14 – Hoch hinaus auf Langkawi

Mit dem Motorrad machen wir uns auf, die Insel zu erkunden. Der Kompass steht auf Nordwesten. Wieder bin ich irritiert über die guten Straßen. In den Kurven – auch außerhalb der Orte, mitten im Wald, stehen jeweils mehrere hohe Lampen, offensichtlich der Sicherheit wegen. Der Verkehr hier außerhalb von Kuah ist mäßig, aber wieder fällt auf, dass es hier viele Autos gibt. Und keine schlechten. Viele groß und neu. Hier wird offensichtlich Geld verdient. Dass das Auto hier Prestige-Objekt ist, ist nicht zu übersehen: Auch vor sehr bescheidenen Hütten steht oft ein gutes Auto.

Runde 30 km von unserer Unterkunft entfernt, liegt die größte Attraktion von Langkawi: die Sky Bridge mit dem Sky Cap. Eine wirklich beeindruckende Seilbrücke verläuft auf 700 Metern Höhe auf dem Berg Gunung Mat Cincang von einem Gipfel aus über das Massiv. Eine moderne Seilbahn befördert die Besucher sehr steil in die Höhe, wo dann knapp unter dem Gipfel des Berges zwei Aussichtsplattformen, der Skywalk und die 125 Meter lange Seilbrücke wirklich großartige Ausblicke auf Insel und die Andamanensee bietet.

Die Brücke schwankt ein bisschen, aber irgendwie wirkt sie beruhigend stabil mit ihren gigantischen Pfeilern. Ein Meisterstück der Ingenieurskunst – daran besteht kein Zweifel. Und der Blick ist toll! Es lohnt jeden Meter, den wir vom Skycap über steile und unregelmäßige Stufen am Berg entlang auf diese Brücke geklettert sind.

Viel nervöser hat mich der Skywalk auf einer der Aussichtsplattformen gemacht: Der Glasboden in dieser Höhe ist eine echte Attraktion , aber für Menschen mit Höhenangst auch eine echte Herausforderung. Ich hab´s geschafft! Sogar mit gelegentlichen Blicken nach unten…

Der Berg selbst, der Gunung Mat Cingang ist ein besonderer Berg, er gilt als zentraler Teil des ältesten Gebirge Südostasiens. Er ist vor über 550 Milionen Jahren entstanden. Heute ist er ein Unesco Global Geopark, Urwald bewachsen und mit schroffen Spitzen und Wänden. Umwoben von Legenden um zwei mächtige Familienclans, die ihre Kinder vermählen wollten. Am Tag der Hochzeit aber stellte sich heraus, dass der Bräutigam noch eine andere junge Frau zur Geliebten hatte und damit war die Blutfehde besiegelt.

Unser erster Sightseeing-Ausflug war toll! Als wir wieder auf dem Parkplatz sind, beschließen wir, uns nun auch noch Wasserfälle in der Nähe anzusehen. Eine gute Viertelstunde entfernt ist der nächste Eingang zum Unesco Geopark: Telaga Tujuh, oder Seven Wells Waterfall. Mr. Ong hat sie wärmstens empfohlen.

Erstmal gönnen wir uns aber eine kleine Mittagspause am Eingang zu diesem Nationalpark: Curcuma Hühnchen und eine grüne Kokosnuss! Lecker. Körper-Temperatur ist wieder halbwegs normal, so im Schatten. Aber nicht lange. Es sind 34 Grad und wie immer hohe Luftfeuchtigkeit. Und nun kommt erst die Herausforderung des Tages, wie sich zeigen soll. 600 unregelmäßige Stufen müssen erklommen werden, um zum untersten Ende des in sieben kleine Becken aufgeteilten Wasserfalls Seven Wells zu kommen. Eine echte Herausforderung… der achte Wasserfall ist man selbst, der Schweiß läuft an allen Körperteilen ´runter.

Endlich oben! Eine große offene Fläche im umliegenden Urwald. Abgerundete große Felsen bilden sieben abfallende Becken, in denen das Wasser in kleinen einzelnen Miniwasserfällen zu Tal strömt. Mutige können sich vom Wasser mitnehmen lassen. Ich gehöre nicht dazu, meine Sorge um unversehrte Knöchel und Knochen ist zu groß. Zu viele Ecken und Kanten und damit Risiken… Aber dafür habe ich ja mein Alter Ego dabei: der kann es nicht lassen….

Allerdings erst, nachdem wir uns noch entschieden haben, den heftigen Aufstieg über den stairway to heaven noch zu toppen und von hier aus über Dschungelpfade weiter zu klettern, denn Richtung Bergspitze sind noch 3 Wasserfälle angekündigt. Wir entscheiden uns, noch zur Blue Lagoon zu klettern.

Durch tiefes Grün wandern wir weiter auf einem schmalen Pfad über Steine, Kies und Wurzeln. Es ist schon eine kleine Herausforderung bei dieser Hitze. Aber es ist auch lohnend, da wunderschön. Dreimal kommen uns in entgegengesetzter Richtung Leute entgegen, eine Frau meint, es lohne sich kaum, der Pool sei wegen der Trockenzeit ziemlich klein und mit anderen Leuten kaum Platz. Hmmm… aber jetzt sind wir schon so weit, jetzt gehen wir bis zu unserem Ziel. Und das Gute: Der Nachmittag ist fortgeschritten und uns kommen schon einige Leute entgegen. Vielleicht ein gutes Zeichen.

Wir laufen, klettern und stolpern noch ein Weilchen weiter, dann ist es geschafft: die Blue Lagoon! Klein, aber von einem plätschernden Wasserfall gespeist und: Nur eine Frau ist außer uns da, und die rüstet gerade für den Rückweg! Herrlich, wir genießen das kalte Wasser und schon kommt die Energie zurück, die leergelaufenen Batterien füllen sich wieder. Ich liebe Wasserfälle im Urwald, selbst wenn sie nicht so spektakulär sind. Es ist Magie.

Der Rückweg bergab ist leichter, aber auch nicht anspruchslos, zumal die Versuchung groß ist, nur die grüne Zauberwelt rundherum zu bestaunen und den Weg aus den Augen zu verlieren. Der Berg gehört zum Gunung Mat Cincang, demselben Massiv auf dem wir heute schon die 700m hohe Spitze per Seilbahn erklommen haben.

Auf dem Rückweg machen wir, wie schon vorweggenommen, noch mal Halt am Seven Wells Wasserfall. Vor allem Kinder und junge Leute trauen sich vom Wasser über die Naturrutschbahn mitnehmen zu lassen. Und ein älterer Herr…. Mir fällt es schwer, angesichts der Tatsache, dass alle Jungs und jungen Männer in Badehosen herumtoben und ihre Freundinnen, Frauen und Töchter mit einem langen Badeanzug, darüber einen knielangen Kaftan und außerdem ein Kopftuch ins Wasser gehen, neutral zu bleiben.

Pünktlich um 18 Uhr, bevor der Naturpark schließt, sind wir wieder unten. Wir haben uns noch ein frisches Kokosnuss-Eis verdient, und dann düsen wir auf unserem Feuerstuhl in unser chinesisches Wunderland.

Für das Abendessen kehren wir in ein typisches Einheimischen-Lokal ein. Alles alte Plastikmöbel, ein paar Lichterketten, ein brüllender Fernseher. Wenn wir erwartet hatten, vielleicht als Exoten besonders freundlich behandelt zu werden, täuschen wir uns. Wir bekommen eine malaysische Plastik-Speisekarte kommentarlos hingelegt – so, seht zu wie ihr klarkommt… Mithilfe der Übersetzer im Handy finden wir das wichtigste heraus. Vieles kennt der Übersetzer nicht, wie nehmen, was er versteht. Außer uns sind nur Familien hier, alle Frauen mit bodenlangen Kleidern in Grau, Blau oder Schwarz und natürlich Kopftüchern. Keine Ausnahmen.

