Thailand 6: Auf nach Norden

Am liebsten hätte ich um 5 Uhr morgens noch mal zum Abschied gebadet, zumal es schon jetzt verdammt warm ist. Kanchanaburi gehört zu den heissesten Gegenden Thailands. Aber das traue ich mich doch nicht. Ich würge noch ein letztes Mal an meinem Gepäck herum, das auf wunderbare Weise plötzlich über drei Kilo schwerer geworden ist, obwohl ich bis auf eine kurze Hose nichts gekauft habe. Es hilft nichts,ich muss mehr in meinen Handgepäck-Rucksack stopfen, trotzdem bleiben es zwei Kilo zuviel. Hoffentlich macht Asia-Air keinen Stress.

Meine tapfere Fahrerin wartet schon, los geht´s durch die noch dunkle Stadt. Sie setzt mich eine Ecke vor dem Busbahnhof ab, hier stehen schon zwei Busse und es gibt einen Ticketschalter. Allerdings stellt sich heraus, dass diese Busse nur Bangkok Süd anfahren, ich muss aber zum Flughafen Don Muang im Norden und am Busbahnhof Morchit umsteigen. Also schleife ich meinen Ballast zum Busbahnhof. Aha, hier stehen die großen Busse der Linie 81, die im Internet genannt werden. Morchit? Nö, fahren sie nicht an. Ich werde zu einem popligen Tischchen geschickt, da gibt es Karten für den Minibus, der dahin fährt. Leider ist dieser Minibus super eng und der Fahrer übel gelaunt. Hier sind soviele Sitze wie nur irgendmöglich eingebaut, kein Platz für Gepäck, was man nicht auf dem Schoß hat. Also darf ich eine zweite Fahrkarte kaufen, damit meine Tsche auf einen Sitz gequetscht wird. Und dann geht´s noch lange nicht los, weil der Typ noch wartet bis auch der letzte Platz verkauft ist.Gut, dass ich sehr viel Zeit eingeplant habe, trotzdem wird es langsam knapp.

Wir rasen Richtung Bangkok. Von der Landschaft bekomme ich nicht viel mit, die Gardinen sind halb zu und ich dämmere vor mich hin. Nach zwei Stunden ist Pinkelpause. Als ich vom Klo komme, ist mein halbes Gepäck in einen anderen vollen Bus verfrachtet worden, ich schaffe es gerade noch, mein Handgepäck aus dem alten Bus zu zerren, da geht es schon weiter, ich darf mir nicht mal was zu essen holen. Die haben untereinander irgendeinen Deal gemacht. Offenbar hat keiner Lust nach Morchit zu fahren. Warum wird mir klar, als wir nach Bangkok kommen. Wir müssen quer durch die Stadt und es ist Rush Hour. Totalstau. Es wird immer später. Da hilft nur Fatalismus. Dann endlich sind wir in Morchit.

Ein Mega-Bus-Terminal, dagegen ist der ZOB in Berlin ein Schlüsselanhänger. Hunderte von Bussen, nichts in lateinischen Buchstaben, keiner versteht mich. Ich kämpfe mich zu einem riesigen Gebäude vor und dann endlich zu einem Info-Schalter mit einem dösenden Menschen. Aber immerhin sagt er mir, welchen Bus ich suchen muss. Und der fährt sogar gleich ab. Super, denke ich…Nach drei Minuten aber fahren wir auf einen Parkplatz an einer Tankstelle und der Fahrer verschwindet. Ich frage die Schaffnerin, wie lange es dauern wird, die zuckt nur die Schultern. Nach 10 Minuten ist mir alles egal. Wenn ich schon womöglich den Flug verpasse, dann möchte ich wenigstens nach fünf Stunden endlich was essen. Ich steige aus, mit derselben Selbstverständlichkeit wie der Busfahrer, zeige auf meinen Magen und finde ein paar Meter weiter eine Garküche. Mit einer Portion scharfem Schweinefleisch mit viel Ingwer einem undefinierbaren, ebenso scharfen wie leckeren kleinen frittierten Fladen und Reis kehre ich zurück und frühstücke trotzig in aller Ruhe. Inzwischen ist der Fahrer zurück, 25 Minuten später sind wir da.

Jedenfalls muss ich aussteigen am Rand einer riesigen achtspurigen Strasse. Die Zufahrt zum Flughafen liegt auf der anderen Seite. Dahin kommt man nur über eine hohe alte Fussgängerbrücke mit einer steilen Metalltreppe. Ich zerre meine 22-Kilo-Tasche mit beiden Händen die Stufen hoch, falle fast die Treppe herunter, an mir quetschen sich Männe vorbei, grinsen blöd und nicken mitleidig. Super. Asiatische Zurückhaltung in allen Ehren, aber ich hätte wirklich nichts gegen Gentlemen. Völlig erledigt erreiche ich die andere Seite und hetze die verbleibenden dreihundert Meter die Autozufahrt hoch, einen Fussgängerweg gibt es von hier nicht. Von behindertengerecht und Gepäckrampe und ähnlich überflüssigem Luxus haben die hier sowieso noch nichts gehört.Ich habe schon ein paar Mal gedacht, ich möchte hier kein Rollstuhlfahrer sein. Als ich endlich auf der Abflugsebene gelandet bin, blinkt mir „Last call for Chang Mai“ entgegen. Ich rase mit meinem Hackenpanzer durch die Halle und finde einen proppevollen Schalter vor, wo in aller Ruhe gerade erst abgefertigt wird. War wohl vorbeugend, der last call. Hurra; ich habe es geschafft und nicht mal mein Übergepäck wird beanstandet!

Als wir zur Landung ansetzen, staune ich wie riesig Chiang Mai ist. Ich habe zwar gelesen, dass sie Stadt einen riesigen Sprung gemacht hat und groß geworden ist, aber dem Gebiet nach scheint sie zu exlodieren. Dabei sollen hier nicht einmal 130.000 Menschen leben.Die berühmten hohen Berge und der Fluß sind schön anzusehen. Früher einmal war Chiang Mai eine Königsstadt , sie war die Hauptstadt des Königreiches mit dem schönen Namen Lan Na, was soviel bedeutet wie „Land der Millionen Reisfelder“. Ich bin sehr gespannt darauf.

Chiang Mai empfängt mich,im Gegensatz zum grauen, nieseligen Bangkok, mit brennender Sonne. Am Taxistand eine wartende und meckerndeTouristenmeute. Der unfreundliche Typ am Schalter erklärt, dass gerade alle Taxameter der Flotte neu geeicht werden und in der Werkstatt sind, es kostet jetzt alles 200 Baht und ich müsse sowieso eine halbe Stunde warten. Das werde ich nicht, um dann einen unverschämten Wucherpreis zu bezahlen. Ich verlasse das Flughafengelände, feilsche mit einem Tuktukfahrer und werde für 80 Baht in mein Guesthouse gefahren, das ich reserviert habe. Geht doch.

Das Zimmer ist sehr einfach, aber sauber, der junge Besitzers sehr nett. Er hat aber nur eine Nacht frei. Bei einem ersten Spaziergang ist mir Chiang Mai sofort symphatisch. Städtisch, turistisch, aber auf eine relaxte Art. Alles ist ein bisschen kleiner, gelassener. Wieder reichverzierte rotgolden Buddhisten-Tempel ohne Ende.

Ich genehmige mir einen großen Eiscappuccino und rufe der Einfachheit halber im lonely planet empfohlene Hotels an, die in Frage kommen, denn irgendwie bin ich verwirrt und weiss nicht wo ich suchen kann. Und morgen Mittag muss ich schließlich ausziehen. Eigentlich sollte ich relaxter sein. Aber die wirklich reichlich verwirrende Stadt und die plötzliche Mitteilung, dass ich in 20 Stunden versorgt sein muss, hat mich aus dem Konzept gebracht. Vielleicht ist es auch nur die Müdigkeit nach dem Stress. Schließlich buche ich etwas. Egal. Ist ja nicht wirklich teuer mit 11 Euro.

Jetzt bin ich beruhigt. Ich mache mich frisch und unternehme einen ausgedehnten Abendbummel durch das Altstadtviertel .Ich mäandere durch die Straßen unendlosen verzweigten kleinen Gassen, denn irgendwie fehlt mir immer noch total die Orientierung. Es war schon schwierig herauszufinden, ob ich nun in der Altstadt bin. Aber wo ich genau bin, kann mir keiner erklären, offenbar können die meisten hier keine Karten lesen, schon gar nicht mit lateinischen Buchstaben. Und Thai-Schrift kann ich nicht lesen.

Ich besichtige zwei schöne Tempel und lasse mich treiben. Irgendwann lande ich im Restaurant- und Ausgehviertel. Es ist relativ ruhig zur Zeit. Ich lasse mir bei meinem Spaziergang nebenbei in einigen der unzähligen kleinen Agenturen noch ein paar Angebote für Trekking-Touren machen. Ich habe schon dieselbe Tour für Preise angeboten bekommen, die fast 1000 Baht auseinanderliegen. Ich vertage die Entscheidung, ob und was ich machen will. Anschließend verzichte ich auf die schicken und teilweise von Ausländern geführten hippen Restaurants und esse in einem sehr authentischen, einfachen Lokal ohne jeden Schnickschnack unter Einheimischen. Ich wadere noch eine Weile weiter durch die dunklen, aber meist belebten Straßen und lande an dem alten Kanal, der zusammen mit vier alten Stadttoren die Altstadt quadratisch vom Rest der Stadt trennt. Irgendwann finde ich auch mein Hotelchen wieder. Fußlahm und totmüde falle ich schließlich ins Bett.

