9 – Lieber doch nicht in den Süden….

….zumindest nicht in Koh Phangan….aber alles der Reihe nach. Nachdem wir erst einmal ein technisches Problem klären mussten, da keine einzige der alten ausgeleierten Uralt-Steckdosen in unserer Hütte noch die Kraft hatte, auch nur einen schmalen Stecker in Kontaktnähe zu halten. Und so ein Problemchen wird schon bedrohlich heute, angesichts der Handys als einziges Kommunikations- , Buchungs-, Aufzeichnungs- … und was sonst noch-Gerät. Aber dann konnte der Tag beginnen.

Helme auf und los. Verwöhnt wie man hier eigentlich in Sachen Organisation ist, haben wir schnell ein kleines Ticketbüro angesteuert, um unsere Weiterreise nach Südwest-Thailand am nächsten Tag organisieren zu lassen.

Ein kleines chaotisches Büro mit Schiffsfahrplänen und allerhand unverständlichen Werbungen tapeziert. Durch eine gläserne Schiebetür geht es in einen noch kramigeren Laden mit einem bunten alten Sofa neben der Kasse,. in dem man…ja, was eigentlich?- kaufen kann. Ich rufe, klatsche, rufe. Plötzlich bewegt sich die Sofapolsterung und materialisiert sich zu einer sehr…korpulenten älteren Dame im wilden Blütendekor, die gerade ein Nickerchen gemacht hat. Oha!

Sie schiebt ihren Oberkörper durch die Tür, und fragt etwas auf Thai. Hmm. Egal . Ich zeige auf die Bootspläne und erkläre ihr, dass ich Tickets nach Koh Yao Yai brauche. hmmm….. Sie nickt und greift zum Telefon, diskutiert eine Weile mit einem hörbar verkaterten Mann und erklärt mir, dass ihr Sohn, der Agenturchef, gleich käme. In einer halben Stunde…

Ok, was solls. Zeit, einen Saft zu trinken in einem Kaffee schräg gegenüber. Das ist allerdings ein nicht besonders gemütlicher, seltsamer Szeneladen, in dem alles clean biologic sugarfree gesund ist….Die Gäste sind ausschließlich meist jüngere Europäer, die überwiegend einen ziemlich verkaterten Eindruck machen und die mit auf Bänken und Tischen abgestellten Füssen ihren Freigeist bekunden. Gut gelaunt und gesund sieht irgendwie anders aus. Aber wirklich toll ist die Lage des Ladens: Geht man auf die hintere Terrasse, steht man nach drei Schritten im Meer!

Als ich ins „Reisebüro“ zurückkomme, höre ich noch hinten die Dusche, drei Minuten später taucht endlich der Chef endlich auf, noch ohne Hemd und mit nassem Haar. So sind die Leute hier eigentlich eher selten drauf, sie sind sehr rührige Geschäftsleute. Ich erkläre ihm, was ich will: Er soll mir eine Route und die entsprechenden Tickets zusammenstellen. Normalerweise geht das hier alles. Diesmal nicht – höchstens zum Festland.

Nächster Versuch im Haupt- und Hafenort Thong Sala, wo die Fähren ankommen. Auf dm Weg zum Hafen finden wir ein anderes Büro. Die Frau verleiht Motorräder und verkauft Tickets. Supernette patente Dame. Aber sie erklärt mir, dass sie nur Tickets für die Fähre und dann zwei Anschlussbusse kombinieren kann: zuerst in die Provinzhauptstadt Surat Thani und danach nach Krabi an der Westküste. Bis dahin sind es knapp acht Stunden. Von dort geht es per Speedboot weiter, da hilft schon jemand weiter… no problem, you find a boat and tickets….

Fairerweise schickt sie uns vor der Buchung der Fähre um 5:30 Uhr (!) noch mal weg, um einen Taxifahrer aufzutreiben, der bereit ist, uns um 4:30 Uhr in unserem Guesthouse abzuholen. Dazu haben die Männer wohl nicht immer Lust. Sie sagt, ich müsse mit einer kleinen Prämie winken… Hat geklappt! Lucky und seine Kollegen im Schatten am Pier halten einen wortlosen Monolog, wir einigen uns auf einen Preis und tauschen die Kontakte. Geht doch!

Wir düsen d, weiter durch den Teil des Ortes, den wir noch nicht gesehen haben. Belebt, eng, ein Geschäft am anderen, Restaurants, Werkstätten, Guest Houses. Aber nicht eben schön. French Bakery, Deutsches Restaurant, Irish Pub. Ach ja und thailändisch natürlich. Kilometerlang.

Aber weiter geht es, DER Partyort der Insel mit seinen Ausläufern ist unser Ziel: Haad Rin. In den umliegenden Kilometern stapeln sich die meisten Unterkünfte der Insel in jeder Preislage. Fast hätten wir hier gewohnt, da ich Probleme hatte, etwas Preiswertes in dieserZeit zu finden, aber noch nichts wusste von der Topographie der Parties….

An diesem Wochenende ist es wieder soweit: Full Moon Party! Da platzt die Insel aus allen Nähten, schon auf der Fähre hierher wird man mit aufreizender Werbung für dieses Event und die internationalen DJ´s bedröhnt. Und Haad Rin ist das Auge des Orkans.

Zunächst einmal aber sieht es nur nach einem vollgestopften Allerwelts-Massenurlauberort aus. Gelegen an einer sehr langen Bucht mit schönem Sand, begrenzt von hohen Kokospalmen. Wir wissen schon nach einer Viertelstunde nicht mehr, was wir hier sollen. Aber wir bekommen gerade noch mit, wie die ersten Wagenladungen von Bühnentechnik, Scheinwerfertürmen und Kabeln anrollen – alle direkt auf den Strand. Dazwischen läuft ein volltätowierter, übergewichtiger europäischer Rastalocken-Träger mit genug schepperndem Technikram am Gürtel herum, dass niemand daran zweifeln kann, dass er der obercoole Technikchef ist! Mädels : Mal alle hersehen!

Die Parties sind sicher eine Supersache für alle, die jung (oder so ähnlich) sind und die diese Art von Musik und Parties mögen. Kein Zweifel. Und die Leute auf der Insel verdienen an den Touristen. Aber sehr glücklich sind sie nicht damit, wie mir die Agenturbesitzerin erklärt hat. Da kämen auch viele… „nicht gute“ Menschen auf die Insel. Und es gäbe viele Probleme. Schon im Stefan-Loose- Reiseführer war zu lesen, dass nicht nur die Kliniken der Insel, sondern sogar das Krankenhaus der 5 Stunden entfernten Bezirkshauptstadt Surat Thani in diesen Nächten Extra-Betten freihalten wegen der Opfer der vielfältigen bewusstseinserweiternden Drogen, die auf diesen Partie geschluckt werden.

Wir haben jedenfalls genug gesehen und fahren noch einen Bogen durch die Orte der Südwest-Spitze, aber dann haben wir von diesem Teil der Insel genug gesehen und beschließen, den Rest unseres letzten Nachmittags nochmal an dem tollen Strand von Mae Haad zu verbringen. Ein leckererer Brunch mit frischem Mangoshake unter den Palmen, ein lauwarmes Bad und der Blick auf das Meer sind dann doch eher das, was wir als Vergnügen empfinden.