Wir machen noch einen kleinen Umweg, um uns im 7/11 noch ein Bier zum Abend zu besorgen, die einheimischen Supermärkte führen keins, im Restaurant gab es natürlich auch keinen Alkohol. Auf unserem Balkon lassen wir den Tag noch einmal Revue passieren und ausklingen. Ein schöner erster Tag auf Langkawi!

13- Selamat datang, Malaysia

Schnell habe ich am Morgen in einem kleinen Restaurants auf Koh Lanta noch Hähnchen und Reis zum Mitnehmen gekauft und ein bisschen Obst. Dann ist es auch schon soweit. Unser netter Taxifahrer vom Vortag bringt uns wieder zum Hafen. Nur ungern verabschieden wir uns vom leckeren Thai-Essen, deshalb bunkern wir schnell noch unseren Lieblingsnachtisch, Kokos-Klebreis mit Mango, zum Reiseproviant.

Während des Wartens auf das Boot erzählt uns ein Mann, dass er am Vortag noch die Einreisegenehmigung für Malaysia beantragt hat. ??? Das verwirrt uns. Wir haben uns vorher informiert, dass man kein Visum braucht und die Einreisegenehmigung schnell an der Grenze erledigt wird. Stimmt nicht. Also sitze ich eingequetscht im Speedboat und fülle eilig endlos ein Online- Express-Formular aus, bevor der Internetempfang abreist. Klappt, aber nur gegen extra-Dollars….

Als erstes steuern wir die südlichste Insel Thailands an, Koh Lipe. Denn dort bekommt man den Ausreisestempel für Thailand und dann geht die Reise in einem malaysischen Boot weiter. Das Aussteigen am Strand von Koh Lipe ist etwas wackelig, denn es ist Ebbe und das Boot kann nicht an den Steg fahren, deshalb wackeln und eiern wir alle über einen langen mobilen Steg, der aus vielen luftgefüllten Plastikkanistern besteht. Sieht schon ein bisschen lustig aus.

Vor uns liegt ein Strand, der so weiß ist, dass es in den Augen weh tut. Der Sand ist ganz fein, es läuft sich seltsam. Das einzige, was wir vom Strand aus sehen, sind ein paar Ressorts, Restaurants und Bäume. Aber irgendwie sieht es toll aus. Ich bedaure etwas, dass unser ursprünglicher Plan, zuletzt auf Koh Lipe Zwischenstation zu machen, daran gescheitert ist, das absolut kein bezahlbares Zimmer zu buchenb war. Das billigste war 275,- Euro..

Wir müssen hundert Meter zum nächsten Anlegepier wandern, dort werden alle Ausreiseformalitäten schnell erledigt und die gerade online eingetroffene Einreisegenehmigung kontrolliert. Dann haben wir Zeit für unser mitgebrachtes Mittagessen…Lecker!

Pünktlich steht unser malaysisches Speedboat ein paar hundert Meter vor der Küste und wir werden mit Longtailbooten durch das flache Wasser aufs Meer hinausgefahren. Das neue Speedboat ist in deutlich besserer Kondition als das abgetakelte Tigerline Boat und es ist auch viel bequemer. Hallo Malaysia, wir kommen!

Kurz vor Sonnenuntergang landen wir am Hafen der Stadt Kuah auf Langkawi. Schon der erste Eindruck vom Wasser aus ist ein ganz anderer als in Thailand. Ein paar weiße Hochhäuser, Neubauten – nichts buntes, chaotisches wie in Thailand. Neben dem Hafen ragt eine riesige Adlerkopfstatue auf, das Wappentier von Langkawi.

Der erste 7/11 vesorgt uns mit einer neuen Telefonkarte und per Grab-Taxi geht es dann zu unserem Quartier. Ich bin völlig irritiert. Dass Malaysia anders ist, hatte ich erwartet….aber so anders? Mitten in der Stadt relativ breite, meist 4 spurige Straßen, bestens asphaltiert und gekennzeichnet, sogar mit Randstreifen. Und: total sauber! Viele Autos sind unterwegs, weniger Motorräder, aber keine Menschen, die herumlaufen.

Ich frage unsere Fahrerin, auch mit Kopftuch, warum es so ruhig ist auf der Straße und keine Fussgänger zu sehen sind. Sie sagt: Das ist immer so. Ich bin ernsthaft irritiert. Ist wohl eine andere Welt. Das hatte ich so nicht erwartet.

Unser Quartier ist ein paar Kilometer vom Zentrum entfernt, aber da wir wieder einen Roller mieten wollen, ist das egal. Wir staunen nicht schlecht, als wir vor dem Haus stehen, das rot-gold glänzt, fast wie ein kleiner Tempel. The Room Concept Guesthouse. Der Besitzer, Mr. Ong, ist ein sehr freundlicher, ein bisschen verschrobener Chinese. Das Haus birgt 18 Gästezimmer! Aber mit uns sind nur zwei belegt. Das Mobilar ist ein bisschen in die Jahre gekommen, aber alles ist blitzsauber und die Betten sind gut. Und am nächsten Tag wechseln wir dann in ein Zimmer mit einem schönen Balkon zum relaxen. Wenn der Muezzin der Moschee nebenan nicht gerade lautstark den Propheten preist.

Mr. Ong fährt uns in die Stadt zum Abendessen, da wir noch keinen Roller haben. Wir landen in einem wenig attraktiven Innenstadtviertel unweit des Hafens, wo sich viele eher ungemütliche Restaurants drängeln, entsprechend der Bevölkerungsmischung: Malaysisch halal, chinesisch, indisch, thai. Schön ist kein einziges, alle mit hässlichen alten Platikstühlen und hellem Neon. Das chinesische Essen ist gut, es gibt Bier – eine Seltenheit hier, wie wir später erfahren… Morgen werden wir unsere Erkundungstouren auf Lankgawi beginnen. Ich bin gespannt. Auch, weil ich jetzt nicht so recht weiß, was ich erwarten soll

12 – Last stop in Thailand: Koh Lanta

Unsere Zeit in Thailand neigt sich dem Ende – ich sehe es mit Melancholie und Vorfreude zugleich. Langsam heißt es Abschiednehmen von diesem wunderbaren Land mit seiner Schönheit und den fröhlichen, lächelnden Menschen, andererseits Aufbruch in ein neues Abenteuer: Malaysia.

Aber noch bleibt Zeit für einen ausgedehnten Abschiedstag. Der beginnt mit unserer Abreise aus Koh Yao Yai. Das hoteleigene Taxis bringt uns zum Pier. Und hatte ich mir noch Gedanken gemacht, ob die Fahrt nach Koh Yao Noi zum Manoh Pier, von wo das Speedboat zur Weiterreise abfährt, auch rechtzeitig klappt, so ganz ohne offizielle Fähre und Fahrplan, dann war das völlig unnötig. Kaum auf dem Pier ausgestiegen, und fragend „Koh Yao Noi?“gerufen, schob man uns auch schon zu ein paar wartenden Einheimischen und einem gerade anlegenden Longtail-Boot. Reinklettern, Geld abgeben und los.