Thailand 5: Einmal Paradies und zurück

Langsam wird es zur Gewohnheit: der Wecker ruft zur Urlaubspflicht: kurz nach rasselt der Wecker, dann das Bonbon: Pool im Sonnenaufgang. Eigentlich ist das Baden um diese Zeit noch nicht erlaubt, aber wir zwei kleinen Seeotter gleiten geräuschlos ins kühle Nass und bewundern nun im Hellen erstmal die Palmen, Orchideen und Bougainvillea, die hier angepflanzt sind. Die Hotelfrühstückssuppe ist allerdings nicht so gut, wie an den einfachen Straßen- und Markt-Ständen. Dauert aber dafür so lange, dass wir den ersten von zwei möglichen Bussen in den Erawan-Nationalpark verpassen.

Eine Stunde später geht es dann los mir einem mürrischen Opa am Steuer des Busses, der nicht viel jünger ist als er. Über dem Cockpit ist ein kompletter buddhistischer Altar eingerichtet, mir kleinen Buddas, falschen und echten Blütenketten, Glöckchen, Schleifen und wer weiß was noch alles. Dann kann uns ja nichts passieren. Die 70 km Fahrt führt zuerst am River Kwai entlang, dann geht sie westlich landeinwärts in die Berge. Nach reichlich anderthalb Stunden haben wir den Park erreicht.

Wir machen uns auf, die sieben Stufen des Wasserfalls zu erobern. Er liegt in einem endlosen, urwaldgeleichen Laubwald, in dem es sehr viele Tiere bis hin zu Raubkatzen und sogar Elefanten geben soll – die zu sehen, dürfte aber tagsüber in Wasserfallnähe schwierig sein, wegen der vielen Menschen. Besonders auf den ersten drei Etappen , die schöne, leicht zu erreichende Badegelegenheiten und viel Platz am Ufer bieten, ist es sehr voll. Hierher führen leicht zu erklimmende Wege, die zu meinem Entsetzen sogar mit Betonklötzen in Form nachgemachter Holzbohlen in den Waldboden gegossen wurden. Aber trotzem ist der klare Fluss mit seinen sprudelnden Kaskaden und Fischschwärmen wunderschön.

Am Anfang des Trails hat ein großes Plakat auf „Einhaltung von Kultur“ gedrungen, darunter waren durchgestrichene Menschen in Badebekleidung. Ich dachte, damit sei gemeint, dass man hier nicht in badehose und Bikini den Weg hochwandern soll. Aber nein, das Baden selbst war gemeint: die Thais gehen tatsächlich alle mit T-Shirts, Kleidern und zum Teil sogar Hosen und Oberhemden ins Wasser. Sehr merkwürdig. Zumal die Menschen mit den hauteng klebenden nassen Sachen ziemlich aufreizend nach Wet-T-Shirt-Kämpfen in einschlägischen Lokalen aussehen. Hier unten sieht man, wohl auch aus diesem Grund, eher wenige Touristen baden. Die halten zum größten Teil bis weiter oben durch, wo diese Etikette dann zunehmend missachtet wird.

Scheißüberströmt klettern wir bei 35 Grad eisern weiter. Nach dem dritten Level hört endlich der scheussliche Asphalt auf, was aber auch bedeutet, dass es jetzt richtig anstrengend wird, den Waldweg mit Felsbrocken, Löcherm, riesigen Wurzeln und Lianen über dem Weg hochzuklettern. Man muss sehr konzentriert bleiben, um nicht ernsthaft zu stürzen. Aber es macht auch Spaß, sich mal wieder so auf seine Körper zu konzentrieren und sich zu fordern. Mittlerweile gibts zwar noch Mitkletterer, aber keine Massen mehr.

Plötzlich machen wir eine kuriose Entdeckung. Zuerst glaube ich schon, dass hier tatsächlich ein Händler Kleider verkauft. Da ist aber keiner. Um einen großen Baum sind schöne , festliche Seidenkleider aufgehängt, aber auch Schals oder T-Shirts,, Schuhe. Und darunter stehen Kerzen, Opferschalen und Räucherstäbchen. Mitten im Wald. Keine Bilder oder Götterdarstellungen. Trotzdem ist klar, das auch das wohl irgend etwas Buddhistisches ist. Zu schade, dass man niemanden danach fragen kann. Manchmal ist dieses Sprachproblem wirklich ärgerlich. Es sieht jedenfalls ziemlich abgedreht aus , hier oben weit weg von allem, mitten im Wald. Vier solcher Opferstellen sollen wir auf dem Weg sehen.

Inzwischen kleben uns unsere Sachen genauso nass am Leibe als hätten wir gebadet. Aber der Lohn bleibt nicht aus. Die letzten vier Abschnitte und Wasserfälle sind wunderschön! Und als wie endlich in fast 1000 Meter Höhe knapp unter der Bergspitze ankommen, werden wir gleich mehrfach belohnt: dieser phantastische Anblick blass türkiser Wasserbecken und -kaskaden inmitten des dichten Grüns hat haut einen um! Und nach unten hat man auf das grüne Dach des Waldes einen großartigen Ausblick.

Wir können gar nicht schnell genug in diesen Paradiespool kommen. Das Wasser, was direkt von der knapp über uns gelegenen Berspitze kam, ist erstaunlicherweile gar nicht kalt. Kristallklar, wenn auch in dem unteren Pool, wo man am besten baden kann, der Kalksand etwas aufgewühlt ist und es dadurch etwas milchig wirkt. Es sieht fast surreal aus. Die helle Türkisfarbe entsteht dadurch, dass das Wasser über Felsen fließt, die weiß verkalkt sind.

Wir sind überdie glitschigen Felsen gerade so schön in der Mitte des Beckens als wir fast gleichzeitig erschrocken hochhüpfen und aufschreien. Was war das? Da beißt was! In die Füße und die Waden. Nicht ständig, aber öfter. Wir müssen sehr putzig ausgesehen haben, erschreckt kichernd und hüpfend. Schnell war uns klar, dass es Fische sein müssen. Aber mit Zähnen! Die meisten Asiaten haben es ganz gelassen genommen, aber wir hatten nachher sehr viel Spaß, die ahnungslosen Ausländer zu beobachten…

Wir sind dann ein Becken höher geklettert, wo das Wasser klar war, da konnte man die kleinen Schelme dann beobachten, wie sie an den Füßen und Beinen entlang geknabbert haben. Es sind dieselben Fische, die man für viel Geld in den Spezialbecken schicker Spas als Fisch-Peeling erleben darf oder als Therapie bei bestimmten Hautkrankheiten. Sie fressen die alten Haut- und Hornhautpartikel ab. Ist superangenehm, wenn man erst mal weiss, was es ist. Und gratis!

Wir verbringen eine kleine Ewigkeit dort, im Wasser planschend und uns zwischendurch auf überspülten Felsen in der Sonne aufwärmend. Wir bemerken gerade noch, dass es höchste Zeit für den Abstieg war, denn der letzte Bus fuhr um 16 Uhr, danach hängt man dort bis zum nächsten Tag fest. Im Sturmschritt bringen wir die ca vier Kilometer Abstieg hinter uns– erstaunlicherweise ohne größere Stürze. Gerade noch rechtzeitig sind wir am Bus, um auch noch einen der winzigen Sitzplätze zu ergattern.

Schlauerweise lassen wir uns in Kanchanaburi schon eher in der Nähe des Hotels absetzen. Wie sich herausstellen sollte, hatten uns die Tuktukfahrten etwas getäuscht und so dürfen wir mit unseren müden Knochen noch einen weiteren längeren Spaziergang machen, bevor wir uns glücklich und erschöpft in unseren nicht ganz so natürlichen, aber ebenfalls wunderbar erfrischen Hotelpool legen können. Ein Tag im Paradies, ein Sonnenuntergang im Pool, einen echten Cappuccino am Beckenrand – die Welt ist schön!

Auf dem Weg zum Essen will eben schnell meine Abholung morgens um halb sechs vom Hotel zum Busbahnhof organisieren und erlebe eine Überraschung: wo ich auch frage, ernte ich ein müdes Lächeln, selbst an der Rezeption und bei einem Taxiunternehmen: zu früh. Nicht vor sechs.Ich kann es nicht fassen. Als ich dann endlich mal eine Tuktuk- Fahrerin sehe, ist mir klar, wenn mich einer rettet und nicht zu faul zum Aufstehen ist , dann eine Frau. Und – tut mir leid, liebe Männer – so ist es. Ich biete ihr einen leicht erhöhnten Preis an und die Gute verspricht, mich abzuholen. So kann ich in Ruhe die verbleibenden fünf Stunden in mein übergroßes schickes Hotelbett klettern.

Es waren drei tolle Tage, die wir als für einige Außenstehende etwasseltsam anmutendes Traveller-Päärchen miteinander verbracht haben. Wir hatten viel Spaß. Knut wird nun in Bangkok auf eine Freundin warten und ich will nun in den Norden nach Chiang Mai.