Und zu guter Letzt gönnen wir uns, nach dem Packen, am Abend noch phantastischen Red Snapper vom Holzkohlengrill und Thunfisch-Mango-Tartar mit Mango – mit Blick auf das nächtliche schwarz-silbern glitzernde Meer. Als Abschied von einer wunderbaren Insel im Golf von Thailand, die zwar ihre Unschuld verloren hat, aber zum Glück nicht ihre Schönheit! Kop khun kaa, Koh Phangan!

8 – Kreuz und quer über die Insel

Eins scheinen alle Inseln gemeinsam zu haben: die lautstarken Hähne, die der Sonne beim Aufgehen Geburtshilfe leisten! Und ganz nebenbei faulen Urlaubern das Ausschlafen wegkrähen… Also einen Espresso auf Yogamatte bzw der Hängematte und dabei den körperbewussten jungen Partygängern zuschauen, die sich die Nacht mit Gewichten und Boxen aus den Muskeln trainieren, auf dem unserer Hütte gegenüberliegenden Freiluft-Gym.

Heute ist Erkundungstag. Und so mieten wir für die kommenden 2 Tage eins der x-tausenden Motorräder, die überall für 7 Euro am Tag vermietet werden. Lässt man sich einen Helm dazugeben, wird man nur mit knapper Not nicht angegrinst – hier fahren 95 Prozent der Kradfahrer barköpfig. Aber da bin ich pingelig – ich hatte schon mal einen Unfall und zum Glück einen Helm auf. Dafür nehme ich das schiefe Grinsen und das „Helmet! Of course, mamaaa!“ gern in Kauf. Falls ich es noh nicht erwähnt habe: Mamaaa, Papaaa (mit langem a am Ende) ist hier eine ehrenvolle Anrede für alle nicht mehr jungen Menschen, keine Herabwürdigung.

Auf geht´s , nach Norden. Die etwas holprige Asphaltstraße mit reichlich Sand in so mancher Kurve windet sich mal sanft, meist aber in wilden Serpentinen auf und ab, immer wieder mit wunderbaren Aussichten auf das Meer und die grüne Küste. Da ich – in diesem Falle harmoniesuchend – auf das Fahren verzichte, kann ich diese wunderbaren Ausblicke bestens genießen. Andererseits werde ich gelegentlich sehr nervös, wenn ich bemerke, dass auch der easy rider vor mir die Aussicht genießt – angesichts der gefährlichen Straße.

Als ersten Abstecher haben wir uns einen Strand im Norden mit einem vorgelagerten Inselchen ausgesucht: Mae Haad Beach. Durch einen Palmenhain und über einen kleinen Fluß gelangen wir an den schmalen, aber wunderschönen Strand. Hohe Palmen und Huddu – Bäume geben etwas Schatten, das Meer ist sanft. 200 Meter nach Norden endet die Bucht. Zumindest bei Flut, denn bei Ebbe kann man zu der vorgelagerten kleinen Insel waten.

Trotz des paradiesischen Strandes ist es nicht allzu voll und die Touristen, die hier genießen, tun dies leise und entspannt. So wie wir. Das Baden erfordert etwas Vorsicht, denn das Wasser ist relativ flach und immer wieder ragen Korallen auf, an denen man sich bösen schneiden kann.

Und zu allem Luxus gibt es noch zwei Strandrestaurants für den kleinen oder großen Hunger und in jedem Falle: Durst. Wir gönnen und ein mittägliches fürstliches Frühstück , mit frischer Kokosnuss und Mangoshake zum ´runterspülen. Ja, eindeutig: zumindest an einigen Stellen, ist die Insel trotz des Tourismusbooms noch richtig schön!

Aber weiter geht´s, wir haben noch mehr vor. An der Nordküste entlang geht es weiter bis in den Ort Chaloklum Beach. Die einspurige Straße ist teilweise völlig verstopft von Motorrädern, Lieferwagen und Fußgängern. Überall kleine Läden und Restaurants, viele mit einer Holzterrasse zum Meer. Ganz nett, aber schon ein bisschen zu voll….

Wir fahren weiter, da wir zum Bottle Beach wollen, wo ich zuerst eine Unterkunft gebucht hatte, die ich wieder storniert habe, da sie zu weit abgelegen war. Weitere Kilometer unentwegten Auf und Abs, gefühlte hunderte Kurven….Bis die Straßen plötzlich in einer Lehmpiste endet und nur noch zu Fuß begehbar ist.

Aber das wollen wir schon angesichts der brütenden Temperaturen nicht. Also wenden und uns schicksalsergeben google zur Führung überlassen. Also: Umweg. Der allerdings gerät mehr als lang, da wir erst ein Stück zurück nach Westen, dann ganz nach Süden und zum Schluß wieder nach Nordosten müssen – sozusagen zweimal quer über die Insel. Inzwischen rasen wir auch mitten durch den Verkehr der größeren Straßen und ich bin schon etwas erschöpft vom festhalten und Helm wieder hochschieben, da das Ding zu groß ist und mir ewig im Nacken sitzt.

Endlich: das erste Hinweisschild auf Bottle Beach! Leider sind die meisten Hinweisschilder hier nur in Thai. Das sieht zwar wunderschön aus, ist aber für uns nicht zu entziffern. Und Entfernungen werden hier fast nie angegeben, nur die Richtung. Nur gelegentlich gibts mal ein Schild in lateinischer Schrift.

Noch ein paar Kilometer und die Straße biegt links ab….und verwandelt sich in eine abenteuerliche Lehmpiste voller Felsbrocken und Abbrüche steil bergab…. Ich protestiere aufs Energischste, da mir himmelangst wird, aber mein alter biker will unbedingt runterfahren. Dann allerdings, zwei Kurven später, stoppt ihn glücklicherweise ein Verbotsschild für alle Fahrzeuge, die keinen 4-Rad-Antrieb haben…

Aber 3 Kilometer vor dem Ziel wollen wir nicht aufgeben und machen uns zu Fuss auf den Weg, ich zerfließe schon nach einer Minute und wir rutschen ständig weg. Rettung naht in Form eines alten, zerbeulten PickUp-Taxis, das offenbar immer zwischen Bottle Beach und der Straße pendelt. Gern zahlen wir die 200 Baht! Aber selbst in diesem geländegängigen Gefährt hat es der Rest der Strecke in sich: man muss sich mit aller Kraft am Dach festhalten und die Füsse fest auf den Boden stemmen. Trotzdem knallt man immer wieder heftig an die Reling und wird wild durchgeschüttelt.

Endlich! Wie sind unten! Vor uns liegt eine langgestreckte Bucht mit einem Wald dahinter. In erster Reihe ducken sich ein paar Ressorts unter die Bäume. Wir passieren einen besonders schönen kleinen Altar in Gold und Grün, dann sind wir am Strand, dem Bottle Beach (Warum der so heißt, erschließt sich uns nicht) Wirklich eine sehr schöne Oase! Auch für Familien. Allerdings kommt man dann sicher nicht allzuoft an andere Orte, angesichts der wilden Fahrt nach oben und zurück!

Ein Stündchen später machen wir uns auf den Rückweg. Noch einmal in umgekehrter Richtung die wilde Fahrt und dann wieder auf´s Motorrad, denn es gilt noch ein Stück zu fahren. Durch die hohen Palmen am Straßenrand scheint in rotgoldenen Strahlen die sich neigende Sonne und taucht alles in ein ganzbesonderes Licht, es sieht wunderschön aus. In den größeren Orten stehen wir wieder unsinnig lange Zeiten an den Ampeln, die immer 120 oder gar 180 Sekunden in großer, roter roter Leuchtschrift ˋrunterzählen.