Eine Viertelstunde später stehen wir am Hafen von Koh Yao Noi, der größeren Schesterinsel, besser gesagt dem langen Pier davor. Unter einem Blechdach sitzen ein paar Frauen auf Plastikhockern an zwei wackeligen Tischen und fertigen die Reisenden mit ihren unterschiedlichen Destinationen ab. Es ist noch lange nicht Mittag, aber sehr heiß und die Schattenplätze sehr rar. Ständig bringen Taxis neue Passagiere, die nach ihren Destinationen ettiketiert werden. Einheimische und einzelne Reisende kommen per Motorradtaxi. Die werden hier überall, im Gegensatz zu den Pickups, vorzugsweise von sehr selbstbewußten, Hidjab tragenden Fahrerinnen gefahren. Die bunte Truppe der Wartenden wird immer größer, der Schatten nicht…

Da die Zeit noch sehr lang ist bis zur Abfahrt von Tigerline Ferries nach Koh Lanta, schleiche ich durch die brütende Sonne ein paar hundert Meter zum Ufer, in der Hoffnung, noch einen näheren Blick auf die Insel werfen zu können und ein kaltes Getränk aufzutreiben. Aber außer einem schönen Mangrovenufer und Urwald gibt es nur eine kleine Wäscherei und einen kleinen Motorradverleih, vor dem ein junger Mann ein Nickerchen hält. Am anderen Ende des breiten Piers ist ein großer Parkplatz mit mehr Motorrädern als ich zählen kann. Ein Leben ohne Bike gibt es hier nicht.

Endlich werden wir aufgescheucht, unser Speedboat legt an. Eine ziemlich alte Schüssel, wieder ausgebucht bis auf den letzten Platz. Sehen kann man wieder nichts.

An dieser Stelle muss ich eine kleine Verwechslung zugeben. Nicht wie in Kapitel 9 behauptet, auf der Fahrt nach Koh Yao Yai, sondern hier aus der Route nach Koh Lanta passiert man die weltbekannte Insel Koh Phi Phi, ich entschuldige mich. Damit niemand zurückscrollen muss, hier noch mal der kopierte Absatz:

  • Die berühmteste Inselgruppe hier, Koh Phi Phi, weltberühmt durch den Leonardo di Caprio-Kino-Hit „The Beach“ und den James Bond Film „The man with the golden gun“ , haben wir unterwegs passiert, sie aber leider nicht sehen können. Jetzt ist sie wenigstens am Horizont zu erkennen. Schon wieder eine Erinnerung:vor fünf Jahren habe ich an dem legendären Archipel getaucht. Ich erinnere mich, dass Koh PhiPhi aus der Nähe viel zu schön wirkt, um echt zu sein.

In Koh Lanta zerschmelzen wir schon beim Aussteigen, die Mittagssonne brennt gnadenlos. An den Sala Dan Pier schließt sich der Ort Klong Dao Beach an, Geschäfte, Restaurants, Massagesalons. Kein aufregender Ort, aber auch kein unangenehmer.

Wir hatten ein Hotel in der Nähe gebucht, da wir am nächsten Tag wieder weiterfahren wollen. Morgens um sechs erreichte uns auf Koh Yao Yai eine Nachricht: „Sorry, Mistake in booking – we are full. You can cancel without fee.“ Super! Kein Zimmer und alle bezahlbaren Unterkünfte ausverkauft…. Ich mache – höflich, aber bestimmt- meinem gerechten Zorn Luft und verlange Hilfe bei der Zimmersuche. Und siehe da: Kurz darauf kommt die Nachricht, dass in einem befreundeten Hotel ein Zimmer frei ist, für uns zum selben Preis. Geht doch 😉

Leider liegt das Lanta Peace Mansion gute 6 km südlich. Aber schnell findet sich am Hafen wieder ein Pickup mit einem sehr netten Fahrer, und wir düsen auf der langen, holprigen Straße nach Süden, die wie eine Mittelstrebe alles hier verbindet. Verrückt, wieviele Orte, Restaurants, Geschäfte, Pensionen und Straßenecken ich plötzlich klar wiedererkenne. Das Unterbewußtsein gibt eine Datei frei… die Erinnerungen an meinen ersten Aufenthalt sind plötzlich ganz klar.

Die lange Straße vom Haad Salat Pier zieht sich von Norden nach Süden fast parallel zur Westküste. Nur eine größere Anzweigung führt nach Osten, in die Lanta Old Town. Ein langgestreckter Ort, der sich am Meer entlangzieht mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants, die fast alle eine große Holzterrasse zum Meer hin haben. Fast alle Gebäude sind auf Stelzen gebaute Holzhäuser, so wie es hier Tradition ist. Am Ende des Ortes thront ein bunter kleiner Tempel.

Außerdem gibt es im Südenwesten noch einen Wasserfall, dem Khlong Chak Wasserfall, je nach Saison mit viel oder wenig Wasser. Und den Mu Ko Lanta Nationalpark, mit Strand, vor allem aber dicht bewaldeten Bergen und Höhlen. Ich habe einmal eine Höhlen-Klettertour mitgemacht – sehr spannend, anstregend und nichts zur Klaustrophobiker.

Außerdem habe ich hier ein paar spektakuläre Tauchgänge gemacht, unter anderem eben auch zum Archipel um Koh Phi Phi. Für Taucher hat Koh Lanta viele tolle Dive Spots zu bieten!

Alle diese Erinnerungen purzeln plötzlich durch meinen Kopf als wir durch den Ort zu unserem Hotel rumpeln. Aber dieses Mal ist für all das keine Zeit. Nur gerade so viel, einen schönen, erholsamen Nachmittag und Abend hier zu verbringen.

Das Lanta Peace Mansion liegt auf dem ca 300 Meter breiten Landstreifen zwischen Strand und Straße. Hier tragen alle Angestellten, bis auf die Chefin, das muslimische Kopftuch, ein weghuschendes Zimmermädchen sogar einen Tschador, der nur die Augen freiläßt. Je südlicher, desto größer ist der Anteil der Muslime. Aber das Verhältnis der Buddhisten und Muslime ist – hier zumindest, wie auch in Krabi und anderen Orten – völlig entspannt und tolerant.

Schnell die Sachen abstellen und zum Meer, an die Klong Khon Beach. Auf dem Weg dahin grasen Kühe auf einem unbebauten Landstreifen mit ein paar hohen Palmen . Der West-Strand zieht sich an der gesamten Küste der Insel kilometerlang von Norden nach Süden, nur von kleinen Felsnasen hin-und wieder unterbrochen. Wir sind an einer ruhigeren Stelle in der Mitte der Insel. Weiter nördlich gibt es auch ein paar Party-Ecken, da wird es abends seeehr laut…

Hier dagegen stehen nur vier Restaurants am Strand und sonst gibt´s nur Sand…. Strahlend hellgelb, glutheiß, mit vielen Korallenfragmenten und Muscheln. Das endlose Meer sieht in mattem Blaßblau fast unwirklich aus. Das Wort Paradies ist verbrannt und überstrapaziert, aber das hier kommt dem Sinn des Wortes ziemlich nah. Hellblaue Unendlichkeit und hellgelber endloser Sand mit Palmen als Rahmen.

Wir laufen ein kleines Stück nach Norden und sind fast ganz allein. Der sand ist so fein, dass das Laufen schwerfällt, weil man bei jedem Schritt tief einsinkt. Endlich ins Wasser! Wassertemperatur 30 Grad. Allerdings wird es mit der Entspannung nach dem Bad nichts. Plötzlich höre ich ein Geräusch hinter mir. Eine Horde Kälber rennt fröhlich auf mich zu – die kleine Böschung runter auf den Strand! Die wollen doch nur spielen…! Mein Puls ist jedenfalls auf 200 und ich flüchte erstmal ein Stück – barfuss durch glühenden Sand. Mein alter ego schwimmt noch entspannt weit draußen und bekommt nichts mit. Aber alles wird gut und die Kälber und ich einigen uns auf freundliche Koexistenz in Sichtkontakt….