Thailand 4: Irgendwann geht alles vorbei…

Kurz nach fünf hat mein Wecker geklingelt – auf zum River Kwai. Der Mann an der Rezeption hat mir geraten, ein Tuktuk zum Bahnhof Bangkok Noi zu nehmen, das wäre am einfachsten. Theoretisch. Nur dass die Tuktuk-Fahrer wohl noch schlafen. Kein einziger ist zu finden. Und mit den ersten beiden Taxifahrern gibt es wiedermal Stress wegen des Taxameters. Der dritte macht´s. Wir müssen ein bis zwei Stunden früher da sein, um sicher sein zu können, ein Ticket zu bekommen, und es gibt nur zwei Züge am Tag.

Direkt neben dem Bahnhof ist ein riesiger offener Großmarkt. Die Erleuchtete Sszenerie vor Sonenaufgang wurkt völlig surreal. Es herrscht riesiges Getümmel und allein das kurze Anhalten zum Aussteigen und Tasche aus dem Kofferraum hieven verursacht fast einen Tumult und Verkehrsstau. Knut kommt kurz nach mir an, wir kaufen Ticktes und beschließen, auf den Markt zu gehen und zu frühstücken. Ich zerre meine Reisetasche durch das Chaos und wir finden wieder einen Suppenstand. Reissuppe mit verschiedenen Fleischsorten und Gemüse. Ich koste alles, esse fast alles mit großem Appetit – außer den Hühnerblutpudding, der ist dann doch nicht so ganz mein Geschmack, den verzehrt mein junger hungriger Begleiter (der übrigens Koch ist). Gesättigt zuckeln wir durch das Gewusel zurück.

Der 2. Klasse-Zug ist tatsächlich kurios anzuschauen mit seinen Holzsitzen und der dritten Klasse, die Sitze überhaupt nur an den Längsseiten hat, sonst nur Halteschlaufen. Und das für einige Stunden Fahrt. Alle Fenster sind offen und lassen sich auch nicht schließen, aber die Hitze ist schon jetzt um kurz vor acht enorm. Eigentlich wollen wir nach Kanchanaburi und in zwei Nationalparks. Aber da die spannende und steile Strecke der sogenannten Todesbahn vom River Kwai erst hinter Kanchanaburi liegt, haben wir beschlossen,zunächst bis zur Endstation Nam Tok zu fahren. Sieht auf der Karte aus wie ein Stündchen mehr und liegt in der Nähe eines derNationalparks, Sai Yok.

Es ist ziemlich voll, die Touristen sind in der Unterzahl. Immer wieder kommen Händler durch den Zug und bieten Essen an: Gebäck, mundgerecht geschnipseltes Obst mit gewürztem Salz in kleinen Tütchen(schmeckt schrecklich), Tapioka – Chips und komplette Gerichte, pfiffig verpackt in-Kokos- oder Bananenblätter oder einfach in Plastiktütchen oder Plastikfolie mit Zeitungspapier. Es ist verrückt, wie die Thais es schaffen, das alles so zu verpacken- und jeder ist das gewohnt und futtert mit Holzspießen, Stäbchen oder einfach den Fingern. Und die meisten kaufen ständig etwas Neues! Sie kauen fast die ganze Fahrt über.

Uns genügt ein bisschen Obst und Wasser, Wasser, Wasser. Wir sitzen schweissgebadet mit schmerzenden Gliedern auf den unbequemen Holzsitzen und unsere Hoffung auf baldige Erlösung schwindet zusehens. Erstens erfahren wir, dass es bis Nam Tok gut fünf Stunden dauert und zweitens – soll sogar das ein großer Traum bleiben. Irgendwas, was wir nicht erfahren und verstehen, ist passiert, der Zug steht viermal eine Ewigkeit auf der Strecke. Auf den Bahnhöfen wuseln Militärs und Bahnangestellte wichtig herum, aber eigentlich tun sie nichts, außer ständig in ihre WalkieTalkies zu quasseln.

Die Thais bleiben gelassen, kaufen sich noch was zu essen und dösen. Uns tut inzwischen alles weh. Kurz zusammengefasst: wir sitzen fast neun Stunden in diesem Holzbackofen! Wehe, mir erzählt noch einer, dass das eine schöne Fahrt ist! Die überwiegend unspektakuläre Landschaft wechselt wenigstens zum Schluss ein bisschen, am Horizont zeichnen sich beeindruckende Berge ab, aber wirklich aufregend ist es nicht. Bis auf die paar Kilometer am River Kwai, wo der schuckelndeZug wirklich auf den alten Wackelschienen an einem steilen Abgrund entlang fährt. Bilder aus dem Filmklassiker fallen mir ein. 100.000 Häftlinge sind bei Bau dieser Trasse durch die Japaner 1943 gestorben.

Beim letzten endlosen Halt in einem Dorf springe ich über die Gleise, wie die Einheimischen, hoffe, das der Zug nicht gerade weiterfährt und hole uns wenigstens ein Eis als Psycho-Tranquilizer. Wir sind mittlerweile klatschnass, haben auf dem jeweiligen Fenster-Arm Sonnenbrand und eigentlich ist schon alles egal. Ein paar mitreisende Teenies holen sich Cola mit Eis: der Verkäufer nimmt eine warme Cola, schüttet sie in eine Plastiktüte, schippt Eis aus einer Kiste dazu, Strohhalm rein – fertig. Oma neben uns gräbt mit beiden Händen in einer anderen Plastiktüte und isst ganzhändig Reis mit fettiger Soße, gebratenes Gemüse und Hühnerfüße. Keiner scheint sich dafür zu interessieren, wann es weiter geht. Nach fast neun Stunden fahren wir dann tatsächlich in Nam Tok ein. Wir sind da!

Ja…Wo eigentlich? In einem verschlafenen, entspannten Provinznest, wo sich die Hähne ankrähen. Das ist eigentlich nicht das Problem, denn von hier aus wollten wir ja in den Sai Yok Nationalpark weiter. Aber um 17 Uhr ist der geschlossen und jetzt ist es 16:30 Uhr und es fehlen noch 40 km. Wir sondieren die Lage bei einem Eiskaffee und finden eigentlich allesso absurd, dass es schon wieder lustig ist. Immerhin sind wir die hölzernen, ach so nostalgischen Folterinstrumente los…Schließlich schnappen wir unser Gepäck, und spazieren einen guten Kilometer durchs Dorf zu Hauptstraße, um da irgendwann einen Bus zu erwischen. Zurück nach Kanchanaburi, wo wir vor vier Stunden durchgefahren sind.So kann man den Urlaub auch ausfüllen!

Alles wird gut!! Ein Stündchen später sammelt uns der klapprige Lokalbus ein und bringt uns für 1,30 Euro in anderthalb Stunden an Ziel. Auf dem Busbahnhof telefonieren wir dann mit möglichen Unterkünften. Ohne viel Erfolg.

Dann treffen wir die Entscheidung: Im lonely planet steht hinter einer Empfehlung das Zauberwort: Pool!!!! Wir haben es uns verdient! Nobel geht die Welt zugrunde. Es klappt. Zwischen uns und dem Paradies liegen nur noch vier Kilometer und das Problem, dass es hier keine Taxis zu geben scheint. Nicht eins ist zu sehen. Auch TukTuks kommen keine vorbei. Wir stehen vor einem Problem. Kurzentschlossen gehe ich zur Polizei. Und nun passierts: ein Motorrad-Polizist schwingt sich aufs ein Bike und kommt wenig später mit einem Taxifahrer im Schlepptau wieder! Die Polizei dein Freund und Helfer!

Eine halbe Stunde später liegen wir im Mondenschein unter dem Sternenhimmel verträumt im Pool des ruhigen und hübschen Hotels „Pong Phen“ und genießen. Ein Bummel durch eine etwas ballermannähnliche Straße beschert uns noch ein nettes Essen und einen Drink zum Mitnehmen. Uns geht´s gut!

Thailand 3: Von Märkten und Tempeln

Seit nunmehr bald acht statt fünf Stunden schmoren wir in der Holzklasse des historischen Zuges, der nach wie vor fahrplanmäßig zwischen Bangkok und Kanchanaburi – River Kwai – Nam Tok verkehrt. Ende ungewiss. Es gibt Leute, die behaupten, diese Eisenbahnfahrt von Bangkok zum River Kwai sei eine besonders schöne Fahrt. Ich weiß gerade ziemlich sicher, dass ich mich dieser Meinung nicht anschließe. Bei stundenlanger Verspätung, steifem Nacken und schmerzenden Sitzteilen auf den tollen nostalgischen Holzbänken und gefühlten 40 Grad. Holzklasse….Die Busfahrt hätte drei Stunden gedauert…

Aber ich will den Geschehnissen nicht vorgreifen, es gibt schließlich einen Anspruch auf Chronologie. Und dementsprechend fehlt noch ein Tag bis zum Leben in der Holzklasse.

Tag 3 in Bangkok beginnt trotz extremen Schlafmangels mit pünktlichem Aufstehen und sofortigem Abmarsch zum Boot. Unterwegs noch einen frischen Saft kaufen – nun trage ich endlich auch eines dieser kleinen Plastiktütchen mit etwas Ess- oder Trinkbarem in der Hand, wie 80 Prozent aller Thais unterwegs. Überhaupt scheinen sie den größten Teil des Tages damit zu verbringen am Wegesrand , im Bus, auf dem Boot oder wo sie sonst gerade unterwegs sind zu essen und zu trinken.