Eine Dusche später sind wir bereit, nach diesem spannenden, aber etwas anstrengenden Tag, für ein gutes Abendessen am Strand von Haad Yao.

Und diesmal landen wir einen Volltreffer. Ein größeres Restaurant hat eine zusätzliche Außenküche am Strand aufgebaut, ein Holzkohlengrill, an dem ein hingebungsvoller Koch Fisch, Fleisch, Kartoffeln und Maiskolben zubereitet. Er mariniert das Grillgut, füllt die Fische mit Kräutern, Ingwer, Knoblauch und irgendwelchen Blättern und rollt sie dann in Bananenblätter, in denen sie auf dem Grill geschützt in Ruhe garen können. Köstlich! Für Fleischliebende gibt es lecker marinierte Spare Ribs. Und das alles mit den Füssen im Sand und Blick auf das nächtlich glitzernde Meer. Was für ein schöner Tag….

Bilder Hua Hin

7 – Inselhopping nach Koh Phangan

Mit der proppevollen Fähre geht es weiter, genauer gesagt zwei Inseln weiter nach Koh Phangan, wo sich unsere exklusive kleine Reisegruppe wieder vereint. Der Gedanke an diesem Treffpunkt war einerseits, dass ich die Insel nicht kenne und andererseits, dass mein Mann sie vor über 25 Jahren besucht hat, als sie noch ein recht jungfräuliches Island war. Inzwischen ist sie international bekannt für ihre Full Moon Parties, ein Party-event, zu dem mittlerweile DJs aus aller Welt eingeflogen werden. Rave am Strand bis der Arzt kommt, leider manchmal im wörtlichen Sinne.

Aber darüberhinaus ist Koh Phangan einfach eine überaus beliebte Ferieninsel für jedermann. Wir sind also gespannt, was uns erwartet und hoffen, dass wir nicht enttäuscht werden. Denn party people sind wir genauso wenig wie Freunde des Bespaßungstourismus.

Tatsächlich kommen wir nur eine halbe Stunde versetzt am Thong Sala Pier an und treffen uns am Ende des langen Piers in all dem Getümmel. Wir haben ein Zimmer in der Backpacker Lodge Sharilea gebucht, im Nordwesten der Insel. Wie man irgendwohin kommt, braucht man sich hier in Thailand nirgends zu sorgen, es sind immer Leute da, die die Amkömmlinge sofort an ein Sammeltaxi auf der richtigen Route verwiesen.

In diesen Dingen sind die Thais sehr clever und für Ankommende ist das sehr angenehm. Es gilt jeweils einen Fixpreis pro Person. Das Gepäck kommt aufs Dach oder zwischen die Beine, rund 10 Personen passen auf die schmalen Bänkchen, es können auch mal 12 ´reingequetscht werden.

Und los geht es über die ruckeligen Straßen. Thong Sala am Hafen ist ein geschäftiger Ort mit vielen Restaurants, Cafés und Läden, aber besonders schön ist er nicht. So richtig reißt die Bebauung eigentlich den ganzen Weg über nicht ab, auch außerhalb des Ortes, aber immerhin gibt es auch jede Menge üppiges Grün und schöne Blüten. Die meisten Häuser sind relativ klein und einstöckig, mit Ausnahme weniger Hotels. Oft bestehen sie auch nur aus einem Wellblech oder Bambusdach und Blech-, Holz- oder Bambuswänden. Fast alle Häuser beherrbergen, zumindest nach vorn, entweder einen Agentur, ein Geschäft, einen Massagesalon oder ein Café, außer die Hotels. Normale Wohnhäuser sieht man -zumindest hier in erster Reihe nicht.

Linkerhand tun sich immer mal Lücken auf und geben den Blick frei auf das hellblaue Meer. Der erste Eindruck könnte wirklich schlechter sein, zumal es nach Norden immer ruhiger wird. Wir haben bei der Auswahl des Zimmers auch strikt darauf geachtet, nicht auf die beliebte Südseite zu geraten. Zumal auch Mikis Erinnerungen in diese Gegend zurückkehren, und er sehen möchte , wie es jetzt dort aussieht. Mit  Befüchtungen…

Wir sind die letzten, die aussteigen. Die Lodge scheint mitten in den Urwald gebaut, so eine Mischungs aus Hippie-, Esotheriker,- und Partypeople -Unterkunft. Es gibt ein auf Stelzen stehendes Haus auf einem kleinen Hügel – aus dunklem Holz gebaut. Neben der Rezeption beherrbergt es ein relativ großes Restaurant mit vielen bunten Lämpchen und kleinen Tischen, an denen man überwiegend auf Sitzkissen sitzen muss. Aus den Lautsprechern schallt Fusion Musik, und das nicht sehr leise. Die europäische hippe Rezeptionsfrau beruhigt uns: Nur so bis kurz nach Mitternacht, dann fahren sowieso viele auf die Parties…

Die Zimmer sind Holzhütten auf kleinen Stelzen mit einer kleinen Terrasse, einer Hängematte in Rasta-Farben und einem Yoga-Kissen. Das Innere ist zweckmäßig, sauber und ein bisschen in die Jahre gekommen. OK.

Das große, ansteigende Gelände ist sehr grün – überall große alte Bäume, Palmen und üppige Büsche. Wirklich schön. Der Strand ist drei Minuten entfernt. Ort und Strand heißen Haad Yao.

Wir schaffen es gerade noch, zum Ende des an diesem Tag wenig spektakulären Sonnenuntergangs. Der feine Sandstrand ist sehr breit, da gerade Ebbe ist. Die Bucht zieht sich ein paar hundert Meter hin, überall gibt es Restaurants und dahinter Ressorts. Alles in allem ist es immer noch schön, trotz des Tourismus. 

Nach einem Strandspaziergang essen wir in einem der Strand-Restaurants, bevor wir den Tag gemütlich mit einem Bier auf der Terrasse unserer Hütte beschließen. Die Musik ist auszuhalten und endet tatsächlich um halb eins. Der Start auf Koh Phangan war schon mal gut.

6 – Palmen, Felsen, Sand…Tanote Bay

Nach dem Overkill an Menschen, Verkaufsständen im Hafenviertel und nervigen Taxifahrern , die alle versuchen, einen viel zu hohen Preis aufzurufen, flüchte ich in einen klimatisierten 7/11 und trinke erstmal ein eiskaltes Kokoswasser. Diese schon legendäre Supermarktkette ist in Thailand immer und überall die Lösung für fast alles. Fast rund m die Uhr bieten sie auf meist kleiner Fläche so ziemlich alles, was der Reisende für jede Eventualität so braucht. Ich brauche jetzt Ruhe und was Kaltes.

Als ich 5 Minuten später wieder ins Getümmel trete, pirscht sich ein Taxifahrer von der Seite an und bietet mir die Fahrt zu einem normalen Preis an. Na also. Geht doch. Zufrieden klettere ich auf die mit 2 Bänken in Fahrtrichtung und einem blechernen Sonnendach ausgestattete Ladefläche und ab geht´s nach Tanote Bay. Gut festhalten! Die Straße windet sich in endlosen, teilweise super steilen Kurven über den Bergzug in der Mitte der Insel. Die letzten Kilometer gehen so steil bergab, dass mein Plan, mir einen Roller zu mieten, in einer extra steilen 270° Kurve von der Ladefläche fliegt….