Beim Schwimmen hier sollte man aufpassen und sich ganz flach auf das Wasser legen. Oft kommen sehr schaftkantige Korallenbänke bis nah an die Oberfläche, daran kann man sich übel verletzen.

Der kurze Rest des Tages vergeht mit Müssiggang. Blog schreiben zum kitschig- wunderschönen Sonnenuntergang auf einer schattigen Restaurant-Terrasse, nahtlos übergehend in das Abendessen und eine Massage zur Nacht. Morgen früh verlassen wir das Land. Mir ist tatsächlich ein bisschen schwer um´s Herz. Aber: ein neues Abenteuer wartet: Malaysia!

11 – Inseltage: Koh Yao Yai

Es ist nun schon meine neunte thailändische Insel, und doch sind das nur ein Bruchteil der Inseln dieses Landes. Koh Yao Yai und Koh Yao Noi werden meist in einem Atemzug genannt, liegen sie doch nur 10-15 Minuten mit dem Longtail Boat voneinander entfernt. Trotzdem ist die eine touristisch viel stärker entwickelt als die andere. Und – wer kennt unsere Vorlieben? Richtig, wir haben die ruhigere Insel gewählt. 

Unser Guesthouse Baanjomjan liegt nur gut 10 Fahrminuten vom Hafen entfernt an der Westküste. Neben der Straße, etwas zurückgesetzt, liegen die gerade neu gebauten Reihenbunglows zweier Guest Houses. Es sieht alles noch ein bisschen nach Baustelle aus, für  den Außenbereich hat die Zeit noch nicht  gereicht. 

Aber zum Baanjomjan gehören noch 3 einfache, neue Bambushütten, relativ groß mit einer kleinen Terrasse davor. Eine davon ist die unsere. Sieht ganz nett aus. 

Aber- wie der cliff hanger des letzten Beitrags schon verraten hat: ein Eichhörnchen sieht das anders. Mitten inder Nacht beginnt sein Zerstörungswerk direkt über uns: lautes Knabbern, Knistern, Springen und ein steter Rieselregen zernagter getrockneter Palmwedel, die das Dach decken….

Ich will die Sache nicht ausweiten, das passiert eben, wenn man nicht im Ritz wohnt. Aber wir haben dann doch dringend um ein anderes Quartier gebeten. Eigentlich war alles ausgebucht, aber 100 m weiter haben die Inhaber noch einige neue Steinbungalows gebaut, die gerade fertig geworden waren. Gegen einen kleinen Aufpreis dürfen wir umziehen 🙂

Gut, dass wir gerade jetzt ein so komfortables Zimmer haben, denn ich habe mir leider etwas eingefangen und kann den Tag nicht weit von Bett und Bad verbringen. OK, damit sollte das Tief der Reise dann ja wohl überwunden sein. 

Am Abend davor sind wir noch mit dem Roller nach Süden gedüst, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Die gelegentlich etwas holprige Straße führt immer wieder in Meeresnähe und die Ausblicke sind wunderbar auf die kleinen Felseninseln vor der Küste. Wir sind durch mehrere langestreckte Siedlungen gerollt (Dörfer wäre zuviel gesagt), viel halboffene grüne Landschaft, etwas hügelig, und ein bisschen struppigen Wald. 

Das, was uns am meisten auf- und gefällt: Es sind hier trotz einiger Unterkünfte für Touristen noch richtige Siedlungen in denen die Inselbewohner ein ganz normales Leben führen. Hier leben und arbeiten Familien, spielen Kinder, hütet der Opa eine Kuh, wäscht die Frau Wäsche oder kümmert sich um Pflanzen. Das ist eher sehr ungewöhnlich. In vielen Orten prägt der Tourismus das sichtbare Bild der Orte: Unterkünfte jeder Couleur, Läden, Restaurants, Agenturen. Und bestenfalls nach hinten raus noch ein/zwei versteckte Räume zum Schlafen.

Das ist hier ganz anders. Es gefällt uns sehr. Die Häuser sind an der Frontseite nicht sehr breit, dafür aber nach hinten lang, wie auch anderswo in Asien. Und die meisten sind aus Holz und stehen  auf Stelzen. Muss wohl gelegentlich feucht werden hier…

Einen Moment lang glaube ich mich geirrt zu haben, als ich durch die Bäume einen Elefanten sehe. Aber tatsächlich führt ein Opa seinen Elefanten zum grasen (wie sagt man das korrekt bei einem Dickhäuter?) . Irgendwo auf der Insel soll es auch ein elephant sanctuary (ein Elefantenasyl) geben, aber das steht nicht auf dem Plan. 

Etwa in der Mitte der Insel führt eine Straße an die Ostküste zum Chong Lad Pier, an dem die Fähren nach  Phuket abfahren. Hier gibt es einen kleinen Ort, der nun wirklich vorallem für Touristen gedacht ist mit vielen kleinen Läden, Supermarkt, Massagesalons, Arztpraxis und Restaurants. Am Ende dieser Straße steht eine große Moschee  (in Südthailand gibt es mehr Muslime) und am anderen Ende, vor dem Strand, fordern Schilder die Touristen zur Kooperation auf, keine übliche Badebekleidung zu tragen, sondern sittsame weite Badehosen für Männer und lange Anzüge mit Tunika darüber und Kopftuch für Frauen. Und daneben ein weiteres Schild, auf dem appeliert wird, keinen Alkohol zu trinken. Hmm, ich verstehe das Problem, aber das kann kaum die Lösung sein. Und es befremdet mich auch insofern, als ich die Muslime in Thailand als überwiegend absolut tolerant anderen gegenüber kennengelernt habe.

Der Strand ist lang und feinsandig, mit einer langen Seebrücke. Auf ca 1 km Länge reihen sich Restaurants und Ressort aneinander, die die Sonnenbadenden mit allem für das leibliche Wohl versorgen. Man hört viel Deutsch, Französisch und Russisch. Schöner Strand, für meinen Geschmack aber zuviel geballter Pauschaltourismus. Nicht so ganz unsere Welt. Wir legen ein Pause im Sand ein, um den glühenden Sonnenuntergang zu genießen. Genug gesehen für den ersten Tag.

Tag 2 fällt für mich aus. Koma. Miki Roller und Strand

Tag 3: Ich lebe wieder, alles bestens. Und weiter gehts mit der Insel-Exploration. Diesmal fangen wir im Nordosten an, sehen uns den kleinen Ort und Pier an, wo wir angelandet wurden. Es ist wirklich ein sehr kleiner Ort mit einem Supermarkt, einer Reiseagentur, ein paar Obstlädchen, drei Imbissständen, wo irgendwas gebrutzelt wird, und zwei Mini-Restaurants. Nicht zu vergessen Schule und Sportplatz. 

Wir fahren noch mal ans Klong Here Pier, um herauszufinden, wie wir am Abreisetag auf die Nachbarinsel Koi Yao Noi kommen, um von dort nach Koh Lanta zu fahren.

Es gibt ein ziemlich unverständliches Pallaver mit ein paar Einheimischen, aus dem wir immerhin entnehmen, dass es keinen Fahrplan gibt, aber von morgens um 8 bis abends um 6 immer wieder Longboats bei Bedarf. Anderswo ließe mich das etwas unruhig zurück, aber hier…klappt immer alles spontan.

Gleich in der Nähe liegt ein weiterer Strand, die Laem Had Beach. Er ist klein, aber liegt unter einem lichten Hain riesiger Kokospalmen mit Blick auf die Felseninseln bis hin nach Krabi in der Ferne. Manche kleinere Strände sind hier zur Ebbe nicht zum Baden geeignet, weil das Wasser einfach zu weit weg ist, andere verschwinden wiederum bei Flut. 