Aber ich schweife ab. Ich kaufe mir ein 15 Baht-Ticket für das Orange-Flag –Boot und fahre diesmal nach Norden ein halbe Stunde flußaufwärts. Mein Ziel ist der Markt in Thonanburi. Wenn ich mir vorher noch Gedanken gemacht hatte, ihn vielleicht nicht gleich zu finden, scheint das nun lächerlich, denn die ganze Stadt – zumindest ab Hafen – ist in einen Markt eingebettet, scheint es mir, nicht umgekehrt.

Alle Bürgersteige sind überdacht und darunter Stände, Stände, Stände. Und ein paar Straßenzüge weiter endlich beginnen auch die Gänge mit den Obst-, Gemüse-, Fleisch-, Fisch- und Gewürzständen, von denen ich gelesen habe. Großartig, was es hier alles gibt. Nicht, dass ich alles essen möchte und ich erkenne nicht mal die Hälfte, aber es ist toll. Und dass in Asien so ziemlich alles Kaubare gegessen wird, habe ich ja schon in Vietnam gelernt, also wundert mich nicht, welche Fleischsorten ich hier so sehe.

Aber dann wird mir doch noch schlecht. Ich sehe ja nicht besonders gut ohne Brille und so brauche ich einen Moment, um zu erkennen, warum sich der Fleischberg in einer Riesenschüssel bewegt…Es sind dicke, bereits aufgeschlitzte Frösche, die noch leben, während die Eingeweide herausquellen! Ich musste einen Moment beiseite gehen und mich darauf konzentrieren, nicht zu kotzen. Das geht nun doch zu weit für mein ethisches Empfinden.

Aber dann erfreue ich mich an Blumen und Gemüseständen ohne Ende, schnuppere an allerhand Kräutern …und eine halbe Stunde später erinnert mich mein Magen, dass er noch kein Frühstück hatte. Aber all die Snacks am Wegesrand kenne ich nicht – bis auf ein paar Fleischspieße und Gebäckteile und außerdem will ich nicht im Stehen essen. Schließlich finde ich den „Foodcort“ wie das in den USA heißen würde. Hier ist das eine Ecke im Markt, wo es ein paar Tische und Stühle gibt, und mobile Küchen mit dampfenden Kesseln und Grills.

Ich schnüre an den Ständen vorbei mit großen Augen und knurrendem Magen. Außer mir sehe ich keinen einzigen Touristen und ich schaue wohl ziemlich unsicher drein. Da ruft mich eine junge Suppenköchin, lädt mich ein, zeigt auf alle möglichen Zutaten, von denen ich zumindest Reisnudeln, Lauch, Möhren und Fleischklöschen identifizieren kann. OK, dann soll´s so sein, denke ich und setze mich. Anerkennendes Kopfnicken und Lachen von allen Seiten, eine alte Frau klopft mir fröhlich auf die Schulter. Langnasen haben sie hier offensichtlich nicht oft. Die Suppe mit 12 verschiedenen Einlagen kommt, ich habe sie gezählt. Da ist alles dabei von Gemüse über verschiedene Fleischscheibchen unbekannter Herkunft, Klöschen und Fischbällchen. Und – es schmeckt sehr lecker.Die Suppe ist sehr heiss, aber seltsamerweise lässt mich das nicht mehr schwitzen als vorher. Es sind mittlerweile 33 Grad. Morgens um neun. Ich schlendere zum Boot zurück und bin sehr zufrieden.

Mein Smartphone verrät mir, das ich nun Gesellschaft bekomme. Knut alias Gerret, der Sohn von meinemn Freund Thorsten, reist gerade ei n paar Monate durch Asien. Wir treffen uns zur gemeinsamen Besichtigung des Großen Palastes und des Smaragd-Buddha-Tempels (heute rechtzeitig). Ich habe mir extra wadenlange Hosen angezogen und einen breiten Schal mitgenommen, um meine Oberarme zu bedecken und so der Tempe-Etikette zu entsprechen. Knut kommt in kurzen Hosen…Prompt werden wir aufgehalten, eine gestrenge Dame befindet mich für…ok undschickt Knut umgehend zur „Kostümausleihe“. Es dauert eine heiße Viertelstunde Wartezeit und plötzlich bin auch ich nicht mehr genügend bedeckt und werde genötigt, mir unter Protest ein häßliches, verschwitztes Herrenhemd auszuleihen. Mann, wenn Buddha hier was zu sagen hätte…Die Hemdsärmel lassen übrigens mehr Arm frei als mein Schal.

Aber der Stress ist schnell vergessen, angesichts der Pracht, die uns hier erwartet. Es funkelt, glitzert und strahlt, wohin man nur schaut. Schon die dem Himmel zustrebenden wunderbaren Formen der Pagoden und anderen Gebäude sind wunderschön anzuschauen mit ihren spitzen, schwanenhalsförmigen Giebeln. Und dann diese gigantischen Mosaike! In allen Farben und immer wieder mit Gold und Silber. Was für eine Pracht! Irgendwie kann man es nicht beschreiben, man muss einfach nur schauen. Es ist so brütend heiss, dass wir uns fast die nackten Füße auf dem Marmor verbrennen, die Schuhe müssen natürlich an den Gebäuden schon im Vorfeld ausgezogen werden. Der Smaragd-Buddha, der eigentlich aus Jade besteht, ist ebenfalls in goldene Gewänder gehüllt und gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen, in all dem ihn umgebenden Zierrat und den tanzenden Gottheiten und Fabelwesen.

Wir streifen eine Weile kreuz und quer und staunen, wobei für mich letztlich die Tempelanlagen wesentlich beeindruckender waren, als der Große Palast des Königs. Am Ende des ausgieben Rundgangs erscheint uns das Eis im geschäftstechnisch perfekt plazierten Café wie die Krönung des Ganzen. Nach soviel Sonne pur in diesen Mauern sind wir einfach – gar. Also, abkühlen, denn nach einem Erholungspäuschen haben wir schließlich noch mehr vor.

Chinatown. Wieder by boat.Und noch mehr Markt. Aber der findet hier in den eher schmucklosen, schmuddeligen Straßen immer statt, das ist hier Alltag. Die Athmosphäre ist schon etwas anders als in anderen Vierteln Bangkoks, es wird chinesisch gesprochen und geschrieben und sicher auch gedacht. Hier dreht sich alles ums Geschäftemachen, man spürt in allem, dass das hier das oberste Gesetz ist.

Nur schwer finden wir überhaupt ein Café, wo man sich auch mal hinsetzen kann, es gibt kaum Orte zum ausruhen. Die letzte Spazierrunde gilt dann dem Lebensmittelmarkt, hier wollen wir uns etwas zum Abendessen aussuchen. Aber das ist viel schwerer als gedacht, wenn man nichts versteht und fast nichts identifizieren kann.Es gibt wiederum eine solche Fülle von Essen, das wie fast noch eine Stunde im Kreis irren, bis wir uns entschließen, in eines der wenigen Restaurants zu gehen. Erstens kann man hier richtig sitzen und zweitens gibt es eine Karte in Englisch. Wir merken schnell, dass wir ein gute Wahl getroffen haben und stopfen uns zufrieden auch noch den letzten Reiskrümel in den Bauch, bevor wir unseren gemeinsamen Tag beenden. Dummerweise wohnen wir ziemlich entgegengesetzt.

Ich versuche, ein Taxi zu bekommen, aber entgegen dem, was mein lonely planet versprochen hat, wollen die meisten Taxifahrer hier eben doch nicht nach Taxameter fahren. Meine bisherige Statistik steht 9:1. Dann fahre ich eben wieder Tuktuk, das ist dann auch nicht teurer und viel netter, so mit Wind um die Ohren durch das nächtliche Bangkok.

Morgen heißt es erstmal Abschied von Bangkok. Knut und ich werden noch zwei weitere Tage gemeinsam verbringen und zur Brücke am River Kwai und in zwei Nationalparks fahren. So der Plan…

Thailand 2: Stress in Bangkok…und relax

Der Tag beginnt mit einer Katastrophe, die sich kurz vor dem Einschlafen schon angedeutet hatte. Mein verdammtes, geliehenes Multimedia-Kommunikationszentrum , sprich : Smartphone (geliehen) ist kaputt! Es läßt sich nicht mehr aufladen. Keine Uhr, keine Kamera, kein Kommunikatioinsmittel. Ach, hätte ich nur den lieben alten Fotoapperat mitgenommen und einfach einen Reisewecker…Ich tu mir so leid….
Fängt schon damit an, das ich im übergeworfenen T-Shirt durchs Hotel stolpere, um zu erfahren, welche Tageszeit wir nach meiner komatösen ersten Nacht haben.Oh Schreck, fast Mittag! Auch das noch. Und ich habe auf meinen Stadtwanderungen keinen Elektronikladen bemerkt. Das nette Girl von der Rezeption seufzt: da hilft nur: MBK! M-B-was? Na, das größte Bangkoker Shopping-Center! Ach so… Tagesplanung Adé, ab nach MBK. Erst mit dem Boot, dann mit dem Skytrain quer durch Bangkok, andetrhalb Stunden. Der Skytrain ist ein Hightech-Vehikel, das auf einem hohen Viadukt vorallem durch die Business-Districts düst. Eisgekühlt, Erkältung inklusive.