Dann endlich: Tanote Bay! Mir geht das Herz auf: Gelber Sand, hellblaues Meer, grüner Palmen-Urwald. Sichelförrmig schmiegt sich Tanote Bay an die Insel, drei große Felsblöcke geben der Bucht ihr eigenes Gesicht. Hier scheint die Zeit tatsächlich im Bogen vorbeigeschwommen zu sein, alles ist wie vor 10 Jahren.

Ich habe eine Hütte im selben Ressort gebucht, dem Diamond Beach Ressort. Die einzige Wahlmöglichkeit bei der Zimmerwahl an besteht in Klimaanlage oder Ventilator. Ich kann es kaum fassen, dass ich die oberste Holzhütte am Hang mit Blick durch die hohen Palmen auf den Strand bekomme. Genau neben der, die ich vor 10 Jahren bewohnt habe. Keine Klimaanlage, nur das Nötigste und das ist offensichtlich 10 Jahre älter. Klein, sauber, bequeme Betten und eine kleine Holzterrasse. Nostalgie pur.

Ich hänge meine mitgebrachte Hängematte auf der Miniterrasse auf und schau einfach nur… Unten glitzert das Meer durch die Bäume, auch ein paar Abschnitte vom Strand, oben hinter den Baumwipfeln den unverschämt blauen Himmel. Das terassenförmige Terrain des Diamant Beach Ressorts mutet ein bisschen wie ein lichter Wald an: riesige Kokos-Palmen zwischen alten Laubbäumen, allerhand Büsche und wunderschöne Frangipani– Bäume mit roten und weißen Blüten, die im Mondlicht zu leuchten scheinen.

GRoßre Vögel stoßen tagsüber laute, spitze Schreie aus, manchmal scheinen sie auch zu kämpfen. Jede Menge kleiner Vogelarten flattert durch die Äste, manchmal kommen ein paar neugierige Gefiederte schauen, ob es was zu holen gibt. Überall klettern graubraune Eichhörnchen herum, sie kommen oft ganz nah. Und dann sind da noch die zum Teil ziemlich großen Geckoss, die voralllem in der Dämmerung herauskommen und ihre spitzen Schreie ausstoßen; „Ge-ko…Ge-Ko!“. Nachts allerdings tragen die Männchen gelegentlich erbitterte Kämpfe aus – vorzugsweise die großen Exemplare. Das macht richtig Krach!

Gleich in der ersten Nacht bin ich aus dem ersten tiefen Schlaf hochgeschossen, weil ich dachte, dass ein Mensch erst gegen mein Fenster geschlagen hat und dann auf das Dach gesprungen ist. Aber dann war mir schnell klar, dass nur wieder zwei große Geckos ihre Revierkämpfe austragen. Was für ein Getöse!

Und morgens um sechs kräht auch hier – wie es sich gehört – ein Hahn ganz aufgeregt von der Neuigkeit, dass die Sonne wieder aufgeht! Also alles sehr ländlich auf die etwas exotischere Art.

Es ist wirklich verrückt, dass sich hier fast nichts verändert hat, bis auf die Eigentümer zweier Ressorts, fünf gibt es. Aber nicht von der Sorte mit Bespaßung, sondern nur mit Bungalows und je einem Restaurant. Tagsüber kann es schon manchmal etwas voller werden am Strand, das sind die Tagestouristen von der anderen Seite der Insel, aber die verschwinden meist vor Sonnenuntergang. Früher hat man mehr deutsch´in Tanote Bay gehört, jetzt ist die Mischung bunter: Skandinavien, Holland, Südeuropa, Ukrainisch sind besonders stark vertreten.

Ganz aus dem Häuschen bin ich, als ich sogar mein kleines Lieblingsrestaurant wiederfinde! Lay´s ist der Underdog hier: kein Guesthouse, nur ein kleines Restaurant , das aus einem Bambushaus besteht und ein paar Tischen am Strand. Im Erdgeschoss wird gekocht, oben ist ein Deck, auf dem man im Liegen, auf die typischen Thai-Sitzkissen gebettet, essen kann. Ich sitze lieber unten am Tisch mit den Füßen im Sand unter den Lichterketten und schaue beim Essen auf das nächtliche Meer.

Tatsächlich erkennt mich Lay wieder! Sie ist ganz aufgeregt – so wie ich! Sie freut sich, immer, wenn ich komme in diesen Tagen (also fast immer), ich freu mich wenn ich da bin. Und sie kocht sehr lecker! Und mit dem Wechselgeld gibt´s immer noch eine eine Handvoll Obst. Zum Ritual gehört auch meist ein wortreiches Pallaver in Thai mit englischen Brocken, von dem ich nur ahne , worum es geht. Aber wir lachen uns fröhlich zu, verbeugen uns – eben Konversation á la Thailand. Liebenswert, lustig und respektvoll.

Der Hauptgrund für meine Rückkehr liegt am anderen Ende der Bucht: Calypso Diving. Abgesehen von der Tatsache, dass der aus Stuttgart stammende Gründer und Besitzer inzwischen nicht mehr hinter dem Empfangstresen steht, da er mit seiner thailändischen Frau und Tochter inzwischen in Hua Hin lebt und gar nicht mehr selbst hier den Laden schmeisst, ist alles beim Alten.

Eine nette Lobby, die gleichzeitig als Treffpunkt und Büro dient, ein nettes Team, zu dem noch ein ganz alter Hase gehört, Michel aus Leverkusen, der schon über 25 Jahre hier ist. Der Rest ist bunt zusammengemischt aus der Schweiz, Irland, Deutschland und…?? Wer sich einsan fühlt oder auch einfach nur Lust auf Gesellschaft hat, trifft hier bis zum frühen Abend immer jemanden. Die Tauchergemeinde ist einlustig buntes Völkchen vom norwegischen Rentner über englische Tattoofreaks bis zu französischen Ex-Marine-Tauchern.

Und ich kann endlich wieder tauchen, meine Leidenschaft….Darüber habe ich mich bereits in den vergangenen Jahren ausführlich ausgelassen und erspare dem Leser meine Elogen über das tiefe Blau. Aber wer tauchen (lernen) möchte, dem sei dieser Ort ans Herz gelegt! Koh Tao ist nicht umsonst ein Taucher-Mekka.

Die Tage vergehen wie im Flug: Die Vormittage verbringe ich unter Wasser, die Nachmittage in meiner Hängematte mit dem großartigen Ausblick und die Abende bei Lay. So faul war ich selten, aber ich habe es genossen. Einfach mal entspannen an eine liebgewonnenen Ort, von dem man so manches Mal geträumt hat!

5 – Ab auf die Insel!

Noch einmal durch die kleinen holprigen Straßen von Hua Hin – bis auf die dienstbaren Geister auf dem Weg zur Arbeit und ein paar Bettflüchtlinge ist es noch leer und 7 Uhr morgens in Hua Hin.

Ich bin mit unterwegs zum Abfahrtspunkt der Busse der Fährgesellschaft Lomprayah, die das Monopol auf die Routen nach Koh Tao, Koh, Phangang und Koh Samui hat, die drei beliebten Inseln vor der Küste von Chumphon. Clever wie diese Geselschaften hier sind, organisieren sie auch gleich aus größeren Städten die Anfahrten zum dortigen Hafen in eigenen Bussen. Alles perfekt durchorganisiert.