Aber immer wieder begeistert bin ich vom Anblick der Longtailboote, gerade auch, wenn sie bei Ebbe schräg auf dem Sand liegen und ihre langen, gebogenen und meist bunten Holzspitzen, die Steven, in den Himmel recken. Oft sind noch bunte Tücher darum gebunden, die im Wind sanft flattern. Sie haben irgendwas mit Schutz zu tun, genaueres weiß ich aber nicht. Es sieht nur eben sehr schön aus.

Danach fahren wir sozusagen „quer rüber“ auf die Ostseite der Insel. Klong Son Beach. Einfach wunderschön. Ein langer, extrem feinsandiger Strand, begrenzt von Palmen und ein paar Laubbäumen. Ein wilder Strand mit nur einer Strandbude, die etwas zu essen und zu trinken anbietet, aber begrenzt – kein Internet, kein Strom.

Ein kaltes Getränk an der Bude und einen Moment faul sein… und schon ist das Meer weg! In kaum zu vermutender Geschwindigkeit verschwindet es in Richtung Horizont. Ich versuche hinterherzulaufen in der Überzeugung, ich käme schon noch ins Wasser… aber alles, was ich nach einigen hundert Metern geschafft habe, ist wadentiefes Wasser und das auch nicht mehr lange, so schnell zieht es sich zurück. Auf dem Rückweg zum Ufer erlebe ich noch ein lustiges Phänomen: Ganze Horden (oder soll ich sagen: Herden?) kleiner sandfarbener Krabben jagen kreuz und quer über das Watt. Es hat so was von Truppenbewegungen eines unbekannten Heeres.  Das sieht total lustig aus!

Also wieder zurück an den Strand und noch ein bisschen faul sein. Es sind einige Menschen da, aber eine sehr überschaubare Anzahl. Und alles Leute, die wohl ein bisschen mehr so wie wir reisen… Alles klar. The winner of best beach prize is: Klong Son Beach!

Für den Rückweg gönnt sich mein Chauffeur noch eine abenteuerliche Sandpiste – aber alles wird gut und wir landen zum Abendessen im Restaurant, das zu unserem Guesthouse gehört. Schöner letzter Tag! Darauf eine frische kalte Kokosnuss!

10 – Einmal quer durch´s Land von Ost nach West

Punkt 4: 30 Uhr rattert Lucky, unser Taxifahrer, den Weg zu unserer Lodge herunter, nachdem er mir schon gestern abend und um 4 Uhr nette Erinnerungs- oder Beruhigungsnachrichten geschickt hat. Auch mal nett, um diese Uhrzeit mit einer erfrischenden Brise durch die schlafenden Orte zu fahren. Als wir abfahren, bestimmt noch ein strahlender Vollmond den Himmel.

Pünktlich sind wir am Pier, checken ein, bekommen wieder einen der bunten T-Shirt-Aufkleber und schon geht es auf die diesmal ziemlich große Fähre in deren Bauch auch ein paar Autos mitfahren. Einige Mitreisende sind direkt von der Party gekommen, haben so ein spooky hollow-Gesicht und fallen nach wenigen Minuten auf See ins Koma. Ich bleibe erstmal im leicht unterkühlten Unterdeck, Miki legt sich draußen an der Reling auf eine harte Bank.

Als der Himmel sich grau zu färben beginnt, zieht es mich auch nach draußen, um dem Schauspiel „Sonnenaufgang über dem Golf“ beizuwohnen. Besonders schön ist das, weil sowohl der Blick zurück auf bizarre Karstinseln wie auch der Blick nach vorn auf das ebenso bergige Festland beeindruckend sind. Und da schiebt sie sich auch schon über den Horizont: die glühende Sonne des neuen Tages und sie hüllt alles in rosaroten Glanz.

Pünktlich läuft die Fähre in den Raja Ferry Pier in Don Sak ein. Ruckzuck ist alles entladen und schon stehen 200 Meter weiter Busse, deren Fahrer die Reisenden mit den entsprechenden Aufklebern in die passenden Busse scheuchen. Nach etwa einer Stunde in einem komfortablen Reisebus sind wir im Zentrum der Großstadt Surat Thani. Keine sehr attraktive Großstadt, aber eine wichtige und sehr geschäftige als Knoten- und Umschlagort für alles Mögliche.

Unsere Annahme, dass wir im Bus nach Krabi sitzen, ist falsch. Hektisch werden alle aus dem Bus gescheucht und wieder nach verschiedenen Destinationen sortiert. Gerade fallen uns noch unsere Koffer im alten Bus ein… Wir werden nun in einen kleineren, etwas seltsamen Bus gequetscht, der bis auf den allerletzten Platz voll ist. Er eriinert mich irgendwie an die Busse, diein der DDR eingesetzt wurden, um die Arbeiter auf die Felder zu fahren. Der Busbegleiter, den es hier in jedem Bus gibt, und eine Einheimische stehen und hocken die ganze Fahrt über auf den Eingangsstufen. Sonst ist absolut kein Platz mehr.

Das Gefährt scheint sich über die Jahrzehnte tapfer geschlagen und in die Neuzeit gerettet zu haben. Fünfziger Jahre-Ästhetik, alles abgenutztes Plastik in unterschiedlichen verschossenen Brauntönen inklusive der uralten Gardinen. Einen Gepäckraum gibt es nicht und so wird das Gepäck direkt in der ausgebauten 1. Reihe hoch gestapelt, wo es bei jeder Bodenwelle gefährlich schwankt. Semi optimal… um es mal so auszudrücken.

Eine streng auf 10 Minuten begrenzte Pinkelpause ist die Chance, kurz die Knochen zu sortieren, bevor es zur letzten Etappe geht. Pünktlich um 13:05 , wie geplant, rattert der alte Kasten in den Busbahnhof von Krabi, der Provinzhauptstadt an der Westküste. Erinnerungen werden plötzlich wach – ich war vor einigen Jahren schon mal hier.

Und hatten wir uns bis eben noch darauf eingestellt, dass es schwierig werden könnte herauszufinden, wann und von welchem der verschiedenen Piers eine Fähre nach Koh Yao Yai abfährt, erledigt sich auch diese Sorge sofort. Vor dem Bus steht eine Frau, die immer den Namen unserer Insel brüllt, eine Stück weiter wird für andere Orte geworben. Wir werden in ein kleines Gebäude geschoben: Ticket kaufen, neuer Aufkleber, 15 Minuten später Kleinbus zum Ao Noi Pier. Reisen wird einem in Thailand wirklich leicht gemacht.

Eine dreiviertel Stunde später, nach einer Fahrt durch imposante Berg- und Dschungelkulisse, sind wir am Pier, dem sich ein Naturschutzgebiet, der Strand von Ao Noi, anschließt. Der Strand ist schmal, aber sehr schön. Ein lichter Waldstreifen filigraner hoher Nadelbäume schließt sich an und am Ende der langgestreckten Bucht liegt der Pier. Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren schon mal mit dem Motorrad hier war, als ich die Küste von Krabi erkundet habe.

Ständig schieben sich Longtailboote und Speedboote an den Pier und laden Leute aus und ein, die alle im seichten Wasser aussteigen müssen, da es für die Boote zu flach ist.

Endlich dürfen wir auch waten…in unser Speedboot nach Koh Yao Yai. Das Gepäck werfen sich die Jungs von der Crew, ungeachtet des Gewichts, wie Bälle zu. Es wird einfach auf dem Vordeck gestapelt. Wir verschwinden im Bauch des Bootes, zu tief, um aus dem Fenster zuschauen und zu eng, um aufstehen zu können. Aber die rasende Fahrt über das Meer ist nach knapp anderthalb Stunden vorbei und wir klettern an Land.