Endlich angekommen. Oh, mein Gott! Mega-Shopping auf endlosen vier Etagen, da kann man den halben Urlaub ohne Tageslicht verbringen. Aber ich weiß, wonach ich suchen muss: 4. Etage, Handy-Department. Hier reihen sich dutzende Stände aneinander.Ich spreche einen Burschen an, der mir wie 14 erscheint, er verschwindet mit meinem Handy bange 10 Minuten im Gewühl. Ich habe nichts in der Hand…Da, er ist es: Er meint, sein Kumpel denkt, die Ladebuchse sei „crashed“ und macht ein bedenkliches Gesicht…Aha. 900 Baht. Vielleicht. Keine Garantie. Aber – na gut, wenn´s nicht geht, auch kein Geld. Ich gucke ein bisschen skeptisch – aus Prinzip – eigentlich könnte ich den Kleinen zu Boden knutschen, weil er mir wenigstens Hoffnung auf das Ende meines Leidens macht. Eine Stunde später: Madam, your Smartphone! Yeah!

Angesichts der geretteten Thailand-Photos und meines Seelenfriedens (es war ja nicht mal mein Smartphone) geradzu euphorisch mache ich mich auf den Weg in den Urlaub, will heißen: Zum Tempel des Smaragd-Buddhas und zum Großen Palast. Die nächsten sechs Taxifahrer wollen mich linken und nicht nach Taxameter fahren(da irrt der lonely planet.) Dann kann ich´s auch gleich nett haben. Ich werde mir mit einem Tuktukfahrer einig und er braust mit mir durch die kochende Stadt – nur um rechtzeitig zum Einlassschluss anzukommen. Es ist halb vier.

Einen Trost-Eiscappuccino später trödle ich über einen Markt zum Pier und futtere mundgerecht geschnittene frische Mango. Eigentlich will ich nach Hause fahren. (ja, ich schwöre, ich habe wirklich „nach Hause“ gedacht). Aber schließlich packt mich der Monetenfressende Wahnsinn, ausgelöst durch den Ärger über einen verlorenen Tag und die Freude über das gelöste Problem, und ich feilsche mit einer Thai-Mama was das Zeig hält. Ich werde eine Longtailboat-Tour in die kleineren Klongs (Kanälen) machen! Zu teuer für mein Budget, aber…man gönnt sich ja sonst nix. Und die Götter lächeln nachsichtig und statt der üblichen 25-30 Mitfahrer bin ich: allein mit MEINEM Longtail-Boat. Die anderen Touris sind schon beim Abendessen oder so. Der gutgelaunte Fahrer zeigt mir vieles und ich genieße die einsame Tour vor dem Sonnenuntergang durch noch mehr Bangkok.

Am Wasser zu wohnen kann hier wirklich alles heißen, lauschige Häuschen mit Holzterrasse zum Kanal, Hippie-Laube, Elendshütte, Villa. Immer abwechselnd. Und alle paar hundert Meter: ein Tempel oder gar ein Kloster. Immer in Gold erstrahlend, prunkvoll bis kitschig. Immer wieder schön anzusehen, aber kaum zu fassen. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass ein Fünftel der Bevölkerung Mönch oder Nonne sein muss. Un das alles ohne Kirchensteuern, nur aus Spenden?!

Das Wasser im Kanal ist schlierig braun, einfach nur Kloake. Hier tummeln sich Fische bis an die Oberfläche (schon der Gedanke, dass die von Menschen auch gegessen werden, dreht mir den Magen um), wir begegnen einer Riesenechse und vielen schwimmenden Schildkröten. Und badenden Kindern nahe der verfallenen armen Hütten. Der Cäptn zeigt sie mir lachend, ich kann nicht glauben, was ich sehe. Das ist wie pure Kanalisation hier! Und die tauchen und baden!!

Aber alles in allem habe ich einen tollenTagesausklang (und versuche nicht über meine Budgetüberziehung nachzudenken). Mit dem Orange-Flag-Boot, fahre ich schließlich „nach Hause“. Die Flaggenfarbe verrät die Linie und den Preis. Alle Einheimischen der flussnahen Viertel benutzen diese Boote wie wir die U-Bahn und genauso voll sind sie auch. Ich stehe an die Reling gequetscht und versuche nicht heraus zu fallen. Ganz kurios, neben den chaotischen Anlegestopps, zum Ein-und Aussteigen ohne Vertäuen bei laufendem Moto,r ist übrigens noch die Art des Navigierens. Der Kapitän sitzt vorn, das Boot ist sehr lang, das Anlegen oft schon wegen der anderen Boote Maßarbeit. Und es funktioniert tätsächlich auschließlich über Pfiffe des Bootsmannes am Heck. Ein eigenes Kommunikationssystem, das sogar das oft ohrenbetäubende Gebrüll an den Anlegebrücken übertönt und immer funktioniert. Wirklich verrückt.

Ich beschließe, mein Abendessen bei einem der winzigen Straßenerstaurants außerhalb des Trubels einzunehmen: billig, lecker, authentisch. An einem Tisch, der knapp neben parkende Autos gequetscht ist, mit lustiger Angry-Birds-Plastikdecke und Aluminiumnäpfen. Sehr schmackhaft und genau halb so teuer wie am Vortag. Dafür gibts noch eine Margarita im Café für Karla Kolumna und dann legt sie sich nieder zu einer fast schlaflosen Nacht: der Jetlag hat mich eingeholt.

Thailand 1: Hallo Bangkok

Das fängt ja gut an! Mein erster Artikel und der Computer stürzt ab, bevor gespeichert ist….Also noch mal:

36 Stunden Bangkok. Ich bin angekommen. Ich meine so richtig. Mit allen Sinnen und dem Glauben, das das alles real ist. Allein, das erste Mal in meinem Leben. Nur ich und mein lonely planet. Mal sehen, wir wir miteinander auskommen…

Nach einem guten Flug mit Turkish Airlines (sogar das Essen war lecker!), bei dem nur ein dauerheulendes Kleinkind die Nacht zum Tag gemacht hat, bin ich gelandet. Angenehm zügige Einreisekontrollen! Aus dem besagten Reiseführer kam die erste nützliche Info: nicht zu den vorgeschalteten Official-Airport-Taxischaltern gehen, die sind teuer. Dafür aber aufdringlich und sicher erfolgreich bei Bangkok-Neulingen. Draußen warteten reihenweise Taxis mit ordentlichen Taxametern. Der nette Taxifahrer spricht sogar ein paar Worte englisch, dafür schaffe ich es nicht, mein Hotel und die Straße so auszusprechen, dass er weiß, wo ich hinwill…Aber schreiben hilft.

Es ist heissss. Die Klimaanlage pustet mir Eisluft in die Augen. An der Autobahnauffahrt begrüßt mich der König huldvoll von einem goldenen Tor über der Fahrbahn. Es wird der erste von vielen, vielen Königen hier sein, denn der Monarch ist hier allgegenwärtig, mal mit Gattin, mal ohne, mal in Uniform, mal in Zivil. Aber geholfen hat es nicht: schon stecken wir im Stau. Anderthalb Stunden bis zum Hotel, ich bin inzwischen immer wieder weggedöst vor Hitze, Müdigkeit und Smog.

Schließlich haben wir es geschafft. Die Phra Arthid ist eine relativ große Straße am Fluss, gleich neben dem berühmten Ausgeh- und Bagpacker-Viertel an der berühmt-berüchtigten Khao San Street. Aber – eben knapp daneben und daher nicht so rummelig. Das Zimmer im Hotel Happio ist ziemlich …schlicht, häßlich und hat nur ein winziges Fester zu einem 50cm großen Lichtschacht. Aber es ist sauber, hat eine Dusche und – es ist ruhig! Mitten in Bangkok! Trotzdem stellt sich wiedermal die Frage – wer erfindet die Internet-Fotos?? Nach einem Nickerchen beschließe ich loszuziehen und zu versuchen, das Schlafen auf den Abend zu verschieben, damit ich dem Jetlag ein Schnippchen schlage. Allerdings ist die Folge, das ich die restlichen Stunden bis 21 Uhr wie durch einen Wattebausch gefiltert erlebe. Bin das wirklich ich?

37 Grad, die Hitze erschlägt mich Winterkind. Ich muss erst mal fragen, wo Norden und Süden ist, ich habe überhaupt keine Orientierung, wo ich eigentlich bin. Aber alles klappt, eine gute Macht leitet mich und ich finde sofort ins richtige Viertel an der beliebten und extrem belebten Rambuttri. Eigentlich eher eine Fußgängerstraße, was aber nicht heisst, dass sich nicht doch gelegentlich Motorräder oder einzelne Autos durchs bunte Gewühle schieben – und keinen störts. Irgendwie geht in Asien immer alles. Läden, Stände, Garküchen, Restaurants, Straßenverkäufer, an den Ecken wartende TukTuks und Motorrad-Taxis. Ach ja – und tausende Menschen. Viele Europäer aber auch Chinesen und Amerikaner. Und Thai-Touristen. Ein buntes, brodelndes Chaos. Ich lasse mich treiben und finde nach zwei Stunden sogar zum Hotel zurück. Was mir angenehm auffällt, ist die erstaunliche Zurückhaltung. Zwar wird mir manches angeboten, aber ein Nein reicht und oft kann ich mir Dinge sowieso anschauen, ohne dass Verkäufer mich anfallen wie anderswo.