Mit einem nagelneuen Komfortbus erreichen wir nach dreieinhalb Stunden gen Süden durch immer üppigere grüne Palmen-Landschaften den Pier von Chumphon, der Hauptstadt der gleichnahmigen Provinz. Hier herrscht chaotisches Gedränge und babylonisches Sprachengewirr, denn es fahren verschiedene Fähren dicht nacheinander ab. Aber auch wenn kein Mensch die quäkenden Durchsagen in unverständlichem Thai-Englisch versteht, kommt nichts durcheinander.

Schon bei der Ticketausgabe wird man überprüft und eingecheckt und vor dem Einsteigen in den Bus wird jeder mit einem bunten Aufkleber geschmückt, der ein bestimmtes Ziel bedeutet. Hat zwar ein bisschen was von Warenversand, aber so wird keiner ohne das richtige Etikett durch die Ticketkontrolle und in den falschen Bus oder auf´s falsche Schiff gelassen. Ganz einfach also – man folgt immer nur den anderen Rosanen, Blauen, Gelben.

Der Pier ist mindestens 200 Meter lang, und der Marsch mit Gepäck in der gnadenlosen Sonne übe den rumpelige Steg zu unserer riesigen Highspeed– Fähre wird sehr lang. Das Meer ist so hellblau, dass es unnatürlich wirkt. An der Küste begrenzen Kokospalmen ein paar Strände. Draußen im Meer unterbrechen ein paar schroffe Felseninseln das schier unendliche Hellblau.

Die Mitreisenden sind ein wilde Mischung aus flippigen und betont coolen Youngstern aus aller Welt, die zu den berühmten Parties der Inseln wollen. Sie sind die ganze Fahrt damit beschäftigt zu kiffen, die Infos über die coolsten Locations und Events auszutauchen, Instagram-Fotos zu machen oder ihren Kater von gestern zu überleben.

Dann gibts da noch die mittlerweile in die Jahre gekommen Wilden von einst. Sie haben das Auftreten „Ja wir Quasi-Thais … was dem Deutschen sein Schrebergaten, ist uns Weltbürgern halt Thailand.“ Eine etwas kleinere, aber markante Gruppe sind dabei die Alt-68er, dazu kommen die sonstigen Hippies und Szenegänger der 70er, 80er und 90er. Über ihre Erscheinung Statements abgebend: sooo „unangepasst“ und cool wie einst: Männer mit sehr langen, schütteren Haaren (sogar Rastazöpfen in Grau), in viel zu kurzen Hosen, und bunten Muskelshirts. Frauen mit großen Sonnenbrillen, schwarz oder blond gefärbten wilden Haarschöpfen, mit entweder zu engen oder zu weiten Hippieroben und: unbedingt ohne BH!

Gruppe drei: Die jungen Familien. Viele verbringen die Elternzeit in Asien, manche sind sogar monatelang samt Kleinkindern unterwegs.

Und dann bleibt noch der buntgemischte Rest aus Normalos, die einen schönen Cluburlaub gebucht haben, Individualreisenden wie mir (und übrigens immer mehr alleinreisenden älteren Frauen), verliebte junge Päärchen, Rentnerpaare, meist in kleinen Gruppen. – und natürlich ein paar Thais.

Nur frisch angereiste und ahnungslose Touristen stürmen auf das Oberdeck, wer schlau ist, sichert sich einen Platz unter Deck. Denn die Sonne auf dem Meer ist gnadenlos. Nach gut zwei Stunden rasen wir auf die Insel zu: Grün und bergig wartet Koh Tao auf die nächste Invasion, die Fähre nimmt aber wenigstens genauso viele Menschen wieder mit. Aber wir müssen heute noch um die halbe Insel fahren und vor einigen großen Felsen im Meer geduldig warten, denn der kleine Hafen ist noch besetzt, irgendeine andere Fähre ist zu spät und der kleine Pier von Mae Haad kann uns nicht mehr verkraften.

Ich bin inzwischen tatsächlich etwas aufgeregt: Für mich ist es ein Wiedersehen nach zehn Jahren! Koh Tao war die erste Thailändische Insel für mich. Damals als Tauchneuling gekommen, um zu Tauchen. Ein Freund und Kollege, ein ganz alter Hase in diesem Sport, hatte mir die Insel empfohlen, mit strikten Anweisungen, wo genau ich hinzugehen hätte. Denn Koh Tao ist DAS Mekka für Taucher. Attraktiv, preiswert – und überfüllt. Zumindest auf der Westseite, wo die billigsten Unterkünfte, die meisten Restaurants und Diskotheken und die … preiswertesten Tauchschulen sind. Leider auch viele eben …billig.

Ich hatte strikte (liebevolle) Anweisung, NUR auf der abgelegenen Ostseite der Insel in einer kleinen, etwas feineren Bucht, Tanote Bay, abzusteigen und bei der einzigen deutsch geführten Tauchschule zu tauchen. Nicht wegen des Deutschseins, sondern der Sicherheit. Es war eine wunderbare Zeit damals, ich habe viel gelernt. Und nun bin ich also zurück als fast schon altgediente Tauchsüchtige. Ich freue mich und habe gleichzeitig Angst, dass nichts mehr so ist, wie damals…. Was erwartet mich??

Bangkok 2025

4 – Hua Hin Beach

Durch eine Gasse aus den in aller Welt gleichen Buden mit immer den gleichen, ebenso billigen wie geschmacklosen T-Shirts, Hosen, Sarongs, Hüten und anderem Schnickschnack, komme ich irgenwann endlich an den Zugang zum Strand.

Vor mir liegt ein ca 20 – 30 Meter breiter endloser hellgelber Sand-Strand und ein blassblaues, flaches Meer. Über 4 Kilometer zieht sich der Stadtstrand hin. Schön siehts aus, wenn auch schmaler als erwartet. Am Eingang werben noch ein paar Ponys für einen Strandritt für Lauffaule und Kinder. Aber sonst gibt es hier kaum Buden oder Stände.

Ich bin verblüfft: Ich habe ein vollen oder zumindest gut besuchten Strand erwartet angesichts der vielen rotverbrannten oder tiefbraunen Urlauber, die überall durch die Straßen schnüren. Aber nichts da!

Links und rechts des Zugangs sind noch ein paar Leute und es werden Ponys zum Reiten angeboten, aber soweit ich nach Süden blicken kann, sehe ich nur alle paar hundert Meter größere Ansammlungen von Badegästen. Dazwischen nichts als Sand und ein paar verstreute Fußgänger. Das wundert mich nun doch.

Begrenzt ist der ca 20-30 m breite Strand auf ganzer Länge von einer eher bröckeligen Mauer. Neben dem Strand sind unzählige Ressorts, vorallem der hochpreisigen Art wie Hilton&Co, und einige riesige weiße Hochhäuser. Aber zu meiner größten Verwunderung gibt es nur ganz wenige, weit voneinander entfernte Strandlokale oder Zonen, wo Liegen zu mieten sind. Keine Welle auf dem blassblauen Meer, man kann endlos weit schauen.

Ok, denke ich, dann spaziere ich eben bis zu meinem Viertel, das ja direkt am Meer liegt. Tapfer stapfe ich los, die Sonne brennt gnadenlos. Nach einer knappen Stunde habe ich höllischen Durst, muss aber weiter aushalten, bis endlich ein Restaurant kommt. Keine Buden sonst am Strand- nichts.