Vor der Küste der Insel liegen viele kleine Felseninselchen mit verrückten Formen. Die berühmteste Inselgruppe hier, Koh Phi Phi, weltberühmt durch den Leonardo di Caprio-Kino-Hit „The Beach“ und den James Bond Film „The man with the golden gun“ , haben wir unterwegs passiert, sie aber leider nicht sehen können. Jetzt ist sie wenigstens am Horizont zu erkennen. Schon wieder eine Erinnerung:vor fünf Jahren habe ich an dem legendären Archipel getaucht. Ich erinnere mich, dass Koh PhiPhi aus der Nähe viel zu schön wirkt, um echt zu sein.

Die kleine Inselgruppe hat fast senkrecht austeigende hohe, tiefgrün bewachsene Felswände, umgeben von schneeweißen Stränden und irisierend türkisblauem und grünen Wasser. Leider ist sie inzwischen so überrannt, dass sie für bestimmte Jahreszeiten gesperrt werden muss, um sich zu erholen.

Und wieder ist es kein Problem, das gebuchte Guesthouse ein Stück im Landesinneren zu finden, die Motorrad-Taxis mit angebautem metallenem Beiwagen, auf dem sowohl Gepäck wie 1-2 weitere Fahrgäste untergebracht werden, warten ebenso wie einige Sammeltaxis und bringen prompt und preiswert jeden ans Ziel.

Eine gute Stunde später haben wir eine erste kleine Runde auf dem Motorrad gedreht, zu Abend gegessen und unsere Bambushütte bezogen, wo wir müde auf das große Bett fallen. Zum Glück gibt es ein Moskitonetz….denn, was wir noch nicht wissen, ist, dass die kommende Nacht sehr unruhig wird. Ein Eichhörnchen meldet nämlich Besitzansprüche auf unser Quartier an und hat beschlossen, das Dach genüsslich aufzuknabbern. Laut und mit einem steten Regen fallender Bambusstücke… Gute Nacht Koh Yao Yai.

9 – Lieber doch nicht in den Süden….

….zumindest nicht in Koh Phangan….aber alles der Reihe nach. Nachdem wir erst einmal ein technisches Problem klären mussten, da keine einzige der alten ausgeleierten Uralt-Steckdosen in unserer Hütte noch die Kraft hatte, auch nur einen schmalen Stecker in Kontaktnähe zu halten. Und so ein Problemchen wird schon bedrohlich heute, angesichts der Handys als einziges Kommunikations- , Buchungs-, Aufzeichnungs- … und was sonst noch-Gerät. Aber dann konnte der Tag beginnen.

Helme auf und los. Verwöhnt wie man hier eigentlich in Sachen Organisation ist, haben wir schnell ein kleines Ticketbüro angesteuert, um unsere Weiterreise nach Südwest-Thailand am nächsten Tag organisieren zu lassen.

Ein kleines chaotisches Büro mit Schiffsfahrplänen und allerhand unverständlichen Werbungen tapeziert. Durch eine gläserne Schiebetür geht es in einen noch kramigeren Laden mit einem bunten alten Sofa neben der Kasse,. in dem man…ja, was eigentlich?- kaufen kann. Ich rufe, klatsche, rufe. Plötzlich bewegt sich die Sofapolsterung und materialisiert sich zu einer sehr…korpulenten älteren Dame im wilden Blütendekor, die gerade ein Nickerchen gemacht hat. Oha!

Sie schiebt ihren Oberkörper durch die Tür, und fragt etwas auf Thai. Hmm. Egal . Ich zeige auf die Bootspläne und erkläre ihr, dass ich Tickets nach Koh Yao Yai brauche. hmmm….. Sie nickt und greift zum Telefon, diskutiert eine Weile mit einem hörbar verkaterten Mann und erklärt mir, dass ihr Sohn, der Agenturchef, gleich käme. In einer halben Stunde…

Ok, was solls. Zeit, einen Saft zu trinken in einem Kaffee schräg gegenüber. Das ist allerdings ein nicht besonders gemütlicher, seltsamer Szeneladen, in dem alles clean biologic sugarfree gesund ist….Die Gäste sind ausschließlich meist jüngere Europäer, die überwiegend einen ziemlich verkaterten Eindruck machen und die mit auf Bänken und Tischen abgestellten Füssen ihren Freigeist bekunden. Gut gelaunt und gesund sieht irgendwie anders aus. Aber wirklich toll ist die Lage des Ladens: Geht man auf die hintere Terrasse, steht man nach drei Schritten im Meer!

Als ich ins „Reisebüro“ zurückkomme, höre ich noch hinten die Dusche, drei Minuten später taucht endlich der Chef endlich auf, noch ohne Hemd und mit nassem Haar. So sind die Leute hier eigentlich eher selten drauf, sie sind sehr rührige Geschäftsleute. Ich erkläre ihm, was ich will: Er soll mir eine Route und die entsprechenden Tickets zusammenstellen. Normalerweise geht das hier alles. Diesmal nicht – höchstens zum Festland.

Nächster Versuch im Haupt- und Hafenort Thong Sala, wo die Fähren ankommen. Auf dm Weg zum Hafen finden wir ein anderes Büro. Die Frau verleiht Motorräder und verkauft Tickets. Supernette patente Dame. Aber sie erklärt mir, dass sie nur Tickets für die Fähre und dann zwei Anschlussbusse kombinieren kann: zuerst in die Provinzhauptstadt Surat Thani und danach nach Krabi an der Westküste. Bis dahin sind es knapp acht Stunden. Von dort geht es per Speedboot weiter, da hilft schon jemand weiter… no problem, you find a boat and tickets….

Fairerweise schickt sie uns vor der Buchung der Fähre um 5:30 Uhr (!) noch mal weg, um einen Taxifahrer aufzutreiben, der bereit ist, uns um 4:30 Uhr in unserem Guesthouse abzuholen. Dazu haben die Männer wohl nicht immer Lust. Sie sagt, ich müsse mit einer kleinen Prämie winken… Hat geklappt! Lucky und seine Kollegen im Schatten am Pier halten einen wortlosen Monolog, wir einigen uns auf einen Preis und tauschen die Kontakte. Geht doch!

Wir düsen d, weiter durch den Teil des Ortes, den wir noch nicht gesehen haben. Belebt, eng, ein Geschäft am anderen, Restaurants, Werkstätten, Guest Houses. Aber nicht eben schön. French Bakery, Deutsches Restaurant, Irish Pub. Ach ja und thailändisch natürlich. Kilometerlang.

Aber weiter geht es, DER Partyort der Insel mit seinen Ausläufern ist unser Ziel: Haad Rin. In den umliegenden Kilometern stapeln sich die meisten Unterkünfte der Insel in jeder Preislage. Fast hätten wir hier gewohnt, da ich Probleme hatte, etwas Preiswertes in dieserZeit zu finden, aber noch nichts wusste von der Topographie der Parties….

An diesem Wochenende ist es wieder soweit: Full Moon Party! Da platzt die Insel aus allen Nähten, schon auf der Fähre hierher wird man mit aufreizender Werbung für dieses Event und die internationalen DJ´s bedröhnt. Und Haad Rin ist das Auge des Orkans.

Zunächst einmal aber sieht es nur nach einem vollgestopften Allerwelts-Massenurlauberort aus. Gelegen an einer sehr langen Bucht mit schönem Sand, begrenzt von hohen Kokospalmen. Wir wissen schon nach einer Viertelstunde nicht mehr, was wir hier sollen. Aber wir bekommen gerade noch mit, wie die ersten Wagenladungen von Bühnentechnik, Scheinwerfertürmen und Kabeln anrollen – alle direkt auf den Strand. Dazwischen läuft ein volltätowierter, übergewichtiger europäischer Rastalocken-Träger mit genug schepperndem Technikram am Gürtel herum, dass niemand daran zweifeln kann, dass er der obercoole Technikchef ist! Mädels : Mal alle hersehen!