Was nun, laufen kann ich nicht mehr, die Füße tun weh, ich klebe. Eine kalte Dusche (warmes Wasser gibt es ohnehin nicht) und tapfer wieder das Rucksäckel geschultert. Wo ein Fluss ist, muss es auch Boote geben. Und richtig, ein kurzer Spaziergang führt mich zu einem Pier. Wie ich bald lerne, ist jeder Anlegestelle hier eine Ladenpassage oder ein kleiner Markt vorgeschaltet, so auch hier. An einem Verkaufstisch erwerbe ich ein Ticket für eins der Touristen-Schnellboote, die den Fluss nach Süden fahren. Da wir sehr nördlich sind, ist das offene, überdachte Schiff fast leer und ich habe eine schönen Platz an der Reling. Der Fluss ist aufgewühlt wie ein Meer und es schaukelt und spritzt. Ich erfreue mich an der Kühlung und versuche nicht genauer an die braune Brühe zu denken, die sicher nicht nur aufgewühlt ist…

An mir vorbei ziehen viele von Bangkoks Sehenswürdigkeiten, darunter die Universität, die königliche Akademie, die Marine-Schule, und mehrere mächtige und beeindruckende Tempel, darunter die beiden berühmtesten: der Wat Phra Kaew (Der Tempel des Jade-Buddhas mit dem Großen Palast) – fast eine eigene prunkvolle, goldglänzende Stadt hinter weißen Mauern, und der Wat Pho, der Tempel mit dem berühmten gigantischen liegenden Buddha, der schelmisch auf die vorbeifahrenden Schiffe zu schauen scheint.

Aber auch fast zusammengefallene armselige Blechhütten und futuristische Hochhäuser führen hier ein direktes nachbarschaftliches Leben. Eine Stadt der Gegensätze – ganz direkt und dicht.

Nach einer guten dreiviertel Stunde ist Endstation in Sathon. Hier wandert man zwangsläufig durch ein riesiges Konsumparadies: ein alter Warenhausdistrikt wurde totchic in Restaurants und Ladenstraßen verwandelt. In amerikanischen Dimensionen. Und direkt davor am Tor: Ein buddhistischer Altar, wo die Kunden nach dem Shoppen (oder vorher) Opfergaben ablegen und beten. Ob das hilft angesichts buddhistischer Entsagung?

Ich wandere ein bisschen herum und überlege wie ich wohl wieder nach Hause komme. Meine Wahl fällt auf ein Motorradtaxi, da ich mir bei der Hitze lieber kein geschlossenes Fahrzeug und schweissnasse Kunstledersitze vorstelle. Nach einer Weile Handelei werden wir uns einig, ich bekomme einen klebrigen alten Helm aufgedrückt, der sich nicht festschnallen lässt, und los geht´s durchs Bangkoker Verkehrschaos. Ein halsbrecherisches Unternehmen, bei dem ich gelegentlich um meine Knie und Zehen fürchte, so knapp wie sich mein Fahrer mit dem Teil durch winzige Lücken manovriert. Aber luftig und spannend!

Wir fahren durch die gesamte Bangkoker Innenstadt, Chinatown inklusive. Sehr spannend und gar nicht aufgemotzt für Touristen. Eher selbstbewusst, authentisch – und groß! Unglaublich bunt und quirlig, die Straßen noch mit rot-goldenen und lilanen Spruchbändern vom Neujahrsfest überspannt, man fährt fast wie durch einen Tunnel. Manchmal fahren wir so nah an den Garküchen vorbei, dass mir die mwürzigen Gerüche in die Nase steigen. Riecht sehr lecker!

Dann ein schicker Businessdistrikt, ein paar proppevolle Parks, alle ordentlich eingezäunt, mit wenig Bäumen, hauptsächlich Rasen. Weiter gehts, diesmal an der anderen Seite des Großen Palastes vorbei und all den anderen illustren Bauwerken – und dann hat sich mein Fahrer verirrt. Er klärt das in voller Fahrt mit einem ebenso rasanten Tuktuk-Fahrer und ich komme heil im Hotel an. Das war eine wirklich spannende Stadtrundfahrt!

Ein weiterer Abendspaziergang führt mich noch zu einem alten Fort mit Kanonen und einem weiteren vollen Park am Fluß: chillen, Ballspielen, lesen,klönen.. Plötzlich dröhnende Musik aus Lautsprecherboxen auf einer Karre: ein smarter Thai in hautengem Dress turnt auf einer Treppe vor und unten turnt ein buntes, überwiegend weibliches Volk von 18 bis 70 quietschend vor Vergnügen mit. Aerobic mal anders. Das nenne ich Volkssport. Und gratis!

In einem kleinen Restaurant auf der Rambuttri noch ein leckeres Glasnudelgericht und ein abendlicher Bummel heimwärts – was für ein Tag! Gute Nacht Bangkok!

26: Good Bye, Vietnam!

Zurück in Saigon! Es ist schön, wieder hier zu sein, nicht nur, weil es der erste Ort unserer Begegnung mit diesem schönen und manchmal verwirrenden Land war. Ich fühle mich einfach wohl hier in Vietnams südlichster Metropole, es ist meine Southern Belle: charmant, chaotisch, lächelnd und liebenswert. Da sind sie wieder die Millionen Rollerfahrer, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun scheinen als auf ihren brummenden Zweirädern im Kreis zu fahren, die lächelnden Menschen, die Cafés auf den Bürgersteigen, in denen man stundenlang sitzen und einfach nur schauen kann, ohne dass es langweilig wird.

Wir wohnen wieder im Silk Path Hotel zum Dumpingpreis, den wir bei unserer Abreise schon ausgehandelt hatten, in einem schönen Zimmer mit Blick über die Dächer und den Ben Tranh Markt auf das futuristische Finanzcenter. Endlich mal wieder ein schönes Zimmer mit sauberem Bad ohne Schimmel. Wir genießen den Trubel bei einigen Stadtspaziergängen und mit vietnamesischem Eiskaffee auf dem Bürgersteig – Zeit nochmal alles Revue passieren zu lassen.

Es war meine erste Reise nach Asien. Vieles war neu und fremd, anders als erwartet. Was bleibt, sind Mosaiksteine für ein Bild in der Erinnerung, das vielleicht darauf wartet, irgendwann noch einmal ergänzt zu werden. Obwohl wir über 4000 Kilometer durch´s Land gereist sind, haben wir längst nicht alles gesehen. Was ganz fehlt – und das bedauern wir beide sehr – sind die Berge. Wir haben viel darüber gehört, von Reisebekanntschaften und Vietnamesen, aber die Zeit hat nicht mehr gereicht.

Ein Bild, das ich immer im Kopf behalten werde, ist das bunter, quirliger Betriebsamkeit, viel quirliger, als man sich das als Europäer vorstellen kann. Und Gelassenheit im Chaos: Da wird mitten im laufenden Verkehr mal locker alles für den Nachtmarkt vorbereitet – Kabel werden über die Köpfe der Menschen und die fahrenden und parkenden Fahrzeuge gezogen, niemand nimmt Notiz davon. Kurze Zeit später entsteht da, wo gerade noch der Verkehr rauschte, eine kleine Stadt von Marktständen und Restaurants – völlig unaufgeregt und perfekt – jeden Tag wieder.
In unserem Hotel über uns auf dem Dach platzt einer der großen Wasserbehälter, das Wasser läuft durch das komplette Treppenhaus und ein paar angrenzende Bäder über sieben Stockwerke bis ins Erdgeschoss: Da wird von unten nach oben eifrig gewischt, aber sonst passiert gar nichts – es ist Sonntag.
Oder all die Menschen, die in all dem abendlichen Lärm und Chaos auf den Straßen einfach friedlich auf einer Liege, einem alten Sessel oder auch auf ihrem Motorroller schlafen. Da flitzen schon mal kleine Kinder im Schlafanzug auf dem nächtlichen Bürgersteig herum und spielen, weil sie natürlich neben dem Geschäft, wo die Eltern arbeiten, später schlafen gelegt werden.

Selten habe ich gesehen, dass jemand die Ruhe verliert, irgendwie scheint immer alles zu gehen. Was nicht heißt, das die Vietnamesen nicht gern mal genüßlich Hektik veranstalten: am Hafen zum Beispiel oder am Busbahnhof. Da wuseln und palavern sie laut durcheinander wie ein wildgewordener Hünherhof, aber das ist wohl eher Ritual.

Reden – das ist ein ganz wichtiger Volkssport. Die Menschen hier schnattern in jeder Situation leidenschaftlich und viel – in allem Tonarten. Was gelegentlich durch diese lustig klingende Sprache mit allen emotionalen Färbungen ausgesprochen lustig klingen kann. Und eben ziemlich laut! Nicht zu vergessen, das ewige Gekicher! Ich kenne kein Volk, das so viel und gern lacht, und so freundlich und hilfsbereit ist! Und wenn es ein Problem gibt, kommt man meistens mit einer lächelnd vorgetragenen Beschwerde wesentlich weiter als mit lauten Worten. In der ganzen Zeit hier sind uns gerade mal eine Handvoll unfreundlicher Gesellen begegnet.

A propos Sport: Der muss hier auch unbedingt nochmal gewürdigt werden. Weder Smog noch lange Arbeitszeiten oder fehlende freie Tage halten die Vietnamesen davon ab, sich in irgendeiner Weise sportlich zu betätigen. Und das eben vorzugweise an der frischen Luft, morgens und abends in Parks, am Strand, auf Plätzen. Laufen, Turnen, Tennis, Skateboard, Fußball, Volleyball, Tai Chi und noch ein paar andere lustige Sportarten, die ich nur hier gesehen habe.