Das Restaurant ist so nichtssagend, dass ich mir nicht mal den Namen gemerkt habe, aber es hat ein großes Sonnendach über einer lieblos betonierten Terrasse. Schatten! Es gibt nur ein paar wenige freie Tische. Unten auf dem Strand drängeln sich um die 100 Liegen und Sonnenschirme – alles pickepacke voll. Der diensthabende Chef kommandiert gehetzte Kellner herum, der älteste ist ein krummer Opa, der so aussieht, als sollte er lieber auf der Bank am Meer sitzen.

Neben ein paar einzelnen Paaren haben sich hier eher eine Art Landsmannschaften-Großgruppen zusammengefunden, die hier offenbar gewohnheitsmäßig ihre Stammtischtreffen abhalten. Ich ertappe mich bei dem Gedanken: Mann, diese Rentner. Upps… ich habe wiedermal vergessen, dass ich ja auch zu der Spezies gehöre. Ich glaube, ich kann irgendwie vielleicht nie so alt werden, dass ich mich zu solchen Gruppen zugehörig fühle. Morgens vom Hotel an den Strand, mittags zwei Stunden Gruppentreffen im Strandrestaurant, abends dasselbe nochmal aufgeputzt in einem schickeren Restaurant. Ist völlig ok, aber nicht my way. Soll wirklich nicht überheblich klingen, ist einfach nur ein mir fremdes Verhalten.

Nach dem Essen beschließe ich, die Möglichkeit zu nutzen, ein paar Leute auf den Liegen am Strand zu bitten, auf meinen Rucksack aufzupassen damit ich in Ruhe ein Bad nehmen kann. Eigentlich habe ich in Thailand nie Angst vor Diebstahl – das kommt kaum vor, ist schlecht für´s Karma. Aber solche Touristenorte haben ihre eigenen Gesetze.

Sich in die kühlen, besser lauwarmen Fluten zu stürzen, erweist sich aber eher als schwierig. Das Meer ist hier superflach und man muss endlos laufen, bis es auch nur bis zur Hüfte reicht. Endlich bin ich weit genug und kann schwimmen! Herrlich, nach der langen Strandwanderung durch die Hitze. Auf dem Rückweg allerdings gibt es plötzlich „aqua mal“, wie es auf Cuba hieß: Winzige, kaum sichtbare Quallen erzeugen ein unangenehmes Pieken auf dem Körper. Nichts gefährliches, aber nicht sehr angenehm. Trotzdem fühle ich mich nun etwas erfrischt.

Ein Ende des Strandes oder auch nur die Hochhäuser meines Viertels sind noch nicht in Sicht. Ich habe keine Lust mehr auf Wandern in der prallen Sonne. Ich verlasse d3n Strand und erreiche nach ein paar hundert Metern eine Hauptverkehrsstraße. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin, aber es fühlt sich nach Backofen an. Ich entdecke auf der anderen Straßenseite eine dieser schicken neuen Einkaufsmalls. Küüühl! – suggeriert mein Gehirn.

Also Abstecher in die riesige Mall, die innen so gar nicht quadratisch, praḱtisch gut (oder vielleicht leicht geschwungen) ist wie in Deutschland. Eine bunte glänzende Shoppingwelt mit Rotunden, verschlungenen Gängen, bunten Rolltreppen und viel Glitzer. Ich schlendere ein wenig, dann fühle ich mich für den Heimweg gerüstet.

Draußen frage ich einen Polizisten(?), ob es hier Linientaxies in mein Viertel gibt. Ja, allerdings wohl genau in die entgegengesetzte Richtung als ich glaubte… Alles ganz schön verwirrend. Ich muss die 6-spurige Straße an der Ampel überqueren. Auch das ist wieder speziell: Ampelphasen dauern hier mindestens 2 Minuten, die verbleibenden Sekunden werden in großer Leuchtschrift heruntergezählt. Und nicht genug damit, am Zebrastreifen steht auf jeder Seite ein Verkehrspolizist (?) mit einer Kelle, der dann auf die Straße springt, um die Fußgänger rüberzulassen.

Ich verlasse das Songtaew etwas zu spät, ich habe die Gegend zu spät erkannt und eben zu spät geklingelt. Aber das ist kein Problem, ich schlendere ja ganz gern durch die abendliche Stadt.

Oh Gott -eine Fatamorgana! Restaurant „Treffpunkt„! Original Schnitzel und deutsche Wurst….kein Kommentar, schnell weg hier, sonst werde ich noch in ein Dirndl gesteckt!

In der flirrenden Uferstraße, in der auch mein Guesthouse liegt, gibt es etliche riesige Restaurants, die am Ende großer Piers liegen, die nur dafür ins Meer gebaut wurden. Sie sind relativ teuer, aber immer voll. Klar, die Aussicht auf das nächtliche Meer ist auch toll mit dem warmen Wind und all den blinkenden Lichtern. Ich habe mir unterwegs an einem Stand etwas zu essen gekauft, aber ich trinke noch ein Bier in einem dieser Piers.

Dann gönne ich mir noch eine dieser wunderbaren, wenn auch heftigen Thaimassagen – 300 Baht(ca 8 Euro) für eine Stunde. Müde uns zufrieden geht mein letzter Tag in Hua Hin zu Ende.

3 – Im Beiwagen durch Hua Hin

Die Mandarin Lodge hat einen hübschen kleinen Pool, zu dem eine kleine Bar gehört. Super: Frühstückskaffee am Pool. Sogar echten Espresso…..denke ich. Dann kommt die Ernüchterung, der Kaffee ist schauderhaft. Und ich kann ihn nicht mal stehen lassen, die nette Frau an der Bar beobachtet mich stolz!

Schnell stürze ich das Zeug runter und greife meinen Rucksack für den Tag unterwegs. Drei Ecken weiter gibts dann eine italienische Kaffeebar und Entschädigung für die Plempe im Hotel. Es ist schon wieder brutheiß und Scharen europäischer Rentner streiten sich um die TukTuks, um zum Strand zu fahren. Gut für die Fahrer, da wird nicht lange um die Preise gefeilscht.

Mein Plan für heute: ein Künstlerviertel, von dem ich gelesen habe, und später der große Strand von Hua Hin. Ich schleiche in der prallen Sonne die große Hauptstraße entlang in der Hoffnung auf ein Songtaew, das mich in die Nähe des Viertels bringt. Jede Menge Verkehr, aber kein Linientaxi. Ich schmelze und habe die Abgase satt. Plötzlich hält eine sehr dunkelhäutige ältere Frau mit einem verschrammten Motorrad mit Beiwagen (!) neben mir. Ein fast zahnloser Mund strahlt mich an:“Taxi?“

Ja, das gefällt mir. Das ist kurios. Ich frage sie nach dem Artist Village Baan Sillapin. Ja klar, kennt sie und über den Preis sind wir uns auch schnell einig. Also hiefe ich mich in den metallic blauen Beiwagen, werde mit einer Handvoll seltsamer Nüsse versorgt und ab geht die Post. Fahrtwind! Meine Köpertemperatur sinkt wohltuend.

Eine ziemlich lange Weile folgen wir der Hauptstraße nach Norden. Die Stadt zieht sich ewig hin. Vorbei an Einkaufsmalls, Hotels, irgendwelchen Firmensitzen, modernen Appartmentblocks. Und vielen Regierungs-und Militärgebäuden, die hier – wie überall – auf großen ummauerten Grundstücken stehen, die thailändische Fahne immer gehisst.