Die Parties sind sicher eine Supersache für alle, die jung (oder so ähnlich) sind und die diese Art von Musik und Parties mögen. Kein Zweifel. Und die Leute auf der Insel verdienen an den Touristen. Aber sehr glücklich sind sie nicht damit, wie mir die Agenturbesitzerin erklärt hat. Da kämen auch viele… „nicht gute“ Menschen auf die Insel. Und es gäbe viele Probleme. Schon im Stefan-Loose- Reiseführer war zu lesen, dass nicht nur die Kliniken der Insel, sondern sogar das Krankenhaus der 5 Stunden entfernten Bezirkshauptstadt Surat Thani in diesen Nächten Extra-Betten freihalten wegen der Opfer der vielfältigen bewusstseinserweiternden Drogen, die auf diesen Partie geschluckt werden.

Wir haben jedenfalls genug gesehen und fahren noch einen Bogen durch die Orte der Südwest-Spitze, aber dann haben wir von diesem Teil der Insel genug gesehen und beschließen, den Rest unseres letzten Nachmittags nochmal an dem tollen Strand von Mae Haad zu verbringen. Ein leckererer Brunch mit frischem Mangoshake unter den Palmen, ein lauwarmes Bad und der Blick auf das Meer sind dann doch eher das, was wir als Vergnügen empfinden.

Und zu guter Letzt gönnen wir uns, nach dem Packen, am Abend noch phantastischen Red Snapper vom Holzkohlengrill und Thunfisch-Mango-Tartar mit Mango – mit Blick auf das nächtliche schwarz-silbern glitzernde Meer. Als Abschied von einer wunderbaren Insel im Golf von Thailand, die zwar ihre Unschuld verloren hat, aber zum Glück nicht ihre Schönheit! Kop khun kaa, Koh Phangan!

8 – Kreuz und quer über die Insel

Eins scheinen alle Inseln gemeinsam zu haben: die lautstarken Hähne, die der Sonne beim Aufgehen Geburtshilfe leisten! Und ganz nebenbei faulen Urlaubern das Ausschlafen wegkrähen… Also einen Espresso auf Yogamatte bzw der Hängematte und dabei den körperbewussten jungen Partygängern zuschauen, die sich die Nacht mit Gewichten und Boxen aus den Muskeln trainieren, auf dem unserer Hütte gegenüberliegenden Freiluft-Gym.

Heute ist Erkundungstag. Und so mieten wir für die kommenden 2 Tage eins der x-tausenden Motorräder, die überall für 7 Euro am Tag vermietet werden. Lässt man sich einen Helm dazugeben, wird man nur mit knapper Not nicht angegrinst – hier fahren 95 Prozent der Kradfahrer barköpfig. Aber da bin ich pingelig – ich hatte schon mal einen Unfall und zum Glück einen Helm auf. Dafür nehme ich das schiefe Grinsen und das „Helmet! Of course, mamaaa!“ gern in Kauf. Falls ich es noh nicht erwähnt habe: Mamaaa, Papaaa (mit langem a am Ende) ist hier eine ehrenvolle Anrede für alle nicht mehr jungen Menschen, keine Herabwürdigung.

Auf geht´s , nach Norden. Die etwas holprige Asphaltstraße mit reichlich Sand in so mancher Kurve windet sich mal sanft, meist aber in wilden Serpentinen auf und ab, immer wieder mit wunderbaren Aussichten auf das Meer und die grüne Küste. Da ich – in diesem Falle harmoniesuchend – auf das Fahren verzichte, kann ich diese wunderbaren Ausblicke bestens genießen. Andererseits werde ich gelegentlich sehr nervös, wenn ich bemerke, dass auch der easy rider vor mir die Aussicht genießt – angesichts der gefährlichen Straße.

Als ersten Abstecher haben wir uns einen Strand im Norden mit einem vorgelagerten Inselchen ausgesucht: Mae Haad Beach. Durch einen Palmenhain und über einen kleinen Fluß gelangen wir an den schmalen, aber wunderschönen Strand. Hohe Palmen und Huddu – Bäume geben etwas Schatten, das Meer ist sanft. 200 Meter nach Norden endet die Bucht. Zumindest bei Flut, denn bei Ebbe kann man zu der vorgelagerten kleinen Insel waten.

Trotz des paradiesischen Strandes ist es nicht allzu voll und die Touristen, die hier genießen, tun dies leise und entspannt. So wie wir. Das Baden erfordert etwas Vorsicht, denn das Wasser ist relativ flach und immer wieder ragen Korallen auf, an denen man sich bösen schneiden kann.

Und zu allem Luxus gibt es noch zwei Strandrestaurants für den kleinen oder großen Hunger und in jedem Falle: Durst. Wir gönnen und ein mittägliches fürstliches Frühstück , mit frischer Kokosnuss und Mangoshake zum ´runterspülen. Ja, eindeutig: zumindest an einigen Stellen, ist die Insel trotz des Tourismusbooms noch richtig schön!

Aber weiter geht´s, wir haben noch mehr vor. An der Nordküste entlang geht es weiter bis in den Ort Chaloklum Beach. Die einspurige Straße ist teilweise völlig verstopft von Motorrädern, Lieferwagen und Fußgängern. Überall kleine Läden und Restaurants, viele mit einer Holzterrasse zum Meer. Ganz nett, aber schon ein bisschen zu voll….

Wir fahren weiter, da wir zum Bottle Beach wollen, wo ich zuerst eine Unterkunft gebucht hatte, die ich wieder storniert habe, da sie zu weit abgelegen war. Weitere Kilometer unentwegten Auf und Abs, gefühlte hunderte Kurven….Bis die Straßen plötzlich in einer Lehmpiste endet und nur noch zu Fuß begehbar ist.

Aber das wollen wir schon angesichts der brütenden Temperaturen nicht. Also wenden und uns schicksalsergeben google zur Führung überlassen. Also: Umweg. Der allerdings gerät mehr als lang, da wir erst ein Stück zurück nach Westen, dann ganz nach Süden und zum Schluß wieder nach Nordosten müssen – sozusagen zweimal quer über die Insel. Inzwischen rasen wir auch mitten durch den Verkehr der größeren Straßen und ich bin schon etwas erschöpft vom festhalten und Helm wieder hochschieben, da das Ding zu groß ist und mir ewig im Nacken sitzt.

Endlich: das erste Hinweisschild auf Bottle Beach! Leider sind die meisten Hinweisschilder hier nur in Thai. Das sieht zwar wunderschön aus, ist aber für uns nicht zu entziffern. Und Entfernungen werden hier fast nie angegeben, nur die Richtung. Nur gelegentlich gibts mal ein Schild in lateinischer Schrift.

Noch ein paar Kilometer und die Straße biegt links ab….und verwandelt sich in eine abenteuerliche Lehmpiste voller Felsbrocken und Abbrüche steil bergab…. Ich protestiere aufs Energischste, da mir himmelangst wird, aber mein alter biker will unbedingt runterfahren. Dann allerdings, zwei Kurven später, stoppt ihn glücklicherweise ein Verbotsschild für alle Fahrzeuge, die keinen 4-Rad-Antrieb haben…

Aber 3 Kilometer vor dem Ziel wollen wir nicht aufgeben und machen uns zu Fuss auf den Weg, ich zerfließe schon nach einer Minute und wir rutschen ständig weg. Rettung naht in Form eines alten, zerbeulten PickUp-Taxis, das offenbar immer zwischen Bottle Beach und der Straße pendelt. Gern zahlen wir die 200 Baht! Aber selbst in diesem geländegängigen Gefährt hat es der Rest der Strecke in sich: man muss sich mit aller Kraft am Dach festhalten und die Füsse fest auf den Boden stemmen. Trotzdem knallt man immer wieder heftig an die Reling und wird wild durchgeschüttelt.