Die Arbeitszeiten hier sind lang und meistens schließen sie auch das Wochende mit ein, aber man bleibt dabei ganz entspannt, ohne faul zu sein, das fällt auf. Viele einfache Restaurants (außerhalb der Innenstädte von Saigon und Hanoi), in denen Leute Mittagspause machen, haben mindestens genau soviele Hängematten wie Stühle – für das Schläfchen danach. Schlafen kann man aber auch auf dem Boden liegend hinter der Hotelrezeption oder dem Bartresen, auf einer Decke am Straßenrand – überall da, wo Platz ist.

Auch Essen ist ein spezielles Thema. Selbst wenn die hygienischen Bedingungen oft Grenzen überschreiten, ist ein voller Magen hier von großer Bedeutung und man kann Vietnamesen wirklich in jeder Situation essen sehen: vor und nach der Arbeit am Straßenrand, bei der Arbeit auf dem Boden, auf dem Rücksitz ihres Mopeds, auf der Bordsteinkante – auch wenn kaum Platz für den Teller ist.

Hauptnahrungsmittel sind Reis und Nudeln in tausend Variationen. Wobei der Reis ziemlich trocken mit Beilagen gegessen wird, die oft ebenfalls eher trocken sind. Daneben steht aber öfter ein Schälchen mit irgendeiner Soße zum einstippen. Die Beilagen sind Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Gemüse. Aber so gern und viel die Vietnamesen auch Fleisch essen, es ist selten weichgekocht, keine Ahnung, warum. Nudeln werden in jeder Form angeboten: gekocht, gebraten und vorallem im wichtigsten vietnamesischen Gericht: Phó, Nudelsuppe. Die ist für die meisten hier das Frühstück, vorzugsweise mit Stäbchen und Löffel gegessen, wegen der Einlagen. Viele Gerichte der einheimischen Küche, die sicher lecker sind, haben wir nicht kosten können. Niemand hier kann genug englisch – außer vielleicht, um den Preis zu verhandeln – also kann man auch nicht fragen. Angesichts der Fleischsorten, die so ziemlich die gesamte Fauna einzubeziehen scheinen (vorallem im Norden) und all der verwendeten Körperteile, ist der prüde Mitteleuropäer dann doch etwas mißtrauisch.

Mit Salz und Zucker geizt die hiesige Küche etwas, außer beim Kaffee, der ist pappsüß. Und er wird auf eine ganz eigene Weise gekocht, wenn man nicht gerade Eiskaffee trinkt: In einem kleinen Aluminiumfilter, der auf die Tasse aufgesetzt wird, ist der Kaffee unter einem Deckelchen, darauf wird das kochende Wasser gegossen. Der Kaffee läuft dann tropfenweise in die Tasse durch, in der bereits eine ordentliche Portion süßer Kondenzmilch wartet. Speziell, aber nicht unlecker.

Unbedingt erwähnt werden sollten noch gewisse modische Aspekte. Dabei fällt die männliche Seite eher knapp aus: Wie überall in heißen Ländern dominieren Bermudashorts oder leichte lange Hosen, Basecap oder auch eine Art Tropenhelm in verschiedenen Materialausführungen. Bei den alten Herren findet sich dann auch schon mal ein traditionell-vietnamesischer Stoffanzug oder ein Judoanzug im Jeanslook.

Interessanter ist natürlich die Damenwelt. Zuerst muss hier erwähnt werden, dass die meist schlanken und sehr graziösen Vietnamesinnen sogar im strengen Businesskostüm ausgesprochen toll und elegant aussehen. Aber das ist natürlich der kleinere Teil. Bei den jungen Wilden überwiegt Supermini oder kurze Hose, niemals aber bauchfrei. Bei der Fußbekleidung gibt es generell bei allen Frauen nur zweierlei: flache Zehensandalen oder Ballerinas oder – mit Vorliebe: Highheels, so hoch es geht! Das muss besonders unter dem Aspekt der hier nicht stolperfrei zu begehenden Straßen erwähnt werden. Und das gilt auch für die zwar kleinere, aber immer noch gut vertretene Gruppe der jungen Frauen, die oft das wunderschöne klassische Ao Dai, dieses feminine lange Seidenkleid, das an den Seiten gebunden wird und über einer Seidenhose getragen wird. Sieht einfach toll aus!
Die ältere bis betagte Dame trägt hier überwiegend so eine Art Outdoor-Pyjama. Wobei das Material von knallbuntem Stoff bis zu Seidenbrokat reicht. Sieht schon ein bisschen putzig aus.

Aber für alle Frauen hier gilt: Sonne ist unbedingt zu vermeiden, denn sie macht braun und häßlich. Unser : „Du bist aber schön braun!“ ist hier eine schlimme Beleidigung. Um das also zu vermeiden, tragen die Frauen hier erstens so gut wie alle den ewigen Atemschutz in allen Farben (in den Städten macht er ja noch als solcher Sinn wegen des Smogs, aber bei der Arbeit auf den Reisfeldern oder im Strandrestaurant weniger), außerdem oft oberarmlange Handschuhe, auch bei größter Hitze Strickjacken und – wenn keine lange Hose – fast immer lange, blickdichte Strümpfe, die es für die Flipflops auch in spezieller Ein-Zeh-Ausführung gibt. Auf dem Kopf trägt SIE entweder den klassischen Kegelhut oder einen breitkrempigen Sonnnhut und eine große Sonnenbrille.

Das Verhältnis der meisten Menschen hier zum Müll ist eines der Rätsel, das für mich ungelöst bleibt. Die einfache Erklärung, das sei ebem in der dritten Welt Asiens so, „die kennen das nicht anders“, reicht mir nicht. Denn sieht man sich Kultur, auch Alltagskultur und Kunst an, kann einem der ausgeprägte Sinn der Vietnamesen für Schönheit und Harmonie nicht entgehen. Umwelt, Natur und Tierwelt scheinen aber nicht unbedingt dazuzugehören. Mir fallen da gleich tausende toter Fischchen in der Ha Long Bay und ein zerstörtes Korallenriff beim Tauchen ein – Opfer und stumme Zeugen der immer noch praktizierten Dynamid-Fischerei.

Vietnam ist ein tolles Land, aufregend für Entdecker, wenn sie denn aufgeschlossen und sehr toleranzfähig sind. Ansonsten sollte man besser zu Hause bleiben, denn wie schon an anderer Stelle erwähnt: Alle europäischen Maßstäbe greifen nicht. Man hat viele Begegnungen mit großartigen Menschen – mit denen man allerdings nur selten wirklich kommunizieren kann, wegen der Sprachbarrieren.

Das war´s für dieses Mal von meiner Seite.

ps: Unsere Abreise mussten wir trotz horrender Umbuchungsgebühren verschieben. An unserem letzten Abend in Saigon habe ich mir eine üble Lebensmittelvergiftung zugezogen. Es war gar nicht so leicht und nur mithilfe einer Notfallnummer aus dem Reiseführer möglich, schnelle medizinische Hilfe für Ausländer zu bekommen. Alles sehr abenteuerlich! Mit einer guten Behandlung inklusive Infusion gegen die Dehydrierung plus einem umfangreichen Medikamentenpaket ist alles noch mal gutgegangen und wir können den Rückflug mit eintägiger Verspätung antreten. Shit happens! Glück im Unglück, wir waren in Saigon und hatten ein sauberes Hotelzimmer!

Auf Wiedersehen, Vietnam!

24 Vietnam: Abenteuer Delta 2

Am nächsten Morgen verlassen wir fast ungesehen das nette Hotel, der Typ hinter dem Tresen schläft wie ein Bär – auf dem Boden – und winkt bloß verschlafen ab. Wir stellen unser Gepäck einfach neben ihm ab und gehen – zum Busbahnhof. Schließlich schaffe ich es, die Mädels am Ticketschalter und die Wachmänner nach längeren Ausspracheübungen fröhlich aufmerken zu lassen – sie haben endlich Mekong verstanden! Hatte ich schon erwähnt, dass im Vietnamesischen jeder Vokal sechs verschiedene Tonhöhen hat, die alle etwas anderes bedeuten?!

Ohne alle weiteren Irrungen und Wirrungen, die noch folgten, näher aufzuführen: Irgendwann sitzen wir tatsächlich auf dem Sozius von zwei Motorrädern , die von einem Wachmann herbeitelefoniert und offensichtlich instruiert wurden. Jetzt beginnt der Tag langsam schön zu werden! Der Weg führt etliche Kilometer auf schmalen, von allen möglichen Obstbäumen und Palmen beschatteten Wegen an kleineren Nebenarmen des Mekong entlang. Richtig idyllisch, so wie man sich den Obst-und Gemüsegarten Vietnams vorstellt.

Allerdings scheint das ganze von den unzähligen Neben- und zwei Hauptarmen des Mekong durchzogene Delta durchgängig besiedelt, das ist uns schon gestern auf der Busfahrt aufgefallen. Endlose Siedlungen entlang der Straßen und Kanäle, unterbrochen nur gelegentlich von Reisfeldern oder Obstplantagen, auf denen Früchte wie Bananen oder Litschis wachsen, Gemüsefelder, Lotus-Zuchtteiche mit ihren wunderbaren lila Seerosenblüten. Doch trotz der Zersiedelung ist alles leuchtend grün und tropisch üppig. Ein großartiger Anblick nach soviel Trockenheit auf Phu Quoc! Hier gibt es endlich wieder blühende Bäume und Sträucher außerhalb von Blumentöpfen und Hotelgärten. Auch scheint es den Bewohnern vergleichsweise gut zu gehen, der Handel floriert. Auch die ärmlichen Blechhütten wirken in der schönen Umgebung längst nicht so trostlos wie anderswo.