Die obligatorischen weißen Mauern sind immer mit gerafften gelben Stoffbahnen geschmückt – ich weiß, das dies die Farbe des Montags ist und der beliebte König Bumipol an einem Montag gestorben ist, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das imme damit zu tun hat. Jedenfalls gibt es zudem immer irgendwo einen gold- und glitzergeschmückten prunkvollen Rahmen, in dem ein überlebensgroßes Portrait des wenig beliebten neuen Königs – mal allein, mal mit Gattin, mal mit Mutter – prangt.

Maha Vajiralongkorn ist seit 2016 König und wegen diverser Skandale, seines totalitären Regierungsstils und seiner Demokratiefeindlichkeit ziemlich unbeliebt. Aber – er ist mit ca 70 Milliarden Dollar der reichste Monarch der Welt. Und- er verbringt dem Vernehmen nach einen großen Teil seiner Zeit in Bayern. Ach ja: und auf Majestätsbeleidigung – und sei es ein blöder Witz – steht hier Gefängnis.

Ich bin etwas ausschweifend geworden, aber irgendwie dachte ich, so viele Menschen fahren nach Thailand, aber nicht viele wissen viel darüber, so wie ich noch vor ein paar Jahren.

Zurück zum Ausflug. Nach ziemlich langer Zeit fährt meine wackere Taxibikerin links ran und erklärt mir gebärdenreich, dass sie wohl doch nicht weiter weiß…. Uups. Späte Erkenntnis. Also her mit google. Und siehe da: wir sind falsch und uns trennen ca 12 km vom Ziel. Was soll´s, wir starten neu und ich lotze sie. Ich kann ihr nicht böse sein. Sie ist wirklich ein Original und hat es nicht nur gegen die männlichen Kollegen hier bestimmt nicht leicht. Das Geld hat sie ganz sicher nötig. Und ich habe es nicht eilig – auch wenn der Weg nun mehr als doppelt so lang ist.

Endlich haben wir Baan Sillapin gefunden! Aber verwirrt sehe ich ein großes, staubiges, baumbestandenes Grundstück mit ein paar leeren Kiosken und 5 Statuen… Künstlerdorf?? Meine Fahrerin schaut genauso blöd wie ich und fängt gnadenlos an zu kichern! Schließlich kichern wir beide…. Aber ich steige doch aus und will noch mal in dem unscheinbaren Gebäude nachsehen. Ich bitte sie zu warten und mich zurück zu fahren.

Und es gibt sie doch, die Kunst im Künstler-Village! Das Gebäude ist größer als es aussieht und beherrbergt die Gallerie eines größeren Künstlerkollektivs. Die Ausstellung präsentiert in wilder Mischung nicht nur verschiedene Künstler, sondern auch krass unterschiedliche Kunstgattungen und -stile von martialischen Metallskulpturen aus dem Bereich der Metal Gear und Comic – Welt bis zu ganz traditioneller Malerei, Skulpturen und Schnitzkunst. Ziemlich verrückt, das Ganze. Und nicht etwa getrennt präsentiert, sondern alles hübsch vermischt. Aber spannend anzusehen. Und -ganz nebenbei – hier, wie an vielen Orten, hängt wieder das Bild des alten Königs.

Auf geht´s , zurück ins zentrale Hua Hin. Ich will an den Stadtstrand, der ziemlich lang sein muss. Diesmal gleich mit meinem Navi, denn meine tapfere Bikerin besitzt offensichtlich kein Handy. In kurzer Zeit sind wir diemal am Ziel. Ich steige aus, meine Fahrerin traut sich keine Summe zu sagen. Ich zahle einen guten Preis, was mir ein weiteres strahlendes Lächeln, eine Verbeugung und noch mehr Nüsse einbringt. War eben ein … anderes, schräges Abenteuer…

…und wie es weiterging, erzählt das nächste Kapitel….

2. Hua Hin – ein verpfuschter Anfang und ein happy end

Die Hitze lauert bereits vor dem Fenster, als ich ausgeschlafen habe. Obwohl ich nur einen Lichtschacht mit irgendwelchen Gerümpel sehe, statt des beworbenen  Meerblicks…. Ich habe gut geschlafen, bin aber auf Krawall gebürstet wegen der enttäuschten Erwartungen. Also begrüße ich die Rezeptionsfrau höflich und frage nach einem anderen Zimmer, das der Anzeige gerecht wird . Sorryyy, madaaaam. We are fuuull! This (bedauerndes Schulterzucken): booking-com-room…( erneutes Schulterzucken). Ich koche…

Ich erkläre ihr mein Problem mit dem krassen Unterschied von „gewählt und bekommen“, darauf bietet sie mir an, nur eine Nacht zu berechnen, wenn ich innerhalb einer Stunde ein neues Quartier finde und auschecke. Also stürze ich los, da ich sicher bin ich, dass das ein Leichteres sei bei den vielen Guesthouses und Hotels.

 Auf diese Weise absolviere ich eine erste Sightseeing Runde durch mein quirliges Viertel, das direkt am Meer liegt. Hunderte Massage-Salons, Restaurants, Maßschneider, die in kürzester Zeit neue edle Outfits schneidern, Galerien und sonstige Läden. Die kleinen Gassen sind mir irgendwie vertraut und symphatisch: bunt, etwas heruntergekommen, aber dann wieder liebevoll mit kunterbunten, oft goldglitzernden Hausaltären versehen. Überall stehen Fahrräder und Motorräder, Gerümpel stört hier sowieso niemanden. Früchte und Krabben werden auf Tüchern getrocknet, die kleinen frischen Blumengebinde für den täglichen Schutz machen alles fröhlicher. Und überall Katzen und friedliche Hunde.

Aber so richtig genießen kann ich es nicht, mir klebt alles am Leibe und meine Stunde läuft unerbittlich ab. Es ist nicht nur Hochsaison, sondern auch ein verlängertes Wochenende. Überall besetzt. Als ich es fast aufgeben will, finde ich ganz in der Nähe schließlich doch ein Guesthouse, die Mandarin Lodge.

Ein charmanter ladyboy an der Rezeption findet noch ein Zimmer: Ich sehe es und bin happy. Also zurück zum Hotel, auschecken in  letzter Minute. Als ich samt Gepäck wieder zurückkomme, ist die Chefin in der Rezeption: Sorry, mistake, this room is booked!….Waaas?? Aber sie kann mir ein sehr teures Zimmer für eine Nacht anbieten oder ein…etwas einfaches…. Also notgedrungen dann das einfache: groß, sauber, alt, dunkles Holz, keine Fenster, nur Läden. Brutheiß.  An der Decke bemühen sich altersschwache Ventilatoren schrappend um etwas frische Luft. Und das mir… Zugluft, oh Gott!

Egal, ich will mir den Tag nicht verderben lassen. Ich mache mich auf, um zu einer der Sehenswürdigkeiten Hua Hins -natürlich einem Tempel-zu fahren. Ich entscheide mich angesichts des chaotischen Verkehrs, kein Motorrad zu mieten, sondern mit einem Sammeltaxi zu fahren, einem Song Thaew. Man winkt es an der Strecke ab. Ich frage mich bis dahin durch und finde auch einen Platz in dem altersschwachen Modell.

Diese Beförderungsart ist super billig, hat aber den Nachteil, dass man wissen muss, wo diese Linientaxis langfahren und wo man ein- und aussteigen will. Es sind offene Pick Ups mit einem Sonnendach und zwei Bänken, aber meist sind sie so voll, dass auch hinten auf dem Einstieg noch Leute auf den Stufen stehen und sich gut festhalten müssen.

