, dass hier etliche Anwälte und Notare ihr bescheidenes Lager aufgeschlagen haben… Aber idyllisch ist es wirklich!

Virgin Beach ist unser Ziel. Über eine etwas beängstigende Piste kommen wir schließlich auf einem Bergrücken an, jetzt geht es zu Fuß weiter. Auch hier müssen wir wieder mal Eintritt in die Natur zahlen – in Form von donations, Spenden, die nicht wirklich freiwillig sind. Eintritt, selbst wenn es um Quellen oder Strandabschnitte geht. Aber klar – viele Einkommensquellen haben die Einheimischen hier nicht und so werden wenigstens die Wege etwas in Ordnung gehalten und der schlimmste Müll eingesammelt. Und wirklich teuer ist es selten.

Die Bucht von Virgin Beach liegt an Dschungelbewachsenen Hängen und ist ein paar hundert Meter lang, mit feinem Sand sogar. Allerdings kann man von jungfräulich (wie der Name verheißt) nicht wirklich reden, denn zumindest an zwei Dritteln des Strandes steht eine Restauranthütte neben der anderen. Hier gibts Strandliegen, gratis  zum Drink oder Imbiss. Am hinteren Ende liegen unzählige Sampans auf dem Strand, die traditionellen balinesischen Boote. Sie sind lang, sehr schmal, tiefer als ein normales Motorboot und haben links und rechts breite Ausleger, die sie wie eine Mischung aus Heuschrecke und Wasserflugzeug aussehen lassen. Wir sind zweimal damit gefahren – sie können erstaunlich gut auf dem aufgewühlten Meer manövrieren.

Leider haben wir nicht so viel vom Strand, denn erstens ist die Brandung so hoch, dass baden etwas beängstigent ist, und außerdem fängt es kurz darauf an zu regnen. Egal, schön war es trotzdem! Ein langer Tag, der nach Relaxen am Pool und Abendessen an eben jenem schreit… Die Seerosen warten!