Fast 4800 Kilometer und vier Länder hat der Mekong – von den Vietnamesen auch Fluß der neun Drachen genannt – hinter sich, wenn er sich hier ins Südchinesische Meer ergießt. Das Delta ist fast 75.000 Quadratkilometer groß und für Vietnam unglaublich wichtig. Allerdings hochgradig gefährdet vor allem dadurch, dass das Wasser stetig zurückgeht, weil China bereits zwei riesige Staudämme gebaut hat und sechs weitere im Bau oder geplant sind. Die Proteste der anderen Länder, für die der Mekong riesige Bedeutung hat, beeindrucken die Chinesen nicht. Auch Laos hat zwei solcher Bauwerke zu verantworten.

Tätsächlich landen wir nun an einer Anlegestelle, wo einige größere und kleiner Sampangs liegen, wie die flachen, überdachten Holzboote hier heißen. Ein smartes Bürschchen, das Englisch spricht (schon das macht uns glücklich!), verspricht und verkauft uns eine drei Stunden dauernde Tour zum schwimmenden Markt, auf den riesigen, schlammgelben Mekong inklusive einer Runde in einem ganz kleinen, einbaumähnlichen Böötchen auf einem schmalen Nebenfluß. Nur wir alleine! Ja! Geschafft! Unsere Stimmung ist eindeutig gestiegen mit der Überzeugung, dass uns unser Spürsinn für die Abenteuer jenseits des ganz dicken Mainstreams doch nicht verlassen hat.

Der schwimmende Markt hier ist leider nicht mehr allzu groß, auch hier übernehmen immer mehr moderne Großmärkte das Geschäft. Die Frachtschiffe sind schwer beladen mit Reis, Obst, Gemüse – und heute auch eins mit schnatternden Gänsen auf zwei Etagen unter Deck. Wenn ein Kunde interssiert ist, fährt er seitlich heran und die Fracht wird per Muskelkraft, oder mit eher kleinen Maschinchen von einem Schiff auf das andere umgeladen. Die Meisten leben auf ihren Schiffen, hinter dem Führerstand (wie heißt das eigentlich bei solchen Frachtkähnen?) hängt oft die Wäsche der Familie. Zwischen den Frachtkähnen schippern einige schwimmende Versorger herum, wie kleine Cafés oder Garküchen, die uns und die arbeitenden Menschen auf den Schiffen mit heißen und kalten Getränken und eben auch Eseen versorgen. Die meisten Kähne haben auf ihrem stumpfen Bug Augen aufgemalt. Lauter Flußgeister …

Na schön, zugegeben, so ganz ohne Tourikram haben wir es auch nicht hinbekommen. Nach der Fahrt über den schwimmenden Markt werden wir hilflos von unserem nichts verstehenden Käpt´n ein bisschen kaffeefahrtmäßig an verkaufsstrategisch günstigen Punkten zum Landgang aufgefordert. Aber es ist alles noch ganz spannend: ein Imker, eine Pop-Reis-Herstellung, eine Kokosbonbon-Manufaktur, ein paar Galerien daneben von einheimischen Künstlern. Und eine große , sehr vielfältige Plantage, in deren Mittelpunkt ein ansehnliches modernes Marmorhäuschen steht. Dort bekommen wir Tee und Obst serviert – und dann geht das Kulturprogramm der erweiterten Familie los, nur für uns. Volksliedchen mit typischen Instrumenten und eine wunderbar absurde laienspielmäßig untermalte Moritat aus dem fröhlichen Bauernleben. Großartig, diese Mischung aus Folklore-Kitsch und völlig überzogener Stand up Comedy!

In Rage versetzt hat uns dann allerdings zunächst die versprochene Fahrt mit dem kleinen Boot – sie ist 400 Meter und zehn Minuten lang. Bei unserer Rückkehr proben wir ein bisschen Aufstand bei unserem Bürschlein am Kai, so wenig haben wir nämlich für hiesige Verhältnisse nicht bezahlt, um uns widerspruchslos veräppeln zu lassen. Smartie ist entsetzt und reuig, wir weden noch einmal per Sampang zum Nebenflüsschen gefahren und nunmehr wenigstens eine halbe Stunde von einer Frau mit Kegelhut (den tragen hier tatsächlich noch ganz viele Frauen) durch den wirklich malerischen kleinen Wasserlauf gestakt. Friedlich, tropisch, idyllisch! (Man traut es sich kaum zu sagen: echt romantisch.)

Jetzt sind wir zufrieden, zumal Smartie uns nun auch noch zwei weitere bezahlbare Motorradtaxis vermittelt und abspricht, dass die Burschen mit uns das Gepäck aus dem Hotel holen und uns dann zum Busbahnhof bringen. Danke, Mekong, es war sehr schön, aber Saigon wartet!

23 Vietnam: Abenteuer Delta 1

Der Superdong bringt uns von Phu Quoc auf´s Festland, nach Rach Gia. Das Schnellboot wirkt irgendwie wie ein von der Sowjetarmee aus den 60er-Jahren geerbtes, auf Zivil umgerüstetes Personen-Transport-Schiff. Das Ding ist für die Insulaner die wichtigste Verkehrsverbindung, so sind neben ein paar Touristen vor allem Vietnamesen von der Oma mit der Gemüsekiepe bis zum Marinesoldaten auf Heimaturlaub an Bord. Das sorgt beim Ein-und Aussteigen für einiges Chaos, denn die Leute hier können ganz schön hektisch sein und werden dabei ganz schön laut! Wie ein verrückt gewordener Ameisenhaufen, der gerade das Sprechen entdeckt hat.

Bei fast arktischen Temperaturen in die alten Vinylsessel eingefercht, sind wir mangels Aussicht dazu verdammt, das Bordfernsehen zu genießen. Auf dem Programm steht neben einer Fünf-Minuten-Kurzfassung von Rambo 3 (in Asien!) ein nichtendenwollendes Ober-Super-Schnulzen-Schlagerprogramm mit Musikvideos von epischer Länge. Was zuerst noch skurril und lustig ist, geht einem nach gefühlten fünf, tatsächlichen zweieinhalb Stunden gehörig auf den Nerv.

Endlich sind wir in Rach Gia, wo wir mit einem kleineren Zubringerbus zum Busbahnhof gebracht werden, um von dort weiter ins Mekong-Delta zu fahren. Die meisten anderen wollen nach Saigon. Unser Ziel ist Cai Be, eine kleinere Stadt, wo es laut Reiseführer einen nicht zu überlaufenen, schwimmenden Markt geben soll sowie die Möglichkeit, einen Bootstripp auf Mekong und Nebenarmen zu unternehmen – ohne große Gruppen. Nach einer etwas nervigen Umsteigeaktion sind wir gut zehn Stunden nach unserer Abreise in Cai Be. In einem großen Busbahnhof irgendwo in Nirgendo, wo uns wirklich NIEMAND versteht.

Wir haben nicht mal eine Ahnung, ob es irgendwo eine Art Stadtzentrum gibt, ob das mit dem schwimmenden Markt stimmt, nichts. Und Auskünfte – Fehlanzeige. Irgendwann finden wir heraus, dass es ein Hotel gibt, einen knappen Kilometer vom Busbahnhof entfernt. Aber keine Motorradtaxis und auch keine Taxis – hierher kommt niemand. Und die Umgebung besteht aus einem vietnamesischen Highway und scheußlichen Häusern links und rechts davon. Na toll!

Wir hängen uns sämtliche Gepäckstücke um und keuchen los in der feuchten Hitze des Delta-Abends. Auf dem Standstreifen als Geisterläufer gegen den Verkehr. Aber bald hält eine Frau auf einem Roller an und bietet uns an, uns zu fahren. Einner nach dem anderen als Hallelujah-Tour mit schwankenden Gepäckbergen, vor und hinter uns. Gott – oder wem auch immer – sei´s gedankt, auch wenn sie anschließend ein unverschämtes Honorar verlangt.

Das Hotel ist ein versteckt liegender absurd großer Kasten, wo wir von drei nichts verstehenden Männern bestaunt werden. Immerhin ist klar, was wir wollen. Wir können uns ein Zimmer aussuchen, außer uns gibt es keine Gäste. Die billigste Kategorie verlassen wir nach fünf Minuten wieder – laut, schmuddelig, brutheiss, denn die Klimaanlage funktioniert nicht. Das zweite Zimmer ist auszuhalten, auch wenn wir Teddy-Bettwäsche ungenannten Waschdatums haben … wir haben ja Schlafsäcke mit.

Zum Abendessen laufen wir wieder zum Busbahnhof, in den örtlichen Lokalitäten trauen wir uns nicht zu essen. Danach versuchen wir im Internet herauszufinden, wie was wo wir morgen machen können … Ich gebe zu, ich bin etwas verzagt und nicht eben in Hochstimmung. Aber schließlich wird Miki fündig und findet den Namen des angeblichen Marktes, eine Art Karte dazu und ich lese in einem Reiseblog, dass in der Nähe eine Katholische Katedrale sein soll. Ob es uns nun morgen auch noch gelingt, das alles jemanden zu vermitteln und überhaupt eine fliegende Untertasse oder ein anderes Transportmittel zu finden?