Das Auto ist nach kurzer Zeit knallvoll, hinten fallen die Leute fast runter, aber das regt keinen auf. Die Song Thaew sind ein demokratisches Verkehrsmittel: Einheimische benutzen sie genauso wie Touristen. Die hübschen bunten, laut knatternden und stinkenden TukTuks hingegen werden meist nur von Touristen genutzt. Oder man nimmt sich ein Taxi – die teuerste Variante.

Mein erstes Ziel ist der Tempel Wat Khao Krailart. Er liegt auf der Spitze eines bewaldeten kleinen Berges am südlichen Ende von Hua Hin. Rund 130 hohe Stufen muss man erklimmen, auf denen einem etliche Hunde und Katzen begegnen. Traditionell füttern die Mönche immer Streuner, die dann natürlich gern bleiben. Oben angekommen umfängt mich eine unglaubliche Stille, obwohl hier und da einige Mönche an den Gartenanlagen arbeiten.

Zum Tempel gehören mehrere Gebäude – alles kleine Tempel für sich. Bunt und gold glitzernd liegen die einzelnen Gebäude über die Bergkuppe verstreut, eine riesige Goldene Buddha-Figur blickt ins Tal. Es herrscht eine friedliche Stille, über der Anlage: Ein terassenförmiger Garten mit einem kleinen Teich, alte blühende Bäume, schlafende Tiere und immer wieder glitzernde Stauen und Tempelgebäude. Und zur Krönung: ein wunderbarer 360 Grad-Blick über Hua Hin und das Meer.

 Der Haupttempel ist gerade wegen des Gebets der Mönche geschlossen, aber ein anderer ist offen. Ich habe ihn ganz für mich und kann den farbenprächtigen Raum, den Blumen geschmückten Altar und die friedliche Stille auf mich wirken lassen. An den Wänden sind Gleichnisse und -zum Teil- blutrünstige, aber auch lehrsame Geschichten dargestellt. Gleichnisse, wie es es sie –  anders – auch in der Bibel gibt. 

Es ist herrlich kühl hier im Schatten, mein Körper erreicht wieder Normaltemperatur. Ich wandere noch ein wenig herum und  mache mich an den Abstieg. Gefühlt sind es jetzt wieder 40  Grad, schon wieder schweißüberlaufen wanke ich ins nächste Restaurant und kühle mich mit einer eisgekühlten grünen Kokosnuss ab. Wo ist der Strand?? Irgendeiner! Bitte!

Ich finde den nächstgelegenen nach 10 Minuten Fussmarsch: eine langgestreckte Bucht, feiner Sand, blaues Meer. Ich reiße mir die Kleider vom Leib, um endlich ins Wasser zukommen. Herrlich! Auch der Blick die Küste entlang könnte schön sein, wären nur diese riesigen Hochhäuser und hässlichen seelen- und stillosen Betonklötze nicht…

Ich bitte eine nette Französin, auf meine gesammelte Habe zu achten, später kommen wir ins Gespräch – wenn man das so nennen kann: sie spricht nicht deutsch, ich nicht französich. Aber irgendwie gehtś. Sie fragt mich, ob ich mit ihr noch mal in die andere Richtung spaziere, hinter den riesigen Felsen rechterhand. Mit T-Shirt und Badehose gehen wir los, was mir dann irgendwann etwas unangenehm ist, da sich zeigt, dass auf der anderen Seite der Fischereihafen und der Fisch – und Meeres Früchte-Markt liegt. Aber von diesen Ausländern erwartet man nicht viel Etikette oder vernünftige Kleidung von uns, trotzdem fühle ich mich unwohl.

Neben den unendlichen Ständen mit blubbernden Aquarien mit Fisch, Hummern, Austern, Muscheln, Langusten, Krabben und……und…. und , stehen hier auch einige kleinere Restaurants und Wohnhütten. 20 m weiter schützt eine gigantische Betonmauer die Bewohner und Touristen des strunzhässlichen grauen Edelbeton-Komplexes mit schicken Appartments deren Bewohner vor dem Pöbel. Furchtbar! Oder, wie die Französin sagt: Bizarre!

Am Ende des Marktes habe ich die Auffahrt zum Wat Khao Takiap entdeckt, einem weiteren bekannten Tempel auf einem von Affen bevölkerten Berg. Der Plan steht: Zurück zum Strand, nochmal abkühlen und auf zur zweiten Tempelrunde, auch wenn ich schon ganz schön müde bin.

Tapfer laufe ich an den allgegenwärtigen neugierigen und immer hungrigen Makaken vorbei, die den Tempelberg als ihr Terrain betrachten. Nicht anschauen, habe ich gelernt, das könnten sie als Aggression verstehen… und die Zähne sehen gefährlich aus…

Der Weg führt steil bergan, gesäumt von blühenden Bäumen: Beaugainvillea in vier Farben , weißblühenden knorrige Wüstenblumenbäume und manch anderes, was ich nicht benennen kann. Etwas japsend erreiche ich die Bergkuppe und damit die Tempelanlage. Der Haupttempel erstrahlt in weiß, gelb, rot und Gold und drinnen hört man die Mönche jene seltsamen Sprechgesänge singen, die nie zu enden scheinen.

Aber es gibt noch ein paar weitere bunte kleinere, offene Altäre, Tempel und eine riesigen Gong. Und: am Ende einer weiteren, endlosen Treppe gen Himmel thront ein weiterer weißgoldener Tempel auf der Spitze des Berges. Der ist allerdings geschlossen. Trotzdem schleppe ich mich hoch, weil ich weiß, dass dieser Punkt eine der schönsten Aussichten über das Land und das Meer bietet. Und der Himmel färbt sich bereits rosa, bevor die Sonne untergeht.

Nun ist aber genug Kultur: Ich habe Hunger! Und was läge näher, als gleich auf dem Fresh Seafoodmarket Kao Takiap zu speisen! Inzwischen ist es dunkel, die Fischerboote schaukeln schlafend auf dem Wasser und die fröhlich beleuchteten Restaurants einiger Händler haben geöffnet. Unendliche Reihen angestrahlter Becken mit lebenden Meeres-Bewohnern warten auf ihr Schicksal-nur die Fische sind schon tot. Alles andere gibt’s auf Bestellung. Lecker, aber auch gruselig.

Ich suche mir einen Tisch auf der Holzterasse direkt über den Becken, da kann ich alles beobachten. Mich reizen die Lobster und vieles mehr – aber nachdem ich vor 15 Jahren in Vietnam beim Tauchen neben einer Lobsterfarm vom Wasserschlucken eine schwere Vergiftung von all den Medikamenten und Antibiotika hatte, traue ich mich nicht mehr, so etwas in Asien zu essen. Es ist vermutlich Unfug und hier vielleicht auch anders, aber… nee, geht nicht.

Ich bekomme einen riesigen Snapper vom Grill, extra für mich gemacht, gestopft mit Ingwer, Lorbeer, Chili und Kräutern . Wunderbar! Pappesatt und zufrieden lasse ich mich von einem Motorradtaxi nach Hause bringen. Den Gedanken an das scheußliche neue Zimmer habe ich verdrängt. Und: es gibt noch Wunder: Die Hotelchefin des Mandarin Lodge empfängt mich strahlend mit der Neuigkeit, dass die erwarteten Gäste nicht angereist sind und ich das schöne Zimmer Nr. 4 haben kann!

Nach dem verpfuschten Tagesbeginn ist es also doch noch ein spannender, wenn auch anstrengender Tag geworden! Raatri sawasdi! Gute Nacht!