Endlich! Wie sind unten! Vor uns liegt eine langgestreckte Bucht mit einem Wald dahinter. In erster Reihe ducken sich ein paar Ressorts unter die Bäume. Wir passieren einen besonders schönen kleinen Altar in Gold und Grün, dann sind wir am Strand, dem Bottle Beach (Warum der so heißt, erschließt sich uns nicht) Wirklich eine sehr schöne Oase! Auch für Familien. Allerdings kommt man dann sicher nicht allzuoft an andere Orte, angesichts der wilden Fahrt nach oben und zurück!

Ein Stündchen später machen wir uns auf den Rückweg. Noch einmal in umgekehrter Richtung die wilde Fahrt und dann wieder auf´s Motorrad, denn es gilt noch ein Stück zu fahren. Durch die hohen Palmen am Straßenrand scheint in rotgoldenen Strahlen die sich neigende Sonne und taucht alles in ein ganzbesonderes Licht, es sieht wunderschön aus. In den größeren Orten stehen wir wieder unsinnig lange Zeiten an den Ampeln, die immer 120 oder gar 180 Sekunden in großer, roter roter Leuchtschrift ˋrunterzählen.

Eine Dusche später sind wir bereit, nach diesem spannenden, aber etwas anstrengenden Tag, für ein gutes Abendessen am Strand von Haad Yao.

Und diesmal landen wir einen Volltreffer. Ein größeres Restaurant hat eine zusätzliche Außenküche am Strand aufgebaut, ein Holzkohlengrill, an dem ein hingebungsvoller Koch Fisch, Fleisch, Kartoffeln und Maiskolben zubereitet. Er mariniert das Grillgut, füllt die Fische mit Kräutern, Ingwer, Knoblauch und irgendwelchen Blättern und rollt sie dann in Bananenblätter, in denen sie auf dem Grill geschützt in Ruhe garen können. Köstlich! Für Fleischliebende gibt es lecker marinierte Spare Ribs. Und das alles mit den Füssen im Sand und Blick auf das nächtlich glitzernde Meer. Was für ein schöner Tag….

Bilder Hua Hin

7 – Inselhopping nach Koh Phangan

Mit der proppevollen Fähre geht es weiter, genauer gesagt zwei Inseln weiter nach Koh Phangan, wo sich unsere exklusive kleine Reisegruppe wieder vereint. Der Gedanke an diesem Treffpunkt war einerseits, dass ich die Insel nicht kenne und andererseits, dass mein Mann sie vor über 25 Jahren besucht hat, als sie noch ein recht jungfräuliches Island war. Inzwischen ist sie international bekannt für ihre Full Moon Parties, ein Party-event, zu dem mittlerweile DJs aus aller Welt eingeflogen werden. Rave am Strand bis der Arzt kommt, leider manchmal im wörtlichen Sinne.

Aber darüberhinaus ist Koh Phangan einfach eine überaus beliebte Ferieninsel für jedermann. Wir sind also gespannt, was uns erwartet und hoffen, dass wir nicht enttäuscht werden. Denn party people sind wir genauso wenig wie Freunde des Bespaßungstourismus.

Tatsächlich kommen wir nur eine halbe Stunde versetzt am Thong Sala Pier an und treffen uns am Ende des langen Piers in all dem Getümmel. Wir haben ein Zimmer in der Backpacker Lodge Sharilea gebucht, im Nordwesten der Insel. Wie man irgendwohin kommt, braucht man sich hier in Thailand nirgends zu sorgen, es sind immer Leute da, die die Amkömmlinge sofort an ein Sammeltaxi auf der richtigen Route verwiesen.

In diesen Dingen sind die Thais sehr clever und für Ankommende ist das sehr angenehm. Es gilt jeweils einen Fixpreis pro Person. Das Gepäck kommt aufs Dach oder zwischen die Beine, rund 10 Personen passen auf die schmalen Bänkchen, es können auch mal 12 ´reingequetscht werden.

Und los geht es über die ruckeligen Straßen. Thong Sala am Hafen ist ein geschäftiger Ort mit vielen Restaurants, Cafés und Läden, aber besonders schön ist er nicht. So richtig reißt die Bebauung eigentlich den ganzen Weg über nicht ab, auch außerhalb des Ortes, aber immerhin gibt es auch jede Menge üppiges Grün und schöne Blüten. Die meisten Häuser sind relativ klein und einstöckig, mit Ausnahme weniger Hotels. Oft bestehen sie auch nur aus einem Wellblech oder Bambusdach und Blech-, Holz- oder Bambuswänden. Fast alle Häuser beherrbergen, zumindest nach vorn, entweder einen Agentur, ein Geschäft, einen Massagesalon oder ein Café, außer die Hotels. Normale Wohnhäuser sieht man -zumindest hier in erster Reihe nicht.

Linkerhand tun sich immer mal Lücken auf und geben den Blick frei auf das hellblaue Meer. Der erste Eindruck könnte wirklich schlechter sein, zumal es nach Norden immer ruhiger wird. Wir haben bei der Auswahl des Zimmers auch strikt darauf geachtet, nicht auf die beliebte Südseite zu geraten. Zumal auch Mikis Erinnerungen in diese Gegend zurückkehren, und er sehen möchte , wie es jetzt dort aussieht. Mit  Befüchtungen…

Wir sind die letzten, die aussteigen. Die Lodge scheint mitten in den Urwald gebaut, so eine Mischungs aus Hippie-, Esotheriker,- und Partypeople -Unterkunft. Es gibt ein auf Stelzen stehendes Haus auf einem kleinen Hügel – aus dunklem Holz gebaut. Neben der Rezeption beherrbergt es ein relativ großes Restaurant mit vielen bunten Lämpchen und kleinen Tischen, an denen man überwiegend auf Sitzkissen sitzen muss. Aus den Lautsprechern schallt Fusion Musik, und das nicht sehr leise. Die europäische hippe Rezeptionsfrau beruhigt uns: Nur so bis kurz nach Mitternacht, dann fahren sowieso viele auf die Parties…

Die Zimmer sind Holzhütten auf kleinen Stelzen mit einer kleinen Terrasse, einer Hängematte in Rasta-Farben und einem Yoga-Kissen. Das Innere ist zweckmäßig, sauber und ein bisschen in die Jahre gekommen. OK.

Das große, ansteigende Gelände ist sehr grün – überall große alte Bäume, Palmen und üppige Büsche. Wirklich schön. Der Strand ist drei Minuten entfernt. Ort und Strand heißen Haad Yao.

Wir schaffen es gerade noch, zum Ende des an diesem Tag wenig spektakulären Sonnenuntergangs. Der feine Sandstrand ist sehr breit, da gerade Ebbe ist. Die Bucht zieht sich ein paar hundert Meter hin, überall gibt es Restaurants und dahinter Ressorts. Alles in allem ist es immer noch schön, trotz des Tourismus. 

Nach einem Strandspaziergang essen wir in einem der Strand-Restaurants, bevor wir den Tag gemütlich mit einem Bier auf der Terrasse unserer Hütte beschließen. Die Musik ist auszuhalten und endet tatsächlich um halb eins. Der Start auf Koh Phangan war schon mal gut.